Wer ist der günstigste? Wer ist der sicherste?

10 Cloud-Speicher im Vergleich – Teil 1

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Die Kosten sind wichtig, aber nicht das einzige Kriterium: 10 Cloud-Speicheranbieter im Vergleich.
Die Kosten sind wichtig, aber nicht das einzige Kriterium: 10 Cloud-Speicheranbieter im Vergleich. (Bild: ©bluebay2014 - stock.adobe.com)

Beim Ablegen privater oder unternehmensrelevanter Daten in der Cloud geht es vorrangig um den Preis; darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Sicherheit der Daten. Außerdem spielt bei der Wahl des Anbieters auch eine Rolle, welche weiteren Features die jeweilige Plattform offeriert. Wir untersuchen das Angebot der fünf wichtigsten Cloud-Anbieter mit Servern ausschließlich in Deutschland.

In diesem Beitrag betrachten wir zunächst die fünf führenden Cloud-Speicher, deren Server ausschließlich in Deutschland stehen und damit hiesigem Recht unterliegen, hinsichtlich der Kosten, der Security und darüberhinausgehender hilfreicher Funktionen. Für Unternehmen kann es im Zuge der DSGVO zwingend erforderlich sein, ihre Daten innerhalb der Landesgrenzen aufzuheben, insofern sollten insbesondere Mittelständler hier genau aufpassen.

In Teil 2 folgen fünf führende Angebote, deren Rechenzentren (auch) außer Landes angesiedelt sind. Um den Überblick übersichtlich zu gestalten, führen wir die Anbieter in beiden Teilen alphabetisch auf.

HiDrive von 1&1 Ionos

Der Online-Speicher HiDrive von 1&1 Ionos setzt sich aus dem Cloud-Speicher des deutschen Hosters Strato und dem Service von 1&1 Ionos zusammen. Er wirbt mit dem Slogan „Datenverlust unmöglich“ – das ist doch schon mal eine Ansage. Die Daten werden in einem Rechenzentrum in Deutschland abgelegt, sind ISO-27001-zertifiziert und entsprechen den Bestimmungen der DSGVO. Der Zugriff kann von Windows, iOS oder Android aus über Browser oder App via (S)FTP/FTPS, rsync, SMB/CIFS, SCP/SSH oder Git erfolgen. Besonders für Unternehmer wichtig: Mittels WebDAV können auch ganze Verzeichnisse übertragen werden.

In den ersten sechs Monaten kostet jedes Angebot von HiDrive einen lockenden Euro, danach werden für 100 Gigabyte (GB) 1 Euro, für 250 GB 3 Euro und für ein Terabyte (TB) 10 Euro pro Monat fällig. Die Datenübertragung wird mit 256-Bit-SSL plus Boxcryptor verschlüsselt, die Daten im Rechenzentrum werden mit 128-Bit-AES verschlüsselt. Es gibt keine Begrenzung der Dateigrößen.

Wir empfehlen das Angebot mit Einschränkungen kleinen Unternehmen und Abteilungen, bietet es doch, wie gleich noch zu sehen sein wird, hohe Sicherheitsstandards zu moderaten Preisen. Dazu kommen Synchronisation und umfangreiche Collaboration-Funktionen, welche die Zusammenarbeit erleichtern. Das Angebot bezeichnet sich selbst als „Office-Lösung“. Über den Service wird offensichtlich weniger gemotzt als bei den Wettbewerbern; es stehen sogar persönliche Ansprechpartner aus Fleisch und Blut zur Verfügung.

GMX Cloud/Web.de-Online-Speicher

Bei der GMX Cloud und dem Online-Speicher von Web.de handelt es sich um dasselbe Angebot; beide werben mit dem Slogan „Cloud made in Germany“, weil auch hier die Daten in einem Rechenzentrum in Deutschland abgelegt werden. Es gibt Apps für Windows, iOS und Android. Über weitere Details schweigt sich der Anbieter weitgehend aus.

Bei den Preisen macht er es dafür kompliziert: 20 GB Cloud-Speicher gibt es für GMX-Freemail-Nutzer für 1,99 Euro im Monat, 50 GB für GMX-Freemail-Nutzer ein Jahr lang für einmalig 0,99 Euro, danach 4,99 Euro im Monat. GMX-Promail-Kunden zahlen für ein Jahr einmalig 0,99 Euro, danach 1,99 Euro im Monat. Für GMX-Topmail-Kunden kosten 50 GB für ein Jahr einmalig 0,99 Euro, danach 0,99 Euro im Monat.

1 TB kostet GMX-Freemail-Nutzern 9,99 Euro im Monat, GMX-Promail-Kunden 8,99 Euro im Monat und GMX-Topmail-Kunden 6,99 Euro pro Monat. Die Mindestlaufzeit beträgt 12 Monate. Die Datenübertragung wird mit SSL verschlüsselt, die Daten auf dem Server mit 256-Bit-AES. Zusätzlich offeriert GMX den GMX Tresor, mit dem Dateien direkt auf dem Gerät verschlüsselt werden können, auch der Cryptomator steht bereit.

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Für die GMX Cloud ist ein Mail-Account bei GMX Voraussetzung – Nutzer dieses Dienstes können ihre Mails und Inhalte gerne dorthin verschieben. Stiftung Warentest bewertet sowohl den Schutz dieser Daten als auch den Umgang mit ihnen als „ausreichend“, den Datenschutz der iOS-App jedoch als „kritisch“. Wer einen Cloud-Speicher für wichtige Daten sucht, findet sicherlich einen – Unternehmen sind bei GMX vielleicht eher weniger gut aufgehoben.

Strato HiDrive in drei Varianten

Warum sollte man als Cloud-Speicher Strato HiDrive wählen? Das Unternehmen nennt „drei gute Gründe“: erstens TÜV-zertifizierte Rechenzentren in Deutschland entsprechend der Datensicherheitsnorm ISO 27001, zweitens sichere Übertragungsprotokolle wie SMB mit VPN, SCP, SFTP, rsync und WebDAV sowie drittens eine Verschlüsselung über TLS und SFTP. Folgende Betriebssysteme werden unterstützt: Windows, MacOS, iOS, Android und Windows Phone 7.

Anwender beurteilten die Benutzeroberfläche als optisch eher nicht so ansprechend, auch die Bedienung gehe nicht sehr flüssig von der Hand, trotz Drag-and-drop über den Browser. Offenbar hat Strato aber nachgebessert und offeriert mittlerweile auch eine End-to-End-Verschlüsselung. Auch die „Backupcontrol“-Funktion in Strato HiDrive wird mittlerweile gelobt – ein Feature, das professionellen Anwendern sehr entgegenkommt, genauso wie die API-Schnittstellen für eigene Entwicklerprojekte, die Einbindung des Cloud-Speichers als Laufwerk oder NAS-Festplatte ins Unternehmensnetzwerk sowie das Synchronisieren von Dateien durch HiDrive Sync. Seit diesem Frühjahr bietet der Berliner Web-Hoster seinen Kunden eine rechtssichere und mit der EU-DSGVO und den GoBD konforme Mail-Archivierung an.

Bei den Preisen macht es der Anbieter kompliziert: Das „normale“ HiDrive-Angebot, das sich eindeutig an Privatanwender richtet, rangiert zwischen 2 Euro pro Monat (für 100 GB) und 15 Euro pro Monat (2 TB). Im ersten halben Jahr kostet der Monat jeweils nur 1 Euro, zusätzlich werden aber in jedem Fall 10 Euro für die Einrichtung fällig.

Den Online-Speicher „HiDrive Business“ für kleine Unternehmen und Abteilungen gibt es als „Starter“, „Basic“, „Plus“ und „Pro“; er bewegt sich preislich zwischen 15 Euro für fünf Nutzer und eine Speicherkapazität von 1 TB und 100 Euro für 20 Nutzer und einem Speicher von 10 TB. Dazu kommen zahlreiche Sonderkonditionen, die einen eigenen Artikel wert wären.

Schließlich gibt es noch das Angebot HiDrive S3, ein mit Amazon S3 kompatibler Objektspeicher für Firmendaten mit zahlreichen Profifunktionen. Speichern kostet für ersten 50 TB 0,01785 Euro pro GB und Monat, ab 500 TB 0,0119 Euro pro GB und Monat. Outbound Traffic schlägt mit 0,0476 Euro pro GB im Monat zu Buche. Dafür setze man „Maßstäbe bei der Performance“, die Verfügbarkeit betrage mindestens 99 Prozent auf Jahresbasis, und die Skalierung sei unbegrenzt möglich.

Fazit: Das Angebot ist sehr diversifiziert; eigentlich sollte vom Privatanwender bis zum Betreiber eines Web-Shops jeder etwas finden. Unterschlagen darf man allerdings nicht die vielen unzufriedenen Stimmen von Kunden, die in diversen Foren zu finden sind. Nicht zuletzt der Kunden-Support steht in der Kritik.

Magenta Cloud

Die Magenta Cloud ist der Online-Speicher der Telekom für Privatanwender mit einer vernünftigen Preisstruktur – es gibt nur drei Tarife: M (50 GB für 1,95 Euro im Monat), L (100 GB für 4,95 Euro im Monat) sowie XL (1 TB für 9,95 Euro im Monat). Mit 25 GB kostenlosem Speicherplatz für Telekom-Kunden (sonst nur 10 GB) wird der Einstieg leicht gemacht. Die Mindestvertragslaufzeit für jeden Tarif beträgt drei Monate, Speicherplatz gibt es bis zu 1.000 TB.

Die Rechenzentren der Telekom stehen natürlich in Deutschland und sind zertifiziert nach ISO 27001. Die Telekom offeriert abgesicherte Datenverbindungen durch TLS/SSL, serverseitig mit 128-Bit-AES. Unterstützt werden Windows, MacOS, iOS und Android.

Das Angebot ist erfreulich übersichtlich; es richtet sich vorrangig an rechtskonforme Privatanwender – rechtskonform deshalb, weil Nutzer beispielsweise durch eine Copyright-Compliance davon abgehalten werden, Lieder zu tauschen. Profinutzer und Firmen werden wenig Freude daran haben. Zum Beispiel wird vielerorts die Synchronisation gerügt. Auch als Backup-Plattform eignet sich das Angebot nur bedingt. Ist ja auch verständlich: Für Unternehmenskunden und ihre Anliegen ist die Open Telekom Cloud zuständig.

ownCloud

ownCloud ist anders; es handelt sich dabei nicht um einen Cloud-Speicher wie die bereits genannten Dienste: In der ownCloud werden Daten wie Bilder, Videos, Dokumente oder Musik in einem persönlichen Cloud-Service auf einem eigenen Linux-Webserver abgelegt. Der Dienst wird damit vom Anwender selbst gehostet.

Es gibt Clients für Windows, Mac, Unix und nicht zuletzt Linux sowie Apps für Android und iOS, Windows 10 mobile, Fire OS und Sailfish OS. Für die großen Linux-Distributionen stehen fertige DEB-/RPM-Pakete bereit.

Interessant ist die Offerte, andere Cloud-Anbieter wie Dropbox, Microsoft OneDrive oder Google Drive in die ownCloud zu integrieren. Es besteht die Möglichkeit, WebDAV zu nutzen und den Funktionsumfang per Plug-ins zu erweitern. Natürlich werden die Daten sowohl auf dem Server als auch beim Transfer verschlüsselt (SSL/TLS). Benutzer-, Gruppen- und andere Rechte können verwaltet werden, die Authentifizierung erfolgt mit Open Authorization.

Das auf PHP basierende Open-Source-Projekt richtet sich zunächst an Privatanwender, mit der Enterprise Edition werden aber auch Unternehmen angesprochen. Dann kann es Object-Stores wie S3 oder Openstack Swift einbinden und ermöglicht auf der Grundlage von APIs auch eine einfache Integration in die Infrastruktur des Unternehmens inklusive Sharepoint-Verwaltung, Synchronisation mit Windows Network Drives sowie die Nutzung von bereits vorhandenen Speicher. Darüber hinaus offeriert das Enterprise-Paket End-to-End-Verschlüsselung, umfangreichen Virenschutz, Collaboration-Funktionen, Klassifizierung von Dokumenten und Single-Sign-on.

Privatanwender zahlen bei Hostern 2,50 Euro im Monat für 50 GB, 10 Euro für 100 GB (und mehr Features) sowie 15 Euro für 150 GB (und noch mehr Features). ownCloud Standard und Enterprise werden auch als jährliche Subscription ab 3.000 Euro für 50 Benutzer angeboten.

Wie soll man ownCloud werten? Am besten überlassen wir das den Lesern: Im Rahmen des Storage-Insider-Awards hat der Anbieter in den vergangenen Jahren bereits mehrmals in der Kategorie „Enterprise Filesharing“ vordere Ränge ergattert.

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