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Was ist das bessere Homeoffice? Digital Workplace und Virtual Desktop im Vergleich

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Homeoffices boomen, CloudComputing-Insider hat dazu bereits viele Beiträge gebracht. Dabei wurde offenkundig, dass unter dem Label des „Homeoffice“ verschiedenste Konzepte verstanden werden. Wenn wir einfache Konfigurationen mit Collaboration-Tools und Cloud-Instanzen außen vorlassen, bleiben hauptsächlich zwei Ansätze übrig: Digital Workplace und Virtual Desktop.

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Digital Workplace und Virtual Desktop gelten beide als „Homeoffice“. Was aber unterscheidet sie?
Digital Workplace und Virtual Desktop gelten beide als „Homeoffice“. Was aber unterscheidet sie?
(Bild: gemeinfrei© ptra / Pixabay )

Virtual Desktop Infrastructure

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet eine Virtual Desktop Infrastructure (VDI), einen PC zu virtualisieren. Dieser virtualisierte PC kann als Service angeboten und bereitgestellt werden, ob vom Unternehmen des Heimarbeiters oder von einem spezialisierten Dienstleister. Das primäre Ziel von VDI lautet zentrale Bereitstellung. Dadurch ist es möglich, die verfügbaren Ressourcen zu teilen. Das Gerät, auf dem der virtualisierter PC am Ende bereitgestellt wird, muss zu diesem Zweck keine Hochleistungsmaschine à la Workstation sein. Ein gängiger Heim-PC oder ein handelsübliches Notebook genügen.

Es gibt viele Beispiele für Virtual Desktops, ein bekanntes stammt von Microsoft. Windows Virtual Desktop mache den virtuellen Einsatz von Windows 10 skalierbar für viele Desktop-Anwender parallel möglich. Der Cloud-Service ist für Microsoft 365 verfügbar und für Office 365 ProPlus optimiert.

In einem Whitepaper erläutert der Konzern, wie Windows Virtual Desktop die Komplexität bei der Bereitstellung virtueller Desktops reduziert und welche Bereitstellungsvarianten es für eine bestmögliche Individualisierung gibt – ob Single Session (Virtual Desktop Infrastructure, VDI) oder Multi Session (Remote Desktop Services, RDS).

Neben Microsoft gibt es jede Menge weiterer Anbieter, etwa Citrix, OneClick, VMware oder Nutanix. Deren Chef der Technikmannschaft in Deutschland und Österreich, Dr. Markus Pleier, weist auf die Evolution des VDI-Konzeptes hin: „Als besonders attraktives Modell im Bereich Business-Lösungen bietet sich Desktop-as-a-Service (DaaS) an, bei dem die gesamte Verantwortung von Hardware und Software an einen Provider outgesourct wird und die Benutzerschnittstelle nur noch der Browser ist. Die virtuellen Desktops werden dabei in der Cloud des Providers gehostet – wobei der Charme darin liegt, dass dieser Provider auch der jeweilige Arbeitgeber oder ein lokaler Managed-Services-Anbieter sein kann. Somit hat DaaS das Konzept der Desktop-Virtualisierung zu einer Business-ready-Lösung weiterentwickelt“, so Pleier.

Digital Workplace

Im Vergleich zur VDI reicht das Konzept eines Digital Workplace ungleich weiter. Neben einem virtuellen PC oder Laptop umfasst es weitere für einen Arbeitsplatz typische Anwendungen und Geräte wie Telefonanlagen, Video-Konferenzsysteme, VPN oder Video-Kameras. Alle dafür notwendige Software, aber auch sämtliche Daten verbleiben dabei im Rechenzentrum.

In Zeiten vor Corona diente das Digital-Workplace-Konzept vor allem dazu, junge ITler in ein Unternehmen zu holen und dort produktiv zu halten: „Remote Work und Arbeits- & Office-Konzepte nach dem Vorbild von Coworking Spaces, Digital Labs oder Digital Factories haben sich zunehmend verbreitet und sind zum integralen Bestandteil der Digitalisierungsstrategie deutscher Unternehmen geworden“, berichtet Anna-Lena Schwalm, Analystin des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research. „Als Ergänzung zu altbekannten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen werden neue Arbeitsumgebungen für das Vorantreiben neuer digitaler Produktideen und Geschäftsmodelle geboten und ermöglichen es den Mitarbeitern, raus aus den starren Arbeitsstrukturen in neue agile und flexible Ideenentwicklungsmethoden einzutauchen.“

Dies sei meist durch die besondere Gestaltung der Räumlichkeiten betont worden, etwa indem Großraumbüros mit farbenfrohen Wänden, Sofas und Sitzsäcken, Whiteboards, Lego & Co. ausgestattet wurden. Die Bilder aus den Google-Offices sind weithin bekannt. In der Regel waren es dedizierte Organisationseinheiten, die in den sogenannten Kreativitätsstätten Einsatz fanden. Unternehmen konnten so das traditionelle Geschäft fortsetzen und gleichzeitig agile Tätigkeiten, die über Routinen und Standards hinausgehen, vorantreiben.

Das stellt hohe Ansprüche an die Infrastruktur, die zudem mit geeignetem Personal im Rahmen erprobter und leistungsfähiger Prozesse betrieben und abgesichert werden muss. Menschen, Abläufe sowie Rechenzentren inklusive ihrer Infrastruktur und Architektur spielen hier eine wichtigere Rolle als bei VDI. Nur wenn diese Rolle ausgefüllt wird, ist es möglich, Menschen über ihren digitalen Arbeitsplatz miteinander zu verbinden und nicht nur Applikationen und Rechnerarchitekturen zu teilen.

„Mit steigendem Anspruch an die Mobility- und Workplace-Architekturen steigt auch die Komplexität in den Managementlösungen“, kommentiert Maximilian Hille bei Crisp Research als Senior Analyst und Practice Lead tätig. „Zudem wandeln sich die Design- und Auswahlkriterien immer wieder. Was vor wenigen Jahren im Bereich Enterprise Mobility Management noch innovativ und neu war, ist in diesem Jahr schon Commodity.“ So sei etwa die Benutzung von Smartphones und mobilen Endgeräten im Business-Kontext mittlerweile fraglos zum Standard avanciert. Die Bereitstellung und Einrichtung erfolge „over the air“, hier haben alle Anbieter einen Standard etabliert. Damit kommen Apps und Voreinstellungen direkt auf das Gerät, das als mobiler PC-Ersatz vollständig funktionieren kann.

Hilles Beobachtung nach verlagern sich die Entscheidungs- und Design-Kriterien für den digitalen Arbeitsplatz und deren Management-Systeme aktuell auf die Bereiche Security und Automation.

Security

Mit immer mehr Mitarbeitern im Homeoffice stellt sich die Frage der Sicherheit nochmal völlig neu. Unified Endpoint Management trug schon immer zu einem sicheren und datenschutzkonformen Umgang mit Endgeräten und Apps bei, nun wird der Schutz jedoch deutlich ausgeweitet. Sowohl vor Bedrohungen von außen etwa durch Ransom- oder Malware als auch von innen durch unachtsame Nutzung müssen die Systeme gewappnet sein.

Anbieter und Anwender hoffen gleichermaßen auf künstlich intelligente Anwendungen: Mit Hilfe von Machine Learning könnten Echtzeitanalysen gefahren, Anomalien im Verhalten erkannt, und eine Reaktion ausgelöst werden. Dafür muss dann das Workspace-, Service- und Security-Management möglichst stark zusammenwachsen. Wünschenswert wäre eine abwehrbereite und resiliente – also sich selbst schnell wiederherstellende – Workspace-Infrastruktur.

Automatisierung

Aktives und reaktives Workplace Management ist zu einem wichtigen Faktor geworden. „Dass eine Echtzeit-Entscheidung zur Sperrung von Zugängen oder Geräten nicht mehr von Menschenhand erfolgen kann, ist klar“, so Hille. Daher sollen Machine Learning und AI-Lösungen dabei helfen, das Management fast vollständig zu automatisieren. „Die Admin- und IT-Teams legen die Richtlinien fest und optimieren den Zugriff auf die Anwendungen für eine optimale User Experience, während die standardisierbaren Schutz- und Management-Aufgaben automatisiert erfolgen können“, so der Analyst.

Sicherheitsrichtlinien lassen sich außerdem noch um Regeln für die Mikrosegmentierung ergänzen, die den Datenverkehr von virtuellen Maschinen regeln, und zusätzlich mit den Identitäten der Anwender verknüpfen. Werden sie automatisiert angewandt und durchgesetzt, lässt sich das Risiko des Datenverlusts und unautorisierten Zugriffs deutlich vermindern, wie auch Nutanix-Mann Pleier betont: „Identitätsbasierende Richtlinien sorgen dafür, dass Remote-Anwender ausschließlich auf diejenigen Anwendungen und Dienste zugreifen, für die sie eine Berechtigung besitzen.“

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist