Gravierende Performance-Unterschiede

Kriterien für die Auswahl eines Cloud-Anbieters

| Autor / Redakteur: Stefano Marmonti* / Florian Karlstetter

BGP Route Monitoring mit ThousandEyes (BGP steht für Border Gateway Protocol).
BGP Route Monitoring mit ThousandEyes (BGP steht für Border Gateway Protocol). (Bild: ThousandEyes)

Seit Jahren orientieren sich IT-Entscheider bei ihren Cloud-Computing-Strategien vor allem an Kriterien wie den angebotenen Web Application Services, Preisstufen und globaler Rechenzentrumspräsenz, während kritische Bereiche wie der Vergleich der Performance weitgehend fehlen.

Unternehmen, die die Vorteile der digitalen Transformation nutzen wollen, entwickeln effiziente Strategien für Cloud-Umgebungen und -Services, um dadurch die Konnektivität für Endanwender zu verbessern und den Aufwand für lokale Rechenzentren zu reduzieren. Die Kombination aus komplexen Multi-Cloud-sowie IT-Infrastrukturen stellt aber auch eine große Herausforderung für IT-Teams dar.

Um Unternehmen umfassende Informationen zur Cloud-Performance zu liefern, zeigt ThousandEyes in seinem Cloud Performance Benchmark Report die Unterschiede in Bezug auf die globale Netzwerkperformance und Konnektivität der fünf großen Public Cloud-Anbieter auf. Untersucht wurden Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform (GCP), Microsoft Azure, Alibaba Cloud und IBM Cloud. Die Studie ist eine Hilfestellung für IT-Führungskräfte in Unternehmen, um qualifizierte Entscheidungen bezüglich Investitionen im Cloud-Bereich zu treffen. Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse von mehr als 320 Millionen Datenpunkten.

Damit bietet der Cloud Performance Report eine unvoreingenommene Perspektive auf Cloud-Performance und Cloud-Monitoring, die sich sowohl auf die Erfahrung der Endanwender als auch auf die Backend-Anwendungsarchitektur bezieht.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

1. Einige Clouds verlassen sich stark auf das frei zugängliche Internet, um Datenverkehr zu transportieren

Obwohl die analysierten Cloud-Anbieter allgemein eine vergleichbare Performance in Bezug auf die bidirektionale Netzwerklatenz aufweisen, haben Unterschiede hinsichtlich Architektur und Konnektivität einen Einfluss auf den Datenverkehr zwischen Anwendern und bestimmten Cloud Hosting-Regionen. Beispielsweise nutzen Azure und GCP ihre Backbones intensiv, um den Traffic von den Anwendern zu den Hosting-Regionen zu übertragen. AWS und Alibaba nutzen hingegen verstärkt das Internet für den Transport des Anwenderverkehrs, während IBM einen hybriden Ansatz verfolgt. Die Übertragung per Internet erhöht die Unvorhersehbarkeit der Performance, schafft Risiken für Cloud-Strategien und erhöht die betriebliche Komplexität. Deshalb sollten Unternehmen, die den Einsatz einer Public Cloud planen, berücksichtigen, inwieweit sie die Leistungsschwankungen des öffentlichen Internets dulden können oder wollen.

2. Es bestehen signifikante Cloud-Performance-Anomalien abhängig von Provider, Hosting-Region und Benutzerstandorten.

Während die fünf Cloud-Anbieter eine vergleichbare, robuste Netzwerkleistung in Nordamerika und Westeuropa aufwiesen, traten Sonderfälle in Asien und Lateinamerika auf. Zum Beispiel zeigt GCP eine 2,5- bis 3-fach höhere Netzwerklatenz im Vergleich zu AWS, Azure, Alibaba Cloud aus Europa nach Regionen in Indien. In einem weiteren Beispiel beträgt die Netzwerklatenz bei GCP von Rio de Janeiro zur Hosting-Region São Paulo das 6-fache im Vergleich zu den anderen drei Cloud-Anbietern aufgrund eines nicht optimalen Reverse Path. Bei der Auswahl von Public Cloud-Regionen sollten Unternehmen die Leistungsdaten der User-to-Hosting-Regionen bei ihren Auswahlkriterien berücksichtigen.

3. Die Great Firewall of China sorgt bei allen Cloud-Anbietern für Performance-Verluste

Zwischen chinesischen Staatsbürgern und dem weltweiten Internet befindet sich die sogenannte Great Firewall of China, ein hochentwickelter Content-Filter. Der Performance Report zeigt, dass der Internetverkehr von und nach China, unabhängig davon, in welche Cloud Hosting-Region er fließt oder aus welcher er stammt, einen hohen Paketverlust aufweist. Obwohl Alibaba seinen Ursprung in China hat, tritt auch hier beim Passieren ein Paketverlust auf. Dies verdeutlicht, dass Alibaba keine gesonderte Stellung innehat. Unternehmen mit Kunden in China, die aufgrund strenger Regularien bezüglich Datenverkehr und Datenschutz zögern, eine Hosting-Umgebung in China zu nutzen, können Hongkong als Option in Betracht ziehen. Der Datenverkehr von Hongkong nach China durch Alibaba Cloud hatte den geringsten Paketverlust, gefolgt von Azure und IBM.

4. AWS Global Accelerator weist nicht immer eine bessere Performance auf.

AWS Global Accelerator wurde im November 2018 eingeführt, um Kunden die Nutzung des privaten Backbone-Netzwerks von AWS gegen eine Gebühr zu ermöglichen. Standard von AWS ist hingegen der Datenverkehr über das frei zugängliche Internet. Während der Global Accelerator eine optimierte Route durch das dicht vernetzte Backbone von AWS nutzt, waren Performance-Steigerungen laut dem Performance Report nicht überall auf der Welt einheitlich. In vielen Fällen übertrifft der Global Accelerator den Verbindungspfad des Internets hinsichtlich Performance. Allerdings gibt es auch Beispiele für kaum merkliche Steigerungen und sogar Fälle schlechterer Performance im Vergleich zur Standard-Konnektivität von AWS. Verschiedene Beispiele zeigen, dass der Weg über das frei zugängliche Internet schneller und zuverlässiger arbeiten kann als der Global Accelerator. Unternehmen, die die Vorteile des Global Accelerator nutzen wollen, sollten Performance-Steigerungen überprüfen und eine eigene Strategie entwickeln, um den ROI für ihren individuellen Einsatz zu gewährleisten.

5. Cloud-Performance basiert auf der Wahl des Breitband-ISP.

Die Breitbandleistung ist bei allen Anbietern relativ konstant, aber der Performance Report zeigt, dass es dennoch zu Anomalien in Bezug auf die Leistung kommt. Unternehmen, die einen Performance-Vorsprung erzielen wollen, sollten ihren Breitband-ISP-Anbieter danach auswählen, auf welche Cloud sie am stärksten angewiesen sind. Dies kann zu Gewinnen und Verlusten bei der Performance führen, je nachdem, welche Breitband-Provider Unternehmen für die Verbindung mit der jeweiligen Cloud nutzen.

Fazit: Komplexe Cloud-Architekturen erfordern einen datengesteuerten Ansatz

Stefano Marmonti, Regional Sales Manager DACH bei ThousandEyes.
Stefano Marmonti, Regional Sales Manager DACH bei ThousandEyes. (Bild: ThousandEyes)

Cloud-Architekturen sind äußerst komplex. Und trotzdem haben die meisten IT-Entscheider bei der Suche nach dem passenden Cloud-Anbieter bislang lediglich auf Faktoren wie den Preis oder die Nähe zum Nutzer geachtet. Dabei wurde die zugrundeliegende Netzwerkarchitektur oft völlig außer Acht gelassen, obwohl diese einen erheblichen Einfluss auf die Performance haben kann. Der Cloud Performance Benchmark Report von ThousandEyes verdeutlicht, dass Unternehmen weiterhin ihre Netzwerkinformationen und Performance messen sollten, um sicherzustellen, dass sie die Leistung von Cloud-Providern erhalten, die sie erwarten.

Der Autor: Stefano Marmonti, Regional Sales Manager DACH bei ThousandEyes.

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