Hybrid- und Multi-Cloud-Architektur

Hybrid-Cloud steigert Agilität und reduziert IT-Kosten

| Autor / Redakteur: Stefan Girschner / Florian Karlstetter

Hybrid-Cloud vor dem Durchbruch: Cloud-Technologien werden in den nächsten Jahren On-Premises-Software und traditionelles Hosting beim Wachstum abhängen.
Hybrid-Cloud vor dem Durchbruch: Cloud-Technologien werden in den nächsten Jahren On-Premises-Software und traditionelles Hosting beim Wachstum abhängen. (Bild: © denisismagilov - stock.adobe.com)

Durch den steigenden Vernetzungs- und Digitalisierungsgrad nimmt der Einsatz von Cloud-Technologien kontinuierlich zu. Entscheidend ist dabei, dass der Reifegrad von Private- und Hybrid-Cloud-Betriebsmodellen nach Ansicht von Analysten inzwischen als geschäftstauglich gilt und somit auch für anspruchsvolle IT-Services geeignet ist. Insbesondere der Mischbetrieb in Form einer Hybrid-Cloud-Umgebung, bei der die Vorteile einer Public- und Private-Cloud miteinander verbunden werden, wird für Anwender immer attraktiver.

Bei der Einführung einer Cloud-basierten Umgebung stehen Anwender häufig noch vor großen Hindernissen. Zu diesen zählen Kompetenzgerangel zwischen IT-Abteilung und Fachabteilungen, technische Schwierigkeiten bei der Anwendungs-Migration oder auch die Wahl der richtigen Einführungsstrategie. Wie die Adoption von Hybrid-Cloud-Modellen in mittelständischen Unternehmen erfolgen kann, diskutierten Experten aus Industrie, Verbänden und Beratungshäusern auf der diesjährigen Cebit im Juni 2018.

Die Einführung von Cloud-Lösungen ist für Unternehmen in der Praxis nicht immer so einfach umzusetzen, wie die großen IT-Anbieter dies häufig versprechen. Heiko Henkes, Director Advisor bei dem Marktforschungs- und Beratungshaus ISG Information Services Group, kennt solche Beispiele: „In großen Konzern müssen erst mal hunderte von Applikationen analysiert werden, ob und wie sie sich zur Überführung in die Cloud eignen. Das sind Mammutaufgaben für die IT-Organisation und die Geschäftsbereiche.“

Es sind aber nicht nur technische Themen, die der schnellen Cloud-Adoption im Weg stehen können. Auch organisatorische und strategische Aspekte sollten beim Umstieg auf Cloud-Services bedacht werden. Einer davon ist die mögliche Entmachtung der IT-Abteilung, erklärte Henkes: „Wenn die IT-Abteilungen nicht schnell genug reagieren, beschaffen sich die Fachabteilungen selbständig neue Lösungen auf Basis von Hyperscalern wie AWS oder Microsoft Azure. Auf diese Weise entstehen am Ende ganz neue Silos.“

IT-Abteilungen werden zu Business-Enablern

Eine ähnliche Ansicht vertrat Patrick Quellmalz, Geschäftsführer der VOICE-CIO Service GmbH und Sprecher des VOICE – Bundesverband der IT-Anwender e.V., der die Nöte und Herausforderungen der Anwender kennt. Unter Berücksichtigung der Sichtweise von Cloud-Verantwortlichen in Unternehmen erläuterte er das Spannungsfeld zwischen IT-Abteilung und Anwender: „Die Anwender erwarten, dass sie schnell alle Leistungen beziehen können – am besten aus der Cloud und mit Kreditkarte bezahlt. Mit den teils statischen Prozessen ist das heute aber nicht immer möglich. Die IT-Abteilungen erkennen aber diese Bedürfnisse und wandeln sich zum Business-Enabler. Gefragt sind heute nicht mehr feste Regeln, sondern eher Leitplanken, an denen sich die Anwender orientieren können.“

Erschwerend kommt hinzu, dass beispielsweise in den DAX-30-Unternehmen die Nutzung von Cloud-Technologien noch recht unterschiedlich erfolgt. Viele befassen sich jedoch mit Cloud-Governance, um solche Szenarien unter Kontrolle zu bringen, und entwickeln Frameworks für eine IT-betreute Cloud-Nutzung. Eine ähnliche Ausgangslage ist bei kleinen und mittleren Unternehmen zu beobachten, wie Martin Wunderli, CTO des IT-Dienstleisters Trivadis, bei der Diskussionsrunde erläuterte: „Die IT-Abteilungen stellen fest, dass die Mitarbeiter Cloud-Dienste nutzen, und müssen dann überlegen, wie sie damit umgehen sollen. In diesem Zusammenhang wird immer deutlicher, dass auf die IT eine neue Rolle zukommt, denn sie vollzieht eine Wandlung vom Hardware-Bereitsteller zum Cloud-Broker.“

Spannend ist dabei die Frage, wie den IT-Organisationen dieser Wandel gelingt. Als nützliche Partner für die Transformation stehen ihnen dabei die Serviceprovider zur Seite, wie Erich Vogel, Cloud Leader bei der Computacenter AG, ausführte: „Die IT muss sich in den Unternehmen zu einem Umsetzungspartner entwickeln, den die Fachbereiche akzeptieren. Wichtig ist dabei, dass man die Governance-Mittel richtig einsetzt, um mit dem Serviceangebot als Partner und nicht als Verhinderer wahrgenommen zu werden. Dafür braucht es IT-Verantwortliche, die die Beraterrolle beherrschen und sich in die Bedürfnisse der Fachabteilungen hineinversetzen können.“

Umstieg auf die Cloud mithilfe hybrider IT-Architekturen

Eine viel diskutierte Frage war die nach dem richtigen Vorgehen beim Einstieg in die Cloud-Technologie. Während neu gegründete Unternehmen ohne Altlasten in die Cloud starten können, verfügen ältere Unternehmen in der Regel über klassische On-Premises-Infrastrukturen, die sich nicht von heute auf morgen umschalten lassen. Als Brücke in die Cloud setzt man hier auf hybride Architekturen, die einen schrittweisen Umstieg ermöglichen. Allgemeingültige Vorgehensweisen gibt es dabei kaum, es kommt auf die individuelle Betrachtung an.

Der IT-Dienstleister DATEV mit einer langen Unternehmenshistorie hat schon vor dem Cloud-Hype den Handlungsbedarf in diesem Bereich erkannt, erklärte Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DATEV eG. „Uns ist der reibungslose Datenfluss zwischen den Unternehmen und ihren Steuerberatern wichtig. Deshalb haben wir uns nach außen zu allen relevanten externen IT-Ökosystemen geöffnet und bieten leistungsfähige Schnittstellen an“, so Schwarzer. „So lassen sich mittlerweile viele Systeme an die DATEV-Cloud anbinden – darunter Lösungen von SAP, Lexware, Sage, Microsoft oder aus der Salesforce-Welt. Die Anwender können auf diese Weise medienbruchfrei auf nahezu beliebige Cloud-Systeme zugreifen und Daten austauschen.“

Anwendungen auf Cloud-Fähigkeit überprüfen

Gerade in mittelständischen Unternehmen kann ein solcher Weg der Öffnung der ideale Einstieg sein, betonte Andreas Zipser, Vice President Sales Central Europe bei dem Business-Software-Anbieter Sage: „Aus diesem Grund haben wir im ERP-Bereich neben rein Cloud-basierten Lösungen auch nach wie vor On-Premise-Anwendungen im Angebot, die über vielfältige Schnittstellen nach außen für flexible Anbindungsmöglichkeiten zu Salesforce, Office 365, Google und anderen Diensten verfügen. So können Anwender beispielsweise problemlos Rechnungen aus der Finanzbuchhaltung mit Office 365-Teamräumen teilen.“

Auch in den kleinen und mittleren Unternehmen kommt es darauf an, sich den richtigen Partner für Governance und Technologiestrategie an Bord zu holen, erklärte Ralf Klemke, Leiter Strategie und Geschäftsfeldentwicklung bei PlusServer, einem der Marktführer im Bereich Managed Hosting im DACH-Raum. „Wir analysieren in solchen Szenarien erst einmal die Anwendungen auf ihre Cloud-Fähigkeit, betrachten Kosten- und Lizenzoptionen und wählen dann den passenden Hyperscaler aus. Im Sinne des Hybrid-Cloud-Modells binden wir bei Bedarf auch noch leistungsfähige Server im Rechenzentrum mit ein“, sagte Klemke.

Cloud-Transformation schafft neue Aufgaben

Die Experten diskutierten darüber hinaus über die Veränderung der Jobs und Rollen in der IT durch die Transformation in das Cloud-Zeitalter. So stellte Silvio Kleesattel, CTO bei dem IT-Dienstleister Beck et al. Services, fest, dass die Anforderung an neue Kompetenzen bei den völlig veränderten Release-Zyklen beginnen würde. „Früher verlief der Austausch von IT-Infrastrukturen über mehrere Jahre, heute betragen die Release-Zyklen für neue Funktionen nur noch einige Wochen. Und auch die Beschaffung hat sich einschneidend geändert, von Lizenzen zu Subskriptionen, deren Nutzung man messen und optimieren kann“, so Kleesattel.

Am Ende der Diskussionsrunde wurden die Perspektiven des Cloud-Marktes im DACH-Raum von dem Analysten Heiko Henkes herausgestellt. Seiner Einschätzung nach sei mit einer starken Konsolidierung der Anbieter zu rechnen. Zudem geht er davon aus, dass die Unternehmen künftig wieder verstärkt in Richtung einer IT-Zentralisierung tendieren werden. Eines steht jedenfalls fest: Cloud-Technologien werden in den nächsten Jahren On-Premises-Software und traditionelles Hosting beim Wachstum abhängen. So gehen die ISG-Analysten davon aus, dass der Cloud-Markt in Deutschland bis zum Jahr 2020 um jährlich 28 Prozent ansteigen und dann ein Volumen von 31,5 Milliarden Euro erreichen wird. Freuen dürften sich darüber insbesondere die Anbieter von Cloud-Lösungen und -Services.

Der Autor: Stefan Girschner, freier Journalist in München

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