Gewinn für industrielle Geschäftsprojektierung Innovation fördern mit der Cloud

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Die Fähigkeit zur Innovation im eigenen Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr nur Wettbewerbsvorteil, sondern eine unabdingbare Notwendigkeit, um das Fortbestehen des Unternehmens sichern. Verbesserte Infrastruktur, höhere Verarbeitungsgeschwindigkeiten und Interoperabilität fördern Innovation auf fast allen Gebieten.

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Business Cases, die die Cloud involvieren, werden – quasi als Zugabe – auch Innovation nach sich ziehen.
Business Cases, die die Cloud involvieren, werden – quasi als Zugabe – auch Innovation nach sich ziehen.
(Bild: ©Tierney - stock.adobe.com)

Besonders die Anbieter von Services arbeiten sehr kundenorientiert, denn sie wollen ja ihre Kunden dazu motivieren, ihre Service-Abos zu verlängern. In den Release-Zyklen müssen sie ihren Kunden liefern, was im Vertrag steht: neue Funktionen, also Innovationen und Erweiterungen. Sie beschäftigen zu diesem Zweck Chief Innovation Officers, die nichts anderes zu tun haben, als sich weitere Neuerungen auszudenken.

„Die Förderung der Innovation ist ein integraler Teil jedes Business Case, der die Cloud involviert: Sie gehört zu den Benefits“, sagt Karsten Leclerq, Head of Cloud & Infrastructure Services bei PAC Teknowlogy. Der Grund hierfür ist einfach: „Mithilfe der Rechenleistung und Speicherkapazitäten, die die Public Cloud bereitstellt, lassen sich leichter IoT-basierte Projekte sowie Projekte, die Machine Learning und KI nutzen, realisieren.“ Um genau diese Projekte an sich zu ziehen, hätten die Cloud-Anbieter große Anstrengungen unternommen, vortrainierte ML-Modelle in bereits fertige Services einzubauen und differenzieren sich dadurch von ihren jeweiligen Mitbewerbern. „Sie haben sich die Demokratisierung des Machine Learning auf die Fahnen geschrieben.“

„Für Pure Storage geht die Entwicklung innovativer Lösungen sowohl für On-Premises als auch für die Cloud Hand in Hand“, erklärt Markus Grau, Systems Engineer EMEA bei Pure Storage. „Die Cloud spielt heute eine zentrale Rolle für den Erfolg moderner Unternehmen.“ Pure arbeite mit den Branchenführern unter den Hyperscalern zusammen, um die Lösungen zu liefern, die seine Kunden benötigen.

Amazon Lookout for Equipment

Ein Beispiel für cloud-basierte Innovationstechnik ist der Service Amazon Lookout for Equipment, der seit dem Anfang April 2021 generell auch in Europa (AWS-Region EU, Ireland) verfügbar ist. Der cloud-gestützte AWS-Service gibt solchen Kunden, die mit bereits vorhandenen Sensoren arbeiten, die Möglichkeit, Machine Learning-Modelle von AWS zu verwenden, um Anomalien im Verhalten der Geräte zu erkennen und eine vorausschauende Wartung zu ermöglichen, beispielsweise bei Windturbinen. Die vorausschauende Wartung löst die reaktive bzw. die präventive Wartung ab, die im Unterhalt viel kostspieliger sind. Bei der Inbetriebnahme des Service laden die Kunden ihre Sensordaten auf AWS S3 hoch und stellen diesen Speicherort dem Service zur Verfügung.

Amazon Lookout for Equipment versieht Maschinen und Geräte wie etwa Turbinen mit Machine Learning-Funktionen.
Amazon Lookout for Equipment versieht Maschinen und Geräte wie etwa Turbinen mit Machine Learning-Funktionen.
(Bild: © AWS)

Die Machine-Learning-Modelle, die der Service erstellt, sind auf die individuelle Umgebung des Kunden angepasst und lösen Benachrichtigungen bei vordefinierten Schwellenwerten aus, die beispielsweise einen drohenden Maschinenausfall ankündigen. Kunden können Probleme rasch diagnostizieren, Fehlalarme reduzieren und teure Ausfallzeiten vermeiden, indem sie Maßnahmen ergreifen, bevor die Maschinen ausfallen. Der neue Dienst soll Industriekunden helfen, mithilfe maschinellen Lernens (ML) bereits getätigte Investitionen in Anlagensensoren voll auszuschöpfen, indem sie an all ihren bestehenden Industriestandorten vorausschauende Wartung betreiben können. Zu den Kunden und Partnern, die den Dienst bereits einsetzen, zählen u.a. Siemens Energy, Cepsa, Embassy of Things, RoviSys, Seeq und TensorIoT.

Die Einführung der prädiktiven Wartung in der Fläche mag auf den ersten Blick wie ein alter Hut erscheinen, doch dieser Dienst ist nur der erste Schritt Amazons. Mit hardware-basierten Diensten namens „Amazon Lookout for Vision“, „Amazon Monitron“ und „AWS Panorama“ könnten Industriefirmen jeder Größe prädiktive Wartung mit permanenter Überwachung auf Sensor- und Optikebene vor Ort sowie mit Analytik verknüpfen. Die auf AWS und seinen Produkten verarbeiteten Daten lassen sich durch Mobilfunk für Virtual bzw. Augmented Reality verwenden, um so Infektionen zu vermeiden.

Nicht nur Digital Twins

Mit Partnerlösungen wie etwa von PTC oder Autodesk könnten sich durch das Prinzip des Digitalen Zwillings solche reaktiven Anwendungen dazu verwenden lassen, in der Gegenrichtung Produkte und Dienste schneller und kundenorientierter zu entwerfen und zu entwickeln. Dieses Prototyping ist nicht nur in der Automobilindustrie inzwischen ein Muss, sondern auch im Design weiterer Maschinen. Wenn ein Hersteller nämlich seine Maschinen mit lukrativen Premium Services wie etwa prädiktiver Wartung versehen möchte, so muss Digitalisierung von Anfang in den Entwicklungsprozess integriert sein. Es sind schließlich die Daten, die beim Betrieb einer Maschine oder einer Fabrik anfallen, die via Cloud-Service in möglichst kurzer Zeit verarbeitet werden müssen, um den Mehrwert des Service zu erbringen. Cloud-basiertes Machine Learning, IoT und der jeweilige Use Case gehen Hand in Hand. Im Connected Car (oder -Train oder -Plane) wird dieses Szenario weiter vorangetrieben.

Nicht nur Industrie

Die Innovationsförderung der Cloud zeigt sich nicht nur in der Industrie, sondern zunehmend auch im Sport und im Entertainment. Die Deutsche Bundesliga bzw. DFL nutzt KI-Services von AWS, um beispielsweise die Trefferwahrscheinlichkeit eines Spielers in Echtzeit anzuzeigen. „Auf diese Weise möchte die DFL attraktiv bleiben, wenn sie Spielübertragungsrechte verkauft und Besuchertickets verkauft“, sagt Karsten Leclerq.

In den USA hat die National Football League das Gegenstück bereits im Einsatz: Die Trefferwahrscheinlichkeit eines Spielers in Echtzeit wird ebenso angezeigt wie die wahrscheinliche Lauf- oder Wurfrichtung eines bestimmten Spielers. In Prozent und mit Pfeilen, direkt auf dem Bildschirm.

Die Cloud als Betriebssystem

„Zunehmend betrachten Unternehmen die Public Cloud nicht nur als Weg zu mehr Effizienz auf der Ebene der Infrastruktur und um ihre Anwendungen zu modernisieren“, erläutert Leclerq. „Sie betrachten die Public Cloud als eine Betriebsumgebung für geschäftsentscheidende Applikationen wie etwa ERP.“ Die oben genannten neuen Services für IoT, Machine Learning, Blockchain, Spracherkennung und -ausgabe, Bilderkennung (etwa die allgegenwärtigen QR-Codes) und DevOps-Lebenszyklen. „Es lässt sich feststellen, dass der Inhalt von Software-Projekten sich zunehmend von individuellem Programmieren hin zur zusätzlichen Orchestrierung von cloud-basierten Bausteinen verlagert, wodurch sich die Anwendungsentwicklung nicht nur erleichtern, sondern auch beschleunigen lässt.“

Leclerq zählt eine ganze Reihe deutschsprachiger Unternehmen auf, die komplett auf die Innovationsfähigkeit der Cloud setzen:

  • Die Volkswagen Gruppe errichtet ihre „Industrial Cloud“ auf AWS und verlässt sich auf Azure, um ihre Fahrzeuge miteinander zu verbinden. Den Fahrern dieser Connected Cars bieten die oben erwähnten Premium Services, so etwa Parkplatzsuche oder Hotelbuchung vom Auto aus: Software löst den Wert der Hardware ab. AWS und die BMW Group entwickeln, wie am 8. Dezember 2020 verlautbart, gemeinschaftlich neuartige Cloud-Lösungen und qualifizieren bis zu 5.000 Software-Entwickler für den Einsatz von Cloud-Technologien.
  • Die Deutsche Börse arbeitet mit Google Cloud (GCP) und Azure zusammen, um die Entwicklung „neuer“ Technologien wie Big Data und Analytik, Automation/Machine Learning und DLT/Blockchain zu beschleunigen. Die Abteilung „Market Data and Services“ stellt ihr Open Data Set via AWS zur Verfügung. So können Partner weitere Services daraus entwickeln.
  • ABB setzt auf der Azure Cloud auf die KI- und IoT-Dienste von Salesforce, um ihre digitale branchenübergreifende „Ability“-Plattform zu bauen. Evonik arbeitet mit IBM an der Entwicklung kognitiver, cloud-basierter Applikationen in Bereichen wie Blockchain, IoT, Industrie 4.0 und Quantenrechnen.
  • Die Lufthansa hat Google Cloud zu ihrem strategischen Partner für Vertrieb, Marketing und die Optimierung des Flugverkehrs erklärt. Die Fluggesellschaft verlässt sich auf Azure hinsichtlich ihrer „Global Aviation Cloud“ und auf die hauseigene AVIATAR-Plattform von Lufthansa Technik.
  • Die Experten der DB Cargo und ihrer Softwarefirma amspire lab gehen mit großen Datenmengen um, die sie in einem sogenannten Asset Intelligence Center (AIC) optimal auswerten müssen. Dieses verfügt in der DB Cargo Enterprise Cloud, die bei Amazon S3 Glacier und MS Azure betrieben wird, über einen umfassenden Data Lake. Digitale Diagnose und automatische Schadenserkennung bei Frachtwaggons sind nur zwei von vielen Services, die bei DB Cargo entwickelt worden sind. Das Asset Management erfolgt ebenso in der Cloud wie die Entwicklung von Fahrgast-Diensten.
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Die neue Lust am Wachstum

Die Firma Teamgeist GmbH fördert die Teambildung organisiert dazu in der gesamten DACH-Region und in Europa Team-Events, inzwischen v.a. digital. Als technische Plattform dient die CRM-Lösung GenesisWorld der Karlsruher Firma CAS Software. Sie wird als SaaS-Lösung in der Cloud betrieben. Vertrieb und Marketing nutzen die vielfältigen Optionen der Software für die komplexe Logistik und viele andere Zwecke.

Splunk ist in die Systemarchitektur von DB Cargo für die Datenerfassung und -auswertung eingebunden.
Splunk ist in die Systemarchitektur von DB Cargo für die Datenerfassung und -auswertung eingebunden.
(Bild: © amspire lab/DB Cargo)

„Wir haben den Anspruch, mit innovativen Konzepten und maßgeschneiderten Produkten immer am Puls der Eventbranche zu sein“, sagt Andreas Felix, verantwortlich für Marketing & Vertrieb. „Zusammengenommen mit dem Wachstum der letzten Jahre, sind Flexibilität und Skalierbarkeit in allen Bereichen von enormer Bedeutung. Wir benötigen IT-Systeme, die sich permanent verändernden Strukturen anpassen können und mit unseren eigenen Bedürfnissen mitwachsen.“ Gerade die letzten Monate hätten ihm gezeigt, wie wichtig und richtig die Entscheidung zu Cloud-Lösungen, als stabiles Fundament der betrieblichen Abläufe, in der Vergangenheit für sein Unternehmen gewesen sei.

Karsten Leclerq sieht erhebliches Innovationspotenzial aus der Kooperation zwischen Mittelstand und dem Gaia-X-Projekt: „Es gibt eine gemeinsame Architektur und selbstentwickelte bzw. europäische Standards für Interoperabilität, Security und Datenschutz (DSGVO).“

Das Ohr am Kunden

„Wir nehmen das Kundenfeedback bei Pure sehr ernst“, berichtet Markus Grau von Pure Storage. „Wir haben einen mehrgleisigen Ansatz, um Feedback einzuholen und Kunden zufriedenzustellen.“ Pures Customer Success Team arbeite weltweit Hand in Hand mit den Kunden, von dem Moment an, in dem sie an Bord kommen. „Wir legen großen Wert darauf, unseren Kunden über unsere Pure1-Management-Software vorausschauenden und proaktiven Support zu bieten, und wir investieren stark in unsere eigene Support-Strategie.“

Zusätzlich betreibe sein Unternehmen ein Partner Advisory Council (PAC), also einen Beirat. „Hier sitzen Partner aus verschiedenen Regionen, Branchen und Größen zusammen und geben die Bedürfnisse der Partner und Kunden an Pure weiter, auch wenn es um Cloud-Support geht.“ Pure wird mit einem sehr hohen Net Promoter Score von 83,5 Prozent bewertet.

Ist Ihre Innovation sicher?

„Die Voraussetzung für Innovationsfähigkeit ist unter anderem die digitale Souveränität, besonders durch den Schutz der eigenen Daten vor dem Zugriff Dritter“, sagt Martin Hubschneider, Vorstandsvorsitzender von CAS Software sowie Vizepräsident und Vorstand des Bundesverbands IT-Mittelstand e.V. (BitMi).

„Gerade die Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden aus wirklich allen Branchen und Arbeitsfeldern, führt uns immer wieder zu kritischen Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Bedürfnissen und Notwendigkeiten für die sichere und qualitativ hochwertige Umsetzung von Firmenevents“, berichtet Andreas Felix von Teamgeist. „Um den Teilnehmenden und Auftraggebern genau diese Sicherheit zu bieten, kommen für Teamgeist keine Kompromisse in Frage. Beim Thema Datenschutz und Datensicherheit vertrauen wir ganz besonders und aus gutem Grund auf Partnerunternehmen aus unseren regionalen Netzwerken in Deutschland.“

Das sieht auch Hubschneider so: „Bei der Auswahl der richtigen Lösung sollte man genauso sorgfältig vorgehen wie bei der Auswahl des Ehepartners. Das Gütesiegel ‚fair.digital‘, aber auch die Siegel ‚Software Made in Germany‘ und ‚Software Hosted in Germany‘ geben Orientierung bei der Beschaffung.“

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