Die führenden Technologie- und Cloud-Plattformen sind quelloffen

Kein Cloud Computing ohne Open Source Software

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Die führenden Technologie- und Cloud-Plattformen setzen auf quelloffene Lösungen.
Die führenden Technologie- und Cloud-Plattformen setzen auf quelloffene Lösungen. (Bild: © WrightStudio - stock.adobe.com)

Wer erinnert sich noch an die Linux-Kriege Ende der 90er bis Ende der 2000er Jahre? Da kämpften die selbsternannten Krieger des Lichts beziehungsweise des Pinguins / Linux gegen die dunkle Seite der Macht (aka Windows / Microsoft). Das war eine ernste Angelegenheit, die Emotionen kochten hoch. Diese Situation eingedenk überrascht die heute so starke Stellung von Open Source Software (OSS) im Umfeld der Business-Software.

Aus Feinden sind Freunde geworden, heute trägt OSS wichtige Komponenten zum Cloud Computing, IoT, Big Data & Analytics oder auch im Mobile Computing bei . Selbst Microsoft hat seinen Frieden mit den ehemaligen Erzfeinden geschlossen. Trotz berechtigter Einwände hat das gute Gründe:

Vorteil Community

„Plattformen wie Android, Hadoop oder Kubernetes folgen allesamt dem Open Source Paradigma und haben so schnell eine große Community entwickeln können, welche die Services weiterentwickelt und sicherer macht“, stellt Crisp-Analyst Maximilian Hille dazu fest. Die Stärke der OSS seien die jeweiligen Communities: „Grundsätzlich ist es das Ziel von Open Source, durch quelloffene Plattformen gemeinsam mit einer großen Community Lösungen zu entwickeln, die hinsichtlich Sicherheit, Innovationsgrad, Verbreitung und somit auch Standardisierbarkeit besonders schnell wachsen. Dennoch können die Nutzer von Open Source Software die Module für sich selbst individualisieren und weiterentwickeln, sodass einzelne Distributionen oder Flavours entstehen, die einen individuellen Need optimal abbilden können.“

Der Ruf der Community ist hervorragend: „Das Konkurrenzdenken weicht hier stärker einer gleichberechtigten und pro-aktiven Hilfe-Kultur, die nachweislich dazu führt, neue Innovationen schneller und erfolgreicher an den Markt zu bringen“, so Hille.

Beispiel OpenStack

Fangen wir an der Basis der Cloud an, auch und gerade diese ist mittlerweile quelloffen. Die Open Telekom Cloud etwa baut wie vergleichbare Angebote auch auf die OpenStack-Architektur: Das offene Softwareprojekt macht es möglich, dass Firmen die Open Telekom Cloud als schnellen, temporären Speicher zur Überbrückung von Engpässen nutzen. Der Clou: Dank OpenStack ist ein sogenannter „Vendor-Lock-in“ ausgeschlossen.

OpenStack sorgt zudem dafür, dass der von der Telekom offerierte Elastic Cloud Server horizontale und vertikale Skalierung unterstützen. Anwender können den Typ einer gebuchten virtuellen Maschine jederzeit ändern oder aber die Anzahl der Elastic Cloud Server manuell oder regelbasiert via Auto-Scaling anheben/senken – alles dank OpenStack.

OpenStack besteht heute aus einer Vielzahl an Komponenten und Funktionen, drei Kernkomponenten bilden jedoch die Basis der OpenStack-Architektur: Compute, Storage und Netzwerk.

  • Compute: „Nova“ ist die OpenStack-Komponente, die die Computing-Ressourcen verwaltet. Virtuelle Maschinen können mit Nova gestartet und stillgelegt werden.
  • Storage: Mit der Komponente „Swift“ wird Object Storage möglich, mit „Glance“ die Speicherung und Wiederherstellung von Festplatten-Images für virtuelle Maschinen.
  • Netzwerk: Die Komponente „Neutron“ erlaubt Network-Connectivity-as-a-Service, wie sie für andere OpenStack-Services wie Compute benötigt wird.

Verbunden werden diese drei Kernelemente durch den zentralen Authentifizierungsdienst „Keystone“. Er erlaubt Anwendern etwa eine Anmeldung in der Cloud, um virtuelle Maschinen starten zu können. Diese drei Komponenten und Keystone reichen aus, damit Unternehmen die Berechtigungen der Cloud-Nutzer flexibel verwalten können. Und so ist es dann auch möglich, in der Hybrid Cloud die besten Eigenschaften von Public und Private Cloud zu vereinen.

„OpenStack ermöglicht es den Anwendern nicht nur, technologisch unabhängig zu bleiben, einen so genannten Vendor Lock-in zu vermeiden, sondern auch eigenes Know-how aufzubauen und die Plattform weiterzuentwickeln. Mit der Open Telekom Cloud haben wir OpenStack massenmarkt-tauglich gemacht. Jeder Geschäftskunde, ob groß oder klein, kann unabhängig von seinem IT-Know-how von den Vorteilen unserer Cloud profitieren. Das haben uns Kunden auf unseren letzten OpenStack Summits bestätigt“, so Frank Stecker, Senior Vice President Cloud Partner Products & Ecosystems und damit verantwortlich für das weltweite Cloud-Geschäft der Deutschen Telekom.

Erfolgsfaktor für das Unternehmenswachstum

Crisp-Analyst Hille fordert Manager dazu auf, „offene, flexible und gemeinschaftliche Strukturen aufzubauen“ und die Open Source-Bewegung „beinahe symbiotisch“ in der eigenen Unternehmens- und Leitkultur zu verankern. Denn eine so gewonnene agile IT-Infrastrukturlandschaft inklusive neu entwickelter digitaler Produkte und Services könnten sich „als wesentlichen Umsatz- und Wachstumstreiber der Zukunft“ erweisen. Für die Unternehmen bedeutet dies, sich den Paradigmen der OSS-Community anzupassen. Folgende Vorteile würden damit erzielt:

  • Vernetzung, Integration und Variabilität. IT-Infrastrukturen der nächsten Generation werden Code-basiert, Software-defined und damit automatisierbar. Mit Infrastructure as Code (auf Open Source Basis) können entsprechend wiederverwendbare Bausteine entwickelt werden.
  • Der Einsatz von Open Source-Tools machen Unternehmen attraktiv für Entwickler, die an ihren Aufgaben wachsen und selbst etwas hinterlassen wollen.
  • Neue digitale Produkte und Services auf OS-Basis leisten einen entscheidenden Erfolgs- und Wachstumsbeitrag im Unternehmen.
  • Durch die Verbindung zur Open Source-Community sind Unternehmen deutlich näher an den Trendsettern der Hightech-Welt dran.

Die Plattform ist entscheidend

Container Services wie Docker und das Management-Framework Kubernetes sind derzeit die heißesten Open Source- und Cloud-Trends im Business-Umfeld. Die Cloud-Native-Computing-Foundation (CNCF) ist derzeit einer der größten Innovationstreiber im Cloud- und Digitalisierungsumfeld. Die Tools und Services sind anerkannt stabil, die Cloud Plattform-Anbieter verzichten deswegen überwiegend darauf, eigene, tendenziell proprietäre Platform-Services zu offerieren. Im Alltag finden sich vielmehr gemanagte Open Source Lösungen, die wie ein Platform-Dienst von den Anbietern angeboten werden.

„Die höchste Stufe des Open Source-Commitments ist ein eigener Marketplace im Kubernetes-Umfeld, der direkt ein fertiges Kubernetes Cluster mit zahlreichen, zuschaltbaren Open Source Tools aufbauen lässt ohne einen einzigen nativen Platform-Service des Anbieters zu nutzen“, berichtet Hille.

Unternehmen sollten daher seiner Meinung nach bei der Umstellung ihrer IT-Landschaft Open Source als wichtigen Kernbaustein betrachten. „Dazu zählt auch die kulturelle Umstellung sowie der Einbezug von Open Source bei der Technologie- und Plattformwahl im Cloud Computing-Umfeld“, so Hille weiter.

Crisp hat in seinem Strategiepaper „Open Source und die Digitale Transformation“ (in Kooperation mit SuSE) Praxistipps zusammengefasst und Wege hin zu einer „Open Source-inspirierten Company“ aufgezeigt.

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