Maximilian Hille von Crisp Research

Wird Red Hat die Nummer 1 in Sachen Hybrid Cloud?

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Mittlerweile verfügt Red Hat über mehr als eine Million realisierter Projekte, hinzu kommen zahlreiche Technologien, die man als Kontributor, Initiator oder Förderer betreut.
Mittlerweile verfügt Red Hat über mehr als eine Million realisierter Projekte, hinzu kommen zahlreiche Technologien, die man als Kontributor, Initiator oder Förderer betreut. (Bild: gemeinfrei, Hans / Pixabay)

Im Juli war der Deal perfekt: Für insgesamt 34 Milliarden Dollar übernahm IBM Red Hat, angekündigt hatten die beiden ihn bereits im Oktober 2018. Allerspätestens seitdem setzt der Open-Source-Spezialist zum Sprung an die Spitze des Hybrid Cloud-Segments an. Aber verfügt Red Hat dafür auch über die richtige Strategie?

Das hat sich auch Maximilian Hille von Crisp Research auf dem Red Hat Analyst Day in London gefragt. Seiner Meinung nach spielt die derzeitige Bewegung in Richtung Cloud Native und Open Source Communities Red Hat in die Hände und bringt es in eine gute Ausgangsposition, um noch mehr in den Vordergrund der IT-Entscheider zu rücken. Es gibt aber Hürden.

Open Source, das Lebensmotto der Enterprises

„Es hat lange gedauert, bis die Unternehmen flächendeckend Open Source als ernste Alternative zu ihren proprietären Stacks ausgemacht haben. Lange Zeit war die Entwickler- und Open-Source-Community eher unter sich und allenfalls der Lieferant für agile Konzepte oder kleine Projekte. In den seltensten Fällen beruhte die gesamte IT eines Unternehmens auf Open Source“, so Hille. „Dennoch hat Red Hat von Beginn an auf Open Source und (!) Enterprises gesetzt. Damit waren sie anfangs eine Art Nischenplayer, der jedoch schnell gezeigt hat, welches Potenzial hinter dieser Idee steht.“

Maximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility.
Maximilian Hille ist Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research. Als Cloud Practice Lead leitet er alle Research- und Beratungsaktivitäten zu den Themen Cloud-Architektur, Cloud-Native Technologies, Managed Cloud Services, Digital Workplace und Mobility. (Bild: Crisp Research)

Mittlerweile verfüge Red Hat über mehr als eine Million realisierter Projekte, hinzu kämen zahlreiche Technologien, die man als Kontributor, Initiator oder Förderer betreue. Noch wichtiger sei aber, so der Crisp-Analyst, dass dank des Siegeszuges der Cloud Native Technologien und der zunehmenden „Openness“ der Provider, IT-Dienstleister und Unternehmen Open Source künftig eine immer wichtigere Rolle für die Enterprise-IT spiele.

Zahlreiche Unternehmen, darunter auch die Automotive-Riesen wie BMW oder Daimler, würden sich offen zu Open Source bekennen, dies gelte sowohl für die innovativen Digitalabteilungen als auch für den Betrieb der traditionellen Enterprise-, Office- oder Produktions-IT. „Die Technologie und das Community Engagement sind derzeit nicht nur en vogue und im Hype, sondern leiten eine neue Ära des IT-Betriebs ein. Co-Creation, offene Technologiekonzepte und der Zugang zu den besten Entwicklern der Community haben klare Vorteile und werden Unternehmen bei ihrer Digital Innovation Journey den entscheidenden Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern geben können.“

Red Hat bringt Cloud Native in die Hybrid Cloud

Das ewige Dilemma von Unternehmen – auf der einen Seite Innovation und der Einsatz der neuesten Technologien, auf der anderen Seite bestehende Assets – könnte mittelfristig durch die Idee der Hybrid Cloud im Unternehmen aufgelöst werden. Die Kubernetes-Strategie von Red Hat könne hier viel helfen: „Mit dem Angebot von Kubernetes-Native Ressourcen in Kombination mit den eigenen Management, Middleware, OS und PaaS-Services erhalten die Unternehmen umfangreiche Freiheitsgrade, was die zugrundeliegende Architektur angeht“, so Hille. „Dank Red Hats Plattformunabhängigkeit ist es tatsächlich beinahe egal, welche Infrastruktur zugrunde liegt. Von On-Premise und Bare Metal Servern bis hin zur Public Cloud erhalten die Unternehmen einen einheitlichen Management- und Orchestrierungs-Layer, auf dem zumindest theoretisch alle Workloads betrieben werden können.“

In der Praxis sei dies nicht immer vollständig möglich, da Applikationen unter Umständen nicht auf einer einheitlichen Oberfläche betrieben und orchestriert werden können. Nichts desto trotz unterstreichet Red Hat ganz klar die Möglichkeit, Cloud Native Technologien auch für traditionelle Infrastrukturen und Anwendungen einzusetzen.

Vom Platform- zum Environment-Provider

Open Source sei unterm Strich nicht nur eine Technologie, sondern ein grundlegendes IT-Konzept. Das sehe auch Red Hat so und möchte über die Plattform hinaus direkt die ganze digitale Umgebung der Unternehmen begleiten. „Der Anbieter- und Technologieneutrale Ansatz ist dabei von größter Bedeutung. IBM ist zwar der Dachkonzern des Unternehmens, eine Exklusivpartnerschaft scheint aber bei weitem nicht in Aussicht zu stehen. So kann Red Hat sehr authentisch den Open Source und Digital Journey der Unternehmen begleiten.“

Dazu zähle nicht nur das wohl breiteste Portfolio an Technologien und Services, sondern auch die kulturelle und transformationale Komponente, die eingebracht werden soll. Gemeinsam mit seinen Partnern, sowohl den Technologie- und Lösungsprovidern wie auch den Dienstleistern mit direkter Kundenschnittstelle, werde Red Hat hier in Zukunft seinen Stempel aufdrücken „und über die Multiplikatoren die gesamte Digital Innovation Journey durchziehen“.

Keine Erfolgsgarantie

Der Analyst befindet, dass Red Hat derzeit „auf die richtigen Pferde“ setze, der Deal mit IBM schade keineswegs. „Dennoch ist nicht alles, was Red Hat derzeit in seinem Plan vorsieht, automatisch von Erfolg gekrönt. Der Weg vieler Unternehmen in die Cloud Native und Open Source Welt ist weit. Die Brücke mit der Hybrid Cloud ist ein guter Ansatz, aber nicht alleine ausschlaggebend. Hier wird Red Hat seine Partner ganz besonders brauchen, um gerade die individuellen Bedarfe und Situationen besonders gut abbilden zu können.“

Trotz Open Source sei das Portfolio von Red Hat mittlerweile so groß, dass es nach einem „riesen Stack“ aussehe, so Hille – inklusive der Gefahr des Vendor Lock-In für Anwender. „Denn die Unternehmen werden zwar technologisch dank Open Source immer eine Exit-Strategie parat haben, die Abhängigkeit und Selbstverständlichkeit von Red Hat Technologien auf der Infrastruktur kann ihnen jedoch auch Schwierigkeiten bereiten.“

Hille befindet abschließend, dass Red Hat in Zukunft vermutlich viele namhafte Unternehmen zu ihrem Kundenkreis zählen können wird. „Wenn sie die derzeitige Strategie konsequent verfolgen, landen sie in Sachen Hybrid Cloud, Cloud Native und Open Source Infrastrukturen überall auf der Shortlist. Wenn sie beweisen können, dass diese Strategie nachhaltig funktioniert, IBM weiterhin nicht zu präsent wird und der Ausbau der Partnerlandschaft funktioniert, stehen die Chancen für einen Siegeszug der roten Hüte Stand heute richtig gut.“

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