Fadata bietet SaaS-Lösung zur Selbstverwaltung Wie Versicherer sicher in die Cloud kommen

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Die Versicherungsbranche geht in die Cloud – mit angezogener Handbremse. Wie Eike Schmidt, CTO beim Lösungsanbieter Fadata, berichtet, sehen die Versicherungsunternehmen zwar die infrastrukturellen Vorteile der Public Cloud, hegen aber noch große Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit.

Firma zum Thema

Kunden sind wählerischer und weniger loyal, weshalb inzwischen auch Versicherer nicht umhinkommen, konkurrenzfähige, digitale Angebote anzubieten.
Kunden sind wählerischer und weniger loyal, weshalb inzwischen auch Versicherer nicht umhinkommen, konkurrenzfähige, digitale Angebote anzubieten.
(Bild: Creativa Images - stock.adobe.com)

Die Pandemie hat sehr vielen Unternehmen gezeigt, dass die Nutzung von Cloud-Ressourcen unverzichtbar ist. Die Versicherungsbranche gehört dazu, denn sie muss eine große Zahl von Kundenkontakten verarbeiten, aber das ist für die Agenten beschwerlich, wenn sie von zu Hause arbeiten müssen, etwa in der Schadensbearbeitung. Außerdem bietet die Nutzung der Public Cloud die bekannten Vorteile hinsichtlich der Skalierbarkeit und Flexibilität. Das haben zwei aktuelle Marktstudien herausgefunden: der „State Of The Cloud Report 2021“ von Flexera und „Business And IT Priorities In EMEA, Life & Health Edition 2021“ von Celent. Doch während die Effizienz steigt, stagniert die Innovation, so etwa beim Einsatz von Machine Learning.

„80 Prozent der Unternehmensdaten einer Versicherung liegen ungenutzt auf den Servern und stellen ein riesiges Potenzial dar“, berichtet Eike Schmidt, CTO und Chief Product Officer des Insuretech-Unternehmens Fadata, das 1990 gegründet wurde, seinen Hauptsitz in München hat und inzwischen dem Versicherungsunternehmen Charles Taylor gehört. „Je mehr solcher Daten das Unternehmen verwerten kann, desto größer wird das Potenzial für die Entwicklung neuer Apps und Services.“ Doch Big Data Analytics ist eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle Disziplin. Hier bietet es sich an, Ressourcen der Public Cloud wie etwa Storage in S3, Datenbanken und Analysefunktionen sowie ein Machine-Learning-Framework zu nutzen.

Ziele der Cloud-Einführung

61 Prozent der Befragten der Unternehmensberatung Ernst & Young gaben jedoch digitale Transformation als präferiertes Projekt an, noch vor der Umsetzung der Geschäftsstrategie (39 Prozent). Auch der Abbau von IT-Komplexität und das Ende des Lebenszyklus bestimmter Systeme (38 Prozent) spielen eine Rolle. Der Zugriff auf Analytik inklusive KI und Machine Learning ist 31 Prozent der Unternehmen wichtig. Wenn es um die Cloud geht, haben 92 Prozent der Befragten bereits eine Multi-Cloud- und 80 Prozent eine Hybrid-Strategie. Binnen drei Jahren wollen 49 Prozent der europäischen Unternehmen ihre Pläne mit der Public Cloud umsetzen, native Cloud-Apps auf die Beine stellen (39 Prozent) und Legacy-Systeme in die Cloud migrieren (36 Prozent).

„Wir bieten eine SaaS-Lösung namens INSIS an, die der Kunde komplett selbst verwalten kann“, so der Fadata-CTO. Es handle sich also nicht um eine der vielen Managed Cloud Apps. „INSIS deckt alle Bereiche der Versicherungen ab: Lebens-, Renten-, Kranken- und Sachversicherungen. Sie bildet also die Wertschöpfungskette im Kerngeschäft einer Versicherung ab.“

Die Fadata-Lösung sei ein Software-as-a-Service für die Public Cloud. „Wir unterstützen AWS und Azure. Der Service kann aber auch in einer Private Cloud im lokalen Rechenzentrum des Kunden laufen.“ Prinzipiell könne die Fadata-Lösung lokal und auch in der Cloud betrieben werden.

Seit der Firmengründung 1990 hat sich Fadata erfolgreich weiterentwickelt und seine Software INSIS inzwischen mit Machine-Learning-Funktionen ausgestattet.
Seit der Firmengründung 1990 hat sich Fadata erfolgreich weiterentwickelt und seine Software INSIS inzwischen mit Machine-Learning-Funktionen ausgestattet.
(Bild: Fadata)

Vor allem aber die Public-Cloud-Nutzung liege in der Versicherungsbranche im Trend. „Kunden können die Cloud-Seite der SaaS flexibler gestalten, beispielsweise durch Skalierung. Diese ist etwa in der Autoversicherung wegen hohem Auftragsaufkommens zu bestimmten Stichtagen wie dem 30. November notwendig.“

Ökosysteme in der Cloud

Das Geschäft von Versicherungen entwickle sich durchaus dynamisch. Die Lastprofile verändern sich dadurch nach der ursprünglichen Dimensionierung. Hier müsse die Cloud entsprechend skalieren. „Die Performance ist in der Cloud höher, aber auch die Interoperabilität mit anderen Services“, erläutert Schmidt. So ließe sich auf einfache Weise ein Cloud-Ökosystem mit Partnern aufbauen, etwa mit anderen ISVs. „Dies trägt zur digitalen Transformation bei, in deren Verlauf wir unsere Kunden gerne beraten. Wir richten uns in erster Linie an Mittelständler.“

Eine Verlagerung der IT in die Cloud verschaffe Versicherern überdies Freiräume für die Konzentration auf die eigentlichen Geschäftsfelder. Immer wichtiger werden auch digitale Ökosysteme: Eigene Angebote können in der Cloud leichter mit den Services anderer Dienstleister verknüpft werden. „Auf dem Weg über die Cloud lässt sich die Entwicklung von Apps beschleunigen“, bestätigt Schmidt. „Im Vordergrund steht für Fadata die Fähigkeit des Kunden, in kurzer Zeit neue Versicherungsprodukte anbieten und schnell Innovation umsetzen zu können.“

Maschinelles Lernen wird in der Versicherungsbranche eine immer wichtigere Rolle spielen.

Eike Schmidt, CTO Fadata

Denn im digitalen Zeitalter verlangen Verbraucher auch von ihrer Versicherung ein digitales Angebot, zum Beispiel einen kundenorientierten Online-Zugang mit hochgradig individualisierter Benutzeroberfläche. Die Kunden sind wählerischer und weniger loyal geworden, wie Umfragen ergaben. „Versicherer“, ist Schmidt überzeugt, „werden deshalb verstärkt digitale Kanäle für unterschiedliche Aufgaben nutzen müssen – vom Vertrieb bis zur Bearbeitung von Schadensfällen. Klar ist, dass dafür auch die adäquaten Applikationen und Services erforderlich sind, zum Beispiel mobile Apps oder auch eine Marktplatz-Präsenz. Prinzipiell lassen sich aus meiner Sicht alle Wertschöpfungsprozesse von Versicherungen in einer Cloud-Lösung abbilden.“

Regularien sind noch Hindernisse

Allerdings gibt es beachtliche Hindernisse für die Nutzung der Cloud bei Versicherungen: Dazu zählen in erster Linie Sicherheitsbedenken und Compliance. Denn Versicherungen sind eine stark regulierte Branche.

Sicherheit sei für 81 Prozent der von Flexera Befragten eine Herausforderung. Das sei v.a. in der Kranken- und der Lebensversicherung der Fall, denn dabei gehe es um sehr sensible vertrauliche Daten. Probleme mit der Compliance zeigen sich bei der Einhaltung von Regularien wie der DSGVO. 75 Prozent der in den drei genannten Reports Befragten äußerten Sorge um die Komplexität im Zusammenhang mit Compliance. Das Vertrauen des Kunden müsse jedoch unbedingt erhalten werden. „Dazu sind auch die Cloud Service Provider verpflichtet: Azure und AWS legen Backups an, verschlüsseln Datenübertragungen und verwalten die Schlüssel mit Hilfe des Kunden“, erläutert Schmidt.

79 Prozent der befragten CIOs melden außerdem Bedenken an, wie sie die Cloud-Kosten im Griff behalten können, aber auch eventuelle Lizenzkosten. Schmidts Angaben zufolge haben Kunden zudem Angst, sie könnten die Kontrolle verlieren, wenn sie die Cloud einbinden, denn das Kernversicherungssystem ist für sie ja geschäftskritisch.

„Das Denken über Risiken prägt die Unternehmen und macht sie vorsichtig gegenüber der Cloud“, hat Schmidt herausgefunden. „In den USA laufen aber schon 90 Prozent der neuen Versicherungslösungen in der Cloud. Damit lassen sich nämlich die Betriebskosten für die Lösung erheblich senken: Cost of Ownership.“ In den Vereinigten scheinen also weniger Sicherheitsbedenken vorzuherrschen.

Individuelle App- und ML-Entwicklung

Gesetzeskonforme und sichere Prozessteuerung erfolgt laut Schmidt in Fadata INSIS mit der Process Engine. Sie könne mithilfe der Standardsprache „Business Process Model and Notation“ individuelle Bedarfe abbilden, beschleunigt aber die Prozesserstellung mit Templates. Es handle sich um eine Service-orientierte Architektur (SOA) mit Microservices. Alle Prozesse könnten automatisiert ablaufen, es sei denn, ein Mensch müsse eingreifen, etwa bei einer Genehmigung. Mit Hilfe einer Art Rules Engine ließen sich Geschäftsregeln formulieren, etwa für die Prämienberechnung oder Risikokalkulation.

Eike Schmidt ist CTO und Chief Product Officer von Fadata in München.
Eike Schmidt ist CTO und Chief Product Officer von Fadata in München.
(Bild: Fadata)

„Versicherungsprozesse verarbeiten ja lediglich Wissen. Und weil dabei große Mengen an Informationen unterschiedlicher Art verarbeitet werden können bzw. müssen, sind die Methoden des Machine Learning sehr spannend für die Versicherungen“, erläutert Schmidt. „Maschinelles Lernen wird in der Versicherungsbranche eine immer wichtigere Rolle spielen. Es kann beispielsweise helfen, Angebote für Kunden zu optimieren, Betrugsfälle aufzudecken, die Genauigkeit bei der Schadensregulierung zu verbessen und die Mitarbeiterproduktivität zu erhöhen. Nicht zuletzt tragen sie auch zu einer Steigerung der Kundenzufriedenheit durch die schnellere Bearbeitung von Anträgen und Schadensmeldungen bei.“ ML-Modelle müssten aber nach der Inbetriebnahme stets gewartet werden, was erheblichen Aufwand bedeuten kann – Stichwort: MLOps. Fadata biete hierzu ein eigenes Framework, das sich mit Hilfe von MLOps (und entsprechenden Schnittstellen) weiterentwickeln lasse. „Ein kluger ML-Ansatz hat daher die Gesamtkosten im Blick.“

Fadata bietet Beratungsleistungen rund um die Digitalisierung von Versicherungsprozessen an. Das Unternehmen pflegt den direkten Kontakt zu seinen Kunden. „Im Mittelpunkt unseres Angebots steht die Versicherungsplattform INSIS“, so Schmidt. „Versicherer können damit zentrale Prozesse ihrer Wertschöpfungskette digital in einer Lösung abbilden und so auch die digitale Transformation vorantreiben.“

(ID:47696362)

Über den Autor