Quo vadis Cloud Computing

Cloud-Prognosen, damals und heute

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Die Nutzung von Cloud Computing nimmt kontinuierlich zu, schon wird sie landauf, landab als „Selbstverständlichkeit“ bezeichnet.
Die Nutzung von Cloud Computing nimmt kontinuierlich zu, schon wird sie landauf, landab als „Selbstverständlichkeit“ bezeichnet. (Bild: gemeinfrei (PublicDomainPictures / pixabay / CC0)

Manchmal tut es gut, sich im Eifer des Gefechtes zu sammeln und einen Schritt zurückzutreten, um die Gesamtsituation zu erfassen – und mit ein bisschen Glück stellt man fest, dass sie gar nicht so schlecht ist. So jedenfalls stellt sich die aktuelle Lage des Cloud Computings dar. Man könnte sogar sagen, dass sich die Prognosen von vor zehn Jahren tatsächlich bewahrheitet haben. Und die für 2018?

Blicken wir die besagten zehn Jahre zurück, so finden wir noch viele Unklarheiten in Sachen Cloud Computing. Der Begriff geisterte 2007 bereits drei, vier Jahre durch Think Tanks, Vorstandshirne und Redaktionsstuben, doch richtig fassen konnte man die Technologie noch nicht.

Folgerichtig erklärten Hewlett-Packard, Yahoo und Intel 2008, dass sie das Phänomen nun wissenschaftlich angehen wollten – eine Forschungsinitiative versammelte neben den drei genannten Konzernen auch Universitäten wie die von Illinois oder die aus Karlsruhe mit ihrem Steinbuch Centre of Computing (SCC). Das Projekt mit dem Namen „HP, Intel and Yahoo Cloud Computing Test Bed“ sollte „die offene Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschungseinrichtungen und staatlichen Behörden fördern sowie finanzielle und logistische Hürden für die Erforschung des Cloud Computing abbauen“, teilten die Unternehmen damals mit.

Beispiel Microsoft

Nun, da war Microsoft schon ein bisschen weiter. Der Softwarekonzern hatte in der ersten Hälfte 2007 gerade mal 60 Millionen Stück seines neuen Betriebssystems Windows Vista verkauft - weswegen wortgewaltige Kommentatoren wie der damalige Acer-Präsident Gianfranco Lanci bereits den Begriff „Rohrkrepierer“ gebrauchten - und benötigte eine neue Umsatzquelle.

Diese präsentierte Ray Ozzie, Microsoft ehemaliger Software-Chefarchitekt und in dieser Funktion der direkte Nachfolger von Bill Gates, ein Jahr später auf der ‘Professional Developers Conference’ (PDC) in Los Angeles: „Windows Azure“ – vormals ‘Windows Cloud’ genannt. “Das ist ein Wendepunkt für Microsoft”, sagte er damals und sollte recht behalten. Die ‘Azure Services Platform’ enthielt damals Windows Azure, SQL Services, .NET Services, Live Services, SharePoint Services und Dynamics CRM Services. Aber erst ein Jahr später, zur nächsten PDC im November 2009, war Windows Azure wirklich verfügbar.

Und heute? Gerade teilte Microsoft mit, dass der Umsatz mit dem Cloud-Geschäft im dritten Quartal 2017 um 14 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar angewachsen ist. Allein die Infrastruktur-Plattform Azure habe ein Plus von 90 Prozent erzielen können – allerdings nannte Microsoft dazu keine konkreten Erlöse. Unabhängig davon hat die Cloud auch das Office-Geschäft angekurbelt: Die Umsätze mit der Büroanwendung hätten um 28 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar zugelegt - die Cloud-Variante von Office habe dabei ein Plus von 42 Prozent verbucht.

Bei den hochgerechneten Jahreserlösen mit Cloud-Angeboten für Geschäftskunden konnte Microsoft gerade und zum ersten Mal in seiner Historie die Marke von 20 Milliarden Dollar überschreiten. Und für die Zukunft setzt man noch mehr auf die Cloud: Im Q3 habe man 2,7 Milliarden Dollar in den Bau neuer Rechenzentren gesteckt, um für künftige Anforderungen gerüstet zu sein.

Man sieht anhand des exemplarischen Beispiels von Microsoft, wie sehr Cloud Computing die Branche in den letzten zehn Jahren umgekrempelt hat. Auf Ratlosigkeit und Unsicherheit sind längst durchschlagende Erfolge von Cloud-Angeboten gefolgt. Ein weiteres Beispiel wäre Amazon: Vor zehn Jahren war das noch immer vor allem ein Buchhändler. Im vergangenen Quartal erzielte die Public Cloud-Plattform AWS einen Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar, was eine Zunahme um 42 Prozent gegenüber Q3 2016 bedeutet.

Prognosen bewahrheiten sich

Man sieht also, dass sich die Prognosen aus früheren Jahren tatsächlich bewahrheitet haben: Die Nutzung von Cloud Computing nimmt kontinuierlich zu, schon wird sie landauf, landab als „Selbstverständlichkeit“ bezeichnet. Die Analysten von Forrester erwarten für dieses Jahr einen globalen Umsatz alleine mit Public Cloud von 146 Milliarden Dollar – 2015 waren es lediglich 87 Milliarden Dollar. Im kommenden Jahr soll es richtig abgehen, dann wird den Analysten zufolge mehr als 50 Prozent aller Konzerne wenigstens eine Public Cloud nutzen, viele davon mehrere.

Für (potentielle) Anwender mögen in diesem Zusammenhang die zehn Prognosen zur Cloud-Nutzung interessant sein, die Forrester kürzlich für 2018 ausgegeben hat:

  • 1. Es kommen keine neuen globalen Mega-Clouds mehr auf den Markt, die Szene konsolidiert sich bereits.
  • 2. SaaS-Anbieter expandieren und werden zu Plattform-Providern
  • 3. Cloud-Plattformen werden noch lokaler aufgestellt.
  • 4. Kubernetes hat sich als Bereitstellungsmethode für Container durchgesetzt.
  • 5. Das Zero Trust-Modell wird auf alle Cloud-Plattformen ausgedehnt. Dieses Modell sieht laut Forrester vor, auf die bislang gängigen Sicherheitskonzepte zu verzichten und diese durch eine strenge Kontrolle und einem grundsätzlichen Misstrauen zu ersetzen.
  • 6. Die Ausgaben für private und hybride Clouds werden sich nach einer Verlangsamung erholen, befeuert durch eine Reihe neuer lokaler Cloud-Lösungen.
  • 7. Private Clouds dehnen sich über IaaS hinaus aus und werden als Plattform aktiv in die Entwicklung miteinbezogen.
  • 8. Cloud Management-Lösungen werden kostenlos angeboten werden, um Boden im Kampf um die Vorherrschaft eines Systems gut zu machen.
  • 9. Konzerne verschieben zehn Prozent ihres Traffics von Carrier-Backbones hin zu Colocation- und Cloud Service-Providern.
  • 10. Die Softwareentwicklung wird durch immersive „Lab-based Training Programs“ beschleunigt werden.

Unterm Strich, so Dave Bartoletti, Vice President und Principal Analyst bei Forrester, ist die Cloud 2018 nicht mehr einfach die billigste Art, Daten im Netz zwischenzuparken, sondern ein „Must have“ für die beschleunigte Business-Transformation. Hatten die Prognosen 2010 also doch recht.

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