Experten diskutieren StaaS-Modelle

Das Beste aus beiden Welten: die Cloud für On-Prem-Datenspeicherung

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On-Prem-StaaS ist nicht für jeden eine Option

Die Diskussionsteilnehmer sind sich allerding einig, dass On-Prem-StaaS nicht für jedes Unternehmen, jeden Datensatz und jede Anwendung geeignet ist. „Für viele Organisationen kann es sinnvoll sein, StaaS mit dedizierten Speichersystemen zu kombinieren. StaaS für alle Anforderungen zu verwenden, ist möglicherweise nicht sinnvoll, da Kompromisse eingegangen werden müssen, um die Anforderungen mehrerer Anwendungsfälle und mehrerer interner Kunden sowie ihrer unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen“, so Umbehocker von OSNexus.

Mit StaaS ist es einfacher, die Datenkapazität oder die Speicherleistung zu ändern, als dies mit herkömmlichem On-Premieses-Speicher möglich ist. Allerdings dauert die Umsetzung solcher Änderungen länger als bei einem öffentlichen Cloud-Speicher. Anders ausgedrückt: On-Prem-StaaS ist skalierbarer als herkömmlicher Speicher, aber nicht so skalierbar wie Public Cloud StaaS.

Uneinigkeit bei den Kosten

Eine umgekehrte Hierarchie gilt im Allgemeinen für die Kosten der drei Speichermodelle. Während die IT-Experten angeben, dass On-Prem-StaaS deutlich kostengünstiger sei als Public Cloud Storage, betonen einige, dass es deutlich teurer ausfallen könne als herkömmlicher lokaler Speicher. Sie warnen darüber hinaus davor, dass On-Prem-StaaS für kleinere Unternehmen oder aber für Unternehmen, die relativ geringe Datenmengen speichern, sowie für Organisationen, die Daten an mehreren Standorten speichern, unerschwinglich sein könnte.

Das ist auch die Ansicht von Bruce Kornfeld, Chief Marketing and Product Officer bei StorMagic, einem Anbieter von hyperkonvergentem Speicher, der in Edge-Standorten eingesetzt wird. „Die größten Fallstricke von On-Prem-StaaS liegen bei Kunden mit geringem Speicherbedarf, weshalb die Kosten unerschwinglich sind. Wenn Kunden die Kosten für Speichersets mit 10 TB oder weniger an kleinen Standorten betrachten, kann der Aufpreis, den sie für StaaS zahlen, die Vorteile aufwiegen.”

Bates von der Futurum Group äußert sich allgemeiner zu den Kosten von On-Prem-StaaS: „Wir haben die Auswirkungen von Storage-as-a-Service auf die Kosten untersucht, und in den meisten Fällen waren die Investitionskosten geringer.“ Dr. Kai Wawrzinek, CEO und Gründer von Impossible Cloud, einem Anbieter dezentraler, cloudbasierter Speicherdienste, stimmt der Ansicht von Bates zu: „Während On-Prem-StaaS die Kosten von Capex auf Opex verlagert, können sich laufende Abonnementgebühren, Supportkosten sowie potenzielle Zusatzdienste im Laufe der Zeit summieren, was im Vergleich zu einer eigenen Speicherinfrastruktur zu höheren langfristigen Ausgaben führen kann.“

Für OSNexus machte Umbehocker die deutlichste Aussage zu den Kosten von On-Prem-StaaS. „Ich würde erwarten, dass ein traditionelles Speichersystem im Vergleich zu einem StaaS-System viel niedrigere Kosten/TB hat. Das müssen die Unternehmen selbst ausrechnen. StaaS mag im ersten und zweiten Jahr billiger sein, aber über eine Laufzeit von sieben Jahren zahlt man möglicherweise doppelt so viel.”

Unsere Experten warnen ferner davor, dass Unternehmen die anfänglichen Kosten für die Implementierung von On-Premises-StaaS nicht übersehen sollten. „Unterschätzen Sie nicht, dass die Implementierung einer on-premises betriebenen Storage-as-a-Service-Lösung ein Infrastrukturentwicklungsprojekt darstellt, das eine angemessene Vorbereitung und die richtigen Tools erfordert“, so d'Urso von Atempo. Die Tools, auf die er sich mit dieser Aussage bezieht, sind Softwareprodukte für Datenmanagement, Analyse und Migration.

Doch Kosten sind nicht alles

Trotz dieser Warnungen vor den Kosten sagen die Experten übereinstimmend, dass selbst wenn eine bestimmte Implementierung von On-Prem-StaaS mehr kostet als herkömmlicher Speicher, die Vorteile die Kosten dennoch rechtfertigen können. „Umfassende Finanzmodelle sind ein Schlüssel und die erste Säule, mit der man beginnen sollte. Dies wird die Vor- und Nachteile aufzeigen und ein unverfälschtes Bild liefern“, so Alexander Ragel, CEO von Leil Storage, einem Anbieter von Langzeitspeichersystemen mit hoher Kapazität. Andy Tomlin, CEO des Beratungsunternehmens und Anbieters von Managed Services QiStor, sieht einen Grund für die Schwierigkeit darin, dass die Kosten für den bestehenden On-Prem-Speicherbetrieb oft nur schwer zu beurteilen sind. „Es ist schwierig, die beiden Modelle vollständig zu vergleichen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Support-Kosten traditioneller On-Premises-Lösungen vollständig bekannt sind.”

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Die Experten sind sich auch darin einig, dass sich Vergleiche nicht auf einfache Kostenkennzahlen beschränken sollten, sondern auch die Auswirkungen von On-Prem-StaaS auf den IT-Betrieb sowie die IT-Funktionen berücksichtigt werden müssten. Meghan McClelland, Vice President beim Anbieter von Massenspeichersystemen Versity Software: „Wir bei Versity wissen, dass der Vergleich der Kosten von On-Prem-StaaS mit denen herkömmlicher Speichersysteme komplex sein kann, da eine traditionelle Herangehensweise oft die strategischen Vorteile des StaaS-Modells übersieht.“

Diesen Standpunkt vertritt auch Fred Lherault, Field CTO für EMEA und Emerging Markets bei Pure Storage, einem großen Anbieter von All-Flash-Speichersystemen: „Ein typischer Fehler, den viele Unternehmen beim Vergleich von Ansätzen machen, ist, sich auf den Preis der nutzbaren Kapazität pro TB zu konzentrieren. Viele Unternehmen neigen dazu, mehr Kapazität zu kaufen, als sie benötigen, insbesondere in den ersten Jahren.” Und McClelland weiter: “Wenn man die tatsächlichen Gesamtbetriebskosten auf der Grundlage der tatsächlichen Kapazitätsnutzung vergleicht und die Kosten für Verwaltung, Technologieaktualisierung, Datenmigration, Betrieb und Rechenzentrum berücksichtigt, kann StaaS oft günstiger sein als der direkte Kauf von Speichersystemen.” McClelland und Lherault schliessen sich ferner der Meinung von d'Urso an: „Unternehmen sollten sich von allzu simplen Maßstäben wie dem Preis pro Terabyte fernhalten, und sich stattdessen auf langfristige Vorteile wie Skalierbarkeit, Flexibilität, Latenz, Sicherheit, Vertraulichkeit der Daten sowie die Einhaltung interner oder lokaler Vorschriften konzentrieren.“

David Norfolk, Practice Leader für Entwicklung und Governance beim Analystenhaus Bloor Research, rät: „Der Umfang des Vergleichs muss sehr sorgfältig definiert und darüber hinaus öffentlich gemacht werden, damit die Betroffenen Rückmeldungen über Auslassungen geben können.“ Er warnt: „Der Vergleich sollte nicht von einem interessierten Anbieter durchgeführt werden, sondern in eigener Regie erfolgen, aber im Zusammenspiel mit einem externen Beratungsunternehmen, wenn Fachwissen intern nicht vorhanden ist. Der externe Guru sollte dabei nicht von einem der Anbieter abhängig sein.”

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Ganz allgemein kann man bei der Implementierung von On-Prem-StaaS aus der Vergangenheit lernen. Die IT-Experten stimmen darin überein, dass der Service eine neue Version der seit langem etablierten Praxis des IT-Outsourcings darstelle. „Das altmodische Outsourcing und das heutige StaaS sind identische Modelle mit einem anderen Branding. Die Anwender stellen einfach einen Scheck aus, damit ein Dritter ihre Infrastrukturen verwaltet, genau wie sie es vor zwei Jahrzehnten getan haben“, so Kornfeld von StorMagic.

Lherault von Pure Storage: „Wenn uns das ‚traditionelle‘ Outsourcing etwas gelehrt hat, dann, dass SLAs ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind. IT-Teams erkennen allmählich, dass viele StaaS-Angebote nur den Anschein eines unverbindlichen Services erwecken und nichts anderes als verkleidete Mietverträge darstellen. Unternehmen müssen nach Anbietern Ausschau halten, die Garantien für ihre Ergebnisse geben können, eine größere Flexibilität und Skalierbarkeit ermöglichen und auch bereit sind, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Tomlin von QiStor teilt diese Ansicht: „Klare Verträge zwischen Anbieter und Kunde mit SLAs und eindeutige Erwartungen sind entscheidend.“ Anbieter und Kunden sollten sicherstellen, dass sie vereinbarte Eskalationspfade nutzen, wenn Probleme auftreten, und regelmäßige, gemeinsame Überprüfungen des Dienstes einrichten.

On-Prem-StaaS hat Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft erwartet die Mehrheit der Expertenrunde, dass On-Prem-StaaS zu einem etablierten und weit verbreiteten Bestandteil der Speicherlandschaft wird. „Wir sehen eine signifikante Verschiebung in der Speicherlandschaft voraus, wobei On-Prem-StaaS einen erheblichen Teil der traditionellen On-Premises-Speicher ersetzen wird“, so McClelland von Versity. „Die Integration fortschrittlicher Technologien wie etwa der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens wird die StaaS-Angebote weiter verbessern und eine effizientere Datenverwaltung und Datenanalyse ermöglichen. Diese Fortschritte werden insgesamt die Marktexpansion vorantreiben.”

* Die Autorin Federica Monsone ist CEO und Gründerin von A3 Communications.

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