Product Lifecycle Management als Rückgrat des Unternehmens Industrie: Wettbewerbsfähig bleiben durch die Cloud

Ein Gastbeitrag von Johann Dornbach*

Anbieter zum Thema

Die Pandemiejahre haben alle Unternehmen stärker in Richtung Cloud gedrängt. Auch die Industrie musste sich mit dem Thema Cloud befassen. Obwohl einige traditionelle Mittelständler bereits den Schritt in die Wolke gewagt haben, argwöhnen einige immer noch mit dem Wechsel.

Product Lifecycle Management in Kombination mit der Cloud räumt viele Hindernisse aus dem Weg, die klassische Hosting-Methoden darstellen.
Product Lifecycle Management in Kombination mit der Cloud räumt viele Hindernisse aus dem Weg, die klassische Hosting-Methoden darstellen.
(Bild: photon_photo - stock.adobe.com)

Dabei birgt richtiges cloud-basiertes Datenmanagement für die Industrie enorme Flexibilität und steigert ihre Resilienz. Vor allem in Kombination mit Product Lifecycle Management (PLM) als Rückgrat eines Unternehmens kann eine Cloud-Strategie Vorteile bieten. PLM sollte mittlerweile ein fester Bestandteil in den Prozessen der Industrieunternehmen geworden sein. Insbesondere, dort, wo Informationen zu Produkten oder Produktkomponenten nachverfolgbar sein müssen und in Bezug zueinanderstehen, ist ein sauber aufgesetztes Management-System für die Produktlebenszyklen unabdingbar. Dies gilt beispielsweise für die Luftfahrt-, Automobil-, Medizintechnik-, Militär- oder Energieindustrie.

Heutzutage bezieht sich das PLM auf alle Lebenszyklen, bei denen Informationen zu einem Produkt anfallen: Von der Konstruktion, Datenpflege und -Verwaltung bis hin zu Aktualisierungen, Service oder (Fern)Wartung. Auch stellt ein leistungsfähiges PLM eine zuverlässige Basis für Fabriksimulationen oder digitale Zwillinge dar, da Produkte und ihre Lebenszyklen immer komplexer werden.

Im täglichen Industriebetrieb fallen beträchtliche Datenmengen an, von CAD-Modellen bis hin zu Wartungsnotizen. Hier haben Industrieunternehmen ihre Produktdaten traditionell on-premises verwaltet. Kommt das Geschäft wie etwa pandemie- oder lieferkettenbedingt ins Straucheln, werden oft kurzsichtige Sparmaßnahmen eingeführt. Einer der wesentlichen Vorteile bei der Migration in die Cloud sind die Kostenersparnisse. Hier kann die Cloud langfristig für Entlastung sorgen.

PLM as-a-Service

Ein Trend ist erkennbar: Everything-as-a-Service dominiert derzeit das digitale Angebot. Generell sind Cloud-Dienste, befeuert durch die Pandemie und die Remote-Arbeit, immer praktikabler und auch für den Geschäftsbereich attraktiver. Cloud-basierte Dienste versprechen hohe Skalierbarkeit bei überschaubaren Kosten. Besonders beim Thema PLM bietet sich der Schritt in Richtung Cloud an, da sie viele Hindernisse aus dem Weg räumt, die klassische Hosting-Methoden darstellen. Die folgenden drei Vorteile durch den Einsatz der Cloud gelten ebenfalls für das Product-Lifecycle-Management:

1. Skalierbarkeit: Die Skalierbarkeit ist einer der Hauptargumente, die ein PLM in der Cloud mit sich bringt. Insbesondere für Industrieunternehmen kann der Effekt enorm sein: Denn gerade die wachsende Komplexität der Daten lässt existierende Datenspeicher an ihre Grenzen stoßen. Ein Szenario, dass viele Unternehmen in der Vergangenheit durchlebt haben und zukünftig noch bevorsteht, sind Übernahmen. Müssen im Zuge einer Datenkonsolidierung verschiedenste Datenquellen zusammengebracht werden, muss eine Partei ihre lokalen Datenspeicher erweitern. Die Anschaffung, Bereitstellung und neuer Hardware und Server kann schnell hohe Kosten verursachen. On-premises muss die Netzwerkanbindung und Infrastruktur angepasst werden. In der Cloud gibt das Unternehmen diese Information an den Hoster, der die komplette Abwicklung übernimmt. So können Kapazitäten nach Bedarf erweitert oder anderweitig flexibel angepasst werden.

2. Entlastung der IT: In Zeiten des IT-Fachkräftemangels ist eine Entlastung der eigenen IT-Teams ein gerne gesehener Effekt. Der Digitalverband Bitkom bezifferte die Zahl der offenen IT-Stellen 2021 auf 96.000 – ein Anstieg von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die regelmäßige Wartung der unternehmenseigenen Hardware sowie das oft unterschätzte Software-Management gehören bei On-Premises-Rechenzentren zu den wiederkehrenden Aufgaben der Unternehmens-IT. Für die IT-Verantwortlichen stellt dies einen Arbeitsaufwand dar, der von der tagtäglichen Arbeitsrealität verdrängt und auch gerne mal aufgeschoben wird. Doch vor allem das Server-Management der eigenen Rechenzentren ist essenziell für ein zuverlässig laufendes PLM und andere unternehmenskritische Prozesse. Bei der Nutzung von Cloud-Diensten übernimmt der Provider die Pflege und Wartung der Hard- sowie Software. Hoster sind auf die Instandhaltung ihrer Cloud-Dienste spezialisiert und müssen eine reibungslose Performance ihrer Dienstleistung garantieren. Die Migration in die Cloud verschlankt das IT-Equipment und entlastet somit die IT-Mitarbeiter. So räumt sie Kapazitäten frei, um andere IT-Projekte anzugehen. Dieser Aspekt macht die Cloud gerade für den Mittelstand, der häufig nur kleinere interne IT-Teams beschäftigt, attraktiv.

3. Cloud-Dienste sind sicherer: Vor einigen Jahren war es kaum vorstellbar, die wertvollen CAD-Daten und andere sensible Informationen an Cloud-Anbieter auszulagern. Oft verweigern sich traditionelle Unternehmen diesem Schritt aus Zweifel an der Datensicherheit in der Cloud. Entscheider sollten bei Interesse an einem cloud-basierten PLM bei ihrem PLM-Anbieter darauf achten, dass dieser mit Hosting-Partnern kooperiert, die konform der hohen Anforderungen der deutschen und europäischen DSGVO arbeiten. Normen wie ISO 27001 und 27018 sind ein guter Anfang. Warum sind Cloud-Dienste nun sicherer? Große Cloud-Anbieter setzen standardmäßig leistungsfähige Schutzmaßnahmen in Form von Zugangsberechtigungen wie Multifaktor-Authentifizierungen, Geofencing oder DDoS-Protection, ein. Ein wichtiger Aspekt kommt aber hinzu: Der Cloud-Anbieter und der Hosting-Partner kümmern sich um die Wartung und Aktualisierung der Cloud-Instanzen. Die IT-Security-Expertise muss nicht intern wie für die lokale Datenhaltung aufgefahren werden. Sie haben die Ressourcen – finanzielle sowie fachkundige – um den Schutz der Cloud-Dienste zu gewährleisten. Cloud-Anbieter werden alles dafür tun, einen Sicherheitsvorfall tunlichst zu vermeiden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Cloud-nativ oder hybrid: Muss nun alles in die Cloud?

Bei Arbeitsprozessen an CAD-Dateien und großen Datenmengen, die einem PLM-System zugrunde liegen, stellt sich die Frage, ob alles in die Cloud migrieren muss. Bei der Cloud-Only-Variante liegen alle CAD-Dateien in der Cloud. Hierfür bedarf es einer CAD-Software, die nativ in der Cloud arbeitet und vom Client im Browser oder einer eigenen Anwendung aufgerufen werden kann. Eine hybride Cloud-Struktur bietet sich an, wenn Unternehmen niedrige Latenzzeiten benötigen. Hier bleiben die CAD-Daten in einem lokalen Rechenzentrum. In der Cloud kommt ein Fileserver zum Einsatz, der einen Datenabgleich durchführt. Ein Hybridmodell verspricht schnelle Zugriffszeiten auf relevante Daten, die „inhouse“ bleiben.

PLM-Anbieter, wie beispielsweise Procad, arbeiten mittlerweile mit Hosting-Partnern, die sich auf die Anforderungen von Industrieunternehmen, die mit großen CAD-Daten arbeiten, spezialisiert haben. Bei diesem Ansatz wird das CAD-System sowie ein virtualisierter Client in der Cloud installiert. Der Client greift auf das CAD-Programm zu und überträgt sämtliche Darstellungen und Arbeitsschritte auf das Endgerät.

Schneller Informationsaustausch mit der Cloud

Skalierbarkeit und Kosteneffizienz sind einer der Gründe, warum sich Unternehmen und insbesondere der Mittelstand mit dem Thema PLM in der Cloud zumindest befassen sollten. Bei der Auswahl ihres PLM-Anbieters sollten Unternehmen auf eine Cloud-Option achten, die den Anforderungen des deutschen bzw. europäischen Datenschutzes gerecht werden.

Ob ganz oder hybrid: Die Vorteile der Cloud werden sich langfristig durch mehr Flexibilität bei reduzierten Betriebskosten bemerkbar machen. Unternehmen, die auf schnellen Informationsaustausch angewiesen sind, um flexibel auf Marktereignisse reagieren möchten, brauchen umfangreiche Rechen- und Speicherkapazitäten. Dort, wo lokale Hardware schwer kalkulierbar wird, punktet ein Cloud-Dienst.

* Über den Autor
Johann Dornbach ist Chief Technology Officer und Geschäftsführer der Procad und seit November 2019 im Unternehmen. Zuvor war er mehr als 17 Jahre Jahre bei SAP tätig, zuletzt als Vice President Digital R&D and Engineering, Configure and Variant Configuration für den Bereich Product Lifecycle Management und Digital Configuration Lifecycle.

Bildquelle: Procad

(ID:48564848)