Oracle Netsuite: ERP aus der Cloud

Cloud-basierte ERP-Systeme bringen Digitalisierung voran

| Autor / Redakteur: Stefan Girschner* / Florian Karlstetter

Oracle positioniert Netsuite als Multi-Mandaten-fähige und sichere Cloud-Plattform für ERP, vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen.
Oracle positioniert Netsuite als Multi-Mandaten-fähige und sichere Cloud-Plattform für ERP, vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen. (Bild: © WrightStudio - stock.adobe.com)

Die digitale Transformation hat erhebliche Auswirkungen auf Enterprise-Resource-Planning-Systeme. Denn mit ihrer Hilfe können Unternehmen ihre Entscheidungsfindung so verändern, dass sie ihre Geschäftsergebnisse bei der Umsetzung einer digitalen Strategie verbessern. Daher sollten es sich insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen zum Ziel setzen, ihre alten ERP-Systeme durch SaaS- und Cloud-fähige Lösungen ersetzen. Auf diesen Bedarf reagiert Oracle NetSuite jetzt mit neuen Niederlassungen in Deutschland.

Das Analystenhaus IDC hat in einem aktuellen Marktüberblick zu SaaS- und Cloud-basierten ERP-Lösungen festgestellt, dass die fortschreitende Digitalisierung immer mehr Unternehmen veranlasst, ihre IT-Strategie hinsichtlich der eingesetzten ERP- und Backoffice-Systeme zu überdenken und Ersatz für ihre häufig noch Legacy-basierten Systeme zu suchen. Die derzeit beste Lösung ist demnach eine flexible SaaS- oder Cloud-fähige Software, die sich schnell implementieren und skalieren lässt und von dem jeweiligen Anbieter kontinuierlich aktualisiert wird.

Eine solche Lösung ermöglicht gerade kleineren und mittelständischen Unternehmen, schnell zu expandieren und neue Märkte zu erschließen. Außerdem sind die IDC-Marktforscher überzeugt, dass Cloud-fähige ERP-Systeme geschäftliche Innovationen voranbringen, da sie häufig intelligente Funktionen wie maschinelles Lernen, Deep Learning, Sprachverarbeitung und Advanced Analytics liefern. Außerdem könnten Unternehmen durch die Vereinfachung von Routineaufgaben, Vermeidung menschlicher Fehler und Automatisierung der Geschäftsprozesse ihre IT-Betriebskosten erheblich reduzieren.

Eine der ersten ERP-Lösungen aus der Cloud

NetSuite als Anbieter der gleichnamigen ERP-Lösung zählt derzeit rund 40.000 Anwenderunternehmen in 160 Ländern zu seinen Kunden. Damit zählt die Software zu dem weltweit am häufigsten eingesetzten ERP-System aus der Cloud. Das 1998 gegründete Unternehmen verfolgte von Anfang das Ziel, die ERP-Lösung über das Internet verfügbar zu machen und grundlegende Commerce-Funktionen zu integrieren. Laut einer aktuellen Marktstudie von Gartner zählt NetSuite heute mit 45 Prozent zu den am stärksten wachsenden Finanzmanagement-Anwendungen. Andere ERP-Anbieter können mit dieser Wachstumskurve kaum mithalten. So kommt Microsoft auf 10,6, Infor auf 4,2 und Sage auf 1,0 Prozent Wachstum, SAP schrumpft sogar um 12,4 Prozent.

Mit der im Januar 2017 abgeschlossenen Übernahme durch Oracle will NetSuite als eigenständige Business-Unit jetzt den deutschen Markt erschließen. Hartmut Hamann, Sales Director bei Oracle NetSuite Germany and Switzerland, erläutert die Pläne: „Wir sind auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und Partnern, um unsere Präsenz in Deutschland zu verstärken und auch neue Kunden von unserer Lösung überzeugen zu können. Mit NetSuite bieten wir stark wachsenden mittelständigen Unternehmen ein ERP-System an, das funktionale Erweiterungen wie spezifische Anforderungen des Landes oder der Branche beinhaltet.“ Um die Position in der Region zu stärken und die Nachfrage der Kunden zu befriedigen, erweitert der Anbieter das vorhandene Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt um ein neues NetSuite-Rechenzentrum, das die bereits bestehenden zwei Rechenzentren in der EU ergänzen soll.

Mit dem Start auf dem deutschen Markt hat NetSuite fünf neue Büros in Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Hamburg eröffnet, um in allen wichtigen Regionen Deutschlands präsent zu sein. Derzeit zählt der Anbieter rund 100 Kunden in Deutschland. Um das Neukundengeschäft anzukurbeln, wird NetSuite neben der Zusammenarbeit mit Solution Providern wie Alta Via den Vertrieb über Systemintegratoren und Software-Development-Partner verstärken.

Ausgerichtet auf internationale Geschäftstätigkeit

Das Kernstück von NetSuite ist eine dynamische und skalierbare Cloud-Plattform, die es Anwendern erlaubt, jederzeit über stationäre und mobile Geräte auf die Anwendungen zugreifen zu können. Für Unternehmen mit internationaler Ausrichtung und Niederlassungen im Ausland dürfte es interessant sein, dass die Business-Anwendungen 190 Währungen, 20 Sprachen und die Steuer-Richtlinien für mehr als 100 Länder unterstützt. Im Unterschied zu den ERP-Lösungen von Oracle, die für Großunternehmen konzipiert sind, richtet sich NetSuite an kleinere und mittelständische Unternehmen.

„Das Marktsegment, in dem wir unterwegs sind, ist also nicht das klassische SAP-Segment, sondern eher die Mittelstandslösung SAP Business ByDesign und andere Systeme wie wie Microsoft Dynamics oder Sage“, erläutert Hartmut Hamann. „Es gibt in Deutschland rund 400 ERP-Anbieter, wobei jeder eine bestimmte Nische beziehungsweise Branche fokussiert. Viele Unternehmen haben jedoch das Problem, dass sie ein ERP-System im Einsatz haben, das über die Jahre gewachsen ist, nur on-premises verfügbar und zwischenzeitlich meist auch schwierig zu warten ist. Mit NetSuite erhalten sie flexibel nutzbare und skalierbare Business-Anwendungen aus einem Guss, die dank der Bereitstellung über die Cloud immer auf dem neuesten Stand sind.“

Kernstück des ERP-Systems ist die Buchhaltung. Neben Fakturierung und komplexer Erlösrealisierung enthält die Software folgende Funktionen: Finanzprozesse mit Echtzeit-Konsolidierung verschiedener Währungen und Echtzeit-Rollup für Bestellungen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Gehaltsabrechnung, Bestand, Rechnungsstellung und Auftragsabwicklung von inländischen Unternehmensstandorten über Regionalbüros bis zum globalen Hauptquartier. Darüber hinaus bietet NetSuite finanzielles und regulatorisches Reporting für externe Stakeholder. Die integrierten Auftragsmanagement- und Fulfillment-Prozesse steuern den Auftragsprozess vom Angebot bis zur abschließenden Ausführung. Weitere Funktionen für Fertigung an mehreren Standorten, Bestandsmanagement und Auftragsausführung sollen für effiziente operative Abläufe im Unternehmen sorgen.

Multi-Mandaten-fähige und sichere Cloud-Plattform

Hartmut Hamann, Sales Director bei Oracle NetSuite Germany and Switzerland.
Hartmut Hamann, Sales Director bei Oracle NetSuite Germany and Switzerland. (Bild: DIMITRI DAVIES / Oracle Netsuite)

„Wir differenzieren uns dahingehend, dass wir stark wachsenden Unternehmen, die vielleicht auch international expandieren oder ihr Geschäftsmodell von einer Produkt- zu einer Serviceorientierung verändern möchten, eine echte Cloud-Lösung anbieten können“, ist Hamann überzeugt. „Denn nicht bei jeder Lösung, bei der um den Server eine Datenwolke gemalt wurde, handelt es sich um eine Multi-Mandaten-fähige und sichere Cloud-Lösung, bei der die Releases bei den Anwender zur gleichen Zeit eingespielt werden und somit neue Funktionalitäten sofort bereitstehen. Nicht zu vergessen ist, dass sich viele Nutzer an komfortabel bedienbare Anwendungen auf Tablets und Smartphones gewöhnt haben. Diese Ansprüche werden durch unsere Applikation bedient und mit ausgefeilten integrierten Dashboards ergänzt.“

Auch an die zunehmende Bedeutung von Business-Analytics und Künstlicher Intelligenz wurde gedacht. So lassen sich mithilfe von KI in Business-Anwendungen bestimmte Trends ablesen, zum Beispiel ob demnächst mit Lieferausfällen zu rechnen ist. „Wir werden zukünftig weitere Funktionen, die auf KI-Technologie basieren, in unsere Lösungen integrieren. Ebenfalls wird sich NetSuite stärker mit der Blockchain-Technologie beschäftigen und deren Vorteile für die eigenen Lösungen nutzen“, bestätigt Hamann.

Mit NetSuite lässt sich schließlich auch die Beschaffung mit einem kompletten Procure-to-pay-Prozess rationalisieren, der Workflow-Management, Genehmigungen, Self-Service für Zulieferer und Zahlungsabwicklung umfasst. Die integrierten Business-Intelligence-Funktionen geben Anwendern einen Echtzeit-Überblick über alle Bereiche der geschäftlichen Tätigkeit. Produzierende Unternehmen haben zudem häufig die Anforderung, ihr ERP-Sytem mit Professional Services zu verbinden. Hierfür bietet NetSuite SRP zahlreiche Funktionalitäten für die Bereiche Vertrieb, Service und Finanzen, um Projektmanagement, Ressourcenmanagement, Projektabrechnung und Management von Zeit- und Kostenplänen zu automatisieren. So lassen sich die Bearbeitungszeiten reduzieren und Projekte innerhalb des vorgesehenen Zeitplans durchführen. Für die Automatisierung von Professional Services steht Service-Anbietern NetSuite Openair zu Verfügung.

Integrierte E-Commerce- und Webshop-Funktionen

Mit der NetSuite SuiteCommerce können Einzelhändler, Hersteller und Distributoren sämtliche Komponenten ihrer auf mehrere Kanäle und Standorte verteilten Geschäftstätigkeit, wie elektronischer Handel, Bestellabwicklung, Bestandsmanagement, Finanzabrechnung oder Kundendienst, nahtlos miteinander verknüpfen. SuiteCommerce umfasst einen Webstore mit Funktionen für die Entwicklung von Webshops über verschiedene Endgeräte und ermöglicht zugleich, unterschiedliche Touchpoints wie Web, Filialen, Mobilgeräte oder soziale Netzwerke über die Cloud-basierte Plattform zu nutzen, die eine lückenlose Transparenz über Prozesse und Kunden liefern soll. Die ERP-Lösung automatisiert darüber hinaus CRM-Anwendungen für Abteilungen und Tochterunternehmen und gibt Anwendern wichtige Funktionalitäten für Marketingkampagnen, Opportunity-Bearbeitung, Forecasts, Kundendienst und Partnermanagement.

Gesucht: Echtzeit-Überblick über die Geschäftsaktivitäten

Einige deutsche Unternehmen haben bereits gute Erfahrungen mit NetSuite gemacht. So führte Elgato Systems, Hersteller von Unterhaltungselektronik und Geräten für intelligentes Wohnen, bereits 2002 die ERP-Lösung in den US-Standorten ein. In der Unternehmenszentrale in München kam hingegen noch ein veraltetes ERP-System zum Einsatz. Die manuelle Zusammenführung der Daten in beiden Systemen über Excel ermöglichte jedoch keinen Echtzeit-Überblick über das weltweite Geschäft. Zur engeren Auswahl gehörte auch SAP Business ByDesign, aber schließlich entschied sich die Geschäftsführung für NetSuite OneWorld. 2014 implementierte der Systempartner Alta Via das neue System am deutschen Hauptsitz und integrierte die Systeme an sämtlichen Standorten. Das verschafft der Elgato-Geschäftsführung nun einen lückenlosen Überblick über die gesamte Geschäftstätigkeit.

Auch bei Smaato, Betreiber einer Echtzeit-Werbeplattform für Publisher und App-Entwickler, kam eine veraltete Software für das Rechnungswesen zum Einsatz. Dadurch wurden die internen Abläufe und die Finanzprozesse verlangsamt. Um Konsolidierungen in Excel durchzuführen, mussten Daten aus acht verschiedenen Buchhaltungssystemen zusammengeführt werden. Um den dadurch fehlenden Echtzeit-Überblick über die Prozesse zu erhalten, entschied sich Smaato für die Einführung von NetSuite OneWorld. Auch hier konnte sich die Lösung bei der Vorauswahl gegen SAP Business ByDesign durchsetzen. Alta Via implementierte dort die Lösung 2012 innerhalb von drei Monaten und migrierte die Daten aus acht verschiedenen Accounting-Systemen.

Der Autor: Stefan Girschner ist freier Journalist in München.

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