Was der „Cloud War“ für Anwenderunternehmen bedeutet Der Krieg der Clouds

Das Interesse an Cloud Computing steigt, gleichzeitig setzen Unternehmen zunehmend nur noch auf einen Cloud-Anbieter. Der Wettkampf unter den Cloud-Providern verschärft sich entsprechend. Das bleibt für die Cloud-Anwender nicht ohne Folgen, und die sind nicht unbedingt alle positiv. Es geht um Kosten, Datenschutz und Abhängigkeiten.

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Der Markt ist mit Cloud-Angeboten gut bestückt – der Wettbewerb zwischen den Anbietern in vollem Gange.
Der Markt ist mit Cloud-Angeboten gut bestückt – der Wettbewerb zwischen den Anbietern in vollem Gange.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Cloud Wars, also die Wettkämpfe zwischen den Cloud-Anbietern, sind nichts Neues. Seit Beginn des Cloud Computing buhlen die Anbieter um die Kunden, wie in jedem Wirtschafts- und Technologiebereich.

Alles oder nichts im Cloud Computing

Doch der „Krieg der Clouds“ nimmt neue Dimensionen an, er verschärft sich zunehmend. Dafür gibt es zwei zentrale Gründe: Erstens wird Cloud Computing immer wichtiger, in Pandemie-Zeiten hat sich diese Entwicklung noch beschleunigt. Der Cloud-Monitor 2021 von Bitkom und KPMG zum Beispiel besagt: 82 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitenden sind bereits in der Cloud. Sie beschäftigen sich nun mit Anwendungsszenarien, der Integration und der Transformation zu einem Cloud-basierten Unternehmen.

Der Cloud-Monitor 2021 führt aus: Die Coronapandemie hat den Stellenwert der Cloud als wichtiger Digitalisierungstreiber nochmals erhöht. Dabei setzen 35 Prozent der Unternehmen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland auf Multi-Cloud-Computing.

Nun könnte man denken: Es ist genug für alle da, die Cloud-Anbieter teilen sich den „Kuchen“, ganz im Sinne von Multi-Cloud. Aber tatsächlich zeichnet sich eine andere Entwicklung ab: Alles oder nichts.

IDC: Multi-Cloud wird neu justiert

80 Prozent der Befragten nutzen verschiedene Cloud-Typen, die Hybrid Cloud ist dabei klar das dominierende Modell, so die Marktforscher von IDC. Die Unternehmen konzentrieren sich in der Regel auf einen Hyperscaler oder Infrastrukturanbieter, mit dem sie die Zusammenarbeit Schritt für Schritt vertiefen. Ein zweiter Hyperscaler wird in Betracht gezogen oder evaluiert, um benchmarken zu können oder um punktuell Services nutzen zu können. Nur sehr große Unternehmen verfolgen demnach eine Strategie, die mehrere Hyperscaler umfasst, wie IDC betont.

Nimmt man den ersten Punkt, die steigende Bedeutung der Cloud und damit das Wachstum des Cloud-Marktes, zusammen mit diesem zweiten Punkt, den Weg weg von der Multi-Cloud, wird mehr als deutlich, dass sich der Wettbewerb unter den Cloud-Anbietern verschärfen muss und wird.

Cloud Wars und die Single-Cloud-Strategie

Wenn sich Anwenderunternehmen verstärkt auf einzelne Cloud-Anbieter konzentrieren und sich an diese binden, hat dies mehrere Auswirkungen, die man als Anwender bedenken sollte. Zuerst mögliche Kostensenkungen zu sehen, da der Wettbewerb der Cloud-Anbieter die Preise senken könnte, ist leider zu kurz gedacht.

Bekanntlich kann die Bindung an nur einen Anbieter das Risiko einer Abhängigkeit mit sich bringen, die selten positiv für die Kosten ist. Ist erst einmal eine Lock-In-Situation vorhanden, könnte der Anbieter durchaus die Preisschraube nach oben drehen, das versteht sich.

Aber der Wettbewerb zwischen den Cloud-Providern hat weitere Folgen, die positiv und negativ für die Anwenderunternehmen als Kunden sein können. So häufen die Cloud-Anbieter gegenwärtig immer neue Funktionen an, um sich für die Kunden noch interessanter zu machen.

Wie der Cloud-Monitor 2021 zeigt, soll 2025 bereits mehr als die Hälfte der Anwendungen aus der Cloud kommen. Die Cloud-Nutzer haben hohes Interesse an den Cloud-Apps und speziellen Cloud-Services der Anbieter. So setzen die Unternehmen zum Beispiel auf IoT-Anwendungen und KI-Anwendungen aus der Cloud. Es geht aber auch um Office- bzw. Collaboration-Applikationen, E-Commerce-, HR-, ERP- und CRM-Anwendungen aus der Cloud. Dank Wettkampf zwischen den Cloud-Anbietern, also den Cloud-Wars, ist der Tisch hier reich gedeckt.

Wer aber spezielle Cloud-Apps nutzt, die nur ein Cloud-Anbieter in dieser Form bereitstellen kann, kommt in eine neue Form der Abhängigkeit. Dagegen helfen auch keine rechtlichen Vorgaben, wie das Recht auf Datenübertragbarkeit aus der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Daten müssen zwar in einer Form bereitgestellt werden, mit der auch andere Anbieter etwas anfangen können. Wenn aber der neue Anbieter keine passende Cloud-Anwendung im Programm hat, bleibt es bei der Abhängigkeit, die man rechtlich eigentlich verhindern möchte.

Wenn zwei sich streiten, profitiert der Datenschutz

Aber es gibt auch Vorteile aus Sicht von Datenschutz, Security und Compliance. Bekanntlich sind Datenschutz und Datensicherheit für die Wahl eines Cloud-Anbieters weiterhin von zentraler Bedeutung. 86 Prozent der Befragten sagen laut Cloud-Monitor 2021, das Vertrauen in Sicherheit und Compliance des Cloud-Providers sei ein „Must-Have“.

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Entsprechend engagieren sich die Cloud-Anbieter auch, um ihre Konformität mit der DSGVO zu beweisen, sie wollen mehr Transparenz zeigen und die Daten der Kunden so gut wie nur möglich schützen. Viele Cloud-Provider sehen auch den Wert einer Cloud-Zertifizierung wie C5 des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und werden zweifellos versuchen, schnell ein DSGVO-Zertifikat zu erlangen, sobald dies möglich ist.

Insofern kann man sagen, dass Datenschutz und Sicherheit davon profitieren können, wenn sich Anbieter als der vertrauenswürdige Cloud-Partner positionieren wollen. Der Cloud-War bleibt also nicht ohne Folgen und nicht alle sind positiv für die Anwender. Gerade die Gefahr der Abhängigkeit im Bereich der immer spezielleren Cloud-Apps sollte nicht aus den Augen verloren werden.

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