Effizientes Management

Multi-Cloud ohne Mehraufwand

| Autor / Redakteur: Enrique Nuñez * / Florian Karlstetter

Wichtige Themen bei der Einführung von Multi-Clouds sind die Komplexität der Integration verschiedener Angebote, Sicherheit und Compliance sowie eine flexible Anpassung der Strukturen bis hin zur Exit-Strategie.
Wichtige Themen bei der Einführung von Multi-Clouds sind die Komplexität der Integration verschiedener Angebote, Sicherheit und Compliance sowie eine flexible Anpassung der Strukturen bis hin zur Exit-Strategie. (Bild: © Nmedia - Fotolia.com)

Immer mehr Unternehmen in Deutschland nutzen Cloud-Dienste und setzen dabei zunehmend auf Angebote verschiedener Provider. Doch wie bleibt das Management trotzdem effizient?

Mit dem Thema Cloud beschäftigen sich inzwischen mehr als 85 Prozent der deutschen Unternehmen. 69 Prozent verwenden dabei in Zukunft Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen. Dies ergab eine aktuelle Studie von Crisp Research.

Verschiedene Provider zu nutzen, hat diverse Gründe: Unternehmen möchten von der Innovationskraft von mehr als einem Cloud-Anbieter profitieren und ihr Risiko strategisch verteilen. So vermeiden sie einen Vendor-Lock-In, bei dem sie von einem Provider abhängig sind, und können ihre Anwendungen sogar über mehrere Clouds skalieren. Damit sind sie auf überraschende Spitzenzeiten vorbereitet und gewährleisten auch dann Hochverfügbarkeit sowie optimale Performance.

Dabei ist Multi-Cloud eigentlich ein alter Hut, denn Privatanwender nutzen dieses Konzept schon längst. Sie chatten über What’sApp, speichern Dateien auf Dropbox, senden E-Mails per Google und veröffentlichen Fotos auf Instagram. Sie wählen dabei einfach den praktischsten und von ihren Freunden genutzten Dienst aus.

Für jede Anforderung der beste Anbieter

Für Unternehmen gilt nun Ähnliches: Entschieden sie sich bislang meist für die günstigste Cloud-Variante, achten sie heute verstärkt auf Funktionen, Serviceleistungen und Support. Da sie gleichzeitig immer mehr Anwendungen und Dienste in die Cloud auslagern, kann ein einzelner Provider meist nicht mehr alle Anforderungen erfüllen. Das Resultat: die Multi-Cloud. Damit profitieren Unternehmen von den jeweiligen Stärken der verschiedenen Anbieter.

Eine Multi-Cloud ermöglicht zum Beispiel die Verbindung unterschiedlicher Infrastrukturen, Plattformen und Software als Serviceleistung mit verschiedenen Cloud-Modellen. Dies erhöht die Flexibilität, Skalierbarkeit und Stabilität der Anwendungen und Prozesse deutlich. Durch die Konkurrenzsituation kann ein Provider nicht mehr die Bedingungen oder Preise diktieren. Bietet er einen Service nicht mehr an oder ist er überfordert, kann das Unternehmen schnell zu einem anderen Anbieter wechseln oder sogar mehrere Lösungen miteinander kombinieren.

Dies erhöht nicht nur die Skalierbarkeit, sondern auch den Funktionsumfang. Da sich Angebote verschiedener Provider miteinander kombinieren und auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zuschneiden lassen, ist das Unternehmen nicht mehr von den meist eingeschränkten Standardlösungen abhängig. So lässt sich der Service-Bedarf mit Hilfe der Funktionsangebote mehrerer Provider erfüllen.

Zahlreiche Herausforderungen entstehen

Die vielen Vorteile der Multi-Cloud überzeugen immer mehr Unternehmen, so dass sie ihre Cloud-Strategie entsprechend anpassen. Doch Vorsicht: Einführung und Management der Multi-Cloud-Umgebung sind nicht einfach. Wichtige Themen sind hier die Komplexität der Integration verschiedener Angebote, Sicherheit und Compliance sowie eine flexible Anpassung der Strukturen bis hin zur Exit-Strategie.

Schon zu Anfang eines Projekts stehen Unternehmen vor einer großen Herausforderung: Sie müssen sich mit der enormen Produktvielfalt der Cloud-Anbieter auseinandersetzen. Unterschiedliche Service-Levels für verschiedene Zielgruppen erhöhen dabei die Komplexität. Entsprechend müssen Unternehmen die Service-Beschreibungen sehr genau durchlesen und gemäß ihren Anforderungen bewerten.

Sicherheit und Datenschutz sind vor allem in Deutschland wichtige Punkte, die lange Zeit Unternehmen bei der Cloud-Migration zögern ließen. Tatsächlich ist es aus Compliance-Gründen immer noch nicht leicht, sensible Daten auszulagern. Neue Vorschriften und technische Möglichkeiten wie die Abkoppelung der Daten von der Cloud bieten jedoch für die allermeisten Fälle eine praktikable und regelkonforme Lösung. Zum Beispiel lassen sich Informationen in gesicherten Rechenzentren auf europäischem Boden speichern und nur für die Bearbeitung in die Cloud übertragen. Dabei können die Unternehmen jederzeit auf ihre Daten zugreifen. Jedoch muss in einer Multi-Cloud-Umgebung jeder einzelne Anbieter die entsprechenden Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erfüllen.

Die Einführung einer Lösung ist eine Sache, das laufende Management und Anpassungen eine ganz andere. Schließlich ändern sich heute Marktanforderungen, Technologien und Arbeitsprozesse ständig, so dass Unternehmen ihre Infrastruktur permanent aktualisieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Flexibilität in den Angeboten ist bei jedem Cloud-Provider zu überprüfen. Und: Ein bestimmter Cloud Service kann eines Tages nicht mehr nötig sein. Bisher sehen aber die meisten Anbieter keine Exit-Strategie vor. So müssen Unternehmen darauf achten, dass sie am Ende eines Projekts sämtliche eigene Daten einfach mitnehmen und auf andere Dienste übertragen können.

Mögliche Hürden von Anfang an beachten

Diese Fallen sollten Unternehmen bereits zum Projektstart vermeiden. Daher ist bereits vor der Entscheidung für eine Multi-Cloud-Umgebung eine umfassende Bedarfsanalyse durchzuführen. Sie gewährleistet, dass geeignete und vertrauenswürdige Lösungen sowie Anbieter gewählt werden.

Um auch Vorschriften und technische Anforderungen zu berücksichtigen, haben IT-Abteilung und Geschäftsleitung die Fachabteilungen einzubinden sowie aktuelle Arbeitsprozesse und Cloud-Nutzung zu bewerten. Anschließend ist oft ein Kompromiss zwischen der von Nutzern gewünschten Praktikabilität sowie der nötigen Sicherheit, Compliance, Transparenz und Kostenkontrolle zu finden. Zudem sind Performance, Verfügbarkeit, Lizenzmodell, Skalierbarkeit und Konnektivität der Cloud-Angebote zu beachten.

Die Komplexität beim Management reduzieren

Enrique Nuñez, Marketing Manager DACH bei Rackspace.
Enrique Nuñez, Marketing Manager DACH bei Rackspace. (Bild: Rackspace)

Nach der Einführung einer Multi-Cloud-Umgebung sollte sich diese ohne großen Mehraufwand verwalten lassen. Eine mögliche Option hierfür bildet die Auslagerung des Cloud Managements an einen externen Dienstleister. Dieser muss aber den richtigen Service und die notwendige Erfahrung in diesem Bereich aufweisen. Dann kann er sein Angebot für die Managed Multi-Cloud optimal an die Bedürfnisse des Kunden anpassen und gemäß den Anforderungen betreiben. Zudem unterstützen manche Anbieter auch bei Design, Aufbau und operativem Management der Cloud-Umgebung.

Dies ist allerdings nur möglich, wenn der Dienstleister die unterschiedlichen Cloud-Angebote detailliert kennt, etwa OpenStack, Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud. Nur dann kann er die Angebote der Provider exakt mit den individuellen Bedürfnissen des Kunden in Einklang bringen. Zudem sollte der Kunde Wert darauf legen, dass er einen persönlichen Ansprechpartner sowie einen Rund-um-die-Uhr-Support erhält. Dann muss er sich nicht mehr um die Technik kümmern, sondern kann sich vollständig auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

* Enrique Nuñez, Marketing Manager DACH bei Rackspace

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