Apps für private und öffentliche Clouds

Cloud Native denken und handeln

| Autor / Redakteur: Dr. Robert Laube* / Florian Karlstetter

Journey to the cloud: Schritt für Schritt zu Cloud nativen Applikationen.
Journey to the cloud: Schritt für Schritt zu Cloud nativen Applikationen. (Bild: © Sergey Nivens - stock.adobe.com)

Viele Unternehmen sind derzeit dabei, ihre IT fit für die Zukunft zu machen. Nur wer sich dabei auch auf Applikationen fokussiert und nicht nur auf die Infrastruktur konzentriert, kann sein Geschäft gewinnbringend vorantreiben.

Schon heute sind sich 65 Prozent der Unternehmen in Deutschland sicher, dass ihre traditionellen IT-Ansätze nicht mehr geeignet sind, den aktuellen Anforderungen im Zeitalter des digitalen Wandels zu genügen. Entsprechend dieser aus einer Umfrage stammenden Werte glauben weitere 88 Prozent der IT-Entscheider in den befragten Unternehmen, dass die Modernisierung der IT für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen ausschlaggebend sein wird.

Die IT-Systeme müssen agiler, innovativer und effizienter werden sowie neuen Technologien und Arbeitsweisen gegenüber offen sein. Cloud Computing, das all dies ermöglicht, ist dabei der entscheidende Faktor. Statt sich allein auf die Infrastruktur zu fokussieren, richten zukunftsorientierte Unternehmen ihr Augenmerk dabei vor allem auf die Anwendungen. Wer auf das Cloud Native setzt – also seine Anwendungen ab ovo für öffentliche Cloud-Architekturen konzipiert und entwickelt – kann so direkt Wachstum und Innovation generieren.

Schritt für Schritt Richtung Cloud Native.
Schritt für Schritt Richtung Cloud Native. (Bild: Avanade)

Cloud Native – der Weg

Um von den Vorteilen der Cloud zu profitieren, gibt es für Unternehmen verschiedene Wege: Rehosting, Refactoring und Rearchitecting. Das Rehosting bzw. die Anwendungsmigration oder der Plattformwechsel ist ein erster einfacher Schritt: Dabei nehmen Unternehmen vorhandene Applikationen aus ihren Rechenzentren und ihrer Hardware heraus und übertragen sie in eine Cloud-Infrastruktur wie z.B. mittels Container Technolgie. Damit ist ein erster Schritt geschafft – aber keine Cloud Native.

Das Refactoring – auch als Restrukturierung bezeichnet – ist ein zentraler Bestandteil der agilen Softwareentwicklung. Entsprechende Applikationen behalten ihr beobachtbares Programmverhalten bei, allerdings werden an ihnen manuelle oder automatisierte Strukturveränderungen von Quelltexten vorgenommen. So lassen sich Lesbarkeit, Verständlichkeit, Wartbarkeit und Erweiterbarkeit mit dem Ziel verbessern, den Aufwand für Fehleranalysen oder funktionale Erweiterungen deutlich zu senken.

Erster echter Schritt zu Cloud Native

Mit Refactoring–Applikationen wagen Unternehmen den ersten wirklichen Schritt Richtung Cloud Native. Wer auf Cloud Native setzt, verfolgt ja das Konzept, Anwendungen zu entwickeln und bereitzustellen, die auf einzelnen kleinen Services basieren. Diese Microservices sind somit eine der wichtigsten Komponenten für den Cloud-Native-Ansatz: Denn jeder dieser kleinen Services arbeitet individuell auf einer beliebigen Umgebung und stellt eine spezifische Funktion zur Verfügung. Somit lassen sie sich auch jederzeit unabhängig skalieren, upgraden, starten oder anhalten.

Und sie können auch in so genannte Container zusammengefasst werden. Die wiederum können zu einem höheren Automatisierungsgrad führen. Ein Schlüsselfaktor für Cloud-Native-Applikationen – speziell, wenn es um Geschwindigkeit und Agilität des jeweiligen Unternehmens geht: So gilt bei vielen Unternehmen das Motto „Quick wins“. Eine Voraussetzung, die sich nur dann einstellt, wenn die Applikationen transformierbar sind und die Infrastruktur die Anwendungen stützt.

Dritte Stufe: Rearchitecturing

Um ihre neu geschaffene moderne IT-Architektur voll ausnutzen zu können, die sich Unternehmen durch Rehosting und Refactoring aufgebaut haben, steht in dem Prozess noch das Rearchitecturing der Altsysteme an – sozusagen die dritte Ausbaustufe. In dieser Phase werden beispielsweise geschäftsrelevante Prozesse oder auch Software-Anlagevermögen aus den bisherigen Systemen entnommen und in besagte Microservices zerlegt. Das macht Unternehmen ebenfalls agiler und schneller.

Die Möglichkeit darüber entscheiden zu können, ihre IT-Infrastruktur in Public, Private oder Hybrid Clouds zu platzieren, gibt Unternehmen die Chance, flexibler und agiler zu werden. Damit steigern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Innovationsfreude – eben ohne dabei Gefahr zu laufen, betriebliche Prozesse zu destabilisieren. Sie führen effizient neue Dienstleistungen und Anwendungen ein, da die Entwickler sie an standardisierten Cloud-Plattformen ausrichten und sie nicht kostenintensiv an individuelle IT-Infrastrukturen ihrer Kunden anpassen müssen.

Direkte positive Auswirkungen auf den Umsatz

Folglich sind die Befragten der eingangs erwähnten Avanade-Studie davon überzeugt, dass sich die Jahresergebnisse mit einer zielführenden Modernisierung der IT um bis zu 14 Prozent steigern lassen können – bei einem Rückgang der Kosten um bis zu 13 Prozent. Denn Cloud-Native-Anwendungen können konsequent alle (!) Services nutzen, die die Cloud bereitstellt, das ist ihr großes Ziel. So simpel das auch klingen mag: Diese Erfolgsstrategie erfordert eine wohl überlegte Herangehensweise.

Denn einerseits gibt es bei vielen Unternehmen Anwendungen, die unverzichtbar, aber nicht zwingend in einer Cloud lokalisiert sein müssen – hier gilt es, entsprechende Prioritäten zu berücksichtigen. Andererseits sind Unternehmen, je nach Branche und Produkt bzw. Service, etwa aus Compliance-Gründen bisweilen nicht in der Lage, in bestimmten Bereichen auf Cloud zu setzen. Daher gilt: Entwickler, die Cloud-Native-Applikationen planen, müssen stets Redundanzmechanismen bereitstellen.

Fazit

Dr. Robert Laube ist Leiter Cloud und Chief Technology & Innovation Officer bei der Avanade Deutschland GmbH.
Dr. Robert Laube ist Leiter Cloud und Chief Technology & Innovation Officer bei der Avanade Deutschland GmbH. (Bild: Avanade)

Laut der aktuellen Gartner-Studie „Why you must begin delivering cloud-native offerings today, not tomorrow“ werden bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 50 Prozent der Applikationen von privaten für öffentliche Clouds fit gemacht. 2017 waren es noch weniger als zehn Prozent. Dass sich Software as a Service (SaaS) etabliert hat, ist hierbei für Unternehmen natürlich sehr hilfreich – die Möglichkeit, Anwendungen direkt von einem Software-Hersteller oder einem IT-Anbieter zu beziehen entlastet die Unternehmens-IT, ebenso wie die Datensicherung und das Einspielen von Updates durch SaaS-Anbieter. So werden genau die Potenziale geschaffen, um als IT aktiv einen Wertbeitrag für das Unternehmen zu liefern.

Der Autor: Dr. Robert Laube ist Leiter Cloud und Chief Technology & Innovation Officer bei der Avanade Deutschland GmbH. Seit mehr als 20 Jahren berät er nationale und internationale Kunden im Bereich Modern Software Engineering, Analytics und Digitalisierung. Er ist Ansprechpartner zu Künstlicher Intelligenz (KI), Robotic Process Automation (RPA) sowie IoT und den innovativen Möglichkeiten, die sich im Bereich Industrie 4.0 im Zusammenspiel mit Cloud bieten.

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