KI-Workloads in der Cloud Agentic AI: Deshalb kommen Cloud-Infrastrukturen an ihre Grenzen

Ein Gastbeitrag von Dr. Lennart Gaida* 4 min Lesedauer

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Mit dem Einsatz von KI-Agenten geraten klassische Cloud-Modelle unter Druck: Performance, Konsistenz und Kosten stoßen an ihre Grenzen. Welche Infrastruktur braucht es, damit KI-Workloads skalierbar und wirtschaftlich bleiben?

Eine klassische Public-Cloud-Architektur reicht für die spezifischen Anforderungen moderner KI-Workloads nicht mehr aus – auch mit Folgen für die Qualität der Storage-Infrastruktur.(Bild: ©  UMAR SALAM - stock.adobe.com)
Eine klassische Public-Cloud-Architektur reicht für die spezifischen Anforderungen moderner KI-Workloads nicht mehr aus – auch mit Folgen für die Qualität der Storage-Infrastruktur.
(Bild: © UMAR SALAM - stock.adobe.com)

Für viele Branchen sind KI-Agenten 2026 keine Zukunftsvision mehr, sondern operative Realität. In Healthcare unterstützen sie Diagnostik- und Dokumentationsprozesse, in der Automobilindustrie optimieren sie Produktions- und Lieferkettenabläufe, im Finanzsektor analysieren sie Transaktionen in Echtzeit und leiten automatisiert Maßnahmen ein.

Der „Flexera State of the Cloud Report“ macht dennoch deutlich, dass durch künstliche Intelligenz (KI) erzeugte Workloads Anforderungen an die Dateninfrastruktur erzeugen, die mit bestehenden, Hyperscaler Architekturen oft nicht mehr erfüllt werden können. In der Praxis stoßen Unternehmen an Grenzen bei Performance und Netzwerkdurchsatz.

Denn im Unterschied zu klassischen KI-Modellen reagieren diese Systeme nicht nur auf einzelne Eingaben. Sie arbeiten kontinuierlich, greifen parallel auf große unstrukturierte Datenbestände zu und führen eigenständig Aufgabenketten aus. Object Storage wird in diesem Umfeld zur tragenden Infrastrukturkomponente. Die Entscheidung für eine bestimmte Cloud-Architektur wird damit zur Grundsatzfrage: Sie bestimmt, wie belastbar und skalierbar KI-Vorhaben im realen Betrieb tatsächlich sind.

KI-Workloads als Belastungsprobe

Im operativen Einsatz greifen KI-Agenten permanent auf Daten zu, schreiben Ergebnisse zurück und erzeugen dadurch eine deutlich höhere Interaktionsdichte als klassische Anwendungen. Ein einzelner Agent kann tausende Dokumente und Wissensquellen einbeziehen, um Kontext zu generieren und daraus Handlungen abzuleiten. Für die Cloud-Infrastruktur bedeutet das eine Abkehr von herkömmlichen Kapazitätsmodellen: Entscheidend sind geringe Latenzen bei massiven, gleichzeitigen Lese- und Schreibvorgängen und ein Netzwerk, das diese Last stabil trägt. S3-kompatible Schnittstellen allein reichen nicht aus; die zugrundeliegende Speicher-Engine muss für diese hohen Durchsatzraten optimiert sein.

Gleichzeitig wird Datenkonsistenz zur Grundvoraussetzung. Arbeiten mehrere Agenten parallel auf einem gemeinsamen Datenpool, darf es keinen abweichenden Datenstand geben. Jeder Lesezugriff muss exakt den Zustand widerspiegeln, der unmittelbar zuvor geschrieben wurde. Viele klassische Cloud-Architekturen setzen hier auf Eventual Consistency: Änderungen werden zeitversetzt repliziert und sind nicht sofort überall sichtbar. Für einfache Web-Anwendungen ist das meist unkritisch. In agentenbasierten Systemen kann diese Verzögerung jedoch zu Fehlentscheidungen führen, weil einzelne Instanzen mit unterschiedlichen Datenständen arbeiten. Produktive KI-Umgebungen benötigen deshalb garantierte Strong Consistency, über alle Instanzen hinweg und unter hoher Last.

Unsichtbare Kosten als Skalierungshürde

Die wirtschaftliche Herausforderung bei der Operationalisierung von KI entsteht durch die Abrechnungsmodelle klassischer Cloud-Plattformen. Entscheidend ist nicht, was ein Gigabyte Speicher kostet, sondern was im laufenden Betrieb passiert. KI-Agenten greifen ständig auf Daten zu, stellen Anfragen, lesen Metadaten und schreiben Ergebnisse zurück. Genau diese Aktivitäten werden berechnet.

Im Gegensatz zu einem statischen Backup entstehen in KI-Umgebungen tausende oder Millionen einzelner API-Aufrufe. Jede dieser Abfragen kostet. Was zunächst gering wirkt, summiert sich im Dauerbetrieb schnell zu erheblichen Zusatzkosten. So entsteht ein Ungleichgewicht: Je intensiver KI genutzt wird, desto stärker steigen die laufenden Kosten. Planbar wird ein KI-Projekt erst dann, wenn hohe Zugriffszahlen und permanente Datenbewegung nicht automatisch zur Kostenfalle werden.

Der Weg aus der Kostenfalle

Wer diese Kostenentwicklung vermeiden will, muss seine Cloud-Strategie grundsätzlich überdenken. Solange Systemaktivität und Preis direkt miteinander verknüpft sind, wächst die Rechnung mit jeder Skalierungsstufe mit. Hier setzen spezialisierte Cloud-Anbieter neben den klassischen Hyperscalern an. Statt hochkomplexe, global vernetzte Infrastrukturen mit zahlreichen Replikations- und Routing-Ebenen zu betreiben, arbeiten andere Anbieter mit schlankeren, regional fokussierten Plattformen. Daten werden näher am Nutzungspunkt verarbeitet, interne Transfers reduziert und unnötige Datenbewegungen zwischen Regionen vermieden.

Technisch bedeutet das weniger interne Systemoperationen, geringere Latenz und stabilere Durchsatzraten unter Last. Wirtschaftlich wirkt sich diese Vereinfachung direkt aus: Wenn weniger interne Datenbewegung entsteht und keine separaten Gebühren für API-Transaktionen oder Datenausgang anfallen, sinken die laufenden Betriebskosten deutlich. Unternehmen erhalten so die notwendige Leistung für ihre KI-Workflows, ohne in die Skalierungsfalle klassischer Modelle zu tappen.

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Merkmale für tragfähige KI-Infrastrukturen

Unternehmen müssen ihre KI-Infrastruktur heute nach anderen Kriterien bewerten als früher. Es geht längst nicht mehr nur um verfügbaren Speicherplatz, sondern um Kontrolle, Stabilität und Unabhängigkeit. Eine tragfähige Lösung muss technologische Souveränität gewährleisten, damit strategische Entscheidungen nicht durch Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern eingeschränkt werden. Dies bedeutet, dass die Infrastruktur den Zugriff Dritter technisch unterbinden muss.

Ein solches „Sovereignty by Design“ erfordert Verschlüsselungskonzepte und eine Schlüsselverwaltung, die konsequent außerhalb der administrativen Kontrolle des Anbieters liegen. Ausschließlich eine Architektur, die technisch (und nicht nur vertraglich) den Zugriff unter dem US Cloud Act oder ähnlichen Jurisdiktionen ausschließt, bietet echtes Risiko-Management. Nur so bleibt die Datenhoheit gewahrt.

Gleichzeitig muss die Infrastruktur auch bei sehr großen Datenmengen stabil wachsen können. Mit zunehmendem Volumen steigen die Anforderungen an Metadaten-Management, Replikation und Zugriffskontrolle. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Datenarchitektur „Exit-fähig“ bleibt. Proprietäre Formate der Hyperscaler erschweren den Wechsel; offene Standards wie S3-Object-Storage in Kombination mit providerunabhängiger Schlüsselverwaltung sind daher Pflicht. Wachsen Datenbestände über Jahre in proprietären Strukturen, wird ein späterer Anbieterwechsel immer aufwändiger. Technisch ist er möglich, praktisch wird er mit jeder zusätzlichen Integration komplexer und teurer.

Handlungsfähigkeit durch infrastrukturelle Souveränität

Der Markt entfernt sich zunehmend von den großen Hyperscalern als alleiniger Standardlösung. Eine klassische Public-Cloud-Architektur reicht für die spezifischen Anforderungen moderner KI-Workloads nicht aus. Stattdessen rücken spezialisierte europäische Anbieter stärker in den Fokus. Sie setzen dort an, wo globale Plattformen strukturelle Schwächen zeigen, wie schwer nachvollziehbarer Kostenmodelle, eingeschränkter technologischer Unabhängigkeit und bei Leistungsgrenzen.

Die Zukunft von KI hängt damit unmittelbar an der Qualität der Storage-Infrastruktur. Wer sie als strategische Ebene begreift, schafft die Grundlage für belastbare, autonome Systeme. Wer sie nur als Ablage versteht, wird an ihre Grenzen stoßen.


* Der Autor Dr. Lennart Gaida ist Director Solutions & Growth bei Impossible Cloud.

Bildquelle: Impossible Cloud

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