Deutscher Cloud-ERP-Pionier auf Wachstumskurs

Weclapp greift nach europäischer Marktführerschaft

| Autor: Elke Witmer-Goßner

ERP aus der Cloud benötigt wenig Eingriffe in die bestehende IT und ist schneller im Unternehmen eingeführt, was sich auch in niedrigeren Kosten niederschlägt.
ERP aus der Cloud benötigt wenig Eingriffe in die bestehende IT und ist schneller im Unternehmen eingeführt, was sich auch in niedrigeren Kosten niederschlägt. (Bild: Weclapp)

Mit ERP-Software aus Deutschland verbinden viele das größte inländische Softwareunternehmen im badischen Walldorf. Doch gerade kleine und mittelständische Anwender assoziieren SAP-Software nicht selten mit „schwierig, überfrachtet, teuer“.

Dabei gibt es schon längst Alternativen auf dem deutschen Markt, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, die die Komplexität des SAP-Produkts fürchten. Mit immer größer werdendem Erfolg spielt Weclapp SE, eine Tochtergesellschaft der 3U Holding AG, mit einem cloud-basierten ERP in Kombination mit CRM und Warenwirtschaft im Markt mit. 2008 begann der von Ertan Özdil gegründete Softwareanbieter seine Vision einer cloud-basierten ERP-Software, die „einfach und preiswert“ statt „komplex und teuer“ ist, umzusetzen. Nach fünfjähriger Entwicklungszeit kam 2013 mit der Weclapp-Plattform eine der ersten Cloud-Lösungen zur Unternehmenssteuerung auf den Markt. Und seitdem erweitert der einstige Geheimtipp mit seiner bereits mehrfach ausgezeichneten ERP-Software Jahr für Jahr seinen Kundenkreis.

Den Erfolg seines Produkts begründet Özdil vor allem damit, dass die Software bedingungslos als offenes System konzipiert wurde, das die Interaktion mit älteren Systemen erlaubt oder auch andere Clouds mit einbinden kann. Ein „ERP 3.0“, das nicht wie andere Cloud-ERPs die Nutzer in eine Sackgasse führe, wie Özdil betont. Gelungen sei dies vor allem deswegen, weil die Software nicht wie üblich um die Finanzbuchhaltung herum entwickelt, sondern aus dem Blickwinkel der Warenwirtschaft bzw. Materialbeschaffung gedacht wurde. Da hier die Anforderungen ebenso wie die verwaltungstechnischen Abläufe und Vorschriften sich länderübergreifend kaum unterscheiden, war es möglich, das Produkt sehr schnell auch international anbieten zu können. „Wir haben von Anfang für den Weltmarkt designt“, sagt der Weclapp-Chef und verweist auf den beträchtlichen Kundenstamm von rund 3.000 Unternehmen in 35 Ländern.

Weiter denken mit Künstlicher Intelligenz

Und darunter sind nicht nur die anfangs hauptsächlich adressierten kleinen und mittleren Unternehmen. Inzwischen betreiben sogar große Unternehmen und Weltkonzerne Weclapp neben ihrer bestehenden SAP-Infrastruktur und nutzen beispielsweise die CRM-Komponente als Front-end, statt des aufwändigeren SAP-Moduls. Aber auch Jungunternehmen, die agil arbeiten wollen und moderne Optimierungsform auf ihrer Prioritätenliste stehen haben, schätzen die schnelle Einführung des Cloud-ERPs, das keine großen und fehlerträchtigen Eingriffe in die IT-Infrastruktur nötig macht.

Ertan Özdil, Gründer und CEO von Weclapp.
Ertan Özdil, Gründer und CEO von Weclapp. (Bild: Weclapp)

Doch Özdil denkt schon weiter. Ein „ERP 4.0“ mit KI-basierten Funktionen sei bereits auf der Zielgeraden. Er ist überzeugt, dass bei immer kürzeren Release-Zyklen und immer umfangreicheren Werkzeugen, die Künstliche Intelligenz vieles verändern werde. Der Entwicklungsaufwand werde geringer, gleichzeitig aber die Vorteile für Anwender immer größer. „Wir befinden uns bei der Softwareentwicklung bereits wieder in einer Phase der Disruption“, ist Özdil überzeugt. Weclapp arbeitet eng mit einem der erst vor kurzem gegründeten KI-Kompetenzzentren in Bayern an der Universität Würzburg zusammen. Das gemeinsame Projekt zur Vorhersage von Kundeninteraktionen trägt bereits erste Früchte: In Kürze soll der Plattform ein KI-basierendes Tool hinzugefügt werden, das die Retourenwahrscheinlichkeit bei Bestellvorgängen vorhersagen kann. Neben der Hochschule Würzburg gehört auch die Stanford University zu den Forschungs- und Entwicklungspartnern im Bereich Künstliche Intelligenz.

Starke Impulse kommen aber auch aus der großen Entwickler-Community. Da Weclapp sich ausschließlich auf die Weiterentwicklung der eigenen Plattform – „den harten Kern“ – konzentriert, sind die Weiterentwicklungen durch Partner das eigentliche Erfolgsgeheimnis von Weclapp. Schließlich denke der Kunde selbst viel weiter, wenn es um notwendige Features gehe, als wir das je leisten könnten, sagt Özdil, und führt die Entwicklung eines eigenen Kassensystems für Österreich als Beispiel an. Alle Partnerentwicklungen stehen im Community-Store den Kunden zur Verfügung. Aber auch die Partner selbst, ebenso wie die Unternehmen, die Weclapp nutzen, können sich direkt vernetzen. Weclapp sehe sich daher auch als Treiber der Digitalisierung, um die software-seitige Unterstützung in Unternehmen zu verbessern, sagt Özdil. „Kunden können sich darauf verlassen, dass die Plattform ständig weiterentwickelt wird.“

Partnergeschäft soll weiter wachsen

Und die Nachfrage ist groß. Um diese zu befriedigen, soll das Partnernetzwerk vor allem in Europa mit einem neuen Vertriebsansatz vergrößert werden. Das Online-Marketing sowie die aktive Vermarktung in Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Polen wird verstärkt. Der Partnervertrieb mit zurzeit etwa hundert Partnern in DACH soll ebenfalls ausgebaut werden, um die hohe Nachfrage nach der Weclapp-Plattform bedienen zu können. Und IT-Systemhäuser, die bisher selbst Kunden von Weclapp sind und kundenspezifische Anwendungen auf Basis der Weclapp-Plattform entwickelt haben, sollen als Vertriebspartner gewonnen werden. Zusätzlich wird der Schweizer Markt mit einem eigenen Rechenzentrum, in welchem die Plattform vor Ort gehostet wird, bedient. Dieses ist, ebenso wie das Rechenzentrum in Frankfurt am Main, nach ISO 27001 zertifiziert.

Dass Weclapp sich auf Wachstumskurs befindet, beweisen auch die aktuellen Zahlen: Der Januar 2020 erwies sich als stärkster Einzelmonat seit Markteintritt. Im Geschäftsjahr 2019 wurde laut vorläufigen Zahlen die Umsatzerwartung von 4,5 Millionen Euro (2018: 3,0 Mio. Euro) erreicht. Trotz des wachstumsbedingten Personalaufbaus erzielte der Anbieter sowohl gegenüber dem Januar 2019 als auch gegenüber dem Vormonat nochmals gesteigerte Umsatzerlöse. CEO Özdil sieht mit Blick auf die Erfolgszahlen nur eines vor Augen: „Unser Ziel lautet Marktführerschaft“.

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