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Bereit für die digitale Zukunft? Wie Unternehmen ihre Cloud und Digital Readiness ermitteln können

| Redakteur: Florian Karlstetter

Der digitale Wandel ist allgegenwärtig und bietet Unternehmen erhebliche Wachstumschancen, zwingt sie aber gleichzeitig dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Datenaustausch in Echtzeit, mobile Technologien und Cloud-Anwendungen sind auf dem Vormarsch – jedoch nicht unumstritten. Eines wird dabei allerdings oft nicht beleuchtet: Ist das entsprechende Unternehmen auf diesen technologischen Wandel überhaupt vorbereitet?

Im Interview erläutert Jürgen Böhm, Vorstand der 7BusinessConsulting AG worauf Unternehmen achten sollten, um eine erfolgreiche Cloud- bzw. Digitalisierungsstrategie zu entwickeln.
Im Interview erläutert Jürgen Böhm, Vorstand der 7BusinessConsulting AG worauf Unternehmen achten sollten, um eine erfolgreiche Cloud- bzw. Digitalisierungsstrategie zu entwickeln.
(Bild: 7BusinessConsulting AG)

Was bedeutet Cloud and Digital Readiness? Im Interview erklärt Jürgen Böhm, Vorstand der 7BusinessConsulting AG, auf welcher Basis Unternehmen eine Cloud- bzw. Digitalisierungsstrategie entwickeln können.

Wie wichtig ist eine Cloud-Strategie für Unternehmen?

Böhm: Viele Unternehmen sind radikalen Änderungen ihres Geschäftsumfeldes ausgesetzt und prüfen nun, ob sie mit der heutigen Architektur ihres Unternehmens noch zukunftsfähig sind. Die Unternehmen verstehen, dass die Digitalisierung in allen Bereichen des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen wird. Deshalb besteht das Ziel auch darin, die neuen Technologien zu nutzen, aber nicht die Komplexität zu erhöhen. Für diese Ziele braucht es allerdings eine klare Strategie zur Cloud and Digital Transformation.

Wie können Unternehmen ihre Cloud Readiness ermitteln?

Böhm: Checklisten sind ein guter Einstieg und helfen das Thema Digitalisierung „greifbar“ zu machen. Wir verwenden Checklisten gerne in einem Assessment mit dem Kunden. So ein Assessment dauert etwa sechs Stunden und dabei ist es wichtig, die Entscheider und Know-how-Träger an einem Tisch zu haben – Geschäftsleitung, IT-Leitung aber auch Finanzen und Controlling. Die Informationen, die wir dann mithilfe dieser Checklisten erhalten, sind Basis für unsere Verfahren zur Analyse der Cloud and Digital Readiness.

Welche Unternehmensbereiche werden durch Ihre Checklisten überprüft?

Böhm: Insgesamt arbeiten wir mit vier Checklisten, die je nach Unternehmen variieren können. Checkliste 1 befasst sich dabei mit dem Geschäftszweck und den Geschäftsobjekten. Zugegebenermaßen ein schwieriger Einstieg, aber wir müssen wissen, was das Unternehmen tut und mit welchem Ziel es das tut. Checkliste 2 betrifft dann die Applikationen und peripher auch schon die IT-Architektur, während Checkliste 3 die Prozesse des Unternehmens einschließlich deren Kosten untersucht. Last but not least prüfen wir mit unserer Checkliste 4 die IT-Prozesse im Detail und machen eine erste Bewertung, was eine Verlagerung in die Cloud nach den Varianten IaaS, PaaS und SaaS bedeuten würde.

Wie genau lassen sich mithilfe einer Checkliste zum Beispiel Geschäftsobjekte erfassen?

Böhm: Die Geschäftsobjekte, also beispielsweise Teile-Nummern, Stücklisten, Baumuster, Konstruktionsänderungen, Freigaben, Angebote, Aufträge usw., werden nach verschiedenen Kriterien bewertet. Diese Kriterien sind unter anderem Unternehmens- und IP-Relevanz, Produkt- bzw. Kundenbezug, Datengenauigkeit und -intensität, Vorgänger und Nachfolger. Die Kritikalität eines Geschäftsobjektes lässt sich dann bestimmen, wenn klar ist, in welchen Applikationen, für welche Prozesse und von welchen Usern die Geschäftsobjekte bearbeitet werden.

Wie sieht eine Checkliste für Applikationen aus?

Böhm: Applikationen sind die Verbindung zwischen Geschäftsobjekt und Prozessen. Diese Applikationen machen aus Geschäftsobjekten Services und unterstützen so die Prozesse. Wir fragen also nach der Anzahl der Applikationen und bewerten beispielhaft unterschiedliche Applikationen nach verschiedenen Kriterien. Die Architektur kann in einem Assessment nur kurz gestreift werden. Hier fragen wir beispielsweise, ob die aktuellen Architekturen zu den einzelnen Applikationen dokumentiert oder auswertbar zur Verfügung stehen und ob schon einmal eine Soll-Architektur definiert wurde.

Ergänzendes zum Thema
Checkliste: Wie digital ist Ihr Unternehmen?

Viele Unternehmen haben für sich erkannt, dass eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie heutzutage wettbewerbsentscheidend sein kann. Eine solche Strategie zu erarbeiten, ist jedoch eine fast ebenso große Herausforderung, wie sie dann auch tatsächlich umzusetzen.

Folgende sieben Schritte sollten Sie bei der Entwicklung einer nachhaltigen Digitalisierungsstrategie beachten:

  • 1. Machen Sie eine Aufstellung zum Status Quo Ihres Unternehmens.
  • 2. Definieren Sie Ihre Kernprozesse.
  • 3. Ordnen Sie die wichtigsten IT-Applikationen den Kernprozessen zu.
  • 4. Stellen Sie den Geschäftszweck Ihrer IT auf den Prüfstand.
  • 5. Erfassen Sie alle Applikationen – auch der Produktions-IT – inklusive deren Architektur.
  • 6. Betrachten Sie die gesamte IT aus technologischer Perspektive.
  • 7. Fertigen Sie einen Servicekatalog an.

Diese Punkte sind ein Auszug aus „Start from scratch: Checkliste für eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie“. Mit der Checkliste können Unternehmen prüfen, wie digital sie bereits sind und was im ersten Schritt der digitalen Transformation auf sie zukommt. Die vollständige Checkliste steht bei 7BusinessConsulting AG zum kostenfreien Download bereit.

Warum werden IT-Prozesse gesondert zu den anderen Unternehmensprozessen analysiert?

Böhm: Insgesamt ist es für uns wichtig zu erfahren, wie weit das Prozessmanagement das Unternehmen durchdrungen hat und ob mit Prozesskosten gearbeitet wird. Die IT-Prozesse haben im Assessment eine eigene Checkliste, um aufzuzeigen, welche Prozesse betroffen sind, wenn Cloud-Services wie IaaS, PaaS oder SaaS für bestimmte Applikationen verwendet werden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die gesamten IT-Prozesskosten – und diese fallen eben nicht ausschließlich im IT-Bereich an – auf Applikationen herunter gebrochen werden.

Wie weit können Checklisten die Ermittlung der Cloud and Digital Readiness unterstützen?

Böhm: Checklisten können immer nur ein erster Schritt sein, um ein Gefühl zu bekommen, welche Informationen für das jeweilige Unternehmen tatsächlich relevant sind. Der Detaillierungsgrad und die Ausprägung der Checklisten hängen stark von den Gegebenheiten im Unternehmen ab bzw. welche Daten überhaupt zur Verfügung stehen. Eine ganzheitliche Cloud- und Digital-Strategie sollte auf Basis aller Prozesse, Applikationen und Geschäftsobjekte aufgestellt werden. Ein Projekt zur Erfassung und Analyse dieser Daten lässt sich aber in wenigen Wochen mit vertretbarem Aufwand realisieren – vollkommen unabhängig davon, welche Daten bereits vorhanden sind.

Mit welchem Ergebnis endet ein solches Assessment in der Regel?

Böhm: In dem Assessment werden alle relevanten Themen beispielhaft betrachtet, sodass die Teilnehmer den Nutzen einer integrierten Analyse der Prozesse, Applikationen und Geschäftsobjekte erkennen. Am Ende des Assessments können wir den Teilnehmern aufzeigen, wie ein Unternehmen seine Cloud- und Digitalisierungs-Strategie definieren kann, wenn die Daten nicht beispielhaft in Checklisten, sondern vollständig in einer Business Intelligence-Umgebung bereitgestellt werden.

Jürgen Böhm, Vorstand der 7BusinessConsulting AG in Gemmrigheim.
Jürgen Böhm, Vorstand der 7BusinessConsulting AG in Gemmrigheim.
(Bild: 7Business Consulting AG)

Zur Person

Jürgen Böhm (Dipl.-Math.), Vorstand der 7BusinessConsulting AG, Spezialist für Cloud and Digital Transformation und Digitalisierungspapst. Böhm begann seine Laufbahn im IT-Management eines großen Automobilherstellers, entwickelte Systeme zur Fabriksteuerung und implementierte dort die erste Applikationsbetreuung. Er war mehrere Jahre im zentralen Qualitätsmanagement tätig und leitete eine In-house Consultingeinheit, bevor er 2002 das Beratungsunternehmen 7BC gründete.

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