Die hybride Multi-Cloud

Wie man bei der Digitalisierung Gas gibt

| Autor / Redakteur: Oliver Ebel* / Elke Witmer-Goßner

Die Frage, welche Cloud es denn sein soll, ist heute nicht mehr die einzig entscheidende für Unternehmen, denn alles ist möglich.
Die Frage, welche Cloud es denn sein soll, ist heute nicht mehr die einzig entscheidende für Unternehmen, denn alles ist möglich. (Bild: © BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

IT-Innovationen verfolgen ein gemeinsames Ziel: mehr Produktivität durch Beschleunigung der Geschäftsprozesse. Cloud Computing steigert das Tempo des Business zusätzlich.

Das gilt umso mehr, wenn Unternehmen Cloud Computing in seiner aktuellen Ausprägung, der hybriden Multi-Cloud, nutzen mit Provider-übergreifendem Sourcing, das für eine optimale Ressourcenauswahl, Automatisierung und On-Demand-Skalierbarkeit sorgt. Zwar hat sich Cloud Computing für Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Regionen längst als vorteilhafte Strategie etabliert, doch die Fortschritte auf dem Weg zur Cloud variieren stark: Je nach Geschäfts- und IT-Führung, Branche, Breitbandanbindung, Regularien und Unternehmenskultur findet man ein breites Spektrum an Vorreitern, Mainstream-Anwendern und Nachzüglern. Das überrascht nicht, schließlich ist der Weg zum Cloud-Erfolg gespickt mit Hürden: Dem einen Unternehmen mangelt es an Cloud-Mentalität, Spezialisten oder Know-how für eine tragfähige Cloud-Strategie, dem anderen an Infrastruktur oder Budget für eine reibungslose Cloud-Migration.

Trotz dieser Hindernisse gewinnt die Cloud weiter an Fahrt. Denn die Public Cloud verspricht, das Business anzukurbeln, indem sie Geschäftsprozesse dynamisch und auf Abruf mit hoch skalierbaren, ja scheinbar grenzenlosen Ressourcen unterstützt, um es Unternehmen zu ermöglichen, effektiver, schneller und zuverlässiger zu arbeiten. Diese können aber nicht einfach alle Datenpools und Geschäftsprozesse an Public-Cloud-Provider übergeben: Einige betreiben Legacy-Anwendungen, die sich nicht problemlos in die Public Cloud migrieren lassen, andere wollen aus Sicherheitsgründen sensible Datenbanken lieber unter eigener Kontrolle behalten. Branchenspezifische oder nationale Compliance-Vorschriften zwingen sie mitunter, bestimmte Datenspeicher oder Anwendungen weiter lokal zu betreiben. In anderen Fällen, etwa in der Industrie, können technische Einschränkungen eine Datenverarbeitung in direkter Nähe zur Maschine erfordern, die die Sensordaten erzeugt (also am Netzwerkrand oder Edge). Das Ergebnis: Fortschrittliche Unternehmen erarbeiten eine Cloud-First-Strategie, betreiben aber weiterhin bestimmte Anwendungen und Datenpools in einer lokalen Private Cloud – die klassische Hybrid-Cloud-Architektur.

Hybrid und Multi geht auch gleichzeitig

Gleichzeitig wollen viele IT- und Business-Verantwortliche nicht von einem einzigen Public-Cloud-Anbieter abhängig sein. Die Gründe reichen von den Kosten und der Frage der regionalen Abdeckung über Hochverfügbarkeits- und Redundanzbedenken bis hin zur Strategie, den Geschäftsbereichen die Wahl der Cloud zu überlassen, die sie jeweils für ihr Projekt bevorzugen. Daraus resultiert fast automatisch eine hybride Cloud-Infrastruktur, die mehrere Public-Cloud-Provider umfasst – somit eine hybride Multi-Cloud.

Die hybride Multi-Cloud ermöglicht nicht nur die agile, resiliente und kosteneffiziente Unterstützung bestehender Geschäftsprozesse, sondern zudem sogar völlig neue Geschäftsmodelle, die ein Unternehmen allein nicht verwirklichen kann. Ein Beispiel: Ein Maschinenhersteller könnte Sensordaten von Maschinen an den Kundenstandorten sammeln und diese Informationen in einer Private Cloud im unternehmenseigenen RZ aggregieren. Anschließend werden diese aggregierten Daten an Microsoft Azure zur ML-basierten Fehlerprognose übertragen. Mit einer auf AWS oder Salesforce gehosteten Customer-Relationship-App kann das Unternehmen dadurch nun Kunden automatisch informieren, wenn eine Komponente auszufallen droht. Durch die kombinierte Leistungsfähigkeit von Private und Public Clouds kann der Hersteller somit seine Wartungsservices optimieren und sogar neues Geschäft generieren.

Cloud-First-Strategie und schnelles Umdenken

Dieses Beispiel zeigt, dass die hybride Multi-Cloud eine gewinnbringende Strategie für Unternehmen ist, die in unserer zunehmend digitalisierten Geschäftswelt einen Vorsprung vor ihrem Wettbewerb erlangen oder wahren wollen. Was Entscheider heute somit am dringendsten brauchen, sind eine Cloud-First-Mentalität, eine solide Hybrid-Multi-Cloud-Strategie, Fähigkeiten zu deren Umsetzung (im Hause oder bezogen von erfahrenen Partnern) und ein stringenter Projektzeitplan, der es ihnen ermöglicht, rasch Ergebnisse zu erzielen.

Oliver Ebel, Citrix.
Oliver Ebel, Citrix. (Bild: Citrix)

Geschwindigkeit ist in diesem Zusammenhang entscheidend: Die Digitalisierung – von der agilen Entwicklung und DevOps über KI bis hin zur Cloud – ermöglicht es Unternehmen, schneller zu agieren. Das heißt aber zugleich: Sie zwingt Unternehmen geradezu, schneller zu handeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Deutsche Unternehmen – und das betrifft nicht nur die „heimlichen Weltmarktführer“ – müssen in die Kompetenzen, Ressourcen und Infrastruktur investieren, die sie benötigen, um zügig und effektiv eine gut durchdachte Hybrid-Multi-Cloud-Strategie mit Fokus auf schnellen Ressourcenzugriff und ebenso schnelle Servicebereitstellung umzusetzen. Es ist der beste Weg, um die Unternehmens-IT im digitalen Zeitalter auf die Überholspur zu bringen.

* Der Autor Oliver Ebel ist Area Vice President für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Citrix.

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