Cloud Computing

Cloud: Neuer Standard in der Logistik

| Autor / Redakteur: Frank Strecker * / Florian Karlstetter

Das größte Rechenzen- trum der Telekom in Biere: Die Cloud erobert nach und nach auch immer mehr Bereiche in der Logistik.
Das größte Rechenzen- trum der Telekom in Biere: Die Cloud erobert nach und nach auch immer mehr Bereiche in der Logistik. (Bild: Deutsche Telekom AG)

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Cloud Computing setzen immer mehr Logistiker auf Unterstützung aus der Cloud. Während Skeptiker vor zu geringer Sicherheit und zu hohen Kosten warnen, buhlen die besten Cloud-Anbieter mit deutschen Rechenzentren, strengem Datenschutz und stundengenauer Abrechnung um Vertrauen.

Die Logistikbranche entdeckt zunehmend das Cloud Computing für sich: Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Cloud Computing unter mehr als 200 Logistikunternehmen aus 15 Ländern hat ergeben, dass mittlerweile bereits rund die Hälfte der Unternehmen der Branche auf Cloud Computing setzt. „Die Logistik ist prädestiniert für den Einsatz von Cloud-Lösungen. Denn Güterströme verlaufen unternehmensübergreifend und erfordern die durchgängige Steuerung und Kontrolle logistischer Prozesse“, heißt es in der Studie. „In Zukunft wird eine dynamische Weiterentwicklung erwartet, die den lückenlosen Informationsfluss in komplexen Supply-Chain-Netzwerken gewährleistet.“

Sicherheit deutscher Rechenzentren bei Cloud-Anwendungen gefragt

Wer aktuell noch zögert, hat laut Umfrage vor allem eines: Sicherheitsbedenken. „Insbesondere kleine Unternehmen hält dieser Aspekt von der Cloud-Nutzung ab“, schreibt das Institut für Cloud Computing. Doch das Thema Sicherheit beschäftigt auch Unternehmen, die der Cloud grundsätzlich offen gegenüberstehen: Für 58 % der Anwender komme laut Studie nur ein Cloud-Dienstleister in Frage, der ein Sicherheitskonzept biete, das Datenschutz und Datensicherheit gewährleiste. Ähnlich wichtig bei der Auswahl: die Kosten (54 %) sowie größtmögliche Verfügbarkeit (50 %).

Könnte Datenschutz und Datensicherheit „made in Germany“ die Skeptiker besänftigen? Die Nachfrage nach entsprechenden Diensten jedenfalls wächst rasant, auch die Zahl der Rechenzentren steigt. In Deutschland hat etwa die Telekom vor vier Jahren den Grundstein für ein gigantisches Rechenzentrum in Sachsen-Anhalt gelegt. In Biere bei Magdeburg entstand auf einer Fläche von knapp 30 Fußballfeldern ein Neubau, der heute als eines der größten Rechenzentren Europas gilt. Grund für die Ausmaße war bereits damals die hohe Nachfrage nach virtuellen Rechenkapazitäten, Software und Diensten aus der Cloud.

Die Telekom will mit dem Standort Deutschland punkten – zumal auch der Unternehmenssitz der Telekom in Deutschland liegt. Damit unterliegen das Verarbeiten und Speichern der Kundendaten sowie die Cloud-Dienste deutscher Datenschutzgesetzgebung. Der bisherige Erfolg gibt uns Recht. Die Telekom musste schon nach kurzer Zeit die zweite Ausbauphase der Rechenzentrumskapazitäten in Angriff nehmen, da die Nachfrage nach Cloud-Diensten enorm angestiegen ist.

Mindestens 99,95 % Verfügbarkeit dank Redundanzen

Bis zum Frühsommer 2018 investiert die Telekom dort einen dreistelligen Millionenbetrag. Nach Ende der zweiten Ausbauphase wird die Kapazität die Rechen- und Speicherleistung im Vergleich zur heutigen Kapazität um 150 % höher sein. Größtmögliche Verfügbarkeit stellt die Telekom mit Redundanzen sicher – wie etwa durch Zwillingsrechenzentren, die bei Ausfällen im Hauptrechenzentrum sofort einspringen. Dadurch erreichen die Cloud-Dienste eine Verfügbarkeit von mindestens 99,95 %.

Der Angst vor explodierenden Kosten begegnen Cloud-Anbieter mit Pay-as-you-go-Modellen. Kosten entstehen damit ausschließlich für die tatsächlich genutzten Rechenkapazitäten, was jedoch vom Cloud-Dienst abhängt. Wer zum Beispiel Rechen- und Speicherleistungen aus einer Public Cloud benötigt, der kann quasi auf Knopfdruck virtuelle Maschinen aus der Open Telekom Cloud buchen. Dank stundengenauer Abrechnung zahlen Nutzer damit nur die Kapazitäten, die sie tatsächlich benötigen. Für vertragsgebundene Tarife hingegen erhalten sie einen entsprechenden Rabatt – je länger die Bindung, desto günstiger die Konditionen.

Neben der Nachfrage nach IT-Infrastrukturleistungen ist in der Logistikbranche laut der Umfrage des Instituts für Cloud Computing die Nachfrage nach Software-as-a-Service-Angeboten für das Supply Chain Management am meisten gefragt (52 %) – gefolgt von Office-, ERP- und CRM-Anwendungen aus der Cloud. Auch für Software aus der Cloud sind Sicherheits- und Datenschutzfragen relevant. T-Systems hat aus diesem Grund mit Microsoft ein Datentreuhändermodell unter anderem für Office 365 vereinbart. Als Datentreuhänder überwacht und kontrolliert T-Systems jeden physischen und technischen Zugriff auf die Kundendaten, mit Ausnahme des Zugriffs durch den Kunden selbst.

Schlaue Geschäfte: Prozesse werden effizienter und günstiger

Wer bei Public-Cloud-Angeboten trotzdem skeptisch bleibt, kann einzelne – möglicherweise unternehmenskritische – Software auch gezielt aus einer Private Cloud beziehen. Dann kann das Logistikunternehmen festlegen, in welchem Rechenzentrum Software und Daten liegen – was allerdings teurer ist als die Nutzung einer Public Cloud.

Auch wenn Maschinen miteinander kommunizieren, ist die Cloud gefragt, wenn Prozesse effizienter und damit günstiger werden sollen. Die Hamburger Reederei DAL etwa hat Container mit einem sogenannten „Smart Container Device“ – einer M2M-Lösung – ausgestattet. Das Gerät misst mit verschiedenen Sensoren Position, Erschütterungen, Neigung und Temperatur. Außerdem registriert die Elektronik, ob die Tür während der Reise unbefugt geöffnet wurde oder nicht.

Mit einer integrierten SIM-Karte funkt das Gerät die entsprechenden Daten von überall auf der Welt nach Deutschland in die „Cloud der Dinge“ der Telekom. Mitarbeiter von DAL können über einen Internetbrowser mit Zugangsdaten und Passwort auf die gespeicherten Daten zugreifen und sind jederzeit über den Standort der Container sowie deren Zustand informiert.

„Früher haben wir von Erschütterungen, Schräglagen oder unbefugt geöffneten Türen in Hamburg zunächst nichts mitbekommen“, sagt Ralf Stüwe von DAL. „Heute erhalten wir Alarmmeldungen in Echtzeit – und können somit auch den Verantwortlichen für den Schaden haftbar machen.“ Denn: Stellt sich heraus, dass der Inhalt beschädigt wurde, lässt sich anhand der Daten schnell und einfach ermitteln, zu welchem Zeitpunkt der Schaden entstanden und wer dafür verantwortlich ist.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei unserem Schwester-Portal MM Logistik (verantwortlicher Redakteur: Bernd Maienschein).

* Frank Strecker ist Senior Vice President Cloud Partner Products & Ecosystems bei T-Systems

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