mbuf-Jahreskongress in Stuttgart

Microsoft-Anwender aktualisieren Technologiewissen

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

Microsoft Business User Forum: Künstliche Intelligenz, das Zusammenwachsen von Cloud und On-Premises, Rights Management und Confidential Computing - all das waren Themen auf dem 10. mbuf Jahreskongress in Stuttgart.
Microsoft Business User Forum: Künstliche Intelligenz, das Zusammenwachsen von Cloud und On-Premises, Rights Management und Confidential Computing - all das waren Themen auf dem 10. mbuf Jahreskongress in Stuttgart. (Bild: mbuf / Alkemade Fotografie)

Beim Jahreskongress der Anwendervereinigung Microsoft Business User Forum (mbuf) in Stuttgart bringen rund 350 Anwender ihr Technologie-Know-how auf den neusten Stand. Im Vordergrund stehen dabei neben Unternehmensanwendungen die Themen Cloud-Migration und künstliche Intelligenz.

„Erfolgsgeschichten der digitalen Transformation“ lautet das Thema der Keynote von Thorsten Herrmann, Geschäftsführer Enterprise Commercial Microsoft Deutschland. Zunächst stellt der Manager den neuen Marktangang von Microsoft im Zusammenhang mit der an Ostern bekanntgegebenen Umorganisation des Unternehmens in zwei Bereiche vor. Der eine Teil von Microsoft konzentriert sich seitdem auf Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz, während der andere auf Geräte und das Nutzererlebnis fokussiert. Der Marktangang soll sich verschieben vom bisherigen Fokus auf den Lizenzverkauf und hin zu gemeinsam mit dem Kunden zu erschaffenden Werten. „Wir brauchen nun Feedback von den Kunden dazu, welche Modelle funktionieren und welche nicht“, ruft Herrmann die Anwender auf.

„Wir ändern unseren Marktangang und brauchen nun Feedback von den Kunden dazu, welche Modelle funktionieren und welche nicht“, ruft Thorsten Herrmann, Geschäftsführer Enterprise Commercial Microsoft Deutschland, die rund 350 Besucher des Jahreskongress der Anwendervereinigung Microsoft Business User Forum (mbuf) in Stuttgart auf.
„Wir ändern unseren Marktangang und brauchen nun Feedback von den Kunden dazu, welche Modelle funktionieren und welche nicht“, ruft Thorsten Herrmann, Geschäftsführer Enterprise Commercial Microsoft Deutschland, die rund 350 Besucher des Jahreskongress der Anwendervereinigung Microsoft Business User Forum (mbuf) in Stuttgart auf. (Bild: mbuf / Alkemade Fotografie)

Microsoft stärkt Enterprise-Fokus und Branchenlösungen

Der Grund für die organisatorische Änderung bei Microsoft liegt laut Herrmann darin, dass sich Märkte disruptiv ändern. Darauf wolle und müsse Microsoft reagieren. Ausgebaut worden sei der Fokus auf den Enterprise-Bereich sowie die Branchenlösungen, die zusammen mit großen Outsourcern und Systemintegratoren wie beispielsweise T-Systems vertrieben werden. Zielbranchen sind Fertigung Handel, Financial Services sowie der Bereich Emerging Commercial Industries, der beispielsweise Medien, Telekommunikation, Logistik, Öl und Gas sowie Versorger umfasst. Im öffentlichen Sektor zielt Microsoft auf die Verwaltung, die Medizin sowie den Bereich Ausbildung und auf Non-Profit Organisationen.

In Sachen IT nennt Herrmann fünf große Konzepte: Mobile first, Cloud first, künstliche Intelligenz, Advanced Analytics sowie Mixed Reality. Ein Beispiel für Mixed Reality ist die Brille Hololens, die in einem Pilotprojekt Wartungstechniker bei Flugzeugturbinen unterstützt. Zentrale Pfeiler von Microsofts IT-Modell sind intelligente Endgeräte, die von Cloud-Systemen gesteuert werden. Als Referenzbeispiel für die Digitale Transformation nennt der Microsoft-Manager ein Projekt des Rückversicherers Munich Re, der über Azure Wetter und Schadensprognosen erstellt und auf Basis dieser Erkenntnisse den Kunden individuell zugeschnittene Versicherungen anbietet.

Was mit künstlicher Intelligenz bereits heute machbar ist, zeigt Marcus Alt, Director des Microsoft Technology Center in München. Das Technology Center beschäftigt sich damit, die Business-Ideen von Microsoft-Kunden in Lösungen zu übersetzen. „Cloud und On-Premises wachsen zusammen, und Artificial Intelligence zieht in alle Lösungen ein“, erläutert Alt. Bei künstlicher Intelligenz unterscheidet der Microsoft-Manager drei Bereiche: Reasoning, Understanding and Interacting. Die ersten beiden Bereiche betreffen das Lernen aus Daten und beantworten die Fragen, was warum passiert ist, und wie der Anwender darauf reagieren soll. Ein Anwendungsbeispiel dafür ist Predictive Maintenance. Der Bereich Interacting bezieht sich auf Interaktionen mit IT-Systemen in natürlicher Sprache, entweder über schriftliche Eingaben an der Tastatur oder über das in ein Mikrofon gesprochene Wort.

Intelligenter Bot verkauft Pkw-Versicherungen

Als Beispiel präsentiert Alt einen Bot, der Kunden anhand von Tastatureingaben und Uploads von Fotos interaktiv die Versicherung für einen Neuwagen empfiehlt. Nachdem sich der Kunde identifiziert hat, zieht der Bot dessen Daten inklusive seines Schadenfreiheitsrabatts und erstellt daraus ein Angebot. Empfindet der Kunde dieses als zu teuer, leitet der Bot das Gespräch automatisch an einen menschlichen Kundenberater weiter und empfiehlt diesem den Rabattsatz, bei dem Kunden erfahrungsgemäß ein Angebot annehmen. Zum Einsatz kommen in diesem Szenario die Microsoft-Komponenten Cortana Suite, Office 365, Dynamics 365 und Azure Cloud.

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„An der Cloud kommt bei der Digitalisierung heute kein Unternehmen mehr vorbei“, erläutert mbuf-Vorstandsprecher Ralph Alkemade, und bestätigt damit ein zentrales Element der Microsoft-Strategie. Mit Dynamics 365 können die Anwender eine komplette betriebswirtschaftliche Lösung auf Wunsch in der Cloud betreiben. „Wir bieten den Kunden die Wahl zwischen einer On-Premise- und einer Cloud-Variante“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics 365 ERP bei Microsoft Deutschland. „Über Dual-Use-Rights können Unternehmen, die Dynamics 365 in der Online-Variante nutzen, sie altenativ auch in der On-Premise-Variante selbst betreiben.“ In den vergangenen zwei Jahren hat sich laut Naujoks der Schwerpunkt der Anfragen in Richtung Cloud-Betrieb gedreht: „Aktuell schließen in der Cloud mehr Neukunden ab als im On-Premise-Bereich. In Deutschland übertreffen wir seit über einem Jahr unsere Cloud-Planungen.“

Anwender von Dynamics 365 favorisieren die Cloud

„Aktuell schließen wir für Dynamics 365 in der Cloud mehr Neukunden ab als im On-Premises-Bereich“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics 365 ERP bei Microsoft Deutschland. „In Deutschland übertreffen wir seit über einem Jahr unsere Cloud-Planungen.“
„Aktuell schließen wir für Dynamics 365 in der Cloud mehr Neukunden ab als im On-Premises-Bereich“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics 365 ERP bei Microsoft Deutschland. „In Deutschland übertreffen wir seit über einem Jahr unsere Cloud-Planungen.“ (Bild: Uwe Nölke www.menschenfotografie.de / Microsoft)

Aktuell habe Microsoft weltweit mehr als 500 Kunden für Dynamics 365 for Finance and Operations live, und mehr als 1000 sind in der Umsetzungsphase. Darunter finde sich eine zweistellige Prozentzahl an Anwendern, die mit mindestens 1000 Usern unterwegs sind. Die Kunden kämen aus allen Industrien, auch aus der Fertigung. Als Mehrwert der Cloud-Variante betrachten Anwender laut Naujoks zum Beispiel die erhöhte Security, einfachere Back-up-Lösungen sowie die gegenüber dem Inhouse-Betrieb erweiterte Funktionalität der Komponenten PowerBI und Machine Learning,

Unter dem Namen Deutschland Cloud bietet Microsoft eine besonders abgesicherte Cloud-Variante an, bei der die Telekom Tochter T-Systems als Datentreuhänder fungiert. Der Zugriff auf die Daten ist auch für Microsoft nur über den Datentreuhänder nach Genehmigung durch den Kunden möglich. Laut einem Bericht des Handelsblatt von März dieses Jahres soll die Deutschland-Cloud ein Ladenhüter sein. „Die Nachfrage nach der Deutschland-Cloud kommt hauptsächlich aus stark regulierten Branchen wie etwa dem Bankensektor“, berichtet Naujoks. „Den meisten anderen Unternehmen reicht aus Datenschutzgründen die europäische Cloud aus.“

Um der wachsenden Cloud-Nachfrage gerecht zu werden, hat Microsoft eine Ausweitung der Angebote aus neuen deutschen Rechenzentren angekündigt. Zusätzlich zu den existierenden Cloud-Angeboten in Deutschland werden Azure, Office 365 und Dynamics 365 aus zwei neuen deutschen Rechenzentrums-Regionen bereitgestellt. Die Dienste ermöglichen die Datenspeicherung in Deutschland und sind zugleich an Microsofts weltweites Public-Cloud-Netzwerk angebunden.

Wie Unternehmen SAP-Systeme abgesichert in die Azure Cloud verlagern, zeigen Andreas Schindler, Cloud Architekt von All for One Steeb und Mario Krukow, Senior Cybersecurity Architect von All for One Steeb in ihrem Vortrag auf. „Die Inhouse-Rechenzentren gehen auch bei SAP-Systemen zurück“, berichtet Schindler. In der Cloud müssten Unternehmen keine überproportionalen Systemlandschaften mit einem oftmals ungenutzten Puffer aufbauen, stattdessen würden die Systeme bei Bedarf automatisch skalieren. Die administrativen Aufwände würden sinken, gleichzeitig steige die Verfügbarkeit. Die Abrechnung der Leistungen finde in der Cloud auf Basis der Nutzung statt.

Die wenigsten Unternehmen migrieren laut Schindler ihre SAP-Systeme komplett in die Cloud. Am häufigsten seien hybride Landschaften, bei denen zunächst neue Anwendungen beispielsweise für das Internet der Dinge in der Cloud implementiert werden.

Rights Management und Confidential Computing sichert SAP-Systeme in Azure

Das Thema Sicherheit sollten Unternehmen laut Krukow allen Cloud-Projekten von Anfang an in ihrer Referenzarchitektur berücksichtigen. Nötig sei zunächst eine Grundentscheidung darüber, welche Inhalte wann in die Cloud wandern dürfen. Im zweiten Schritt könnten Unternehmen die Inhalte in der Cloud besonders absichern. Als eine Möglichkeit dazu bietet All for One Steeb in Zussammenarbeit mit dem Sicherheitsspezialisten Secude die Systemabsicherung über die Microsoft-Komponenten Azure Rights Management und Azure Confidential Computing.

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09.04.18 - Neue Microsoft-Rechenzentren in Deutschland sollen „zusätzlich zu den bereits existierenden Microsoft Cloud-Angeboten in Deutschland“ Azure, Office 365 und Dynamics 365 as a Service anbieten. Es geht also nicht um die „Cloud Deutschland“, die angeblich nicht gut ankommt. lesen

Azure Rights Management ist ein Cloud-basierter Dienst, der Dateien und E-Mails mittels Richtlinien zur Verschlüsselung, Identitätsprüfung und Autorisierung schützt. Damit lassen sich beispielsweise E-Mails so absichern, dass sie nur die Person entschlüsseln kann, für die sie bestimmt sind. Azure Confidential Computing ermöglicht die Verarbeitung von verschlüsselten Dateien in Public-Cloud-Diensten. Selbst im Hauptspeicher bleibe die Verschlüsselung bestehen. So ließen sich beispielsweise sensible Patientendaten für Machine-Learning-Analysen nutzen, ohne sie vorher entschlüsseln zu müssen.

SAP on Azure bieten derzeit in Deutschland fünf SAP-Partner an, und All for One Steeb ist einer von ihnen. „Die Cloud sollten Unternehmen bei allen Digitalisierungsinitiativen berücksichtigen“, rät Schindler. „Wenn die IT-Abteilung nicht dafür sorgt, kommt die Anfrage dafür aus den Fachbereichen.

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