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Cloud Computing: Ist der Fachkräftemangel real?

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Was ist dran am vielzitierten Fachkräftemangel?
Was ist dran am vielzitierten Fachkräftemangel? (Bild: © kwarner - stock.adobe.com)

Cloud Computing ist ein Wachstumsmarkt. Arbeitgeber in Deutschland bejammern aber den Fachkräftemangel – ist das Propaganda oder fehlen hierzulande wirklich Cloud-Spezialisten?

Der Fachkräftemangel ist ein Konstrukt. Über diese Aussage stolpert jeder auf kurz oder lang, der dem Problem auf den Grund gehen will. Sie findet sich oft und gerne in Foren, in denen sich auch ältere und gestandene ITler tummeln. Sie berichten, dass sie allerspätestens mit dem 50sten Lebensjahr durchs Sieb der Personalabteilungen fallen.

Und sie erklären das Lamento der Unternehmen über die fehlenden Fachkräfte mit Taktik: Um stets mit frischen Hochschulabsolventen - gerne auch aus dem Ausland - versorgt zu werden und deren Gehaltsniveau niedrig zu halten, jammerten laut die Arbeitgeber in den Medien, auf Kongressen und vor allem gegenüber den politischen Entscheidern. Kampagnen, Vereine und Maßnahmen würden daraufhin ins Leben gerufen, die älteren, aussortierten Mitarbeiter aber würden im Regen stehen gelassen.

Ist dem so? Oder gibt es den Fachkräftemangel insbesondere in der Cloud-Branche tatsächlich? „Durch die seit Jahren sehr gute Wirtschaftslage ist mittlerweile klar ein Fachkräfte-Mangel im Bereich des Cloud Computing zu beobachten“, bezeugt Lars Grammel, Head of European R&D bei Trifacta, einem Anbieter von Data-Wrangling-Lösungen.

„Die Frage nach dem Fachkräftemangel betrifft aktuell alle Bereiche der IT“, bestätigt auch Henning von Kielpinski, Leiter Business Development bei Consol Software. „Kunden erwarten inzwischen von den Cloud-Providern nicht Technologie, sondern Lösungen. Damit müssen die vormaligen Technologielieferanten eine Zwitterrolle aus Unternehmensberatung und Lösungsintegrator ausfüllen. Alle großen Cloud-Anbieter versuchen, die Nutzungshürden herunterzuschrauben und so den Cloud-Gebrauch zu steigern.“

Die Aussagen von Grammel und Kielpinski werden unterstützt von Zahlen aus einer Studie, die die Metajobsuchmaschine Joblift Ende vergangenen Sommer zum Stellenmarkt in diesem Bereich vorgelegt hat. Demnach hat sich die Zahl der Cloud-Jobs in einem Jahr nahezu verdoppelt. Der größte Teil der Stellen habe sich dabei an Architects (4.090 Ausschreibungen), Entwickler (3.157 Anzeigen) und Cloud Consultants (3.047 Jobs) gerichtet.

Die meisten Stellen (64 Prozent) wurden laut Studie von Großkonzernen ausgeschrieben, 30 Prozent von mittelständischen Firmen bis 500 Mitarbeiter und sechs Prozent von kleinen Unternehmen mit maximal zehn Angestellten. Allerdings scheinen die Positionen nur schwer zu besetzen zu sein: Im Schnitt blieben die Cloud-Ausschreibungen 25 Tage online, wohingegen die Anzeigen über alle Berufsgruppen hinweg 20 Tage lang aktiv waren, so Joblift.

Fachkräfte aus dem Ausland

Für Grammel von Trifacta führt der Fachkräftemangel dazu, dass sein Unternehmen „außerhalb Deutschlands, aber auch außerhalb der EU nach Experten sucht, um unser Wachstum zu unterstützen.“

Aber auch im Ausland sieht es mit unengagierten ITlern und Cloud-Experten mau aus. Abby Kearns, Executive Director der Cloud Foundry Foundation, berichtet von einem enormen Mangel vor allem an Cloud-Entwicklern. „Das hören wir von einer ganzen Reihe unserer Mitglieder und Anwender. In einer Studie zum ‚Developer Gap‘ haben wir aufgezeigt, dass dies auch von 64 Prozent aller IT-Experten bestätigt wird.“

Nun, auch wenn der Fachkräftemangel ein globales Phänomen zu sein scheint, ist Deutschland als Arbeitsmarkt doch attraktiv. Die Arbeitsagentur unterstützt zudem Unternehmen beim Anheuern ausländischer Fachkräfte. Um geeignete Bewerber aus dem Ausland zu finden, kooperiert der Arbeitgeber-Service mit dem Internationalen Personalservice der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Der Internationale Personalservice kümmert sich umfassend um die Rekrutierung von Fachkräften und unterstützt auch deren soziale und betriebliche Integration. Zudem bietet er Arbeitgebern die Möglichkeit, sich im Ausland bei gezielten Rekrutierungsveranstaltungen zu präsentieren sowie an virtuellen Jobmessen teilzunehmen. Ansprechpartner finden sich unter der Telefonnummer 0800 4 5555 20 (auch für Arbeitgeber kostenfrei).

Fortbildung statt Aussiebung

Wir leben und arbeiten in einer sich rasant wandelnden Branche. „Das Profil von IT Fachkräften von vor fünf Jahren entspricht häufig nicht mehr heutigen Anforderungen“, so Kielpinski. Das kann Ihnen jeder über-50-Jährige ITler bestätigen. Kielpinski zieht daraus den Schluss, dass Unternehmen „mehr denn je gefordert sind, ihre Mitarbeiter kontinuierlich weiterzubilden und aktiv durch den sich verändernden Markt zu führen.“ Dabei werde es immer wichtiger, dass die primäre Ausbildung der Fachkräfte nicht spezifische Technologien oder Programmiersprachen fokussiere, sondern ein allgemeines Verständnis von technologischen Zusammenhängen und der Algorithmik fördere.

Auch Cloud Foundry setzt wie Kielpinski auf Fortbildung. Das Cloud Foundry Certified Developer Program vermittelt Programmierkenntnisse für die digitale Transformation. Auch in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungen, die sich u.a. auf die Fortbildung von Cloud-Experten spezialisiert haben. Hier einige Adressen:

Weitere, für Ihr Unternehmen passende Lehrangebote müssen Sie selber googlen. Dabei, so erweckt die eingangs erwähnte Studie von Joblift den Eindruck, ist Ausbildung gar nicht so wichtig: Nur 7.681 Anzeigen, also weniger als die Hälfte der untersuchten Stellen, gehen auf den für die vakanten Stellen erforderlichen Abschluss ein. Ein Studium wird dabei 6.571-mal sowie eine Berufsausbildung 3.600-mal genannt – wobei diese häufig zusammen als Alternativen aufgeführt werden.

Bekanntermaßen gelten beim Einsatz von Cloud Computing Sicherheitsmängel sowie unzureichender Datenschutz als die zwei zentralen Risiken. Joblift ging daher auch der Frage nach, inwiefern die Jobanzeigen Kenntnisse in IT- und Datensicherheit fordern. Vor allem dem Thema Datenschutz scheint jedoch nur hinlänglich Beachtung geschenkt zu werden: Nur 313 Cloud-Vakanzen setzten Wissen auf diesem Gebiet voraus. Kompetenzen im Bereich der IT-Sicherheit wurden immerhin 1.163-mal nachgefragt.

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Solange es für deutsche Unternehmen billiger ist, frische Fachkräfte von den Hochschulen abzugreifen und im Notfall auf Hilfe aus dem Ausland zu setzen, solange werden Tausende von Programmierern und Systemarchitekten nahe der Rentengrenze weiter vergeblich auf eine Anstellung hoffen. Der Gesetzgeber wäre gefragt, um diese Form der Diskriminierung zu unterbinden. Aber dazu war in den „Groko“-Verhandlungen 2017 und 2018 nichts zu hören. Viel hören werden wir dagegen sicherlich weiterhin das Lamento der Arbeitgeber über den Fachkräftemangel. Den angeblichen Fachkräftemangel.

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