Milliarden-Deal für grenzenlose Datenintegration

MuleSoft-Technologie öffnet isolierte Datenquellen für Salesforce-Plattform

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Datenintegration, Applikationsentwicklung und Schnittstellenmanagement sind die Herausforderungen im Multi-Cloud-Zeitalter.
Datenintegration, Applikationsentwicklung und Schnittstellenmanagement sind die Herausforderungen im Multi-Cloud-Zeitalter. (Bild: gemeinfrei (tweetyspics - Pixabay) / CC0)

Hybride Clouds sind inzwischen des Anwenders liebstes Kind. Um jedoch verschiedene Clouds wirklich sinnvoll nebeneinander und miteinander nutzen zu können, müssen insbesondere Datensilos aufgebrochen und alle vorhandenen Datensätze sowie Anwendungen uneingeschränkt nutzbar gemacht werden.

Angesichts einer zunehmenden Komplexität von Cloud-Umgebungen stehen vor allem Services zum API-Management sowie zur Datenintegration besonders hoch im Kurs, stellte der aktuelle „ISG Provider Lens Germany 2018 - Cloud Platforms & Technology/Access Services“ der ISG Information Services Group fest. In diesem Feld spielen die großen IT-Player, so die Beobachtung ISGs, eine immer aktivere Rolle. SAP beispielsweise stellt umfassende API-Management-Funktionen integriert in ihrem Gesamtangebot zur Verfügung. Doch auch Übernahmen sind ein probates Mittel, Kompetenzen in diesem Bereich zu stärken, wie der Kauf des auf APIs und Predictive Analytics spezialisierten Softwareherstellers Apigee durch Google zeigt. 625 Millionen US-Dollar (fast 509 Millionen Euro) machte Google hierfür locker – einer der teuersten Firmenkäufe seit langem.

Insofern überrascht auch die Ankündigung des Cloud-CRM-Anbieters Salesforce nicht, den Spezialisten für API-Management und Datenintegration, MuleSoft, übernehmen zu wollen. Dass das Thema heiß ist, beweist schon der ausgehandelte Kaufpreis: 6,5 Milliarden US-Dollar (ca. 5,3 Milliarden Euro) soll der Deal kosten. Damit wäre das die teuerste Akquisition in der Firmengeschichte Salesforce. MuleSoft entwickelt und betreibt eine der führenden Plattformen zur Entwicklung von Anwendungsnetzwerken zur Vernetzung von Enterprise-Apps, Daten und Geräten, über Clouds und On-Premise-Installationen hinweg. Die weltweit genutzte Anypoint-Plattform soll zum integralen Bestandteil der Salesforce Integration Cloud werden.

Das Geld ist gut angelegt

Aus Analystensicht kann Salesforce trotz des hohen Kaufpreises durch die MuleSoft-Übernahme nur profitieren: „Besonders SaaS-Anwendungen in der Cloud, wie Salesforce aber auch SAPs Cloud, benötigen diese Integrations-Dienste, um andere SaaS-Diensten aber auch vorhandene on-premises Anwendungen im Unternehmen zu integrieren“, erklärt Stefan Ried, Principal Analyst & IoT Practice Lead der Crisp Research AG. Viele Anbieter wie Software AG, Tibco oder IBM hätten aber alle, bis auf Ausnahme der Informatica, die Änderung der Geschäftsmodelle und Architekturen in der Cloud verpasst, obwohl sich das Segment der Middleware und Integrationsprodukte in den letzten zehn Jahren massiv verändert habe. Durch die Akquise könne Salesforce jetzt noch besser mit SAP konkurrieren und seine Marktführerschaft ausbauen.

Aber auch für MuleSoft-Kunden, die heute ihre SAP-Systeme mit MuleSoft integrieren, sei diese Übernahme keine schlechte Botschaft. SAP ist für Salesforce der wichtigste Integrationspunkt im Unternehmen und so geht Crisp Research davon aus, dass MuleSoft SAP weiter umfangreich unterstützen wird. Auf der anderen Seite sei die Unterstützung von Salesforce durch die SAP eigene Integrationssoftware in der SAP Cloud nicht ganz so weit: „In Bezug auf Marktmacht geht der Punkt also klar an Salesforce“, so Ried.

Mehr IoT-Datennutzung und Analysefunktionen

Anlässlich ihrer jährlichen Entwicklerkonferenz TrailheadDX in San Francisco präsentierte Salesforce neben der völlig neuen Salesforce Integration Cloud weitere für die gesamte Salesforce Plattform, darunter Lightning, Einstein und Trailhead, die sich insbesondere durch intelligente Analysefunktionen bzw. interaktive und anpassbare App-Integration auszeichnen.

Die neue Salesforce Integration Cloud bietet eine Reihe von Diensten und Werkzeugen, die es erleichtern sollen, Daten quellenübergreifend zugänglich und auswertbar zu machen. Intelligente, vernetzte Kundenerfahrungen sollen so über alle Kanäle und Touchpoints hinweg möglich werden. Die Integration Cloud besteht aus drei Schichten: Neben der auf MuleSoft basierenden Integration Platform können Admins mit Hilfe des Integration Builders über alle Salesforce-Instanzen und andere Geschäftsanwendungen hinweg eine einheitliche Sicht auf den Kunden schaffen, und zwar nur durch Klicks und ohne Programmierung. Alle Verbindungen lassen sich über eine einheitliche Admin-Konsole verwalten. Über die Integration Experiences – eine neuartige automatische Vereinigung der Salesforce Kundendaten – lassen sich nahtlose und personalisierte Kundenerfahrungen über Vertrieb, Service, Marketing, E-Commerce und noch weitere hinweg gestalten. So kann beispielsweise mit dem Lightning App Builder die Bestellhistorie in die Lightning Service Console integriert werden. Servicemitarbeiter sollen auf diese Weise Cross- und Upselling-Potenziale erkennen und heben können, ohne die Anwendung wechseln zu müssen.

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