50 Jahre Microsoft: Von MS-DOS zu Cloud-first Happy Birthday Microsoft!

Aktualisiert am 02.04.2025 Von Elke Witmer-Goßner 13 min Lesedauer

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Die IT-Welt des Jahres 1975 war eine der Großrechner und spezialisierten Computersysteme. Firmen wie IBM, DEC (Digital Equipment Corporation), Hewlett-Packard und andere entwickelten leistungsstarke, aber leider auch teure Systeme für Unternehmen und Regierungsbehörden. Und dann kam Microsoft.

Das 50-jährige Jubiläum ist ein Meilenstein in der Geschichte der Informationstechnologie – und ein Blick in eine Zukunft, die zumindest in absehbarer Zeit weiterhin von Microsoft mitgestaltet wird.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Das 50-jährige Jubiläum ist ein Meilenstein in der Geschichte der Informationstechnologie – und ein Blick in eine Zukunft, die zumindest in absehbarer Zeit weiterhin von Microsoft mitgestaltet wird.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Pioniere der Computerbranche

Vor allem IBM beherrschte mit Mainframes, insbesondere der IBM System/360-Serie, die damalige IT-Branche. Diese Rechner wurden in Banken, Universitäten und großen Unternehmen eingesetzt und bildeten die Grundlage für viele geschäftskritische Anwendungen. Daneben gab es Unternehmen wie DEC, das mit der PDP- und VAX-Serie kompaktere Minicomputer anbot, die kostengünstigere Alternativen zu den riesigen Mainframes darstellten.

Mit dem IBM PC 5150 etablierte IBM 1981 den ersten allgemeingültigen Heim- und Bürocomputerstandard.(Bild:  IBM)
Mit dem IBM PC 5150 etablierte IBM 1981 den ersten allgemeingültigen Heim- und Bürocomputerstandard.
(Bild: IBM)

Daneben entwickelte Xerox PARC in den 1970er Jahren bahnbrechende Technologien wie die grafische Benutzeroberfläche (GUI), den Computer-Mauszeiger und vernetzte Computersysteme entwickelte. Diese Innovationen wurden aber damals nicht von Xerox selbst in kommerziellen Produkten genutzt, beeinflussten später stark die Entwicklung von Computern.

Die IT-Welt der 1960er und frühen 1970er Jahre war somit durch spezialisierte Großsysteme und eine zentrale Datenverarbeitung geprägt. Personalcomputer im heutigen Sinne existierten noch nicht und Software wurde meist speziell für die jeweilige Hardware entwickelt. In diesem Umfeld fehlte eine standardisierte Softwareplattform, die Computer für ein breiteres Publikum zugänglich machen konnte – eine Lücke, die Microsoft schließlich füllen sollte.

Die Anfänge mit PC-Software

Bill Gates und Paul Allen hatten das Ziel, Software für den aufstrebenden Markt der Mikrocomputer zu entwickeln. Am 4. April 1975 gründeten sie gemeinsam das Unternehmen Microsoft. Aber der große Durchbruch gelang ihnen erst 1980 mit der Bereitstellung des Betriebssystems MS-DOS für IBM-PCs. Und damit begann dann auch eine neue Ära in der Computerwelt.

Die Evolution der Betriebssysteme: MS-DOS, Windows und mehr

Microsofts größter Erfolg kam mit Windows. Die Meilensteine:

• 1981: MS-DOS wird veröffentlicht.
• 1985: Windows 1.0 bringt eine grafische Benutzeroberfläche.
• 1995: Windows 95 revolutioniert die PC-Welt mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und dem Startmenü.
• 2001: Windows XP etabliert sich als eines der beliebtesten Betriebssysteme.
• 2007: Windows Vista wird veröffentlicht, aber ist weniger erfolgreich.
• 2015: Windows 10 setzt neue Standards mit kontinuierlichen Updates.
• 2021: Windows 11 bringt modernes Design und Cloud-Integration.

Neben dem Betriebssystem Windows entwickelte Microsoft im Laufe der Jahre weitere Produkte, die sich ebenfalls am Markt durchsetzten und bis heute ganze Technologiebereiche maßgeblich prägen:

Microsoft Office: Der Siegeszug der Bürosoftware
Am 1. August 1989 brachten Bill Gates und Paul Allen das Programmpaket Microsoft Office als 3,5 Zoll Diskette auf den Markt – eine integrierte Sammlung von Büroanwendungen, die in kurzer Zeit zum weltweiten Standard wurde. Die Kernkomponenten – Word (Textverarbeitung), Excel (Tabellenkalkulation) und PowerPoint (Präsentationen) – entwickelten sich zu unverzichtbaren Werkzeugen für die tägliche Büroarbeit. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung, enge Verzahnung der Programme untereinander und die benutzerfreundliche Oberfläche ist Microsoft Office in Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen rund um den Globus präsent.

Internet Explorer: Der Beginn des Browserkriegs
Im Jahr 1995 veröffentlichte Microsoft den Internet Explorer als Teil des Windows-Betriebssystems – ein Angriff auf den damals führenden Konkurrenten Netscape Navigator. Die enge Integration in Windows verhalf dem Microsoft-Browser schnell zu großer Verbreitung. Die aggressive Marktstrategie – inklusive kostenloser Bereitstellung – führte letztlich zum Niedergang von Netscape und zur Dominanz des Internet Explorers in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Diese Marktpraktiken führten jedoch auch zu kartellrechtlichen Verfahren gegen Microsoft, insbesondere in den USA und der EU.

Microsoft Azure: Erfolgreicher Einstieg in die Cloud
Mit dem Start von Microsoft Azure im Jahr 2010 betrat Microsoft den Markt für Cloud Computing – und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der führenden Anbieter weltweit. Ursprünglich als Plattform-as-a-Service (PaaS) konzipiert wurde Azure rasch um Infrastructure-as-a-Service-Angebote (IaaS) erweitert. Heute bietet Azure ein umfassendes Portfolio an Cloud-Diensten für Unternehmen, darunter Datenbanken, künstliche Intelligenz, DevOps, IoT und vieles mehr. Der Erfolg von Azure markierte einen strategischen Wandel bei Microsoft hin zu einem stärker auf Unternehmen und Dienste ausgerichteten Geschäftsmodell – mit wachsender Bedeutung von Abonnement- und Cloud-Umsätzen.

Microsoft blickt auf 50 Jahre Erfolgsgeschichte zurück
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Die disruptive Kraft des Internets

Am 26. Mai 1995 verschickte Bill Gates das berühmt gewordene Memo mit dem Titel „The Internet Tidal Wave“ (zu Deutsch: „Die Internet-Flutwelle“) an die Führungskräfte und leitenden Mitarbeiter von Microsoft. In diesem internen Schreiben erkannte Gates die enorme Bedeutung des Internets und erklärte es zum wichtigsten Entwicklungsschwerpunkt des Unternehmens.

7. Februar 2023: Microsoft setzt auf künstliche Intelligenz mit der Ankündigung einer völlig neuen, KI-gestützten Bing-Suchmaschine und des Edge-Browsers.(Bild:  Microsoft)
7. Februar 2023: Microsoft setzt auf künstliche Intelligenz mit der Ankündigung einer völlig neuen, KI-gestützten Bing-Suchmaschine und des Edge-Browsers.
(Bild: Microsoft)

Er schrieb unter anderem, dass das Internet „alles verändern wird“ – von der Art, wie Menschen Informationen abrufen, bis hin zu grundlegenden Geschäftsmodellen in der Softwareindustrie. Gates gestand offen ein, dass Microsoft bis zu diesem Zeitpunkt die Tragweite des Internets unterschätzt hatte, und rief zu einem radikalen Strategiewechsel auf.

Das Memo markiert einen Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte von Microsoft und leitete eine Phase intensiver Internet-Orientierung ein – darunter die Entwicklung des Internet Explorers, der damals gegen Netscape konkurrierte. Bis heute gilt „The Internet Tidal Wave“ als eines der wichtigsten Management-Memos der Technologiegeschichte, weil es zeigt, wie ein Technologiekonzern mit Weitblick und Selbstreflexion auf disruptive Veränderungen reagieren kann.

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Microsofts Hardware-Geschäft: Surface, Xbox und mehr

Obwohl Microsoft in erster Linie als Softwareunternehmen bekannt wurde, spielt der Konzern auch im Hardware-Segment eine wichtige Rolle. Das Unternehmen brachte eine Vielzahl von Geräten auf den Markt, die in ihren jeweiligen Kategorien neue Maßstäbe setzten oder bestehende Märkte aufmischten.

Microsoft prägte im Jahr 2001 den Begriff „Tablet PC“ für Computer, die sich durch spezifische Hardware-Spezifikationen und ein lizenziertes, speziell für Tablets optimiertes Betriebssystem, wie beispielsweise Windows XP Tablet PC Edition, auszeichneten. Diese Geräte ließen sich mit einem Stift bedienen und boten Funktionen wie Handschriften- und Spracherkennung. Die Einführung dieser Technologie zielte darauf ab, die Art und Weise zu revolutionieren, wie Menschen mit Computern interagieren, insbesondere in Bereichen wie Notizenmachen und mobiler Datenerfassung.

Der erste funktionsfähige Prototyp eines solchen Tablet-PCs wurde am 12. November 2000 von Bill Gates vorgestellt. Obwohl Microsoft mit dieser Innovation den Begriff „Tablet“ prägte, war das Gerät kommerziell nicht so erfolgreich wie erhofft. Erst etwa ein Jahrzehnt später, mit der Einführung des iPads durch Apple, erlangten Tablets größere Popularität im Massenmarkt.

Ein interessantes Konzept aus dieser Zeit war das „Microsoft Courier“, ein Dual-Touchscreen-Tablet, das als digitales Notizbuch konzipiert war. Es bestand aus zwei 7-Zoll-Touchscreens, die wie ein Buch zusammengeklappt werden konnten, und lief auf einem speziellen Betriebssystem, das hauptsächlich auf Handschrifteneingabe und ein journalähnliches Interface ausgelegt war. Obwohl das Projekt vielversprechend war, wurde es 2010 eingestellt und nie kommerziell veröffentlicht.

Diese frühen Entwicklungen legten den Grundstein für die heutigen Convertibles und Tablets, die sowohl als Laptop als auch als Tablet fungieren können und die Flexibilität mobiler Computerlösungen bieten. 2012 schaffte es Microsoft mit der Einführung der Surface-Serie erstmals kommerziell erfolgreiche PC-Hardware auf den Markt zu bringen. Die Surface-Pro-Geräte vereinten die Mobilität eines Tablets mit der Leistungsfähigkeit eines Laptops und definierten das Segment der 2-in-1-Geräte maßgeblich mit. Die Surface-Linie wurde konsequent ausgebaut und umfasst heute eine breite Palette von Produkten.

Xbox: Eine feste Größe im Gaming-Markt
Der Einstieg in den hart umkämpften Gaming-Markt mit der ersten Xbox im Jahr 2001 war gewagt und doch erfolgreich. Die Konsole entwickelte sich zu einer der drei großen Plattformen im Gaming-Bereich und konkurriert seitdem erfolgreich mit Sonys PlayStation und Nintendos Konsolen. Mit der Xbox Live-Plattform brachte Microsoft frühzeitig ein leistungsfähiges Online-Ökosystem an den Start und baute mit Xbox Game Pass später ein innovatives Abo-Modell für Spiele auf.

Demonstration der HoloLens auf der Hannover Messe 2019.(Bild:  Microsoft)
Demonstration der HoloLens auf der Hannover Messe 2019.
(Bild: Microsoft)

Pionierarbeit in Mixed Reality
Die HoloLens (seit 2016) markierte Microsofts Einstieg in den Bereich der Augmented Reality (AR) bzw. Mixed Reality. Anders als bei vielen Konkurrenzprodukten für räumliche Computertechnologie lag der Fokus hier von Anfang an nicht auf dem Consumer-Markt, sondern auf professionellen Anwendungen in Industrie, Gesundheitswesen, Bildung und Forschung. Die Brille erlaubt das Überlagern von digitalen Informationen mit der realen Welt und findet Anwendung etwa in der Fernwartung, Schulung oder in der Konstruktion.

Microsoft Smartphones: Ambitionierte Versuche mit Windows Phone
Auch im Smartphone-Markt versuchte Microsoft Fuß zu fassen – mit allerdings durchwachsenem Erfolg. Ab 2010 entwickelte das Unternehmen das Windows Phone-Betriebssystem, das sich durch eine klare, kachelbasierte Benutzeroberfläche von anderen unterschied. Mit der Übernahme der Nokia-Mobilfunksparte 2014 stieg Microsoft selbst in die Smartphone-Produktion ein. Trotz technischer Qualität und positiver Kritiken konnte sich Windows Phone nie gegen Android und iOS durchsetzen – das Projekt wurde 2017 weitgehend eingestellt. 2020 wagte Microsoft mit dem Surface Duo, einem faltbaren Dual-Screen-Gerät auf Android-Basis, einen neuen Anlauf – diesmal mit Fokus auf Produktivität und Nischenmärkte.

Maus und Tastatur: Pionierarbeit bei Eingabegeräten
Bereits in den frühen Jahren der PC-Ära etablierte sich Microsoft mit hochwertigen Mäusen und Tastaturen als zuverlässiger Hardwareanbieter. Die Microsoft Mouse erschien erstmals 1983 und setzte vor allem ergonomische Standards. Auch später prägte Microsoft die Branche mit Innovationen wie der ersten optischen Maus oder ergonomisch geformten Tastaturen.

Satya Nadella, Vorstandsvorsitzender und CEO Microsoft
„Ich habe in letzter Zeit oft darüber nachgedacht, warum Microsoft über Jahrzehnte hinweg ein bedeutendes Unternehmen mit dauerhaftem Markenwert geblieben ist. Mir ist klar geworden, dass es daran liegt, dass wir – immer wieder, wenn sich die Technologie verändert hat – die Chance ergriffen haben, uns neu zu erfinden, um für unsere Partner und unsere Mitarbeiter relevant zu bleiben. Und genau das tun wir auch heute wieder.“

Bildquelle: Microsoft Corp.

Microsofts Rolle im Bereich Business-Software

Neben den allseits bekannten Office-Anwendungen hat sich Microsoft frühzeitig als bedeutender Anbieter von Business-Software etabliert. Mit der Einführung von Microsoft Dynamics stieg das Unternehmen in den Markt für Enterprise Resource Planning (ERP) und Customer Relationship Management (CRM) ein. Dynamics CRM entwickelte sich über die Jahre zu einer der führenden Plattformen für Kundenmanagement, insbesondere im Mittelstandssegment.

Heute ist Dynamics 365 ein zentrales Element der Microsoft Cloud-Strategie: Es vereint CRM- und ERP-Funktionalitäten, ist stark in Microsoft Teams und Power Platform integriert und nutzt KI, um Prozesse in Marketing, Vertrieb und Kundenservice zu automatisieren.

Sicherheitslösungen: Vom Zusatzprodukt zum strategischen Pfeiler

Was einst mit grundlegenden Virenschutz- und Firewall-Funktionen begann, hat sich längst zu einem umfassenden Portfolio an Sicherheitslösungen entwickelt. Microsoft investiert jährlich Milliardenbeträge in Cybersecurity und zählt heute zu den weltweit größten Security-Anbietern insbesondere im Kontext hybrider Arbeitsmodelle und Cloud-Integrationen.

Mit Produkten wie Microsoft Defender for Endpoint, Microsoft Sentinel (einer Cloud-nativen SIEM-Lösung) und Entra ID (vormals Azure Active Directory) bietet Microsoft Sicherheitslösungen, die tief in das eigene Ökosystem eingebettet sind. Unternehmen profitieren von der nahtlosen Integration in Windows, Microsoft 365 und Azure – und zunehmend auch von KI-gestützten Funktionen zur Bedrohungserkennung und -abwehr.

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