Logistik-IT: Interview mit Dietrich Winter, Haftpflichtexperte für IT-Dienstleister bei der Allianz

Nach dem Stromausfall – wer versichert eigentlich die Cloud?

| Autor / Redakteur: Robert Weber, Redakteur mm-logistik.de / Florian Karlstetter

(Bild: NWS, gemeinfrei)

Cloud Computing wird in der Industrie und der Logistik heiß diskutiert. Anwender fragen sich: Was passiert im Fall der Fälle? Eine Versicherung muss im Schadensfall greifen. Bei manchen Cloud-Anbietern sind die Versicherungsbeiträge der drittgrößte Kostenblock. Die Kollegen von MM Logistik sprachen mit Dietrich Winter, Haftpflichtexperte für IT-Dienstleister bei der Allianz.

Wie hat sich durch die Cloud das Versicherungsgeschäft für Rechenzentren verändert?

Winter: Die Allianz Versicherungs-AG versichert seit 1999 Rechenzentren. Deren Tätigkeitsprofil hat sich seit dem ständig verändert. Ein erster Schritt in Richtung Cloud war die Dienstleistung Application Service Providing (ASP), bei der Speicherplatz und Software-Miete verknüpft waren. Der erhoffte Siegeszug dieser Dienstleistung ist offenbar an der damaligen Vorsicht der deutschen Unternehmen, ihre Daten vollständig in fremde Hände zu geben, gescheitert.

Mit der weiteren Digitalisierung der Wirtschaft und des Privatlebens größerer Teile der Industrieländer (Musik, TV, persönliche Kontakte alles online über Internet) hat sich der Wunsch nach größeren Speichermengen für Unternehmens- und Privatdaten deutlich nach oben entwickelt. Damit diese Leistung für den Nutzer auch noch bezahlbar bleibt, haben die IT-Dienstleister die vorhandenen oder neu entstehenden „Serverfarmen“ speziell entwickelt bzw. weiterentwickelt, die günstigen Speicherplatz und günstige Zusatzlösungen anbieten.

Das reicht vom reinen Speicherplatz über die speziellen Dienste Software as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) und Infrastruktur as a Service (IaaS) und deren Mischformen.

Die geringeren Kosten müssen die Nutzer dieser Dienste aber mit weitaus geringeren Einflussmöglichkeiten auf die angebotenen Service-Level-Agreements in Kauf nehmen – im Gegensatz zu detailliert mit Rechenzentren teurer ausgehandelten SLA und Key Performance Indicators. Die Entscheidung, derartige Dienstleistungen vollständig aus dem Haus zu geben, wird derzeit aus Risikogründen nur von geschätzt rund 10 % aller Unternehmen in Deutschland umgesetzt.

Daher steht offenbar die Errichtung von sogenannten Privat Clouds, bei denen der Dienstleister in den Räumen des Auftraggebers oder in seinen eigenen Räumen, aber nur für seinen Auftraggeber, datentechnisch tätig wird, noch im Vordergrund.

Für rein private Daten hat sich jedoch bekanntlich die „Public-Cloud“ weitaus umfassender durchgesetzt. Aus Sicht der Wirtschaft ist die Datensicherheit durch die in Deutschland am strengsten geregelte Datenschutzgesetzgebung ein nicht zu unterschätzende Voraussetzung für die Nutzung der diversen Formen der Cloud.

Wir als Haftpflichtversicherer versichern alle in Deutschland agierenden Rechenzentren, Cloudbetreiber und deren Mischformen.

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