Deutsche wollen europäische KI, Software und Services Mehrheit will digitale Souveränität – wenn der Wechsel nicht so aufwändig wäre

Von Elke Witmer-Goßner 2 min Lesedauer

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Ob KI, Software, Messenger oder Smartphones: Viele digitale Alltagsangebote stammen nicht aus Europa und das möchten die Deutschen ändern. Ein Drittel hat sich bereits bewusst für europäische Anbieter entschieden, aber 55 Prozent erscheint dagegen ein Wechsel zu europäischen Anbietern zu aufwändig.

99 Prozent der Deutschen fordern mehr digitale Unabhängigkeit, doch vielen gilt der Wechsel zu EU-Anbietern als zu aufwändig, findet eine Bitkom-Umfrage heraus.(Bild: ©  BonzEarthsnapper - stock.adobe.com)
99 Prozent der Deutschen fordern mehr digitale Unabhängigkeit, doch vielen gilt der Wechsel zu EU-Anbietern als zu aufwändig, findet eine Bitkom-Umfrage heraus.
(Bild: © BonzEarthsnapper - stock.adobe.com)

Laut einer repräsentativen Telefonbefragung von Bitkom Research unter rund tausend Personen wünschen sich nahezu alle Befragten, dass Deutschland und Europa bei digitalen Technologien unabhängiger werden. Die Erhebung zeigt einen breiten Konsens für mehr digitale Souveränität: 93 Prozent sehen eine deutliche Abhängigkeit von Importen, 79 Prozent sprechen sich für stärkere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien aus, und 99 Prozent halten mehr Unabhängigkeit insgesamt für wichtig.

Bereitschaft vorhanden, doch praktische Hürden bremsen

Im Alltag zeigt sich eine grundsätzliche Bereitschaft, europäische Angebote zu nutzen: 34 Prozent der Menschen in Deutschland haben sich bereits bewusst für einen Dienst oder ein Gerät aus Europa entschieden, weitere 27 Prozent haben darüber zumindest nachgedacht, während 34 Prozent angeben, bislang nicht darüber nachgedacht zu haben.

Gleichzeitig sehen 87 Prozent auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung, sich für mehr digitale Unabhängigkeit anzupassen, und 62 Prozent sind bereit, kurzfristige Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn Deutschland dadurch unabhängiger würde. Dem steht jedoch ein praktisches Hindernis gegenüber: Für 55 Prozent erscheint der Wechsel zu europäischen Anbietern aber häufig zu aufwändig.

Europäische Alternativen: erste Nutzung, viel Potenzial

Europäische Angebote sind bislang nur in einigen Bereichen im Alltag angekommen. 14 Prozent der Befragten geben an, bereits europäische soziale Netzwerke zu nutzen, 13 Prozent verwenden eine europäische Suchmaschine oder einen europäischen Browser und 11 Prozent einen europäischen Messenger. Europäische KI-Anwendungen oder Chatbots kommen bei 6 Prozent zum Einsatz, während 5 Prozent Smartphones europäischer Anbieter nutzen.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin ein vorhandenes, aber noch unerschlossenes Potenzial: Europa müsse digitale Technologien nicht nur entwickeln, sondern schneller skalieren und in die breite Anwendung bringen – mit innovationsfreundlicher Regulierung, mehr Wachstumskapital und einer öffentlichen Beschaffung, die auch jungen Unternehmen echte Chancen biete.

Wintergerst bewertet die Umfrageergebnisse, „dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird“, und fordert „mehr Investitionen und weniger Regulierung“. Kritische Technologien aus Nicht-EU-Ländern müssten in der Anwendung „unsere Anforderungen an Sicherheit und Souveränität“ erfüllen. Gleichzeitig plädiert er für „Kooperationen mit internationalen Tech-Unternehmen auf Augenhöhe“, denn digitale Souveränität lasse sich nicht im Alleingang erreichen; sie entstehe aus Investitionen, maßvoller Regulierung und strategischen Partnerschaften.

Methodik
Grundlage der Ergebnisse ist eine repräsentative Telefonumfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Befragt wurden 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren im Zeitraum der Kalenderwochen 9 bis 12 des Jahres 2026. Abgefragt wurden unter anderem die wahrgenommene Abhängigkeit von ausländischen Technologien, die Bedeutung größerer Unabhängigkeit, bewusste Entscheidungen zugunsten europäischer Anbieter sowie die aktuelle und potenzielle Nutzung europäischer Geräte und Dienste.

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