Orchestrierung, Management und Administration

In fünf Schritten zur Multi-Cloud

| Autor / Redakteur: Mike Bushong* / Florian Karlstetter

Orchestrierung, Management und Administration: allesamt wichtige Voraussetzungen für den Aufbau von Multi-Cloud-Umgebungen.
Orchestrierung, Management und Administration: allesamt wichtige Voraussetzungen für den Aufbau von Multi-Cloud-Umgebungen. (Bild: © Creativa Images - stock.adobe.com)

Clouds wandeln sich immer öfter in Multi-Clouds – sie sind sozusagen die Zukunft der Enterprise-Netzwerke. Viele Unternehmen planen daher momentan ihre Migration von Legacy- zu modernen Architekturen. Manche werden dies mit einer Art “Big Bang”, sprich: in einem einzigen großen Schritt, realisieren. Erfolgreicher sind Organisationen hingegen, wenn sie langsamer vorgehen und die kontinuierlichen Veränderungen der Unternehmens-IT nutzen, um Prozesse und Anwendungen in die Multi-Cloud zu verlagern.

Es gibt unterschiedliche Wege zur Multi-Cloud, auf Basis von fünf Schritten können Unternehmen das Multi-Cloud-Potenzial jedoch ideal ausschöpfen.

Das zugrunde liegende Netzwerk muss Multi-Cloud ready sein

Die Multi-Cloud bedeutet eine Reihe betrieblicher Veränderungen. Dazu gehört auch, dass verteilte Ressourcen als eine umfassende Infrastruktur verwaltet werden – und macht eine Over-the-Top-Orchestrierung sowie End-to-End-Automation über das gesamte Unternehmensnetzwerk hinweg erforderlich – vom Rechenzentrum über Public Clouds bis hin zu Cloud-Zugängen in Niederlassungen und auf dem Campus.

Das ist aber nur möglich, wenn das darunter liegende Netzwerk in der Lage ist, sich in eine End-to-End-Orchestrierungsplattform zu integrieren. Organisationen, die Multicloud-Netzwerke implementieren möchten, sollten daher zunächst ihre Underlays Multi-Cloud ready zu machen. Dazu sollten sie zwei Dinge beachten. Zum einen sollten sie über offene APIs verfügen, mit denen sich die Geräte programmieren lassen. Dazu gehören standardisierte Schnittstellen wie NETCONF. Dies ist zwingend notwendig, denn ohne diesen umfangreichen Support aller Devices innerhalb einer Multi-Cloud-Architektur verfügt die Orchestrierungsebene nicht über die notwendige Reichweite. Zweitens spielt Automation in der Multi-Cloud eine wichtige Rolle. Daher müssen alle Geräte Streaming-Telemetrie in Echtzeit unterstützen, die Standards wie gRPC nutzen.

Kein Unternehmen ist in der Lage, seine komplette End-to-End Netzwerk-Infrastruktur in einem Schritt zu ersetzen. Sie sollten daher jeden Refresh und jede Erweiterung nutzen, um das Underlay Multi-Cloud ready zu machen.

Offene Fabrics über Rechenzentrum und Campus hinweg einführen

Netzwerk-Fabrics ermöglichen Betreibern, Gerätegruppen als eine einzige Einheit zu verwalten. Die in diese Fabrics integrierte Automation bietet eine solide Grundlage für eine automatisierte Infrastruktur, die als Multi-Cloud betrieben werden kann. Das Ziel für die Einführung von Fabrics ist jedoch nicht nur eine höhere Netzwerk-Abstraktion. Organisationen sollten ihre Infrastruktur vielmehr vereinheitlichen, indem sie offene Protokolle nutzen, die heterogene IT-Fabrics unterstützen. Dank der Implementierung von EVPN können Netzwerk-Teams IP-Fabrics in einer Multi-Vendoren-Welt einsetzen. Damit liefern sie eine einheitliche Underlay-Technologie, auf denen sich Overlays verwalten lassen.

Dies reduziert die Anzahl unterschiedlicher Protokolle, die von der Basis-Infrastruktur genutzt werden. Unternehmen können dadurch ihren Underlay vereinfachen – der erste Schritt hin zu einer Underlay-Overlay-Management-Lösung.

Controller-basiertes Management einführen

Die Orchestrierung muss rechtzeitig auf eine zentrale Plattform migriert werden. Es mag möglich sein, den Sprung von einem größtenteils CLI-basierten Betrieb auf eine SDN-Orchestrierung zu schaffen. Dieser Wechsel ist doch deutlich mehr als ein reiner Technologie-Austausch. Bislang wurden Netzwerke durch eine präzise Kontrolle von Tausenden Konfigurationsknoten verwaltet. Ein zentralisiertes Management ist daher ein komplett neues Betriebsmodell. Eine Intent-basierte Verwaltung verlangt von Teams eine deutlich höhere Abstraktion – und bedeutet damit signifikante Veränderungen für die Mitarbeiter, zum Beispiel durch neue oder angepasste Prozesse.

Controller-basiertes Management im Rechenzentrum oder auf dem Campus erlaubt IT-Teams, sich an die unterschiedlichen Betriebsarten zu gewöhnen. Die ausgewählte Plattform sollte allerdings in einer Multi-Cloud Umgebung arbeiten. Damit ist gewährleistet, dass die Infrastruktur nicht ausgetauscht werden muss, um das gesamte Netzwerk End-to-End managen zu können.

Teams an Public Cloud Workloads heranführen

Public Cloud Workloads werden ein Bestandteil von Multi-Clouds sein. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin ist die Migration einiger ausgewählter Anwendungen in der Cloud. Für die meisten Unternehmen ist der Wechsel in eine Public Cloud mit der Frage verbunden, welche Applikationen sie transferieren. Am einfachsten ist es beispielsweise, Workloads aus einer Private Cloud in eine Public Cloud zu portieren. Damit erhalten Organisationen aber keine deutlichen Kosteneinsparungen oder eine höhere Flexibilität. Der größte Vorteil: Die Teams können sich einarbeiten und wissen, welche Werkzeuge sie in der Public Cloud nutzen sollten. Die Konnektivität zwischen Rechenzentren und virtuellen Private Clouds (VPC) erlaubt den IT-Mitarbeitern beispielsweise, ihre Orchestrierungsplattform in die Cloud zu erweitern. Die Arbeit mit Templating-Werkzeugen wie CloudFormation von AWS oder TerraForm bietet Teams auch die Gelegenheit, mit Tools zu arbeiten, die sich für DevOps nutzen lassen.

Unternehmen sollten darüber hinaus verschiedene Public Clouds testen. Damit können sie ein maßgeschneidertes Betriebsmodell entwickeln, dass ihre Richtlinien unterstützt und die unterschiedlichen Umgebungen kontrolliert. Idealerweise lässt sich die Orchestrierungsplattform auf verschiedene Private Clouds erweitern – und bietet Organisationen damit die Gelegenheit, eine Multi-Cloud zu betreiben.

Infrastruktur instrumentalisieren

Der Betrieb von Multi-Clouds verlässt sich deutlich stärker als traditionelle Infrastrukturen auf Automation. Die Logik hinsichtlich Automation ist einfach: etwas sehen und entsprechende Aktionen einleiten. Dies bedeutet eine weitere Anforderung an die Orchestrierungsebene. Absicht und Umsetzung kümmern sich um den Aktionsteil der Automation. Es besteht aber Abhängigkeiten auf der „etwas sehen“ Seite, wenn Unternehmen wirklich agil innerhalb einer Multi-Cloud-Umgebung sein wollen. Jede Orchestrierungsplattform unterstützt eine End-to-End-Visibilität – und nur wenn Visibilität und Orchestrierung miteinander verknüpft werden, lässt sich das neue Betriebsmodell bestmöglich nutzen.

Die Migration in die Multi-Cloud ist mehrstufig: Unternehmen, die es ernst mit dem Wandel meinen, nutzen jede sich bietende Gelegenheit – jede Erweiterung und jede Aktualisierung – um neue Werkzeuge, Systeme und Prozesse einzuführen und so Multi-Cloud ready zu werden. Die Betriebsteams in die Diskussion über die Architektur einzubeziehen, ist ein guter Startpunkt. Unternehmen sollten sich außerdem entscheiden, welche Tools, Erhebungsmechanismen und Event-driven Infrastruktur sie für eine entsprechende Visibilität und für die Behebung von Fehlern benötigen.

Umgebung zusammenstellen

Mike Bushong, Vice President, Enterprise and Cloud Marketing, Juniper Networks.
Mike Bushong, Vice President, Enterprise and Cloud Marketing, Juniper Networks. (Bild: Michael Hawk © 2017 / Juniper Networks)

Unternehmen müssen vor allem verstehen, dass der Weg zur Multi-Cloud ein längerfristiges Engagement erfordert. Daher sollte das Projekt in eine Reihe individueller Schritte aufgeteilt werden, die das Team nicht überfordern. Die Technologie alleine kann auf den ersten Blick etwas einschüchternd wirken. Die größten Veränderungen erwarten aber die Mitarbeiter, die für den Betrieb der Infrastruktur verantwortlich sind. Die Silos, die Teams für Jahrzehnte definiert haben, müssen sich auflösen. Das erfordert nicht nur eine vollkommen andere Art des Betriebs, sondern auch der Organisation. Der Weg zur Multi-Cloud ist definitiv nicht einfach. Wenn Unternehmen ihre Chancen jedoch nutzen und damit Multi-Cloud ready werden, profitieren sie davon langfristig.

Der Autor: Mike Bushong, Vice President, Enterprise and Cloud Marketing, Juniper Networks.

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