Kommentar von MongoDB

Unternehmen droht der Cloud-Lock-in

| Autor / Redakteur: Roman Gruhn* / Florian Karlstetter

Auch im Cloud-Zeitalter sind Lock-in-Effekte nicht ausgeschlossen.
Auch im Cloud-Zeitalter sind Lock-in-Effekte nicht ausgeschlossen. (Bild: ©i Qoncept - stock.adobe.com)

Lock-in-Effekte wirkten lange als zentrale Kostentreiber und Innovationsbremsen in der IT. Im Cloud-Zeitalter drohen viele Unternehmen erneut in diese Falle zu tappen, warnt Roman Gruhn, Director of Information Strategy von MongoDB.

Unternehmen aller Größen setzen mittlerweile auf die Cloud – allein in Deutschland haben zwei von drei Firmen entsprechende Lösungen im Einsatz. Wie eine Bitkom-Studie im letzten Jahr aufdeckte, treiben aktuell vor allem kleinere Unternehmen das Marktwachstum. Sie haben beim Umstieg auf Cloud-Services lange gezögert und springen jetzt auf den fahrenden Zug auf. Mit der Abkehr von On-Premises-Hardware und -Software gelingt es den Unternehmen auch, letzte Abhängigkeiten von einzelnen Technologie-Anbietern zu brechen.

Wer sich früher die proprietären Lösungen eines Anbieters ins Haus holte, kam aufgrund hoher Wechselkosten und sonstiger Wechselbarrieren nicht mehr von ihnen los. Dieser berühmte Vendor-Lock-in, der über Jahrzehnte hinweg große Löcher ins IT-Budget riss und sich immer wieder als Innovationshürde erwies, scheint nun Vergangenheit zu sein. Aber auch im Cloud-Zeitalter sind Lock-in-Effekte nicht ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil: Es droht eine neue Abhängigkeit – diesmal von den APIs und Services des favorisierten Cloud-Anbieters.

Agilität entscheidet

Gerade für Startups ist die Cloud eine natürliche Heimstatt. Wer alt genug ist, erinnert sich vielleicht noch an Zeiten, in denen junge IT-Unternehmen ihr gesamtes Startkapital für Sun-Hardware und Software-Lizenzen von Oracle ausgeben mussten, nur um überhaupt eine Demo ihres neuen Konzepts entwickeln zu können. Auf eine solche Idee würde heute niemand mehr kommen. Und die gleichen Vorteile, die Startups in die Cloud ziehen, überzeugen auch andere Firmen: Der wichtigste Treiber für die Cloud-Einführung ist fast immer das Streben nach mehr Agilität. Wo es früher mehrere Monate dauerte, bis die Hardware für ein neues Projekt angeschafft, aufgebaut und eingerichtet war, lassen sich virtuelle Maschinen heute mit wenigen Mausklicks in Betrieb nehmen.

Die Studie zeigt auch: Die Mehrheit der Unternehmen nutzt mehr als einen Cloud-Provider. Für neue Projekte wechseln sie frei zwischen den Anbietern – je nachdem, welcher die gerade benötigten Funktionen, das beste Preismodell, die beste Performance, regionale Ressourcen oder andere Vorteile bietet. Und genau diese Flexibilität ist entscheidend. Wer sie verliert, ist gegenüber der Konkurrenz im Nachteil. In der Studie wurden die Teilnehmer auch nach möglichen Problemen bei der Cloud-Nutzung gefragt. Als größten Hemmschuh identifizierten sie wenig überraschend Sicherheit und Datenschutz, Cloud-Lock-in folgte auf Platz zwei. Es lohnt sich hier auch ein Blick auf die einzelnen Teilnehmergruppen: Wie denken die Mitarbeiter kleiner Unternehmen? Wie denken ihre Kollegen, die für größere Wettbewerber arbeiten?

Kleine Unternehmen fürchten den Cloud-Lock-in noch mehr als große. Ihre in der Studie befragten Mitarbeiter sehen in ihm das größte Problem bei der Cloud-Nutzung – sogar noch vor Sicherheit und Datenschutz. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Für sie ist Agilität besonders wichtig, denn eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und flexible Prozesse sind meist die Hauptgründe, weshalb sie gegen größere Konkurrenten bestehen können. Geht dieser Wettbewerbsvorteil verloren, kann das ihre Existenz bedrohen.

Größere Unternehmen sind hingegen prinzipiell besser in der Lage, die kurzfristigen Folgen eines Lock-ins abzufangen. Auch befinden sie sich in einer besseren Verhandlungsposition, wenn sie mit Anbietern entsprechende Verträge abschließen müssen. Dennoch existiert in ihren IT-Abteilungen ein wachsendes Problembewusstsein. Cloud-Lock-in ist bei ihnen die am zweithäufigsten genannte Antwort – hinter Sicherheit und Datenschutz.

Den Lock-in vermeiden

Wie eingangs erwähnt, haben in der Vergangenheit viele Unternehmen unter Lock-in-Effekten gelitten. Open-Source-Software und Commodity-Hardware boten einen Ausweg, aber mit dem Eintritt ins Cloud-Zeitalter droht nun eine Rückkehr zu alten Verhältnissen. Wie kann ein Cloud-Lock-in aussehen? Bei IaaS-Komponenten (Infrastructure-as-a-Service), die aus Rechen-, Speicher- und Netzarchitektur bestehen, gibt es zwischen den Anbietern praktisch keine Unterschiede. Aber je weiter man sich im Infrastruktur-Stack nach oben bewegt – bis hin zu einzelnen APIs und Services – desto größer die Gefahr. Reibungspunkte entstehen etwa bei Sicherheit, Management, Continuous-Integration-/Continuous-Delivery-Pipelines, Container-Orchestration, Content-Management, Suche, Datenbanken, Data-Warehouses oder Analytics.

Die Datenspeicherung liefert ein anschauliches Beispiel. Hier sollte man sich das Konzept der „Data Gravity“ vergegenwärtigen. Es besagt: Je mehr Daten an einem spezifischen Ort vorgehalten werden, desto komplizierter ist es, sie umzuziehen. Gleichzeitig passiert es schnell, dass Daten in proprietären Lösungen gefangen sind. Wer etwa seine On-Premise-Infrastruktur auf Amazon Web Services (AWS) umzieht, sollte sich zweimal überlegen, ob er die dort angebotene Datenbank AWS DynamoDB NoSQL wirklich nutzen will – oder ob er sich damit nicht zu sehr der Kontrolle eines einzelnen Anbieters aussetzt.

Roman Gruhn, Director of Information Strategy (EMEA) bei MongoDB.
Roman Gruhn, Director of Information Strategy (EMEA) bei MongoDB. (Bild: MongoDB)

Letztlich geht es für Unternehmen darum, alte Fehler nicht zu wiederholen. Als Sun und Oracle die Unternehmens-IT prägten, existierten in den wenigsten Fällen Alternativen zu ihren proprietären Angeboten. Diese Zeiten sind vorbei. Im Cloud-Zeitalter steht für fast jede proprietäre Lösung eine offene Alternative bereit. Unternehmen müssen gezielt in Technologie investieren, die sie nicht für lange Zeit an einen Anbieter bindet, sondern eine möglichst hohe Flexibilität gewährleistet. Anderenfalls droht der Cloud-Lock-in – mit allen negativen Folgen für IT und Innovation.

Der Autor: Roman Gruhn ist Director of Information Strategy (EMEA) bei MongoDB, einem Anbieter von auf Open-Source basierenden NoSQL-Datenbanken.

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