Interview mit Christian Zöhrlaut von Sage

Native Cloud-Lösungen zunehmend im Fokus

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Stephan Augsten

Vor einem Jahr hatte CEO Steve Hare angekündigt, Sage als reine SaaS-Company zu positionieren.
Vor einem Jahr hatte CEO Steve Hare angekündigt, Sage als reine SaaS-Company zu positionieren. (Bild: gemeinfrei, niekverlaan / Pixabay)

Vor einem Jahr hatte CEO Steve Hare mitgeteilt, Sage als reine SaaS-Company positionieren zu wollen. Im Interview erläutert Christian Zöhrlaut von Sage, inwieweit dies umgesetzt werden konnte. Mittlerweile geraten zudem zunehmend Native Cloud-Lösungen ins Visier.

Herr Zöhrlaut, im Herbst 2018 hat CEO Steve Hare angekündigt, Sage als reine SaaS-Company zu positionieren. Der Weg dorthin sollte jedoch in den einzelnen Ländern entsprechend der jeweiligen Marktsituationen unterschiedlich sein. In welcher Phase der Transformation befindet man sich gerade in Deutschland?

Christian Zöhrlaut: In Deutschland haben wir momentan rund 250.000 Kunden. Etwa 17.000 davon haben eine Public-Cloud-Lösung im Einsatz. Ein weiterer kleinerer Anteil hostet seine Anwendungen in einer Private Cloud. Das heißt der größte Anteil unserer Kunden nutzen gegenwärtig Systeme, die Cloud-connected sind. Dabei handelt es sich um On-premise-Software, in die nach und nach Cloud-basierte Lösungen integriert werden. Hierfür werden über APIs Cloud-Services von uns und unseren Partnern angebunden. Office 365, PayPal oder Chatbots sind nur einige Beispiele für derartige Integrationen. Unser Ziel ist, den Anteil der Kunden, die eine native Cloud-Lösung nutzen, sukzessive zu erweitern.

Aus diesem Grund passen wir auch unser Portfolio entsprechend an. Ein wichtiger Schritt in diesem Zusammenhang ist der Umbau von Sage 100cloud Plus zu einer nativen Cloud-Lösung, der in etwa zweieinhalb bis drei Jahren abgeschlossen sein wird. Alle Funktionen, die Anwender heute bereits aus dem klassischen On-Premise-System kennen, werden auch in der Cloud-basierten Lösung enthalten sein. Auch das Datenmodell und die zugrundeliegende Datenbank werden die gleiche sein: Microsoft SQL in der Cloud. Auch die Schnittstellen zu den bestehenden Zusatz- und Branchenlösungen bleiben erhalten. Wir portieren die APIs mit den Lösungen direkt mit in die Cloud. Auf diese Weise besteht für unsere Kunden und Partner Investitionssicherheit.

Christian Zöhrlaut ist Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage.
Christian Zöhrlaut ist Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage. (Bild: Sage)

Sage bietet aber auch Systeme an, die über eine Multi-Cloud-Architektur gehostet werden und arbeiten dabei mit insgesamt drei Plattformen: Microsoft Azure, Amazon Web Services und Salesforce. Werden künftig beide Modelle weiter angeboten oder soll mittelfristig alles als SaaS angeboten werden?

Christian Zöhrlaut: Ein Großteil unserer Kunden arbeitet nach wie vor mit On-Premise-Systemen, in die rein Cloud-basierte Anwendungen integriert sind, wie zum Beispiel Office 365. Aus diesem Grund werden sogenannte Cloud-conncted-Lösungen auch künftig eine wichtige Rolle für uns spielen. Dies hat auch damit zu tun, dass wir unseren Kunden den sanften Einstieg in die Cloud ermöglichen wollen, indem diese beispielsweise vorhandene Desktop-Software weiter nutzen, ihre Systeme aber zunehmend mit Applikationen aus der Cloud erweitern. Ein Komplettaustausch der gesamten IT-Infrastruktur wird auf diese Weise vermieden und gleichzeitig der Weg Richtung Cloud konsequent weitergegangen.

Zugleich zeigt aber auch die Weiterentwicklung unseres Portfolios, dass native Cloud-Lösungen zunehmend in den Fokus rücken. Der Umbau von Sage 100cloud Plus hin zu einem reinen Cloud-System ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Meilenstein. Wir setzen hierbei auch weiter auf unsere strategischen Partnerschaften mit Microsoft, AWS und Salesforce. Das heißt Multi-Cloud-Architekturen wird es auch in Zeiten rein Cloud-basierter IT-Infrastrukturen geben, wenn beispielsweise das HR-System auf Saleforce läuft und die ERP-Lösung in der Microsoft Azure Cloud gehostet wird.

Die Personalsoftware Sage HR Suite Plus wird oft auf Microsoft Azure gehostet, die Finanzlösung Sage Business Cloud Finanzen auf Salesforce. Gleichzeitig könnte es sein, dass Kunden mit Sage 100cloud noch eine On-Premise Lösung im Einsatz haben, die aber auch über verschiedene Schnittstellen zu weiteren cloudbasierten Anwendungen verfügt. Welche Verfahren und Techniken stellen sicher, dass Daten sicher von einer Cloud in die andere verschoben werden?

Christian Zöhrlaut: Das Thema Sicherheit beim Datentransfer wird von mehreren Aspekten bestimmt. Da spielt zum einen natürlich die physische Sicherheit der Rechenzentren eine wichtige Rolle. Aber auch die Netzwerksicherheit, die Zugriffssicherheit und die Anwendungssicherheit sind wichtige Faktoren. Letzten Endes ist es aber auch die Sicherheit der Daten selbst, die gewährleistet sein muss. Dies geschieht zum einen über Verschlüsselungsverfahren und die Art und Weise wie die Daten auf dem Server gespeichert werden.

Im Fall der Client-Kommunikation mit dem Server als einem Szenario, in dem Daten in Rechenzentren ein- und ausgehen, können etwa SSL/TLS-Verbindungen verwendet werden, die mit 2048-Bit-Schlüsseln hergestellt werden. Aber auch für Daten im Ruhezustand, also die Speicherung auf dem Server selbst, gibt es Verschlüsselungsverfahren. So können Daten auf einem Datenträger beispielsweise mit BitLocker verschlüsselt werden. Diese Dateiverschlüsselung kann aber noch weiter gehen, indem etwa ein eindeutiger Schlüssel für jede Datei eingeschlossen wird.

Darüber hinaus kann auch jede Aktualisierung einer Datei mit einem eigenen Schlüssel verschlüsselt werden. Vor der Abspeicherung werden die Schlüssel für die verschlüsselten Inhalte an einem vom Inhalt separaten Speicherort abgelegt. Jeder Schritt der Verschlüsselung kann in diesem Zusammenhang beispielsweise auch erweiterte Verschlüsselungsstandards (AES) mit 256-Bit-Schlüsseln verwenden. Die Datensicherheit wird darüber hinaus zusätzlich erhöht, wenn die verschlüsselten Inhalte auf einer Reihe von Containern im gesamten Rechenzentrum verteilt werden, wobei jeder Container selbst wiederum eindeutige Anmeldeinformationen besitzt. Diese Anmeldeinformationen sollten dann aber in einem vom Inhalt oder den Inhaltsschlüsseln separaten physischen Speicherort gespeichert werden.

Sage betreibt die sukzessive Integration von Microsoft Office 365 als Microservice und OneDrive als Container in seine Lösungen, so Zipser. Können Sie das näher erläutern?

Christian Zöhrlaut: Im Zuge der Integration von Office 365 und OneDrive in eine Lösung werden die Kundendaten aus dem System in die Microsoft Azure Cloud ausgelagert und auf diese Weise den Office-Anwendungen zur Verfügung gestellt. Die Kommunikation und der Datenaustausch zwischen dem System selbst und den Office-Anwendungen in der Cloud erfolgt über die Microsoft Graph API. Durch die Integration stehen dem Anwender fünf verschiedene Apps zur Verfügung, die effizientere Workflows ermöglichen.

So werden etwa mit Sage Contact die Kundendaten des Systems in Outlook 365 integriert und direkt in der Anwendung angezeigt. Bekommt ein Anwender beispielsweise von einem Kunden eine E-Mail mit einer Rückfrage zu einem gerade laufenden Projekt, werden zusätzlich zu den Mail-Inhalten auch gleichzeitig alle kunden- und projektrelevanten Informationen im gleichen Fenster mit ausgegeben. Der User hat damit direkten Zugriff auf alle Dokumente und Belege, die Transaktions-Historie, aktuelle Salden, Kontakt- und Adressdetails, offene Posten und alle Zahlungen. Dies führt insgesamt zu weniger Rückfragen in der Korrespondenz mit dem Kunden und zu schnelleren Reaktionen im Informationsaustausch mit dem Geschäftspartner.

Mit Sage Cloud Backup können Anwender ihre Daten automatisch auf Microsoft OneDrive sichern und bei Bedarf auch einfach wiederherstellen ohne dass zusätzliche Kosten für Cloud-Backup-Services entstehen. Sage Capture ermöglicht es, Belege mobil, etwa mit dem Smartphone, zu erfassen und diese direkt zur Verbuchung an das System zu übermitteln. Gleichzeitig werden die Belege automatisch in Microsoft OneDrive gespeichert, sodass der Anwender jederzeit flexibel auf diese Daten zugreifen kann. Mit dem Sage Business Performance Dashboard können Geschäftskennzahlen in Office 365 exportiert und auf einen Blick angezeigt werden. Der User hat auf diese Weise stets seine Geschäftsentwicklung im Blick – sowohl am stationären PC, als auch auf mobilen Endgeräten. Mit Sage Intelligence ist es zudem möglich, Finanzberichte in Excel 365 zu exportieren und in diesem Format weiterzuverarbeiten.

Die Integration von Office 365 ist bei Sage 50cliud bereits vollständig abgeschlossen und wird sukzessive auf weitere Systeme ausgerollt.

Sage 50cloud ist an Microsoft Office 365 angebunden, wodurch sich der User in Sage 50cloud selbst ein Office-Dashboard einrichten kann ohne die Anwendung verlassen und zu einem externen System wechseln zu müssen. Technisch gesehen werden hier Workloads von A nach B portiert, also zum Beispiel von Office 365 in der Cloud hin zur Anwendung selbst, in die der Cloud-Service integriert ist – in diesem konkreten Fall die Desktop-Anwendung Sage 50cloud. Können Sie das näher erläutern? Welche Tools und Verfahren werden angewendet?

Christian Zöhrlaut: Sage 50cloud verwendet mit Sage Overdrive einen von unseren Kollegen aus Großbritannien entwickelten Framework, welcher mit Office 365 in der Cloud kommuniziert. Dafür werden die von Microsoft zur Verfügung gestellten APIs wie Graph API angesprochen. Diese ermöglichen die Übertragung der Daten von Desktop-Anwendungen in die Cloud, beispielsweise zu Office 365. Microsoft Graph ist damit das Gateway zu Daten und Informationen in Microsoft 365. Entwickler können so über ein einheitliches Programmiermodell auf Daten in Office 365, Windows 10 und Enterprise Mobility + Security zugreifen.

Christian Zöhrlaut, ist Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage.

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