10 Tipps zu Microsoft Azure

So gelingt der Einstieg in die Microsoft-Cloud

| Autor / Redakteur: Eric Berg / Florian Karlstetter

Zehn Tipps rund um Microsoft Azure.
Zehn Tipps rund um Microsoft Azure. (Bild: gemeinfrei (ArtsyBee / pixabay) / CC0)

Unternehmen brauchen die Flexibilität und Skalierbarkeit der Cloud, um ihre Digitalisierung voranzutreiben. Microsoft Azure verspricht einen einfachen Einstieg. Doch damit Sie auch wirklich von Kostenersparnis und Effizienzsteigerung profitieren, sollten Sie ein paar wichtige Aspekte beachten.

Microsoft Azure ist eine umfangreiche Sammlung an integrierten Cloud-Diensten, mit denen Unternehmen nach und nach Ressourcen in die Cloud verlagern können. Die digitale Wolke hilft dabei, Mehrwerte zu generieren, Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern. Doch dafür ist vorab einiges an Planung nötig. Denn sonst können falsche Strukturen oder mangelnde Sicherheitsvorkehrungen schnell die Kosten in die Höhe treiben. Hier sind zehn Tipps, wie Sie Stolperfallen meiden und den Einstieg in Azure meistern:

Tipp 1: Definieren Sie Struktur und Regelwerk

Bevor Sie überhaupt über technische Aspekte nachdenken, sollten Sie den Aufbau Ihres Azure-Kosmos planen und passende Hierarchien sowie Sicherheitsrichtlinien festlegen. Denn wer wild loslegt, ist später mit einem Chaos konfrontiert, das sich nur schwer wieder ordnen lässt. Azure ist über sogenannte Subscriptions organisiert. Jede Subscription ist eine in sich geschlossene, logische Einheit, in der Anwender Ressourcen erstellen können. Innerhalb einer Subscription lässt sich anhand von Policies und Rechtemanagement der Rahmen für die Nutzung abstecken. Wer darf zum Beispiel welche Ressourcen anlegen? Wo liegt dabei das Limit, damit Kosten nicht aus dem Ruder laufen? Solche Fragen sollten Sie vorab klären. Es ist empfehlenswert, mehrere Subscriptions anzulegen, zum Beispiel für verschiedene Standorte und Abteilungen. Grundsätzlich sollten Sie Kundensysteme und interne Systeme auf unterschiedliche Subscriptions verteilen und so voneinander trennen.

Tipp 2: Vergeben Sie Rechte vorsichtig

Viele Unternehmen lassen sich bei der Einführung von Microsoft Azure von einem externen Dienstleister unterstützen. Das ist durchaus sinnvoll, denn er kann mit seinem Spezial-Know-how bei der Migration helfen. Vorsichtig sein sollten Sie jedoch bei der Rechtevergabe. Verleihen Sie einem externen Dienstleister nie Administrator- oder Co-Administrator-Rechte. Denn dann hat er vollen Zugriff auf Ihre Subscriptions und damit auf all Ihre virtuellen Maschinen (VMs), Datenbanken und Daten. Ein Berater sollte nur Berechtigungen für die Bereiche erhalten, in denen er unterstützt – mehr braucht er nicht.

Tipp 3: Verwenden Sie Managed Disks

Mit der Managed-Disks-Funktion vereinfacht Microsoft die Datenträgerverwaltung für virtuelle Maschinen in Azure IaaS. Der Service sorgt zum Beispiel automatisiert dafür, dass den VMs genügend IOPS zur Verfügung stehen, indem die darunterliegenden Storage Accounts automatisch verwaltet werden. Dadurch reduziert sich der Management-Aufwand erheblich. Außerdem garantieren Managed Disks Hochverfügbarkeit auf der Storage-Ebene, indem Daten passend zu ihren zugehörigen VMs in Availability Sets organisiert werden. Fällt einmal ein Bereich aus, läuft der Betrieb ungestört weiter. Legt man hochverfügbare Installationen in Azure ohne Managed Disks an, laufen zwar die virtuellen Maschinen auf unterschiedlichen Host-Systemen, der Storage aber ist nicht zwangsläufig ausfallsicher.

Tipp 4: Betreiben Sie virtuelle Maschinen in der Cloud nie ohne Firewall

Jede virtuelle Maschine in der Cloud braucht eine Firewall. Das gilt auch dann, wenn sie keine öffentliche IP-Adresse hat und nur über das Intranet zugänglich ist. Denn in der Azure-Welt lassen sich Einstellungen schnell ändern. Mit nur einem Klick erhält eine VM dann plötzlich eine Public IP. Das kann auch einmal aus Versehen passieren. Ist dann keine Firewall konfiguriert, steht die Tür für Hacker offen.

Tipp 5: Denken Sie an Backups

Wenn man in Azure eine virtuelle Maschine oder einen Storage Account löscht, sind sie auch wirklich weg. Und das ist schnell passiert, denn in der virtuellen Welt kann schon ein unbedachter Klick großen Schaden anrichten. Man muss nicht erst in den Serverraum gehen und ein Kabel ziehen. Um sich gegen Datenverlust abzusichern, sollten Sie unbedingt Backups machen. Azure bietet für virtuelle Server die Lösung Azure Backup an. Damit ist es möglich Server zu sichern und im Ganzen oder auf Dateiebene wiederherzustellen. Auch der Einsatz von Drittanbieter-Produkten in Azure ist möglich und zum Beispiel für die Sicherung von Office 365 Daten empfehlenswert, da es hier von Microsoft keine eigene umfassende Backup-Lösung gibt.

Tipp 6: Achten Sie auf versteckte Kosten

Ausgehender Datentransfer in Azure kostet Geld. Das sind versteckte Kosten, die Sie einkalkulieren sollten – gerade wenn Sie ein Backup-Tool eines Drittanbieters einsetzen. Müssen Sie zum Beispiel einmal vier Terabyte von einem Fileserver wiederherstellen, bedeutet das vier Terabyte ausgehenden Datenverkehr, den Sie extra bezahlen. Auch andere Posten, an die man zunächst oft nicht denkt, verursachen Kosten. Fallen für eine Public-IP-Adresse vielleicht nur 2,50 Euro im Monat an, sind das bei 100 IP-Adressen immerhin 250 Euro.

Tipp 7: Planen Sie Bandbreiten richtig

Für Backup und Recovery oder Log-Analysen müssen meist große Datenmengen transferiert werden. Dafür braucht man eine entsprechende Bandbreite. Bevor Sie solche Lösungen einführen, sollten Sie daher eine Langzeitbetrachtung durchführen, in der Sie das Logging-Verhalten Ihrer Systeme beobachten. Daraus ergibt sich, wie viel Bandbreite Sie benötigen. Es genügt nicht, nur ein oder zwei Tage zu analysieren. Stattdessen sollten Sie auch Phasen berücksichtigen, in denen die Last auf das System höher ist als sonst. Denn dann entstehen mehr Logs und mehr Traffic.

Tipp 8: Kalkulieren Sie Ressourcen für virtuelle Maschinen realistisch

Weisen Sie einer virtuellen Maschine nicht zu viel CPU, zu viel RAM und zu viel Speicher zu. Denn das verursacht unnötige Kosten. In Azure bezahlen Sie nach verbrauchten Ressourcen, das heißt 16 GB RAM kosten doppelt so viel wie 8 GB. Wie aber kalkuliert man realistisch, welchen Bedarf eine VM hat, damit sie zuverlässig läuft? Erfahrungen aus dem eigenen Rechenzentrum lassen sich nicht eins zu eins auf Azure übertragen. Denn die Cloud arbeitet auf ganz anderer, leistungsfähigerer Hardware. Es empfiehlt sich, das neue Microsoft Tool Azure Migrate für die Planung einzusetzen. Es analysiert die laufenden Systeme in bestehenden VMware-Umgebungen und errechnet, welche Ressourcen sie in Azure benötigen.

Tipp 9: Seien Sie innovationsfreudig

Überlegen Sie stets, wie Sie Ihre Cloud-Nutzung weiterentwickeln können. Platform as a Service ist zum Beispiel nicht nur für Entwickler interessant. Prüfen Sie, in welchen Bereichen PaaS bestehende Systeme ablösen können. Ein klassischer Webserver lässt sich vielleicht durch eine Web App ersetzen, ein SQL-Server durch SQL as a Service. PaaS ist per se günstiger als eigene Systeme aufzusetzen und zu betreiben. So können Sie Kosten sparen.

Tipp 10: Prüfen Sie Lizenzen von Drittanbietern

Eric Berg, Principal IT-Architekt bei Comparex und Microsoft Most Valuable Professional (MVP).
Eric Berg, Principal IT-Architekt bei Comparex und Microsoft Most Valuable Professional (MVP). (Bild: Comparex)

Bevor Sie Software von Drittanbietern in die Cloud heben, sollten Sie deren Lizenzen genau prüfen. Manche Hersteller erlauben es nicht, ihre Software in Azure zu betreiben. Oder sie verlangen dafür ein Zusatzabkommen. Ein Lizenzverstoß aber kann teuer werden.

Die genannten zehn Tipps zeigen, wie wichtig es ist, sich Zeit für eine genaue Planung zu nehmen. So lassen sich unnötige Kosten und Risiken vermeiden. Unternehmen müssen ihre Subscriptions richtig strukturieren, Rahmenbedingungen festlegen und Rechte mit Bedacht vergeben. Sie müssen an Ausfallsicherheit, Netzwerksicherheit und Backups denken. Dabei gilt es auch, versteckte Kosten einzukalkulieren und Ressourcen zu optimieren. All das kann einem leicht über den Kopf wachsen. Ein externer Berater hilft mit seinem spezialisierten Know-how dabei, den Weg in die Cloud zu meistern.

* Eric Berg, Principal IT-Architekt bei Comparex und Microsoft Most Valuable Professional (MVP).

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