Netzarchitektur für Unternehmen und Provider

Huawei präsentiert All-Cloud-Strategie

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Florian Karlstetter

Kevin Hu, Präsident der Enterprise Switch and Gateway Product Line von Huawei, erklärt die anlässlich eines Presse-Roundtable die Funktion von CloudEPN.
Kevin Hu, Präsident der Enterprise Switch and Gateway Product Line von Huawei, erklärt die anlässlich eines Presse-Roundtable die Funktion von CloudEPN. (Bild: Rüdiger)

Die Cloud in ihren verschiedenen Formen ist die Grundlage zukünftiger IT-Infrastrukturen. Auf der Cebit präsentierte Huawei seine Variante einer All-Cloud-Strategie die dazu gehörenden neuen Produkte und Lösungen.

Laut IDC sollen schon 2020 die Hälfte aller Infrastruktur-Anwendungen wie Produktionsplanung und –steuerung oder Bürolösungen Cloud-basiert sein. Das werde auch die Kommunikationsstruktur in den Unternehmen gravierend verändern: Während sich heute rund 80 Prozent des Unternehmens-Netzverkehrs im LAN abspielen und nur 20 Prozent im WAN, soll sich dieses Verhältnis durch die Cloud umdrehen: 80 Prozent des zukünftigen Unternehmens-Datenverkehrs passiert dann ein WAN, nur noch 20 Prozent müssen lediglich durchs LAN laufen, um ihr Ziel zu erreichen.

Auf diese Situation stellt sich Huawei, inzwischen zu einem ernsthaften weltweiten Wettbewerber von Cisco und anderen Netzanbietern gereift, mit einer All-Cloud-Strategie ein, die auf der Cebit verkündet und mit neuen Produkten unterfüttert wurde. Unternehmen sollen dadurch bei der Migration zu voll digitalisierten Geschäftsmodellen unterstützt werden, Provider die Chance erhalten, Ende-zu-Ende-Services anzubieten und während ihres gesamten Nutzungszyklus zu betreuen.

Huaweis Modell umfasst drei Schichten: Die unterste verbindet Menschen, Dinge, Daten und Anwendungen mit dem Netz. Die mittlere, eine offene Cloud-Plattform mit entsprechendem Management, verteilt und überwacht die vorhandenen Ressourcen zentral, so dass Services einfacher als bisher bereitgestellt, verwaltet und skaliert werden können. Die oberste Schicht bilden sogenannte „Social Industry Applications“. Sie sollen Applikationen und Daten in den Kontext der gesamten Infrastruktur und der Nutzer einbinden und sie gemeinsam verwendbar machen. Dafür hat dieser Level offene Schnittstellen für Applikationen, die durch Dritte, beispielsweise Spezialisten für bestimmte vertikale Branchen, entwickelt werden sollen.

Im einzelnen unterfüttert Huawei diese Strategie mit folgenden Lösungen und Produkten:

CloudCampus verwaltet Campus-Netzwerke komplett aus der Cloud. Gleichzeitig ist es auch möglich, Teile des Netzes und der Dienste lokal zu managen, wenn das nach den Gegebenheiten sinnvoller ist. Zwischen lokalem und lokalem Management können Anwender umschalten. Resultat soll eine Verringerung der Betriebskosten um 80 Prozent sein. so dass Provider mehr verdienen. Für einen komplett drahtlosen Zugang zu solchen Infrastrukturen präsentierte Huawei eine Serie neuer Access Points mit unterschiedlichen Einsatzgebieten. AP4050DN-HD beispielsweise eignet sich für Innenräume mit hoher Nutzerdichte. Das Gerät hat spezielle Richtungsantennen, mit denen um die Hälfte mehr Nutzer gleichzeitig auf die Infrastruktur zugreifen kann und wiegt weniger als ein Kilo.

CloudFabric, ein Managementsystem für das Unternehmens-Cloud-Netzwerk, soll mittels einer offenen Architektur Servicebereitstellung und Fehlerlokalisierung stark beschleunigen. Die Lösung basiert auf Huaweis Cloud-Engine-Switchserie und dem Agile Controller. Physische und virtuelle Maschinen sowie Container können auf die Infrastruktur zugreifen. Datenpfade werden periodisch gescannt und Fehlerlokalisierungen als Heat Map dargestellt. Im Bereich Cloud Fabric arbeitet Huawei mit VMware, OpenStack, Microsoft, RedHat, F5, Checkpoint und den Open-Source-Projekten Puppet und Ansible zusammen. Der Agile-Controller kann mit dem von der Linux-Foundation entwickelten Open-Daylight-Controller integriert werden.

Für die meisten Verbindungstypen und Protokolle gerüstet

Cloud EPN (Enterprise Private Network) stellt mit Hilfe des Agile-Controllers auf Zuruf Verbindungen zwischen Unternehmensniederlassungen her. Dazu passend zeigte Huawei auf der Cebit seine SD-WAN-Lösung. Dazu gehören Geräte für die Installation bei den Endanwender, etwa in Niederlassungen, die viele unternehmensübliche WAN-Schnittstellen integrieren, zum Beispiel LTE, 3G, G.fast oder Dark Fiber. Damit lassen sich Verbindungen mit unterschiedlichen Protokollen realisieren und kombinieren, um vor Ort die jeweils die notwendigen Internet-Connectivity bereitzustellen.

„Anwender können diese Geräte durch Anstecken und bloßes Anklicken eines Links mit dem Smartphone oder durch das Scannen eines Barcodes auf dem Gerät initialisieren. Sie verbinden sich dann automatisch mit dem zentralen Controller. Händische Konfigurationen entfallen“, erklärte Kevin Hu, Präsident der Enterprise Switch and Gateway Product Line von Huawei anlässlich der Cebit vor der Presse. Zentrales Gegenstück dazu ist Huaweis SDN-Controller Agile, der die unterschiedlichen Anbindungen ins Gesamtnetz einbindet, den Verkehr auf der Verbindung entsprechend den Anforderungen der einzelnen Anwendungen steuert und fürs Management das gesamte Netz auf einer Karte visualisiert. Mehr als 6000 einzelne Applikationen werden erkannt.

Cloud DCI (Data-Center Interconnect) baut anforderungsgesteuert ein Netzwerk auf, das die unterschiedlichen Rechenzentren von Unternehmen oder Providern über Cloud Services verbindet.

EC-IoT (Edge-Computing-IoT-Lösung) schließlich besteht aus Terminal-Kommunikations-Modulen, mit denen mehrere IoT-Endgeräte in die Infrastruktur eingebunden werden können, den Edge-Computing-Gateways der AR500-Serie für die Servicebereitstellung und dem Agile-Controller als Verbindung zur Applikations- und Netzmanagementebene.

Das Edge-Gateway kann mit Datenanalysemechanismen ausgerüstet werden, tiefergehende Analysen finden in der Cloud statt, Wichtigste Anwendungsgebiete sind vorbeugende Wartung und Fehlerbeseitigung in Infrastrukturen. In die Gateways am Edge ist standardmäßig Containertechnologie integriert. Im Bereich Edge Computing kooperiert Huawei mit dem Edge Computing Consortium (ECC), einem Verband von rund 60 Herstellern.

Überlagernde Sicherheitslösung

Das alle Komponenten überlagernde Sicherheitssystem ist lernfähig und verspricht selbst-immunisierenden Schutz. Es kombiniert spezielle Sicherheitsanwendungen mit einer Analyse aller sicherheitsrelevanten Vorgänge und der Sicherung der Netzverbindungen. Am Netzwerkrand des jeweiligen Kunden implementierte, mit Big-Data-Analysemethoden arbeitende virtuelle Maschinen sollen Auffälligkeiten schnell erkennen.

12 Typen strukturierter und unstrukturierter Daten werden erkannt. Einzelne VMs lassen sich isolieren, wenn sie sich auffällig verhalten. Der Hersteller reklamiert eine Detektionsgenauigkeit von 99 Prozent. Anwender können Sicherheitsservices über ein Selbstbedienungsportal aktivieren. Verschlüsselte Datenströme werden erkannt und besonders verwaltet. Die Kosten für das Sicherheitsmanagement sollen durch die Lösung um ein Drittel sinken.

Auf der Messe verkündete Huawei auch eine Partnerschaft mit Honeywell. Zusammen mit dem Hersteller möchte Huawei Lösungen für intelligente Gebäude und Städte auf Basis seiner All-Cloud-Strategie bereitstellen. Weitere Pilotkunden, die Komponenten aus der All-Cloud-Strategie verwenden, sind der nigerianische Stromprovider Ikeja Electric (IoT), der chinesische WiFi-Provider FreeWiFi8 und die Ladenkette 7-Eleven Malaysia. Damit erzielt Huawei Marketingerfolge in bevölkerungsstarken Ökonomien, die, eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung vorausgesetzt, hohe Umsatzpotentiale bieten.

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