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US-Kundenkonferenz von Amazon Web Services AWS senkt Latenzzeiten am Edge, im Mobilfunk und in Local Zones

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Amazon Web Services hat kürzlich auf seiner Kundenkonferenz AWS re:invent Ende 2019 in Las Vegas eine Reihe von neuen Services vorgestellt, die für Cloud Computing von Bedeutung sind. In erster Linie ist AWS bemüht, die Latenzzeit der Datenübertragung in Edge- und Local-Clouds zu verringern.

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Von den rund 65.000 Besuchern der AWS re:invent konnten rund 11.000 den Keynotes in der Halle A direkt lauschen.
Von den rund 65.000 Besuchern der AWS re:invent konnten rund 11.000 den Keynotes in der Halle A direkt lauschen.
(Bild: AWS)

Der bedeutendste Schritt hin zur Edge Cloud ist AWS Outposts. Nachdem das Konzept schon vor einem Jahr angekündigt wurde, hat AWS die generelle Verfügbarkeit dieses vollständig verwalteten und konfigurierbaren Rechen- und Speicher-Racks bekanntgegeben. Kunden können damit auf AWS-konfigurierter Hardware Rechen- und Speicheroperationen lokal („on-premises“) durchführen und diese nahtlos mit den AWS Cloud-Diensten verbinden.

Damit bringt AWS Outposts native AWS Dienste, Infrastruktur und Betriebsmodelle in jedes Rechenzentrum, jeden Co-location Space und jeden On-premises-Standort. Zu den „nativen Diensten gehören EC2, Elastic Block Storage, Elastic Container Service, Elastic Kubernetes Service, Elastic Map Reduce und Virtual Private Cloud (VPC). Die Datenbank RDS sowie S3-Storage kommen bald hinzu“, sagte CEO Andy Jassy. In der Ausstellung war die übermannshohe Outposts Appliance eines der am meisten bewunderten Exponate.

Lokale Zonen

„Unsere Kunden wünschen weitere Senkungen der Latenzzeit“, sagte CEO Andy Jassy in seiner Keynote. „Endanwender wollen Workloads mit einer Latenzzeit im einstelligen Millisekundenbereich ausführen. Deshalb beginnen wir damit, Local Zones in ausgewählten Availability Zones (AZ) einzurichten.“ Auf eine Einladung hin werde Los Angeles die erste Local Zone bekommen. Medien- und Gamingdienste wie Netflix, Luma Pictures und FuseFX seien unter den ersten Nutzern.

AWS Local Zones sind eine neue Art der AWS-Infrastrukturbereitstellung, die Rechen-, Speicher-, Datenbank- und andere ausgewählte Dienste in der Nähe von Kunden platziert, was Entwicklern in LA die Möglichkeit gibt, Anwendungen bereitzustellen, die einstellige Millisekunden-Latenzen für Endbenutzer in LA erfordern. Zu den Workloads gehören Remote-Echtzeitspiele, Filmproduktionen und grafikintensive virtuelle Workstations.

Bislang erforderten diese latenzsensitiven Workloads von Unternehmen in LA die Beschaffung, den Betrieb und die Wartung der IT-Infrastruktur in ihrem eigenen LA-basierten Rechenzentrum oder ihrer Co-Location. Und sie mussten diese Anwendungskomponenten mit geringer Latenz mit einer anderen Auswahl an APIs und Tools entwickeln und ausführen als die anderen Teile ihrer Anwendungen, die in der AWS Cloud laufen. „Dies führte zu einem erheblichen Mehraufwand für diese Unternehmen“, sagte Andy Jassy.

Kunden der AWS Local Zone können ihre Rechen-, Speicher-, Datenbank- und andere ausgewählte Dienste lokal in Los Angeles nutzen und diese gleichzeitig nahtlos mit dem Rest ihrer Anwendungen in der AWS US West (Oregon) Region oder anderen AWS Regionen verbinden. Die Local Zone LA wird von der AZ Oregon verwaltet. Sie dürfte nicht die letzte Local Zone sein, denn Amazon will nicht nur Metropolen, sondern auch Industrie- und IT-Zentren besser versorgen. Dabei will Andy Jassy auch die Nutzer der VMware Cloud on AWS stärker unterstützen. Diese Variante soll ebenfalls auf Outposts laufen können.

AWS Wavelength für 5G-Mobilnetze

Der nächste Schritt hin zu besserer Versorgung mit schnellen Cloud-Diensten ist der neue Service AWS Wavelength, der mobile 5G-Endgeräte und 5G-fähige Maschinen unterstützt. Mit AWS Wavelength sollen Entwickler Anwendungen mit extrem niedrigen Latenzzeiten im einstelligen Millisekundenbereich innerhalb des 5G-Netzwerks bereitstellen können und diese nahtlos mit der gesamten Bandbreite von AWS Cloud Services integrieren. Entwickler seien dann in der Lage, weltweit Anwendungsfelder zu bedienen, die extrem kurze Latenzzeiten erfordern. Dabei könnten sie die ihnen bereits bekannten APIs, Werkzeuge und Funktionen von AWS nutzen. Bereits heute hat der Telekommunikationsriese Verizon in Chicago eine Preview-Installation seiner „5G Intelligent Edge“ eingerichtet, die teilweise in der Fachausstellung zu besichtigen war. Weitere Partner sind in Europa Vodafone, in Japan KDDI und SK Telecom in Süd-Korea.

Moderne Entwickler greifen für ihre Cloud-nativen Anwendungen vielfach bereits auf Container und die damit verbundenen, serverlosen Dienste zurück. AWS hat dafür bislang Amazon Elastic Container Service (ECS) und Amazon Elastic Kubernetes Service (EKS) angeboten. Nachdem bislang nur ECS von der Verwaltungsfunktion AWS Fargate unterstützt worden ist, soll nun auch EKS von Fargate Unterstützung bekommen.

„AWS Fargate, ein Dienst, mit dem sich Container ausführen lassen, ohne Server verwalten zu müssen, hat grundlegend die Art und Weise verändert, wie Entwickler ihre Container verwalten und bereitstellen", sagte Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS. AWS Fargate wurde vor zwei Jahren eingeführt und wurde laut Gonzalez von vielen Kubernetes-Kunden nachgefragt. „Der hohe Overhead bei Kubernetes wird durch Fargate beseitigt. So lässt sich eine Serverfarm in kurzer Zeit einrichten und effizient betreiben."

Mit AWS Fargate for EKS können Anwender Kubernetes-Container in der Cloud betreiben, ohne sich um das Patchen, Skalieren oder Sichern eines Clusters von Amazon EC2-Instanzen sorgen zu müssen. Führen Kunden Kubernetes-Anwendungen auf AWS Fargate aus, weist es automatisch die richtige Menge an Rechenleistung zu, so dass sie keine Instanzen wählen und die Clusterkapazität skalieren müssen. Die Kunden zahlen nur für die Ressourcen, die für den Betrieb ihrer Container benötigt werden. AWS Fargate for Amazon EKS bietet außerdem standardmäßig eine starke Sicherheitsisolation für jeden Pod, wodurch die Notwendigkeit der Verwaltung von Mandantenfähigkeiten entfällt.

AWS Fargate for EKS werde bereits von den AWS-Kunden und Partnern Square, National Australia Bank, GitHub (also Microsoft) und Babylon Health genutzt. AWS Fargate for Amazon EKS ist seit kurzem in den Regionen US East (N. Virginia), US East (Ohio), Europe (Ireland) und Asia Pacific (Tokyo) verfügbar, weitere sollen in Kürze folgen.

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