Regress nach Cloud-Blackout Was eine Cloud-Ausfallversicherung leistet

Von Dipl.-Phys. Oliver Schonschek 3 min Lesedauer

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Kommt es zu dem Ausfall eines Cloud-Dienstes, kann dies schwerwiegende Folgen für die Cloud-Anwender haben. Eine Cloud-Ausfall­versicherung kann helfen, sie hat aber auch ihre Grenzen. Wir zeigen, wo Cloud-Ausfall­versicherungen eine Rolle spielen und wo nicht. Das sollte in den Notfallkonzepten eines Cloud-Nutzers berücksichtigt werden.

Vom Hackerangriff bis zu Bränden – die Ursachen für Cloud-Ausfälle sind vielfältig und keineswegs unmöglich. Spezielle Versicherungen minimieren finanzielle Schäden, die Nutzenden durch Cloud-Ausfälle entstehen können.(Bild: ©  Adin - stock.adobe.com)
Vom Hackerangriff bis zu Bränden – die Ursachen für Cloud-Ausfälle sind vielfältig und keineswegs unmöglich. Spezielle Versicherungen minimieren finanzielle Schäden, die Nutzenden durch Cloud-Ausfälle entstehen können.
(Bild: © Adin - stock.adobe.com)

Wir erinnern uns: Am 20. Oktober 2025 kam es bei Amazon Web Services (AWS) zu einer massiven Störung, die weltweit viele Internetdienste lahmlegte. Ursache war ein technischer Fehler in einem internen Namens- und Datenbanksystem, wodurch viele Server keine Verbindungen mehr aufbauen konnten. Das löste eine Kettenreaktion aus, die zahlreiche Onlinedienste beeinträchtigte, so eine Meldung des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) dazu. Weltweit waren bekannte Plattformen wie Snapchat, Zoom, Signal, Duolingo, aber auch Angebote von Amazon selbst, etwa Alexa oder Prime Video, von der Störung betroffen. Viele Nutzerinnen und Nutzer konnten sich nicht anmelden, keine Bestellungen aufgeben oder auf Cloud-Speicher nicht zugreifen.

Am 29. Oktober 2025 kam es bei Microsoft ebenfalls zu einem größeren Ausfall der Cloud-Plattform Azure. Durch eine fehlerhafte Konfiguration kam es zu erhöhten Latenzen, Verbindungsabbrüchen und allgemeinen Fehlermeldungen. Betroffen waren zahlreiche Dienste im Microsoft-Ökosystem, wie beispielsweise Outlook, Microsoft 365 und Gaming-Services wie Xbox und Minecraft.

Eher die Regel, denn Einzelfälle

Cloud-Ausfälle passieren immer wieder, nicht alle haben diese Dimensionen, doch der Schaden durch Cloud-Ausfälle kann beträchtlich sein. Das BSI erklärt: Wenn der Cloud-Dienst oder Teile hiervon ausfallen, führen Versäumnisse bei den Notfallvorsorgekonzepten beim Cloud-Diensteanbieter sowie bei den Schnittstellen immer zu unnötig langen Ausfallzeiten mit entsprechenden Folgen für die Produktivität oder Dienstleistung des Auftraggebers.

Da klingt eine Cloud-Ausfallversicherung auf Seiten des Auftraggebers, also dem Cloud-Nutzer, interessant.

Versicherung schützt nicht vor Cloud-Ausfällen

Es klingt wie eine Binsenweisheit, doch es ist entscheidend, sich dies klarzumachen: Eine Cloud-Ausfallversicherung schützt nicht vor Cloud-Ausfällen. Vielmehr geht es darum, die negativen finanziellen Folgen eines Cloud-Ausfalls zu minimieren. Wer also eine Cloud nutzt und den Ausfall fürchtet, sollte sich nicht allein auf eine Ausfallversicherung verlassen.

Ein weiterer Punkt sollte bedacht werden, wenn es um Versicherungen im Bereich Cloud-Ausfall geht. Als Nutzer leidet man zwar unter den Folgen, aber die Maßnahmen, um Cloud-Ausfälle zu vermeiden, müssen insbesondere auch von Cloud-Anbietern kommen.

Was aber leistet dann eine Cloud-Ausfallversicherung für den Cloud-Nutzer? Eine solche Versicherung schützt vor den finanziellen Folgen, wenn externe Cloud-Anbieter ausfallen, nicht mehr und nicht weniger.

Cloud-Ausfallversicherung versus Cyberversicherung

Eine Cloud-Ausfallversicherung ist insbesondere keine Cyberversicherung im klassischen Sinne: „Eine Cyberversicherung kann das Risiko eines Hackerangriffs absichern – ein solcher Schutz setzt aber ein gewisses Maß an IT-Sicherheit voraus“, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Zudem bleibt bei einer Cyberversicherung ein Versicherungsschutz gegen die Folgen des Ausfalls des Dienstleisters, also die fehlende Verfügbarkeit der Daten, ausgeschlossen, so die GDV.

Anders ist es bei einer Cloud-Ausfallversicherung, sie hat genau den Fall im Blick, dass ein Cloud-Dienst ausfällt und entsprechend die in der Cloud gespeicherten Daten nicht verfügbar sind. Entsprechende Versicherer beschreiben dabei den Eintritt des Versicherungsfalles so: Cloud- Ausfallversicherungen gehören zu den parametrischen Versicherungen. Sie regulieren Schäden also anhand einer einfachen vordefinierten Messgröße. Die Auszahlung hängt vom Auftreten eines auslösenden Ereignisses ab, einem sogenannten Trigger. Bei einer Cloud-Ausfallversicherung ist dies der Ausfall eines Cloud-Dienstes. Die Versicherung zahlt einen festen Betrag, wenn ein bestimmter Schwellwert erreicht ist, unabhängig vom tatsächlich entstandenen Schaden.

Compliance und Cloud-Ausfallversicherungen

Kommt es zu einem Cloud-Ausfall, können aber nicht nur finanzielle Schäden entstehen, sondern es gibt auch klare Compliance-Forderungen an Cloud-Anbieter und Cloud-Nutzer, die nicht durch den Abschluss einer solchen Versicherung „erledigt“ sind. Der Cloud-Anbieter muss seine Meldepflichten prüfen und einhalten, aber auch der Cloud-Nutzer muss dies tun, davon entbindet eine Ausfallversicherung nicht.

So ist mit dem Cloud-Ausfall in aller Regel die Verfügbarkeit der personenbezogenen Daten, die in der Cloud vorgehalten wurden, nicht mehr gegeben. Damit wird eine Vorgabe der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verletzt, und Meldepflichten an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörden können eintreten.

Es zeigt sich, dass Cloud-Ausfallversicherungen die negativen, finanziellen Folgen abmildern können, indem aus der ausgezahlten Versicherungssumme im Schadensfall die tatsächlich eingetretenen Schäden so weit wie möglich abgedeckt werden. Da Cloud-Ausfallversicherungen meist parametrische Versicherungen sind, ist es nicht automatisch der Fall, dass die von der Versicherung gezahlte Summe auch den wirklichen Schäden entspricht.

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Zudem müssen Unternehmen als Cloud-Nutzer weiterhin an ihre Pflichten zur Notfallvorsorge und an Compliance-Pflichten wie die Meldepflichten nach DSGVO denken. Eine Cloud-Ausfallversicherung ist also als Baustein der Maßnahmen gegen die Folgen von Cloud-Ausfällen zu sehen, es ist aber nicht der Komplettschutz gegen die Folgen durch Cloud-Ausfälle.

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