Datenbanken aus der Cloud

Schlüsselfaktoren für den Wechsel zu Database-as-a-Service

| Autor / Redakteur: Oliver Lehmann* / Florian Karlstetter

Datenbanken aus der Cloud: Fünf Schlüsselfaktoren für den erfolgreichen Wechsel zu einer Database-as-a-Service-Lösung.
Datenbanken aus der Cloud: Fünf Schlüsselfaktoren für den erfolgreichen Wechsel zu einer Database-as-a-Service-Lösung. (Bild: © pixeltrap - stock.adobe.com)

Database-as-a-Service (DBaaS) ist heute das am schnellsten wachsende Segment im Markt für Platform-as-a-Service-Angebote. Nach Einschätzung von Gartner werden bereits im Jahr 2021 mehr als zehn Milliarden US-Dollar für Datenbanklösungen aus der Cloud ausgegeben.

Was macht diese Lösungen für Unternehmen so attraktiv? Und was sollten IT-Organisationen bei der Migration auf ein Service-basiertes Datenbankmodell beachten? Cloud-Database-Experte Oliver Lehmann von VINTIN gibt Tipps aus der Praxis.

„Never change a running system“ – dieser alte Leitsatz galt lange Zeit besonders für die Datenbanken einer IT-Umgebung. Unternehmen, die viel Geld in die Hardware und Software ihrer vorhandenen Lösung investiert hatten, scheuten häufig den Wechsel zu einer anderen Plattform. Hinzu kamen die komplexen Abhängigkeiten zwischen Datenbanken und Businessanwendungen. Mit einem aufwändigen Migrationsprojekt riskierten IT-Verantwortliche unter Umständen Störungen des Geschäftsbetriebs. So blieben sie auch dann noch ihrem Anbieter treu, wenn längst besser geeignete Produkte verfügbar waren.

Mittlerweile ist der Markt für Datenbanklösungen jedoch in Bewegung geraten. Gartner prognostiziert, dass schon in vier Jahren 70 Prozent aller neuen Geschäftsanwendungen auf Open-Source-Datenbanken laufen werden. Gleichzeitig verändern sich durch den digitalen Wandel die Anforderungen von Unternehmen. IT-Verantwortliche benötigen heute Datenbanklösungen, die mit dem exponentiellen Datenwachstum und den sich schnell verändernden Business-Anforderungen Schritt halten. Nicht zuletzt wollen Unternehmen im Zeitalter von Big Data mehr Nutzen aus ihren digitalen Daten ziehen – und dies möglichst unabhängig von der Plattform, in der diese gespeichert sind.

Cloudbasierte Datenbankservices gewinnen daher immer mehr an Bedeutung. Cloud-Provider wie AWS und Microsoft bieten ihren Kunden ausgereifte Lösungen für „Database-as-a-Service“ (DBaaS) mit grenzenloser Skalierbarkeit und nutzungsbasierter Abrechnung. Services wie Amazon Aurora sind sofort einsatzbereit und versprechen Kunden mehr Leistung bei einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher Datenbanken. Zudem lassen sich diese Lösungen sehr einfach mit anderen Cloud-Diensten kombinieren. So können Unternehmen komplett neue digitale Services entwickeln – ohne dafür in eine eigene Infrastruktur investieren zu müssen.

Fünf Schlüsselfaktoren für den Wechsel hin zu DBaaS

Der Wechsel zu einer DBaaS-Lösung sollte allerdings gut überlegt und vorbereitet sein. Nur dann lassen sich die Vorteile dieses Modells in der Praxis tatsächlich realisieren. Insbesondere fünf Punkte sollten IT-Verantwortliche dabei berücksichtigen.

Der richtige Einstieg: Es kann ganz unterschiedliche Gründe dafür geben, den Betrieb einer Datenbank in die Cloud zu verlagern: Stößt die vorhandene Plattform an ihre Leistungsgrenzen? Explodieren die Lizenzkosten aufgrund des rasanten Datenwachstums? Oder setzen neue Applikationen eine andere Datenbankarchitektur voraus? Im ersten Schritt sollten die Ziele der neuen Strategie definiert werden. Häufig empfiehlt es sich dabei, mit einem überschaubaren Projekt zu beginnen, um erste Erfahrungen zu sammeln. So lässt sich am besten herausfinden, wie das Unternehmen von einem Wechsel zu einer Service-basierten Datenbanklösung profitieren kann.

Umfassende Bestandsaufnahme: Vor der Entscheidung für eine Datenbankmigration in die Cloud sollte immer das gesamte Systemumfeld betrachtet werden. Welche Anwendungen hängen von der Datenbanklösung ab? Welche Datenmengen müssen verarbeitet werden? Wie sieht die Netzwerkanbindung aus? Erst nach einer umfassenden Bestandsaufnahme lässt sich entscheiden, ob ein Wechsel in die Cloud zum derzeitigen Zeitpunkt sinnvoll ist – und welcher Service in der konkreten Situation am besten geeignet ist. Häufig lohnt es sich, die Migration mit weiteren Maßnahmen zu verbinden und zum Beispiel fragmentierte Datenbanken auf einer Plattform zu konsolidieren. Auch die User Experience sollte von Anfang an betrachtet werden. Um die Antwortzeiten möglichst gering zu halten, sind möglicherweise Investitionen in Bandbreite und WAN-Optimierung notwendig.

Professionell geplante Migration: Nach dem Assessment kann die Vorbereitung der eigentlichen Migration beginnen. Cloud-Anbieter stellen mittlerweile leistungsfähige Tools zur Verfügung, um Daten weitgehend automatisiert im laufenden Betrieb umzuziehen. In vielen Fällen ist es jedoch empfehlenswert, externe Spezialisten bei der Planung hinzuzuziehen – insbesondere wenn es um heterogene Migrationen zwischen unterschiedlichen Datenbanktypen geht. Durch den Wechsel zu einer anderen Plattform können Unternehmen oft erhebliche Kosten sparen oder auch Performance-Verbesserungen erzielen. Professionelle Umzugshelfer sorgen dafür, dass es bei der Migration nicht zu Datenverlusten und Ausfallzeiten kommt.

Optimierung der Wirtschaftlichkeit: DBaaS-Lösungen werden per Definition entsprechend der tatsächlichen Nutzung abgerechnet. Die Unterschiede liegen allerdings häufig im Detail. Die vor Kurzem vorgestellte Serverless-Variante von Amazon Aurora bietet beispielsweise eine leistungsfähige Auto-Scaling-Funktion und stellt automatisch die benötigte Leistung zur Verfügung. Der Anwender muss sich keine Gedanken über die Anzahl der benötigten Datenbank-Instanzen machen – ideal für sporadisch genutzte Anwendungen oder Szenarien mit schwer vorhersehbarer Auslastung. Wenn Ressourcen nicht genutzt werden, pausiert der Amazon Aurora Cluster auf Wunsch automatisch und für den Kunden fallen keine Kosten für die Performance an. Lediglich der aktuell verwendete Speicherplatz wird abgerechnet. Bei Workloads mit relativ gleichmäßiger Auslastung ist es derzeit jedoch noch erheblich günstiger, die Aurora-Instanzen klassisch zu provisionieren und auf reservierte Instanzen zu setzen. Zudem bietet die klassische Aurora-Datenbank derzeit noch deutlich mehr Funktionen als die Serverless-Variante. (Eine Übersicht der Unterschiede finden Anwender hier). Es müssen also neben der Wirtschaftlichkeit auch immer Faktoren wie Verwaltbarkeit, Skalierbarkeit und Funktionalität betrachtet werden, um die bestmögliche DBaaS-Lösung für ein konkretes Szenario zu ermitteln. Unabhängige Cloud-Consultants können dabei helfen und mögliche technische Hindernisse bereits im Vorfeld erkennen.

DBaaS als Teil einer Gesamtstrategie: Kurzfristige Kosteneinsparungen sollten nie der einzige Grund für den Wechsel zu einem cloudbasierten Datenbankservice sein. Vielmehr empfiehlt es sich, eine langfristige Strategie zu entwickeln und über die möglichst wirtschaftliche Speicherung und Bereitstellung von Daten hinauszudenken. Der Wechsel in die Cloud eröffnet viele Möglichkeiten, mehr aus den vorhandenen Daten zu holen und zum Beispiel intelligente Auswertungsverfahren zu testen. Je nach Bedarf lassen sich die Daten auch flexibel auf ein anderes Datenbankmodell umziehen, wenn dies für neue Anwendungen erforderlich ist. So hilft DBaaS, den digitalen Wandel von Unternehmen zu beschleunigen.

Ausblick: Die (nahe) Zukunft ist hybrid

Oliver Lehmann ist Senior Developer und AWS Certified Solutions Architect bei der Vintin GmbH.
Oliver Lehmann ist Senior Developer und AWS Certified Solutions Architect bei der Vintin GmbH. (Bild: Vintin)

Unternehmen werden in den nächsten Jahren nicht von heute auf morgen ihre gesamten Datenbanken in die Cloud verschieben. Dies ist in vielen Fällen auch weder sinnvoll noch notwendig. Stattdessen dürften noch einige Jahre lang hybride Strategien dominieren. Auch die großen Cloudprovider haben dies erkannt und dehnen ihre Services mittlerweile in Richtung On-Premises-Infrastruktur aus. So stellt AWS seine relationalen Datenbankservices (RDS) seit Kurzem auch für VMware-Umgebungen bereit – ganz gleich, wo diese betrieben werden. Anwender können so auch im eigenen Rechenzentrum von den Management-Vorteilen einer DBaaS-Lösung profitieren und die Daten dann im eigenen Tempo in die Cloud migrieren.

Der Autor: Oliver Lehmann ist Senior Developer und AWS Certified Solutions Architect bei der Vintin GmbH.

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