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Voraussetzungen und Vorteile prüfen SAP Cloud Platform richtig einführen

| Autor / Redakteur: Max-Ludwig Stadler* / Elke Witmer-Goßner

Die neue Strategie der SAP SE ist eindeutig: Unternehmen sollen ihr klassisches SAP-ERP-System nicht mehr zentral im eigenen Haus betreiben, sondern auf die SAP Cloud Platform (SCP) zugreifen.

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Unternehmen können sich die Einführung der SAP Cloud Platform mit einigen Maßnahmen erleichtern.
Unternehmen können sich die Einführung der SAP Cloud Platform mit einigen Maßnahmen erleichtern.
(Bild: © bakhtiarzein - stock.adobe.com)

Bei ihr handelt es sich um ein Cloud-Center, das verschiedene SAP-Services für den User bereitstellt. Unternehmen profitieren von dieser Möglichkeit, da sie die benötigte Hardware für das klassische SAP-System nicht mehr bereitstellen müssen und neue Updates automatisch erfolgen. Um das System für viele Betriebe möglichst attraktiv zu machen, stattet es die SAP SE immer weiter mit neuen Services aus.

Um verschiedene Funktionen abzudecken, greift ein SAP-ERP-System auf unternehmensinterne Daten zu. Im klassischen Use Case verwalten Unternehmen Services und Anwendungen auf der SCP – ihre Geschäftsdaten jedoch nicht. Diese werden weiterhin im eigenen Netzwerk gespeichert. Über den SAP Cloud Connector stellen Verantwortliche eine sichere Verbindung zwischen dem Netzwerk und der SCP her, sodass der Cloud-Service die benötigten Daten verwenden kann.

Vielfältige Funktionen

Die SAP Cloud Platform stellt Anwendern verschiedenste Funktionen bereit, die als Software-as-a-Service ausgeführt werden. Dabei handelt es sich um Programme, die vor der Einführung der SCP auf einem On-Premises-System installiert und betrieben werden mussten und nun mit einem Klick über den Cloud-Dienst gestartet werden können. Hierunter fallen tausende Standard-Apps für alle Module. In einer

finden User heraus, welche Standard-Apps sie über die SCP betreiben können.

Zusätzlich stehen Funktionen zur Verfügung, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Software SAP Leonardo, mit der Unternehmen ihre Daten analysieren. Durch die große Auswahl an Services können Verantwortliche Prozesse auf vielseitige Art und Weise betreiben. Interessant ist zum Beispiel der Gamification-Ansatz: Mitarbeiter können über einen Service Punkte für ihre ausgeführten Tätigkeiten sammeln und werden dadurch motiviert.

Funktionen, die über den SAP-Standard hinausgehen, können Entwickler auch selbst über die SAP Cloud Platform programmieren. Das Cloud-Center beinhaltet mit der Web IDE (Web integrated development environment) eine Entwicklungsumgebung, mit der sich individuelle Apps anfertigen lassen. Programmierer greifen über einen einfachen Login auf die Web IDE zu und speichern ihre Projekte auf der SCP.

Eine weitere wesentliche Funktion der SAP Cloud Platform ist die Einrichtung eines Gateways. Dieser kann als Service in der Cloud betrieben werden und muss nicht über einen zweiten Server im unternehmenseigenen Netzwerk laufen. Vor allem im SAPUI5-Kontext ist diese Funktion hilfreich: Wenn Anwender sich im normalen SAP-System anmelden, befinden sie sich im firmeneigenen Netzwerk, sodass der Zugriff unkompliziert vonstattengeht. Über Mobile Apps hingegen kann man standortunabhängig auf das SAP-System zugreifen – um die Kommunikation zwischen der App und dem firmeneigenen Netzwerk aufzubauen, wird ein Gateway zwischengeschaltet.

Umgang mit SAP Cloud Platform

Anwender erlernen den Umgang mit der SAP Cloud Platform grundsätzlich schnell. Die Funktionen werden über verschiedene Dokumentationen erklärt. Services, die bereits von vornherein als Standard in der SCP angeboten werden, können in der Regel mit 1-2 Klicks eingebunden werden, ohne dass sie neu auf einem On-Premises-System installiert werden müssen.

Unternehmen profitieren mit der SAP Cloud Platform von folgenden Vorteilen:

  • Weniger Aufwand mit der eigenen Infrastruktur, dadurch das weniger physische Hardware betrieben werden muss.
  • Standard-Apps können in der Web IDE an individuelle Prozesse im Unternehmen angepasst werden. Die Applikationen enthalten dazu vorgegebene Stellen, an denen sie angepasst werden können und die nicht von nachfolgenden Updates betroffen sind.
  • Unternehmen verfügen immer über die aktuellsten Updates und müssen die neusten App-Versionen nicht extra einführen. Verantwortliche müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass sie dadurch auch ein Stück weit die Kontrolle darüber verlieren, wann welche Funktion ein Update erhält – dies ist insbesondere dann entscheidend, wenn Standard-Apps an nicht vorgegebenen Stellen für individuelle Prozesse verändert wurden.
  • Die Ausfallraten der SAP Cloud Platform sind sehr gering. Sollte ein Ausfall stattfinden, müssen Unternehmen sich nicht um die Behebung kümmern.
  • Services einzubinden und neue Technologien zu nutzen, ist über die SCP sehr einfach.

Voraussetzungen und Notwendigkeit prüfen

Ob es sich für ein Unternehmen lohnt, die SAP Cloud Platform einzuführen, hängt von den jeweiligen Zielen und den bereits vorhandenen Voraussetzungen dafür ab. Wenn ein Betrieb bereits alle Voraussetzungen, zum Beispiel ein vorhandenes Gateway, erfüllt und die Funktionen, die es in Zukunft verwenden möchte, schon auf einem On-Premises-System betreibt, bringt ein Umstieg vermutlich nicht so viele entscheidende Vorteile.

Auf der anderen Seite lohnt sich ein Umstieg fast immer, wenn sowohl Voraussetzungen als auch gewollte Funktionen nicht auf dem On-Premises-System vorhanden sind. Entscheidend ist dann, dass Unternehmen ihre Infrastruktur nicht erweitern müssen. Ein Umstieg bringt Betrieben also vor allem dann Vorteile, wenn sie ihr System erweitern wollen, statt es über die Cloud zu ersetzen.

Ob die SCP-Einführung sinnvoll ist, hängt nicht zuletzt auch von den Kosten ab: Die Lizenzkosten für die Nutzung der Services auf der SAP Cloud Platform können mit den Kosten für den Betrieb der zusätzlichen Infrastruktur verglichen werden, um zu schauen, welches Modell sich finanziell auszahlt.

Vorbereitung des Umstiegs

Unternehmen können sich die Einführung der SAP Cloud Platform mit einigen Maßnahmen erleichtern. Zunächst einmal ist es von Vorteil, wenn sie ihre Infrastruktur dokumentieren und ganz grundlegende Fragen klären. Hierunter fällt zum Beispiel die Frage, wie sich User im SAP-System anmelden – dadurch kann vermieden werden, dass sie nach der SCP-Einführung komplett andere Nutzerdaten für die Anmeldung verwenden müssen. Danach lassen sie Unternehmen die SAP Cloud Platform von der SAP SE freischalten. Im besten Fall ist in der Cloud dann nichts mehr zu tun, außer die benötigten Services zu aktivieren. Im Normalfall sind dafür ein bis zwei Klicks pro App erforderlich. Anschließend stellt sich die Frage, wie die SCP auf die Geschäftsdaten im ERP-System zugreifen. In der Regel eignet sich hierzu der SAP Cloud Connector, der für einen sicheren Datenaustausch zwischen den Systemen sorgt.

Eine unzureichende Kommunikation während des Einführungsprozesses kann dazu führen, dass es zu Komplikationen kommt. Ein Beispiel hierfür ist die Gestaltung eines Berechtigungskonzeptes: Wenn nicht jeder Nutzer immer alle Services verwenden können soll, können ihnen verschiedene Rollen, die unterschiedliche Berechtigungen enthalten, zugewiesen werden.

Max-Ludwig Stadler, mindsquare GmbH.
Max-Ludwig Stadler, mindsquare GmbH.
(Bild: mindsquare)

Um geeignete User-Gruppen mit den richtigen Nutzern zu erstellen, ist eine gute Kommunikation zwischen verschiedenen Fachbereichen unabdingbar. Unternehmen profitieren dann von einer einfachen Einführung und den Vorteilen der SAP Cloud Platform.

* Der Autor Max-Ludwig Stadler hat an der Universität Hannover ein Master-Studium im Fach Informatik absolviert und arbeitet seitdem bei der mindsquare GmbH im Fachbereich Mission Mobile. Er ist auf Mobility im SAP-Kontext spezialisiert und beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit unter anderen mit der SAP Cloud Platform.

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