Global Software Market Perspectives von GP Bullhound

Der SaaS-Markt in Bewegung

| Autor / Redakteur: Julian Riedlbauer / Florian Karlstetter

Der „Software-as-a-Service-Report“ von GP Bullhound bietet einen Überblick über aktuelle Markttrends.
Der „Software-as-a-Service-Report“ von GP Bullhound bietet einen Überblick über aktuelle Markttrends. (Bild: GP Bullhound)

Künstliche Intelligenz und Software Asset Management liegen im Enterprise-Segment und Paid Content im Consumer-Segment im Trend. Das geht aus dem Software-as-a-Service-Report von GP Bullhound hervor.

Softwarelösungen als Services zu nutzen (SaaS), hat sich in den letzten Jahren in beinahe allen Branchen etabliert. Entsprechend groß ist die Anzahl der Anbieter und Software-Lösungen. Mit dem vierteljährlich erscheinenden „Software-as-a-Service-Report“ gibt die internationale Technologie-Investmentbank GP Bullhound einen Überblick über besonders prägnante Markttrends und listet Übernahmen und große Investitionen in SaaS-Firmen auf. Hier die wichtigsten aktuellen Erkenntnisse.

Der SaaS-Markt hat eine beachtliche Gesamtgröße erreicht und ist nach wie vor stark in Bewegung. Allein für die Top-20-SaaS-Unternehmen errechnet GP Bullhound eine Marktkapitalisierung von etwa 394 Milliarden US-Dollar. Unangefochten dabei seit Jahren an der Spitze: Salesforce. Das 1999 gegründete Unternehmen mit Sitz in San Francisco ist auch hierzulande vor allem bekannt für seine CRM-Lösungen, die ausschließlich als SaaS-Produkt angeboten werden. Salesforce verfügt über eine Marktkapitalisierung von ca. 121 Milliarden Dollar, fast doppelt so hoch wie vor einem Jahr.

Mit kontinuierlich starkem Wachstum hat es der Finanzdienstleister Square mit einer Marktkapitalisierung von über 40 Milliarden US-Dollar auf den zweiten Platz der Rangliste geschafft. Das Kerngeschäft des Unternehmens sind mobile Bezahldienste, die es Händlern und Dienstleistern mittels Kartenlesern für Smartphones und Tablets ermöglichen, bargeldlose Zahlungen anzunehmen. Auf den Plätzen drei und vier finden sich zwei Branchen-Schwergewichte mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung: ServiceNow (Marktkapitalisierung 34,7 Milliarden US-Dollar) adressiert mit seiner Service-Management-Plattform vor allem Unternehmen des IT-Sektors. Workday (Marktkapitalisierung 31,7 Milliarden US-Dollar) hingegen erwirtschaftet seinen Umsatz im etwas kleineren Personalmanagement-Markt.

Starker Wettbewerb im Bereich Marketing-Cloud

Adobe untermauert seinen Anspruch auf eine führende Rolle im Markt für Marketing-SaaS-Lösungen durch die Akquisition von Marketo, einer marktführenden Cloud-Plattform für B2B-Marketing-Engagements. Erst im Frühjahr hatte Adobe mit der Übernahme des E-Commerce-Software-Anbieters Magento in Höhe von knapp 1,7 Milliarden US-Dollar in diesem Segment den Markt neu geordnet.

Auch im Bereich der Social-Media-Lösungen kommt es immer wieder zu Konsolidierungen und Übernahmen. Es ist zu erwarten, dass dies der nächste Marktbereich ist, in den die großen Player, allen voran Adobe, Oracle, Salesforce und SAS, gezielt durch Übernahmen vordringen werden.

Nachfrage nach KI-Plattformen steigt

Zwar entsteht die kommerzielle Nutzung im größeren Stil für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) gerade erst. Doch schon jetzt steigt vor allem bei größeren Unternehmen die Nachfrage nach Plattformen, die einen Großteil der KI- und ML-Anwendungsfelder der Unternehmen abdecken können. Derzeit verfügbare Lösungen sind entweder stark branchenfokussiert oder decken nur einzelne Szenarien ab. Anbieter sollten ihre Plattformen so ausbauen, dass typische Kerngeschäftsfunktionen durch smarte Prozesse umgesetzt werden können, während gleichzeitig ML-Algorithmen für bestimmte Anwendungen nutzbar sind. Es ist wahrscheinlich, dass in nächster Zeit mindestens einer der großen Softwarekonzerne durch die Akquise von kleineren spezialisierten Lösungsanbietern bedeutend in dieses Geschäft einsteigen wird.

Den Überblick behalten mit Software Asset Management (SAM)

Je mehr SaaS-Lösungen ein Unternehmen im Einsatz hat, desto wichtiger wird es, den Betrieb zu überwachen und vor allem die Kosten im Auge zu behalten. In den USA, wo im Vergleich zu Deutschland bereits deutlich mehr Unternehmen hunderte verschiedene SaaS-Lösungen nutzen, besteht bereits großer Bedarf an SAM-Lösungen. Einige namhafte Software-Unternehmen gehen hier inzwischen konkrete Schritte: So übernahm beispielsweise ServiceNow vor wenigen Monaten VendorHawk, einen Anbieter einer Lösung für das Software Subscription Management. Etwa im selben Zeitraum hatte das amerikanische Unternehmen Flexera, Spezialist für Lösungen zur Optimierung des Software-Life-Cycles, mit der Übernahme von Meta SaaS sein Softwareangebot um Funktionalitäten aus den Bereichen Kosten- und Risikomanagement ergänzt.

Nutzer im Consumer-Segment sind immer öfter bereit, für Content zu zahlen

Viele Nutzer nahmen das Angebot, Content und Software im Freemium-Modell kostenlos zu nutzen, in den letzten Jahren gern an. Die Bereitstellung des Contents oder von Consumer-Apps wurde dabei vor allem werbefinanziert – für viele Anbieter genügten diese Einnahmen aber nicht, um im harten Wettbewerb zu überleben.

Julian Riedlbauer, Partner und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin bei GP Bullhound.
Julian Riedlbauer, Partner und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin bei GP Bullhound. (Bild: Annette Koroll FOTOS / GP Bullhound)

Dieser Trend kehrt sich nun um: Viele traditionelle Software- und Medien-Unternehmen haben ihr Business-Modell dem digitalen Zeitalter angepasst und treffen gleichzeitig auf Kunden, die immer häufiger bereit sind, für Content oder die Nutzung von Software im Abo zu bezahlen. So sind beispielsweise gut 46 Prozent der 180 Millionen aktiven Spotify-User zahlende Premium-Kunden – das sind 83 Millionen Nutzer. Auch klassische Verlagsangebote wie z. B. das Wall Street Journal oder die New York Times verzeichnen steigende Paid-User-Zahlen. Die Medienmacher nutzen die sich wandelnde Einstellung der User und bieten einen Großteil ihres Contents zunehmend hinter einer Paywall (Bezahlschranke) an.

Insgesamt zeigt auch dieser Marktbereich viel Bewegung: Derzeit plant die amerikanische Digitalradio-Plattform SiriusXM die Übernahme des Musikstreaming-Dienstes Pandora. Kommt der Deal zustande, entsteht das größte Audio-Entertainment-Unternehmen der Welt. Es würde dann ein echtes Gegengewicht zu den marktdominierenden Firmen Apple, Spotify und Amazon werden.

Zusammenfassend kommt der Report von GP Bullhound zu dem Ergebnis, dass der SaaS-Markt trotz vieler Konsolidierungen und Übernahmen noch immer stark ausdifferenziert ist und deutlich wächst.

Weitere Detailinformation bietet die ausführliche Version des Reports.

Der Autor: Julian Riedlbauer, Partner und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin bei GP Bullhound,

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