Vergabe von Cloud-Diensten für EU-Institutionen EU beauftragt europäische Anbieter mit souveräner Cloud

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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Im April hat die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Ausschreibung „Sovereign Cloud“ den Zuschlag erteilt. Über diese Ausschreibung können die Organe, Einrichtungen, Ämter und Agenturen der EU über einen Zeitraum von sechs Jahren souveräne Cloud-Dienste im Wert von bis zu 180 Millionen Euro beschaffen.

Mit der erfolgreichen Verankerung von Souveränität in der Cloud-Beschaffung geht die Kommission mit gutem Beispiel voran und treibt Europas digitale Souveränität voran. (Bild: ©  artjazz - stock.adobe.com)
Mit der erfolgreichen Verankerung von Souveränität in der Cloud-Beschaffung geht die Kommission mit gutem Beispiel voran und treibt Europas digitale Souveränität voran.
(Bild: © artjazz - stock.adobe.com)

Mit der Entscheidung signalisiert die EU, dass leistungsfähige Cloud-Infrastrukturen und Plattformen auf Basis europäischer Anbieter realisierbar sind – im Einklang mit den Grundwerten der Union. Die Kommission vergab vier Verträge, um Diversifizierung und Resilienz sicherzustellen und eine mögliche Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter zu vermeiden.

Die ausgewählten Anbieter sind:

  • ein luxemburgisch-französisches Konsortium unter Führung von Post Telecom mit OVHcloud und CleverCloud,
  • das deutsche Unternehmen Stackit (Schwarz Gruppe),
  • das französische Unternehmen Scaleway (Iliad Gruppe),
  • eine belgisch-französisch-luxemburgische Partnerschaft unter Führung von Proximus, die Dienste von S3NS (ein Joint Venture zwischen Thales und Google Cloud), Clarence und Mistral nutzt.

Die Auswahl spiegelt die strikte Ausrichtung am Cloud Sovereignty Framework der EU-Kommission wider. Dieses fordert strategische und rechtliche Kontrolle, hohe Sicherheits- und Compliance-Niveaus, Transparenz über Abhängigkeiten, technologische Offenheit sowie ambitionierte Umweltziele.

Um förderfähig zu sein, mussten die Anbieter das Niveau SEAL-2 – Datensouveränität – erreichen. Das bedeutet, dass sie EU-Recht und -Vorschriften einhalten, ohne dass der Kunde zusätzliche technische Maßnahmen zum Schutz seiner Daten ergreifen muss. Die meisten der ausgewählten Anbieter erreichten SEAL-3 – Digitale Resilienz –, was bedeutet, dass ihre Dienste, Technologien oder Betriebsabläufe gegen Lieferkettenstörungen durch Drittparteien außerhalb der EU immun sind.

Die Anbieter sollen aber nicht nur höchste Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Performance abdecken, sondern durch die Mehrquellen-Architektur auch das Risiko einseitiger Abhängigkeiten verringern und die Verhandlungsmacht der öffentlichen Hand stärken. Die Ausschreibung wurde im Oktober 2025 als Wettbewerb im Rahmen des dynamischen Beschaffungssystems Cloud III (Cloud III DPS) gestartet.

Dreiklang aus Infrastruktur, Orchestrierung und Expertise

Für den Betrieb souveräner Cloud-Dienste für EU-Institutionen hat die EU-Kommission ein Konsortium aus DEEP by POST Luxembourg Group, OVHcloud und Clever Cloud ausgewählt.

OVHcloud liefert mit seiner OPCP-Plattform eine standardisierte, hochkapazitive Infrastruktur, die sich zentral steuern, schnell skalieren und umfangreiche Compute-Ressourcen bereitstellen kann. Über OPCP Core lassen sich Projekte in großem Maßstab ausrollen und koordinieren. Clever Cloud ergänzt diese Basis um eine fortgeschrittene Orchestrierungsebene mit PaaS, Containern und gemanagten Services. So werden komplexe Umgebungen automatisiert und vereinheitlicht, während hybride Architekturen möglich werden, die Public Cloud mit privaten und dedizierten Infrastrukturen flexibel verbinden. DEEP bringt neben eigenen Hosting-Kapazitäten tiefgehende Expertise in den Bereichen Cloud, Cybersecurity und künstliche Intelligenz (KI) ein und verankert das Angebot zusätzlich in der Großregion Luxemburg.

Rahmen für Standards, Offenheit und Nachhaltigkeit

Der Auftrag könnte Maßstäbe für europäische Souveränitätsstandards setzen, indem er die Verbreitung europäischer Technologien und Referenzarchitekturen fördert und zugleich fairere Wettbewerbsbedingungen im Cloud- und KI-Markt anstrebt.

OVHcloud-CEO Octave Klaba spricht von einem Vertrauensbeweis der EU-Kommission und betont, dass starke europäische Alternativen zu internationalen Angeboten existieren und in der Zusammenarbeit ihre Wirkung entfalten. Clever-Cloud-CEO Quentin Adam hebt hervor, dass technologische Souveränität kein Theoriegebilde sei, sondern sich in produktionsreifen Infrastrukturen und Plattformen manifestiere, die europäische Akteure gemeinsam betreiben. Sébastien Genesca, Managing Director von DEEP by POST Group, unterstreicht das gemeinsame Ziel, ein souveränes Cloud-Angebot mit hoher technologischer Kompetenz und geteilten europäischen Werten zu schaffen.

Ausblick für Europas digitalen Binnenmarkt

Mit dem Zuschlag verknüpft die EU operative Anforderungen ihrer Institutionen mit einer industriepolitischen Agenda. Der Auftrag soll die Einführung europäischer Standards beschleunigen, Innovationszyklen im Cloud- und KI-Ökosystem verkürzen und die Souveränität gegenüber außereuropäischen Technologien stärken. Für Behörden und Agenturen der EU eröffnet das Konsortium eine skalierbare, rechtssichere und leistungsfähige Cloud-Basis, die sich an künftige Bedarfe anpassen lässt – von sensiblen Workloads bis zu datenintensiven KI-Anwendungen.

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