Abrechnungsmodelle

Die Cloud wie Strom aus der Steckdose bezahlen

| Autor / Redakteur: Iris Quirin / Melanie Krauß

Die Nutzung der Cloud wird unterschiedlich abgerechnet: Manche Anbieter verlangen Festpreise, andere orientieren sich an der Anzahl der Aufrufe, Transaktionen, Nutzer oder Daten.
Die Nutzung der Cloud wird unterschiedlich abgerechnet: Manche Anbieter verlangen Festpreise, andere orientieren sich an der Anzahl der Aufrufe, Transaktionen, Nutzer oder Daten. (Bild: ©adam121 - stock.adobe.com)

Cloud-Anbieter werben mit den Kostenvorteilen durch die Bezahlung nach Verbrauch. Dennoch gibt es Unterschiede bei der Abrechnung. Um sicherzugehen, dass es sich um das passende Modell handelt, sollten Unternehmen daher mit einer ersten Hochrechnung arbeiten, die auf dem konkreten Handlungsfall basiert.

Cloud Computing hat sich als Basis für die Digitalisierung in Unternehmen längst etabliert. Zwei von drei deutschen Unternehmen beziehen ihre Services bereits aus der Wolke, so das Ergebnis des Cloud Monitors 2017 von Bitkom Research im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Ihre Zahl dürfte in diesem Jahr steigen, denn die digitale Transformation ist in vollem Gang.

Die Vorteile der Cloud sind hinlänglich bekannt: Unternehmen benötigen keine extra Rechner oder Serverinstallation, keine Software und kein spezielles Know-how für die Konfiguration, Datensicherung oder Software-Updates im Haus. Ob am Rechner im Büro oder mit dem Smartphone, Tablet oder Notebook unterwegs, Mitarbeiter rufen ihre Anwendungen unabhängig von Zeit und Ort aus dem Rechenzentrum ihres Anbieters ab und speichern sie auch dort. So einfach, wie Strom aus der Steckdose sollen Unternehmen Cloud-Anwendungen beziehen können und wie den Strom nach dem tatsächlichen Gebrauch bezahlen.

Minutengenaue Abrechnung der Cloud-Nutzung spart bares Geld

MicroVM-Abrechnungsmodell von Virtustream

Minutengenaue Abrechnung der Cloud-Nutzung spart bares Geld

24.10.18 - Virtustream, eine Tochter von Dell EMC, hat ein Verfahren entwickelt, um die Cloud-Nutzung genau und realistisch abzurechnen. Eine MicroVM ist eine Einheit, die durch ein ausgetüfteltes Verfahren den Ressourcenverbrauch für Compute, Storage, Networking und Memory für den Kunden vorteilhafter als herkömmliche Verfahren misst. Der Unterschied kann beträchtlich ausfallen. lesen

Neben Anwendungsprogrammen (Software as a Service) wie Bürosoftware, Sicherheitslösungen, E-Mail, Kalender, Lösungen für die interne Zusammenarbeit (Collaboration) oder das Kundenmanagement (CRM), beziehen Unternehmen auch ihre Rechenleistung und Speicherplatz (Infrastructure as a Service, IaaS) aus der Cloud. Sie lagern ihre Geschäftsprozesse in die Cloud aus (Business Process as a Service, BPaaS) und nutzen sie als Entwicklungsplattform von Webanwendungen (Platform as a Service, PaaS). Multi-Cloud nennt sich der neueste Ansatz, bei dem ein Unternehmen – die entsprechenden Schnittstellen vorausgesetzt – sogar Cloud-Lösungen verschiedener Anbieter nutzen kann.

Für die verschiedenen Cloud-Services hat jedoch jeder Anbieter sein eigenes Abrechnungsmodell entwickelt. Die einen rechnen monatlich zu Festpreisen ab, andere legen die Anzahl der Aufrufe, die Transaktionen oder den Datendurchsatz für die Berechnung zugrunde. „Grundsätzlich führt die Cloud-Nutzung zu einer nachfrageorientierten und damit flexibleren Abrechnung von IT-Ressourcen“, erklärt Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research. Seiner Erfahrung nach setzen Anbieter vor allem auf sogenannte On-Demand-Modelle, wobei für die genutzte Rechenkapazität nach Stunde, Minute oder sogar nach Sekunde gezahlt wird. Cloud-Kapazitäten können aber auch als Reserveleistung vorgehalten und abgerechnet werden.

„Im SaaS-Umfeld handelt es sich in der Regel um Preis-pro-Nutzer-Modelle, eventuell ergänzt um nutzungsbasierte Komponenten“, erklärt Karsten Leclerque, Head, Cloud & Infrastructure des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens PAC. „Steigt die Nutzerzahl, sinken in der Regel die Kosten pro Nutzer. Verlangt das Unternehmen eine höhere Verfügbarkeit oder schnellere Reaktionszeiten, wird auch der Service teurer.“

Im Infrastrukturbereich hat sich die nutzungsbasierte Abrechnung etabliert. „Für Workloads, deren Ressourcenbedarf schwer vorhersehbar ist – etwa bei der Entwicklung und Skalierung neuer Anwendungen, oder auch dem Ausprobieren und Testen neuer Funktionalitäten, ist das klassische Pay-per-use-Modell der Cloud der wichtigste Vorteil gegenüber klassischen Architekturen“, erklärt Leclerque.

Die besten Preise erhalten Unternehmen seiner Erfahrung nach aber in der Regel bei einem Commitment zu Ressourcennutzung und Laufzeit. Die Rabatthöhe steigt mit der Höhe des Abnahmevolumens. „Das macht dort Sinn, wo sich der Ressourcenbedarf planen lässt, etwa beim Hosting bereits produktiver Anwendungen“, führt er aus. Denn sonst zahlt das Unternehmen Leistungen, die es gar nicht benötigt. „Wichtig ist, dass man Mehrleistungen hinzubuchen und bei weniger Bedarf diese auch zurückgeben kann, das ist noch ein Problem, weil manche Dienstleister ihr Angebot mit einer Mindestabnahmemenge verbinden“, erklärt Matthias Zacher, Manager Research & Consulting beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cloud-Anbieter das gesamte Portfolio im Angebot haben: Von Pay-as-you-use bis hin zur vertraglichen Abnahme und Mindestlaufzeiten von bis zu mehreren Jahren mit entsprechenden Rabatten für die Buchung und Nutzung von Cloud-Diensten. „Hier empfiehlt es sich basierend auf dem konkreten Anwendungsfall eine erste Hochrechnung zu erheben und mit in die Planung einzubeziehen“, rät Marko Vogel, Director Cyber Security bei der KPMG. Da die Preismodelle zum Teil sehr komplex sind, stellen Cloud-Anbieter ihren Kunden auf ihren Websites spezielle Tools zur Kostenermittlung zur Verfügung. „Basierend auf den Eingaben berechnen sie eine voraussichtliche Summe und helfen Unternehmen bei der Entscheidungsfindung“, erklärt Vogel.

Die ursprüngliche Idee, Cloud-Dienste wie Strom aus der Steckdose zu beziehen und nach Verbrauch zu bezahlen und nicht etwa nach der Anzahl der Geräte oder Steckdosen im Haus, griff die Dell-EMC-Tochter Virtustream für ihre Enterprise Cloud wieder auf. Dazu entwickelte und patentierte sie die plattformunabhängige Maßeinheit Mikro-VM (μVM). Sie setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

  • einer CPU-Auslastung von 768 MHz,
  • einer Speichernutzung von zwei Gigabyte,
  • einer Speicher-Ein- und Ausgabeoption pro Sekunde (IOPS) von bis zu 40
  • und einer Netzwerkbandbreite von 2 Mbit/s.

Durch ein ausgeklügeltes Verfahren kann Virtustream damit den tatsächlichen Verbrauch von Rechen-, Speicher-, Netzwerk- und Speicherressourcen genau berechnen. Dies ist auch über mehrere Clouds (Multi-Cloud) hinweg möglich. Dazu lassen sich auch die Anwendungen genauer eingrenzen: „Nicht alle Kunden haben dieselben Anforderungen“, erklärt Matthias Zastrow, Countrymanager Deutschland bei Virtustream. „Einige beispielsweise benötigen mehr Speicher, andere wollen ihre Cloud-Anwendungen in einem weiteren Rechenzentrum gespiegelt haben, was natürlich aufwendiger ist. Deshalb haben wir verschiedene Klassen identifiziert.“

Virtustream misst Micro-VMs des Ressourcenverbrauchs alle fünf Minuten und verwendet diese Zahlen, um die Micro-VMs des Ressourcenverbrauchs für die gesamte Klasse zu berechnen. In zwölf aufeinanderfolgenden Messungen werden dann die Micro-VM-Stunden gemittelt, die während dieser Stunde von allen virtuellen Maschinen des Kunden in dieser Klasse verbraucht wurden.

Was anfangs umständlich klingt, hat am Ende handfeste Vorteile: Die monatliche Rechnung für jede Klasse umfasst nur alle Micro-VM-Stunden, die tatsächlich verbraucht wurden. „In klassischen Cloud-Umgebungen bleiben viele Kapazitäten ungenutzt, müssen aber trotzdem voll bezahlt werden“, erklärt Zastrow. „Hier wird exakt für die genutzte Leistung bezahlt.“

* Iris Quirin ist freie Journalistin aus Hamburg

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