Die Rolle der Enterprise-Architektur für eine erfolgreiche Cloud-Transformation

Mit Fachkompetenz zur erfolgreichen Cloud-Strategie

Seite: 3/3

Firma zum Thema

Komplexität verringern und Risiken vermeiden

Ein einfaches Beispiel kann die Rolle des Enterprise-Architekten veranschaulichen. Ein bestehendes CRM-System soll durch die cloudbasierte Lösung eines anderen Anbieters ersetzt werden. Der Enterprise-Architekt hat die Aufgabe zu bewerten, ob dieses Vorhaben sinnvoll ist. Er identifiziert zunächst drei wichtige Systeme, die näher betrachtet werden müssen. Dazu gehört beispielsweise die Mitarbeiterdatenbank, dazu gehören das CRM-System selbst und eine Applikation für das Forderungsmanagement. Er analysiert die Daten und den Datenaustausch zwischen den Systemen und klärt, welche Interessengruppen im Unternehmen eingebunden werden müssen. Das sind in diesem Beispiel die Finanzabteilung, der Vertrieb, die IT, insbesondere Directory Services, und die Personalabteilung.

Der Enterprise-Architekt wird dann Interviews mit den Beteiligten führen, um folgende Fragen zu klären, die schon bei diesem einfachen Beispiel relativ komplex sind:

Bildergalerie
  • Was ist erforderlich, um die Mitarbeiterdatenbank und das Forderungsmanagementsystem in das neue Cloud-CRM-System zu integrieren? Kann das bereits veraltete Forderungsmanagementsystem, das auf WebSphere basiert, Daten aus dem Cloud-System überhaupt verarbeiten? Gibt es evtl. Bandbreitenprobleme?
  • Vorausgesetzt, die Mitarbeiterdatenbank ist als Aufzeichnungssystem für Mitarbeiterdaten weiterhin geeignet, kann ausgeschlossen werden, dass diese Daten im CRM-System editiert werden können?
  • Welche Sicherheitsrisiken müssen ins Kalkül gezogen werden, damit Kundendaten in der Cloud gespeichert werden können? Wie sicher sind die Daten, wenn sie von der Cloud-Plattform ans Forderungsmanagementsystem zurückgegeben werden?
  • In Zusammenarbeit mit dem Controlling oder einem Vertragsexperten ist zu klären, welche finanziellen Auswirkungen die Einstellung des alten CRM-Systems mit sich bringt.

Sind diese einfacheren, eher technischen Fragen geklärt, entwickelt der Enterprise-Architekt ohne Bezugnahme auf bestehende Systeme ein vereinfachtes Modell des Customer Relationship Managements in seinem Unternehmen, aufgeteilt in die operativen Funktionen Marketing, Sales und Kundenservice und in die analytischen Funktionen Segmentierung, Profitabilität, Kampagnenauswertung, Service Trends und Sentiment-Analyse. Der Abgleich dieser Funktionen mit den Funktionalitäten, die der Cloud-CRM-Provider anbietet, zeigt jedoch, dass die Analytik der Kundenzufriedenheit nicht den Anforderungen entspricht, die das Unternehmen an die CRM-Lösung stellt. Um diesen Schwachpunkt auszugleichen, klärt der Architekt in einer weiteren Diskussionsrunde mit allen Beteiligten mögliche Alternativen. Möglich wäre zum Beispiel die Einbindung eines spezialisierten Anbieters von Sentiment-Analysen auf der eigenen Plattform oder die Suche nach einem geeigneten Partner in Kooperation mit dem Cloud-CRM-Provider, um dessen Lösung in die Cloud-Plattform des Providers einzubinden. Eine dritte Option wäre eine intern installierte und betriebene Analytics-Plattform, die ihre Daten vom Cloud-Provider erhält. Er beziffert anschließend die zu erwartenden finanziellen Auswirkungen dieser drei Alternativen.

Am Ende dieser abteilungsübergreifenden Vorarbeiten präsentiert das Cloud-Team seine konsolidierten Ergebnisse der Unternehmensleitung. Die Präsentation umfasst die Vorteile, die Risiken, die Kosten und eine übergreifende Darstellung der Auswirkungen auf die einbezogenen Unternehmensbereiche. Gute und erfahrene Architekten sind Techniker und Diplomaten zugleich. Sie sind in der Lage, unterschiedliche Funktionen, Interessen und Perspektiven zusammenzuführen – vom Anwender über den Budgetverantwortlichen bis zur Corporate Governance.

Nur mit einem übergreifenden und integrierenden Ansatz kann das gesamte Potenzial einer Cloud-Transformation für das Unternehmen erschlossen werden. Gut ausgebildete Enterprise-Architekten waren für diese Aufgabe schon gut vorbereitet, als Cloud-Computing noch gar nicht als einer der besten Wege zu effektiveren IT-Services etabliert war.

(ID:42766432)