Aufholbedarf im Mittelstand

Cloud als Digitalisierungstreiber

| Autor / Redakteur: Christian Zöhrlaut, Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage / Florian Karlstetter

"Ohne ein cloudbasiertes ERP-System sind tiefgreifende Digitalisierungsvorhaben beinahe nicht zu bewältigen", so Christian Zöhrlaut, Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage.
"Ohne ein cloudbasiertes ERP-System sind tiefgreifende Digitalisierungsvorhaben beinahe nicht zu bewältigen", so Christian Zöhrlaut, Director Product Marketing Management Central Europe bei Sage. (Bild: Sage)

Trotz einer generell positiven Tendenz bei der Cloud-Adaption in Deutschland hält sich der Mittelstand mit strategischen Planungen in dieser Hinsicht mehrheitlich immer noch zurück. Doch gerade in diesem Firmensegment lassen sich viele Vorhaben im Bereich der digitalen Transformation nur mit einer passgenauen Cloud-Strategie in die Tat umsetzen. Die Vorteile schlagen bei entsprechendem Handeln dann auch nicht nur sprichwörtlich positiv zu Buche.

Cloud-Computing ist in der deutschen Wirtschaft definitiv auf dem Vormarsch: Zwischen 2016 und 2018 stieg die Zahl der Cloud-Anwender von 65 auf 73 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen Unternehmen, für die das Cloud-Modell derzeit kein Thema ist, von 17 auf acht Prozent. Dies geht aus dem jüngst veröffentlichten Cloud-Monitor 2019 von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.

Allerdings entwickelt sich die Cloud-Nutzung hierzulande über verschiedene Branchen und Größensegmente hinweg mit unterschiedlicher Geschwindigkeit: Bei mittelständischen Unternehmen mit zehn bis 250 Beschäftigten liegt der Cloud-Nutzungsgrad bei lediglich 43 Prozent. Und 32 Prozent aller Unternehmensentscheider dieser Gruppe sagen, dass Cloud-Computing für sie irrelevant sei. Zu diesem Ergebnis kommt der Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2018 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Informationssicherheit in der Cloud

Nicht relevant? Wie lässt sich eine solche Einschätzung erklären? Verbirgt sich dahinter etwa eine grundsätzliche Skepsis gegenüber einem rein serviceorientierten IT-Modell? Für die IT-Experten von Bitkom Research ist dies nicht unwahrscheinlich. Dreiviertel aller vom Branchenverband Befragten teilen die Sorge, vertrauliche Unternehmensdaten seien in der Cloud vor unbefugtem Zugriff nicht hinreichend geschützt – dies gelte insbesondere in Bezug auf Public Clouds.

Sicherheitsbedenken gelten laut der Cloud-Monitor-Studie nach wie vor als Schlüsselhemmnis, das viele Mittelständler von der Cloud-Nutzung fernhält. Doch sind geschäftskritische Daten im hauseigenen Rechenzentrum tatsächlich sicherer als in der Cloud? Der Bitkom-Report legt das Gegenteil nahe: Lediglich 26 Prozent der Befragten räumten bei Cloud-Lösungen Sicherheitsvorfälle innerhalb der letzten zwölf Monate ein. Dagegen waren In-house-Systeme bei 37 Prozent der Studienteilnehmer davon betroffen – immerhin elf Prozentpunkte mehr. Empirisch belegt ist bei Public-Cloud-Nutzung also kein höheres, sondern ein deutlich geringeres Sicherheitsrisiko als im konventionellen IT-Umfeld.

Mehr als die Hälfte der Cloud-Nutzer gaben dementsprechend im Bitkom-Report positive Effekte im Blick auf die Informationssicherheit und den Datenschutz zu Protokoll. Gerade im Mittelstand, wo einschlägiges Knowhow und personelle Kapazitäten in den Bereichen IT-Security und Datenschutz oft nicht im nötigen Umfang vorhanden sind, könnte ein Cloud-Einstieg demnach helfen, beispielsweise die Anforderungen der im Mai vorigen Jahres in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu erfüllen: So bietet etwa eine DSGVO-konforme Human-Ressource-Lösung aus der Cloud eine gute Ausgangsbasis, um stets alle rechtlichen Vorgaben zum Umgang mit personenbezogenen Mitarbeiterdaten zu erfüllen. Ähnliches gilt für Kundendaten, die in einem cloudbasierten ERP-System verwaltet werden. Denn Cloud-basierte Systeme werden herstellerseitig regelmäßig durch Updates auf dem neuesten Stand gehalten – auch hinsichtlich ihrer Rechtskonformität.

Cloud-Strategie als Schlüssel für die digitale Transformation

Welche Unternehmensanwendungen sich am ehesten als Kandidaten für die Cloud-Überführung eignen, hängt von der konkreten Geschäftstätigkeit und dem Status quo der Prozesse ab. Eine valide Entscheidung über die Auswahl und Reihenfolge setzt folglich voraus, dass es eine übergeordnete Cloud-Strategie gibt. Die Ausarbeitung einer solchen Strategie bietet dabei die Gelegenheit, das bisherige Ablaufgefüge kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren.

Als Ausgangspunkt für die Strategieentwicklung sollten mittelständische Betriebe stets ihre jeweiligen Unternehmensziele und die wesentlichen Markttrends ihrer Branche ins Auge fassen. Ein Fertigungsbetrieb kann zum Beispiel unter erheblichen Wettbewerbsdruck geraten, wenn andere Unternehmen aus derselben Lieferkette ihre Produktionsprozesse digitalisieren. Dann nämlich wächst die Erwartungshaltung, dass auch die eigene Fertigungssteuerung agil genug ist, um just-in-time anliefern zu können.

Gleichzeitig zwingt zunehmender Wettbewerb zur weiteren Kostensenkung – was vielerorts das treibende Motiv für den Umbau der Logistik in Richtung minimaler Lagerbestände mit entsprechend verringerter Kapitalbindung ist. Das aber muss so geschehen, dass jeder Lieferengpass zuverlässig ausgeschlossen bleibt. Deshalb steht derzeit bei vielen Firmen im produzierenden Gewerbe eine verbesserte Integration von Geschäfts- und Produktionsprozessen ganz oben auf der Agenda. Das Ziel: durchgängige Transparenz vom Auftragseingang über den Shop-Floor bis zum Warenausgang.

Schnelle Skalierbarkeit durch Cloud-basierte Software

Ohne ein cloudbasiertes ERP-System sind derart tiefgreifende Digitalisierungsvorhaben beinahe nicht zu bewältigen – zumal gleichzeitig das Aufkommen an Betriebs- und Statusdaten aus dem Maschinenpark infolge zunehmender Sensornutzung rapide wächst. Mit diesem Tempo halten konventionelle IT-Systeme nicht mehr Schritt, weil sie sich nicht schnell genug skalieren lassen. Und spätestens dann, wenn ein neuer Produktionsstandort eröffnet oder die Fertigung ins Ausland verlagert werden soll, erweisen sich siloartige IT-Anwendungen oft genug nicht nur als Bremse, sondern auch als Kostenfalle.

Sobald wichtige Businessanwendungen als standortübergreifender Cloudservice zur Verfügung stehen, lassen sich dort auch alle involvierten Datenquellen an zentraler Stelle bündeln – eine ideale Basis für innovative Big-Data- und KI-Lösungen: Das somit gewonnene Wissen wird gleichsam zum Treibstoff für neue Geschäftsmodelle. So könnte zum Beispiel der erwähnte Fertigungsbetrieb seine Wertschöpfung via Cloud durch datengestützte Maintenance-Dienstleistungen nachhaltig intensivieren.

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