Von lokal installierten Programmen über Server-Based Computing bis SaaS Die moderne Anwendungs­be­reit­stel­lung ist hybrid

Von Chris Marks* 4 min Lesedauer

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Die Anwendungsbereitstellung hat in den vergangenen 30 Jahren mehrere Strukturwechsel erlebt – von lokal installierten Programmen über Server-Based Computing bis zu SaaS und hybriden Betriebsmodellen. Die historische Entwicklung zeigt, warum Unternehmen heute verstärkt auf flexible Mischformen setzen und welche technologischen Trends den Markt prägen.

Die Bereitstellung von Anwendungen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten von lokalen Installationen zu hybriden und cloudbasierten Modellen weiterentwickelt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Die Bereitstellung von Anwendungen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten von lokalen Installationen zu hybriden und cloudbasierten Modellen weiterentwickelt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Bereitstellung von Anwendungen und Daten hat seit ihren Anfängen vor rund drei Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen. Betrachtet man diese Entwicklungsgeschichte näher, wird deutlich, dass sich sowohl die Bedürfnisse von Unternehmen als auch die verfügbaren Technologien stetig weiterentwickelt haben: Während Unternehmen früher auf wenige, fest etablierte Methoden zurückgreifen mussten, eröffnen ihnen heute zahlreiche innovative und anpassungsfähige Modelle neue Möglichkeiten. Die daraus entstandene Vielfalt bringt aber nicht nur neue Chancen mit sich, sondern stellt Unternehmen auch vor neue Herausforderungen, die es künftig zu meistern gilt.

Ursprünge und erste Herausforderungen

Bis in die frühen 1990er Jahre wurden Programme meist direkt auf den Rechnern der Nutzer installiert und ausgeführt. Der Zugriff auf lokale Ressourcen war einfach, doch die gemeinsame Nutzung von Daten erforderte spezielle Speicherlösungen wie Network Attached Storage (NAS).

Die Wartung dieser Systeme stellte sich als sehr umständlich heraus: Updates und Support mussten oft persönlich an jedem Standort durchgeführt werden. Und auch ihre Leistung war noch lange nicht ideal: Trotz wachsender Verbreitung von Internetverbindungen war die Geschwindigkeit des Netzes noch weit entfernt von den lokalen Standards, sodass Anwendungsbereitstellung über weitere Verbindungen häufig an ihre Grenzen stieß.

Das Aufkommen zentralisierter Lösungen

Mit der Gründung von Citrix in den 1990er Jahren änderte sich das Spielfeld: Das Unternehmen, gegründet von ehemaligen IBM-Ingenieuren, entwickelte eine Technologie, die Anwendungen zentral verwaltete und Nutzern lediglich die Bildschirminhalte übermittelte. Eingaben wie Mausbewegungen und Tastaturanschläge wurden zurückgesendet. So konnten mehrere Anwender auf einer einzigen Server-Instanz arbeiten, was den Netzwerkverkehr erheblich reduzierte und auch mit langsameren Verbindungen funktionierte.

Diese Form des „Application Remoting“ brachte Vorteile bei Sicherheit und Verwaltung und führte zu erheblichen Kosteneinsparungen in großen Organisationen. Der Markt für Server-Based Computing wuchs dadurch rasant.

Neue Player und technologische Experimente

Mit der Zeit stiegen weitere Anbieter in den Markt ein. Microsoft integrierte 1997 die Citrix-Technologie in Windows NT 4 als „Terminal Server“. 2X Software (später Parallels RAS) vereinfachte ab 2004 die Nutzung von Terminal Services und machte tiefgehende Citrix-Kenntnisse überflüssig. VMware brachte 2006 mit VDM (später Horizon) die Virtual Desktop Infrastructure (VDI) auf den Weg, bei der jeder Nutzer einen eigenen virtuellen Desktop erhielt. Zwar erforderte VDI mehr Infrastruktur, doch sie beseitigte Performance-Probleme, die bei gemeinsam genutzten Systemen auftreten konnten.

Parallel dazu erlebte die Branche eine Phase intensiver Experimente mit neuen Bereitstellungsmodellen. Viele Unternehmen setzten auf diese Innovationen und versuchten, ihre gesamte IT darauf umzustellen. Einige dieser Technologien prägen bis heute bestimmte Anwendungsbereiche und haben die Entwicklung von plattformübergreifenden und multimedialen Lösungen vorangetrieben. Allerdings brachten sie auch Herausforderungen wie Abhängigkeit von bestimmten Anbietern, Plugin-Nutzung, eingeschränkte mobile Unterstützung und hohen Ressourcenbedarf mit sich.

Der Siegeszug von SaaS

Mit der Etablierung des Internets und der Verbreitung von Webbrowsern entstand Ende der 1990er Jahre das Modell „Software as a Service“ (SaaS). Unternehmen wie Salesforce setzten auf browserbasierte Lösungen und propagierten das Prinzip „No Software“. Mit ersten Cloud-Anbietern wie AWS konnten Unternehmen, Software global ausrollen und flexibel zu skalieren. Das SaaS-Modell verbreitete sich schnell und viele Anbieter konzentrieren sich heute ausschließlich auf diese Bereitstellungsform.

Realitätscheck und neue Herausforderungen

Der Boom um SaaS führte dazu, dass zahlreiche Organisationen versuchten, sämtliche Prozesse in die Cloud zu verlagern – oft ohne die finanziellen und technischen Grenzen zu beachten. „Cloud-first“ wurde zum geflügelten Begriff, doch dabei gerieten Aspekte wie Datenhoheit und Exit-Strategien aus dem Blick. Auch das Verständnis dieser neuen Technologie ließ manchmal zu wünschen übrig: Häufig wurde der Browser für langsame Anwendungen verantwortlich gemacht, weil Nutzer sich nicht bewusst waren, dass jeder Tab eine eigenständige Anwendung darstellte und entsprechend Ressourcen beanspruchte.

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Zudem entstanden neue Mythen rund um die Sicherheit von SaaS. Viele hielten browserbasierte Lösungen für sicherer, obwohl in einigen Fällen lediglich bestehende Clients in eine Weboberfläche verpackt wurden. Dementsprechend musste die Kontrolle über Daten und Zugriffe, wie sie für klassischen Modellen bereits etabliert war, für SaaS neu gedacht werden.

Aktuelle Trends und Ausblick

Die Bereitstellung von Anwendungen bleibt ein dynamisches Feld: Cloud-native Architekturen, Container-Technologien, Microservices und KI-Integration prägen die aktuellen Entwicklungen. Edge Computing rückt in den Fokus, um Datenverarbeitung näher an den Nutzer zu bringen und die Latenz zu senken. Gleichzeitig gewinnen Zero Trust Security, Automatisierung und Self-Service-Portale an Bedeutung in den IT-Strategien.

Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, aus einer Vielzahl von Bereitstellungsmodellen zu wählen. Die Erfahrung zeigt, dass keine einzelne Technologie kurzfristig alle anderen ablöst. Der Trend geht zwar in Richtung SaaS, doch laut einer aktuellen Studie von Parallels, setzen 83 Prozent der befragten Organisationen zurzeit auf hybride Szenarien, die lokale und Cloud-Lösungen kombinieren.

Die Entwicklung der Anwendungsbereitstellung ist ein fortlaufender Prozess. Zukunftsorientierte Unternehmen sollten ihre Anforderungen regelmäßig prüfen und technologische Innovationen gezielt bewerten, statt jedem Trend zu folgen. Hybride Modelle, die lokale und cloudbasierte Anwendungen vereinen, bieten die nötige Flexibilität für eine schrittweise und sichere Einführung neuer Technologien. Entscheidend ist, eine anpassungsfähige IT-Struktur zu schaffen, die zukünftige Entwicklungen integriert, ohne bestehende Abläufe zu gefährden.


* Der Autor Chris Marks ist Principal Outbound Product Manager bei Parallels. Als erfahrener Redner und Community-Enthusiast sucht er den Austausch mit Kunden und Partnern, um zu verstehen, wie Unternehmen auf Veränderungen und neue Technologien reagieren. Sein Ziel ist es, Organisationen dabei zu unterstützen, wettbewerbsfähig zu bleiben und gemeinsam innovative, flexible Services bereitzustellen.

Bildquelle: Parallels

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