Kundenkonferenz Inforum 2016 in New York

Infor setzt auf Cloud, Transformation und AWS

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Die Inforum 2016-Konferenz fand vom 10. bis 13 Juli im riesigen Javits Center in New York City statt.
Die Inforum 2016-Konferenz fand vom 10. bis 13 Juli im riesigen Javits Center in New York City statt. (Bild: Infor)

Infor, weltweit die Nummer 3 im ERP-Software-Markt und mit ausgeprägtem Branchenfokus, hat auf seiner Kundenkonferenz in New York eine Reihe neuer Produkte vorgestellt. Infors Strategie, Cloud-Suiten für möglichst viele Branchen zu entwickeln und auf AWS bereitzustellen, stößt bei seinen 90.000 Kunden auf immer mehr Interesse.

Bis vor wenigen Jahren galt Infor als eine Art Gemischtwarenladen, denn die Wachstumsstrategie bestand im Aufkauf bedeutender Branchenführer wie Baan, Lawson, M3, GT Nexus und anderen. Marktbeobachter fragten sich, wie sich deren Lösungen, die verschiedenste Branchen abdecken, zu Synergieeffekten verbinden lassen würden.

Spätestens 2015 wurde klar, dass CEO Charles Phillips nicht nur die Vereinigung dieser Lösungen im Blick hat, sondern sie auch alle in die Cloud bringen will: als Cloud-Suiten. Seine Strategie bestehe darin, den Kunden die digitale Transformation zu ermöglichen, sagte er jetzt in New York.

H&L Digital

Die digitale Transformation ist ein Schlagwort, mit dem viele Unternehmen um sich werfen. Infor will seine Kunden dafür mit einer eigens gegründeten Abteilung unterstützen: H&L Digital, eine Unterabteilung der Infor-eigenen Design-Agentur Hook & Loop, beschäftigt sich mit der Bereitstellung von digitalen End-to-End-Lösungen in der Cloud. „Unsere Kunden können zusammen mit H&L Digital digitale Transformationslösungen entwickeln, die speziell auf sie zugeschnitten sind“, sagt Andreas Anand, Vice President für Infor Consulting Services in Zentraleuropa.. Das kann beispielsweise eine Lösung für ein Luftfahrtunternehmen sein, die den Anwendern unter einer einzigen Oberfläche alle Funktionen und Daten liefert, die sie benötigen: „HR-Verantwortliche sehen so, welche Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben am qualifiziertesten sind, Sales-Mitarbeiter finden die Unique Selling Points zu einer Turbine, und Designer konfigurieren die Sitze der ersten Klasse neu.“ Alles geschehe unter ein- und derselben Oberfläche, die sich allen Endgeräten anpasst. Responsive Design hielt bei Infor bereits vor einigen Jahren Einzug.

Industry, Internet, Design, Science und Network

Der CEO stellte in New York die Strategie vor, mit der diese Transformation in der Realität umgesetzt werden soll. „Industry“, also Branche, ist die erste der fünf Säulen, auf denen die Infor-Strategie derzeit ruht.: Industry, Internet, Design, Science und Network. „Das Angebot branchenspezifischer Cloud-Applikationen ist essentiell, da sich Lösungen in der Wolke nicht nachträglich verändern lassen. Wir bedienen natürlich typische Industrien wie Maschinenbau und Automotive, aber auch den Einzelhandel, die Modeindustrie, die Nahrungsmittelbranche oder öffentliche Behörden“, sagt Anand. In der Kundengröße sei Infor flexibel – das Unternehmen bedient den Bedarf großer und mittlerer Unternehmen gleichermaßen.

15 Cloud-Suiten für die verschiedensten Branchen und Bereiche

„Da Cloud-Applikationen nur vorab konfiguriert werden können, aber kein Customizing zulassen, arbeitet Infor verstärkt mit Kunden zusammen, um deren Anforderungen in Lösungen zu integrieren“, sagt Anand. Dieses Prinzip der Co-Innovation ist bereits von SAP bekannt. „Von diesen Verbesserungen profitieren auch andere Unternehmen“, so Anand weiter: „Infors Cloud-Suiten sind so immer stärker auf die verschiedenen Sub-Branchen (Micro-Verticals) zugeschnitten.“ Kein Wunder also, dass es mittlerweile 15 Cloud-Suiten sind. „Es gibt neue Cloud-Suiten für Krankenhäuser, das Vermietungsgeschäft, den Einzelhandel, Behörden, High-Tech-Elektronik und die Chemiebranche”, sagte Phillips.

Das klingt, als sei Infor immer noch auf dem Stand eines Gemischtwarenladens, doch der ERP-Anbieter steckt einen hohen Anteil seines Gewinns in Forschung und Entwicklung, um Synergien zu nutzen. „In den Cloud-Suiten vereinigen sich geschäftskritische Apps mit Rand-Applikationen wie SCM, CRM oder BI“, fährt Anand fort. „Zusätzlich haben wir Muster erkannt, die sich von einer Branche auf andere übertragen lassen – etwa die Sortimentsplanung im Bereich Retail, deren Algorithmen denen von Krankenhäusern ähneln.“

Die Rezepturverwaltung aus dem Food-Umfeld wiederum habe Infor in Zusammenarbeit mit einem Chemie-Unternehmen als Blaupause für die Chemiebranche genutzt. Dazu habe Infor sein PLM (Product Lifecycle Management) Optiva eingebracht, zusammen mit Infor M3: „Die in PLM Optiva generierte Rezeptur lässt sich ohne Unterbrechung an M3 senden und geht von dort aus zum Beispiel an den Kunden“, erläutert Anand. Zudem habe Infor Compliance-Funktionen integriert – wichtig im Chemie-Business.

ERP aus der Public Cloud

Was die Strategiesäule „Internet“ angeht, so setzt die Software laut Anand „auf global genutzte Standards, ist skalierbar, lose gekoppelt, basiert auf Open Source und ist XML-basiert. Die Cloud ist global verfügbar, multimandantenfähig und durch elastische Hochleistungsrechner gestützt.“

Die Cloud-Suiten stellt Infor allesamt auf Amazon Web Services (AWS) bereit, so wie es bereits SAP tut. Ob auch MS Azure unterstützt werden soll, ist noch unklar. Doch der Anbieter bekennt sich eindeutig zum Hybrid Cloud Modell. „Auch wenn wir die Zukunft der Geschäftssoftware in der Cloud sehen, müssen wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, die digitale Transformation in ihrem eigenen Tempo zu gestalten“, sagt Andreas Anand.

Infor ION als Middleware

Für die Integration von traditionellen On-Premise-Lösungen und Cloud-Suiten kommt die Middleware Infor ION zum Einsatz. Sie sorge, so Anand, für eine reibungslose Zusammenarbeit der Applikationen, völlig ungeachtet ihrer Bereitstellung. Infor ION sei entsprechend flexibel, so dass einzelne Lösungen flexibel angebunden, aber auch wieder entfernt werden könnten. Auf diese Weise ließen sich Lösungen nach und nach in die Cloud verlagern, wenn sich ein Kunde dazu entscheidet. „Dabei hilft im Übrigen UpgradeX, ein Service, der speziell dafür designt wurde, den Übergang zur Cloud zu beschleunigen“, so Anand.

Analytik

Der uninformierte Besucher der Infor-Kundenkonferenz wunderte sich immer wieder, warum dem doch so bedeutenden Thema der Analytik so wenig Gewicht zugemessen wurde. Der Grund ist recht simpel: Die Analysefunktionen wie etwa Berichtswesen, Planung und Prognosen sind meist bereits eingebettet. Speziell für Prognosen im Einzelhandel hat Infor den BI-Anbieter Predictix gekauft.

„Predictix liefert“, so Anand, „für die Cloud entwickelte Predictive-Analytics-Lösungen, die sich an Retailer richten und Konzepte des maschinellen Lernens nutzen. So lassen sich neben den Analysen auch wertvolle Handlungsempfehlungen generieren, die nicht nur Super-Usern, sondern einer Vielzahl an Mitarbeitern den Arbeitsalltag erleichtern sollen.“

So werde beispielsweise die neue Cloud-Suite Retail durch Predictix um leistungsfähige Funktionen ergänzt. Weitergehende Technologien wie etwa maschinelles Lernen werden am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt und nach und nach in die Suiten integriert. Diese „Science“ genannte Disziplin ist eine weitere Säule der Infor-Strategie.

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