Zugeständnisse bei Wartung und Support SAP wendet EU-Kartellstrafe ab

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Die EU-Kommission hat Verpflichtungszusagen von SAP zu Wartung und Support von On-Premises-Systemen angenommen. Diese sollen weltweit für mindestens zehn Jahre gelten. Unternehmen erhalten dadurch mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Support- und Wartungsmodelle.

Im Dialog mit der Europäischen Kommission hat SAP nun eine Reihe von Anpassungen zugesagt, die Flexibilität, Transparenz und Planbarkeit der On-Premises-Angebote anbelangen.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Im Dialog mit der Europäischen Kommission hat SAP nun eine Reihe von Anpassungen zugesagt, die Flexibilität, Transparenz und Planbarkeit der On-Premises-Angebote anbelangen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Mit konkreten Zusagen an die EU-Kommission hat SAP ein drohendes Bußgeld wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverzerrung abgewendet. Die Zusagen sollen für Unternehmen neue Möglichkeiten schaffen, Support- und Wartungsmodelle flexibler zu gestalten. SAP hat angekündigt, die angepassten Regelungen weltweit auf bestehende und künftige Kunden seiner On-Premises-Produkte anzuwenden.

Das Verfahren gegen SAP lief seit September 2025. Am 9. Juli 2026 erklärte die EU-Kommission die Verpflichtungszusagen offiziell für rechtsverbindlich – ohne förmliche Feststellung eines Kartellrechtsverstoßes. Das Verfahren endete somit ohne Bußgeld. SAP muss die Zusagen nun weltweit für zehn Jahre einhalten, sonst drohen Geldbußen.

Das sind die SAP-Zusagen

Die Zusagen von SAP umfassen unter anderem mehr Wahlfreiheit und geringere Hürden bei Wartung und Support für On-Premise-Produkte. Die Zusagen habe man, so teilt teilt Stefan Steinle, Executive Vice President und Head of Global Customer Support bei SAP, auf der Unternehmenswebsite mit, „im konstruktiven Dialog mit der Europäischen Kommission“ zugesagt, um „die Flexibilität, Transparenz und Planbarkeit weiter zu verbessern.“

Das sind die Zusagen im Detail:

  • Mehr Wahlfreiheit bei Wartung und Support: SAP führt neue Rahmenbedingungen ein, die es Kunden ermöglichen sollen, ihre SAP-Systemlandschaften in separate, sogenannte „kommerzielle Installationen“ aufzuteilen. Für jeden dieser Teile können Unternehmen künftig individuell entscheiden, ob sie einen SAP-Support-Level wählen, auf Support verzichten oder Optionen außerhalb des SAP-Angebots nutzen. Diese Regelung erweitert den Gestaltungsspielraum der Kunden für ihre On-Premise-Supportvereinbarungen. Ziel ist es, den Unternehmen zu ermöglichen, ihre Wartungs- und Supportstrategie flexibler an ihre operativen, kommerziellen und strategischen Prioritäten sowie an die künftige Geschäftsentwicklung anzupassen.
  • Mehr Flexibilität bei ungenutzten Lizenzen: SAP bietet bereits bisher Programme, bei denen Kunden ungenutzte Lizenzen besser nutzen können – etwa durch die Umwidmung von On-Premise-Lizenzen in Cloud Subscriptions, in andere On-Premise-Lizenzen oder durch deren Kündigung. Durch ergänzende Zusagen können Kunden Lizenzen in objektiv begründeten Fällen kündigen. Dazu zählen erhebliche Personalreduzierungen, Softwareprodukte in kundenspezifischer Wartung, Insolvenz, Veräußerungen sowie Fälle nicht erfolgreicher Implementierungen.
  • Einfachere Vertragsbedingungen und Richtlinien: Zentrale Vertragsbestimmungen und Support-Richtlinien sollen überarbeitet werden. Diese Maßnahmen sollen die Planbarkeit sowie Sicherheit für Kunden bei langfristigen Technologieentscheidungen und der Weiterentwicklung von SAP-Landschaften erhöhen.
  • Einfachere Bedingungen für zurückkehrende Kunden: SAP verzichtet künftig auf Verwaltungsgebühren und begrenzt die nachzuzahlenden Wartungsgebühren („Back-Maintenance Fee“) auf maximal sechs Monate oder 50 Prozent des ausstehenden Betrags (der niedrigere Wert gilt). Bestimmte veraltete Produkte sind ganz von der Nachzahlung befreit. Diese Regelungen wurden in Abstimmung mit der EU-Kommission und Kundenvertretern entwickelt und sollen die Rückkehr kosteneffizienter und einfacher gestalten.

Hintergrund

Vorwürfe des EU-Kartellamts

Die EU-Kommission hat SAP wettbewerbswidrige Praktiken im Wartungs- und Supportgeschäft vorgeworfen. Die zentralen Punkte waren:

  • Wartungszwang und Paketierung: SAP soll Kunden dazu verpflichtet haben, Software ausschließlich über SAP warten zu lassen. Zudem mussten Kunden für alle SAP-Lösungen einheitliche Wartungsmodelle zu denselben Preisbedingungen wählen, was die Kombination verschiedener Anbieter und Preisniveaus verhinderte.
  • Fehlende Kündigungsmöglichkeit: Kunden könnten Wartungsverträge für ungenutzte Softwarelizenzen nicht kündigen.
  • Hürden bei der Wiederaufnahme: Bei einer Rückkehr zum SAP-Support nach einer Unterbrechung wurden Wiederaufnahmegebühren und Nachzahlungen fällig.

Mehr Flexibilität und mehr Wahlfreiheit

Nach Ansicht von Michael Manea, Vice President Global Business Services bei All for One, entfalten die Zugeständnisse ihre Relevanz weniger durch modifizierte Vertragsklauseln als durch die neu gewonnenen strategischen Handlungsspielräume für Unternehmen, die SAP einsetzen.

Der eigentliche Mehrwert liegt in der Wahlfreiheit.

Michael Manea, Vice President Global Business Services bei der All for One Group

Michael Manea ist Vice President Global Business Services bei der All for One Group.(Bild:  All for One Group)
Michael Manea ist Vice President Global Business Services bei der All for One Group.
(Bild: All for One Group)

Die eigentliche Chance liege, so Manea, „nicht im Kleingedruckten“, sondern in dem, was diese Entscheidung ermögliche. Unternehmen könnten „künftig für jeden Teil ihrer SAP-Landschaft bewusst entscheiden, welches Betriebs- und Supportmodell am besten zu ihren Anforderungen passt. Gleichzeitig entstehen finanzielle Spielräume, um Budgets gezielter in Modernisierung und Transformation zu investieren.“

Manea verdeutlicht: „Unternehmen können ihre SAP-Landschaft endlich so behandeln, wie sie tatsächlich ist – nämlich uneinheitlich.“ Ein geschäftskritisches SAP-S/4HANA-System stelle andere Anforderungen an Betrieb und Support als ein stabiles Altsystem, das noch einige Jahre weiterlaufen kann. „Genau diese Unterschiede lassen sich künftig deutlich besser berücksichtigen“, hebt der Vice President hervor.

Das ist kein Aufruf, SAP den Rücken zu kehren. Für viele geschäftskritische Systeme bleibt der Herstellersupport die richtige Wahl.

Michael Manea, Vice President Global Business Services bei der All for One Group

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