Videoinfrastruktur als SaaS

Das bringen Enterprise-Video-Plattformen aus der Cloud

| Autor / Redakteur: Sebastian Picklum / Florian Karlstetter

Eine EVP bietet eine zentrale Management- und Streaming-Infrastruktur für sämtliche Video-Use-Cases im Unternehmen.
Eine EVP bietet eine zentrale Management- und Streaming-Infrastruktur für sämtliche Video-Use-Cases im Unternehmen. (Bild: movingimage)

Enterprise-Video-Plattformen (EVP) stellen Unternehmen eine zentrale Infrastruktur für das Management und die Nutzung von Videos in den unterschiedlichsten Einsatzszenarien bereit. Mit ihren hohen Skalierungsanforderungen sind sie dabei geradezu prädestiniert für die Cloud. Als Software as a Service vereinfachen sie internationalen Unternehmen aber auch die Datenschutz-Compliance und erhöhen die Performanz.

Videos werden in Unternehmen immer mehr zu einem ganz alltäglichen Kommunikationsmittel. Sie kommen im Kundenservice zum Einsatz, beim Employer Branding oder für Investor Relations, aber auch in der internen Kommunikation tauschen sich die Mitarbeiter inzwischen zunehmend mit Videos untereinander aus. Damit Unternehmen all die unterschiedlichen Use Cases von Videos effizient abdecken können, bietet ihnen der Markt spezielle Enterprise-Video-Plattformen (EVP) an. Ihr Zweck ist es, eine zentrale Infrastruktur für das Management und Streaming von Videos in sämtlichen Einsatzszenarien bereitzustellen. Um dieser Aufgabe optimal gerecht zu werden, muss eine EVP einige zentrale Eigenschaften mitbringen. Eine der grundlegendsten davon ist das richtige Betriebsmodell.

Mit Videos gehen große Skalierungsanforderungen einher, weshalb die EVP als Software as a Service (SaaS) aus der Cloud zur Verfügung stehen sollte. Videos sind per se große Dateien und ihre wachsende Verbreitung in Unternehmen vergrößert das Datenvolumen und damit den Speicherbedarf rasant. Um sicherzustellen, dass für jedes Endgerät – sei es PC, Tablet oder Smartphone – die am besten passende Videodatei ausgeliefert wird, transcodiert eine EPV außerdem jedes Video nach dem Hochladen automatisch in verschiedenste Formate und Qualitätsstufen. Dadurch steigt nicht nur der Speicherbedarf weiter an, sondern es sind auch große Rechenkapazitäten erforderlich. Das gilt vor allem zu Stoßzeiten, etwa wenn nach dem Wochenende hunderte von Mitarbeitern gleichzeitig Videos in das soziale Intranet eines Unternehmens hochladen.

Das SaaS-Modell mit seinen flexibel skalierbaren Speicher- und Rechenressourcen kann dabei optimale Performance mit einem möglichst kostengünstigen Betrieb gewährleisten. Es stehen immer genau die Kapazitäten zur Verfügung, die benötigt werden. Unternehmen bezahlen auch wirklich nur das, was sie nutzen. Würde die EVP dagegen on-premise betrieben, wäre sie entweder ständig überfordert oder zu teuer; und wahrscheinlich in vielen Fällen beides zugleich.

Services für Künstliche Intelligenz und Machine Learning unkompliziert nutzen

Betreibt der Anbieter seine EVP auf einer der großen Public Clouds wie Microsoft Azure, Amazon Web Services oder IBM Softlayer ergeben sich weitere Vorteile. So finden sich in diesen Clouds etwa zahlreiche innovative Services für Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML), die sich für die Umwandlung von Sprache in Text oder zur Muster- und Gesichtserkennung in Videos nutzen lassen. Dafür ist allerdings die Übertragung großer Datenmengen von der EVP an die KI- und ML-Anwendungen erforderlich. Laufen sie allesamt auf ein- und derselben Cloud-Plattform, erfolgt dieser Transfer erheblich effizienter, da kein kostenpflichtiger Datentraffic anfällt. Idealerweise lässt der EVP-Anbieter den Unternehmen die Wahl, aus welcher Plattform sie die EVP beziehen möchten. Dann können sie diejenige Cloud nutzen, in der sich die individuell passenden Services und Anwendungen befinden.

Zusätzliche Vorteile resultieren aus der weltweiten Rechenzentrums-Infrastruktur, die Azure und Co. aufweisen. Sie ermöglicht es international agierenden Unternehmen, ihre EVP in der Cloud global redundant zu verteilen. Dabei wird in verschiedenen Ländern jeweils die gleiche Softwareinstanz ausgerollt, wodurch sie den Nutzern an allen internationalen Standorten eines Unternehmens hochperformant zur Verfügung steht. Gleichzeitig sorgt diese Geo-Redundanz für höhere Ausfallsicherheit, da ein gleichzeitiger Ausfall mehrerer Rechenzentren, die sich auf verschiedenen Kontinenten befinden, praktisch ausgeschlossen ist.

Außerdem erleichtert eine weltweite Cloud-Infrastruktur internationalen Unternehmen die Datenschutz-Compliance. Die Geo-Redundanz lässt sich so konzipieren, dass zwar in allen Ländern die gleiche Softwareinstanz vorhanden ist, aber nur die Videos aus den jeweiligen Ländern gespeichert sind. Damit lässt sich unkomplizierter sicherstellen, dass jeder Standort seine Videos immer entsprechend der für ihn geltenden Datenschutzbestimmungen vorhält – der Frankfurter Standort nach deutschem und EU-Recht, der New Yorker Standort nach US-Recht und der Standort in Tokio nach japanischem Recht.

Ergänzendes zum Thema
 
Schlüsselanforderungen an eine EVP

Deployment-Modelle für unterschiedliche Datenschutzanforderungen bieten

Aus Datenschutzgründen sollte ein EVP-Anbieter zudem verschiedene Cloud-Deployment-Modelle ermöglichen – vom klassischen Shared-Modell, bei dem sich mehrere Unternehmen dieselbe Softwareinstallation teilen, bis hin zum Dedicated-Modell, bei dem ein Unternehmen eine eigene Softwareinstanz erhält, bei der die Daten auf der Ebene der virtualisierten Server von den Daten anderer Unternehmen separiert sind. Diese Dedicated-Variante ermöglicht es Unternehmen, auch höhere Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen erfüllen, wie sie etwa häufig im Finanzwesen oder in der Automotive-Branche bestehen. Da sie dann über eine dedizierte Datenbank und einen dedizierten Logging-Service verfügen, können sie ihre Daten beispielsweise revisionssicher vorhalten und exklusiv alle für sie nötigen Vorgänge tracken. Eine Auditierung ist jederzeit möglich, weil sich in der Datenbank des Unternehmens keinerlei Daten von anderen Unternehmen befinden, die der Auditor nicht einsehen darf.

Der Autor Sebastian Picklum ist Product Vision Owner bei movingimage in Berlin
Der Autor Sebastian Picklum ist Product Vision Owner bei movingimage in Berlin (Bild: Alexander Rudnick / movingimage)

Unterstützt der EVP-Anbieter verschiedene Cloud-Deployment-Modelle, kann jedes Unternehmen die für sich ideale Variante implementieren. Sind die Datenschutzanforderungen normal, kann es sich für das Shared-Modell entscheiden, das in der Regel die kostengünstigste Variante darstellt. Aber selbst wenn die Datenschutzanforderungen höher sind, und ein Unternehmen deshalb das Dedicated-Modell wählt, sind die Kosten immer noch deutlich niedriger als beim On-Premises-Betrieb – denn die großen Skalierungsvorteile des Cloud Computing bleiben natürlich erhalten.

* Sebastian Picklum ist Product Vision Owner bei movingimage in Berlin

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