Aktuelle Zahlen zeigen: Immer mehr Unternehmen nutzen Ressourcen aus der Cloud. Den Milliardenmarkt – insbesondere für Infrastructure-as-a-Service (IaaS) – dominieren dabei die Hyperscaler Amazon, Google und Microsoft. Wie internationale Software-Anbieter sich selbst und ihre Partner ins Spiel bringen, um den Kunden passgenaue Cloud-Szenarien zu ermöglichen.
Rechen- und Datenintensive Anwendungen wie BigData-Analysen oder IoT-Lösungen würden ohne Ressourcen aus der Cloud kaum funktionieren.
Den Plastikmüll in der Umwelt bis 2030 auf null reduzieren? Das geht, glaubt jedenfalls SAP – wenn wir möglichst keinen neuen Plastikmüll produzieren und das Recycling der bestehenden Abfälle verbessern. Zum Beispiel mit Hilfe der vom Softwarekonzern installierten Plastic Cloud. Dahinter steckt eine Plattform, die Daten aus der weltweiten Kunststofflieferkette sammelt und daraus neue Ideen entwickelt, um die Abfallmenge zu reduzieren. Selbstlernende Algorithmen stellen Informationen zusammen, die Trends beim Kunststoffeinkauf und -recycling prognostizieren. So lassen sich die weltweiten Auswirkungen besser abschätzen. Und Unternehmen wie Verbraucher erkennen genau, welchen Einfluss ihr Kunststoffverbrauch auf die Umwelt hat.
Mit Cloud Computing die Umwelt schützen – nur ein Weg, Rechen- und Speicherkapazität aus der Datenwolke zu nutzen: Viele moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), autonomes Fahren oder das Internet of Things (IoT) würden ohne diese Ressourcen kaum funktionieren. Kein Wunder also, dass die Nachfrage der Unternehmen nach Cloud Computing steigt. So wächst beispielsweise der weltweite Markt für Infrastrukturservices aus der Cloud (Infrastructure-as-a-Service, IaaS) kontinuierlich. Zu diesem Ergebnis kommt die im Februar veröffentlichte Studie des Marktforschungsunternehmens Canalys.
Den Analysten zufolge investierten Unternehmen 2018 weltweit rund 78 Milliarden US-Dollar, 2019 waren es bereits 107 Milliarden US-Dollar. Und das laufende Jahr könnte für IaaS-Anbieter noch lukrativer werden, da die Ausgaben für IT-Infrastruktur aus der Cloud um weitere 32 Prozent auf 141 Milliarden US-Dollar steigen sollen. Zu den beliebtesten Anbietern zählen, so die Studie weiter, die Hyperscaler mit ihren Public-Cloud-Angeboten Amazon Web Services (AWS), Google Cloud und Microsoft Azure. Der Vorteil: Die Kunden müssen weder in eigene Hardware noch in IT-Sicherheit investieren. Außerdem sorgen die Cloud-Provider für eine optimale Internet-Anbindung und ein schnelles Netzwerk.
Der Trend geht zu Cloud Computing: Auch deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf Infrastrukturservices, wie das Marktforschungs- und Beratungshaus ISG Information Services Group kürzlich ermittelte. Demnach investieren hiesige Firmen rund 1,4 Milliarden Euro in IaaS-Lösungen – ein Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und auch hierzulande dominieren die großen Cloud-Provider das Geschehen: Laut ISG wächst das IaaS-Geschäft von AWS um rund 40 Prozent und das von Microsoft um 60 Prozent. Als drittgrößter Anbieter behauptet sich Google. Die restlichen Marktanteile machen IBM, die Deutsche Telekom, Oracle und mehrere regionale Public-Cloud-Provider unter sich aus.
Enger Schulterschluss mit Microsoft
Viele Unternehmen nutzen eine cloud-basierte IT-Infrastruktur als stabile Basis für ihre Anwendungslandschaft. Software-Hersteller wiederum sorgen dafür, dass sich ihre Lösungen auch individuell in der Cloud betreiben lassen. SAP etwa setzt dabei auf offene Systeme und Standards. Und ermöglicht seinen Kunden den Einsatz sämtlicher Szenarien – von der Private Cloud über Kombinationen von Cloud und On-Premise bis hin zur hybriden Infrastruktur oder zur Multi-Cloud.
Apropos Hybrid Cloud: Weil in der Regel nur junge Unternehmen ihre IT unbelastet von Altstrukturen aufsetzen können, setzen mittelständische Unternehmen oder Großkunden meist nicht auf eine reine Public-Cloud-Landschaft. Sie nutzen sowohl On-Premise-Systeme als auch Private- und Public-Cloud-Ressourcen gleichermaßen. So entsteht eine hybride IT-Infrastruktur. Greifen die Kunden überdies noch auf Lösungen unterschiedlicher Cloud-Anbieter zurück, entsteht eine Multi-Cloud.
Unabhängig davon, für welches Betriebsmodell sich die Kunden in ihrer IT entscheiden: Um sie bei ihren Cloud-Vorhaben zu unterstützen, starteten SAP und Microsoft im Oktober 2019 die Initiative „Embrace“ speziell für die Microsoft Cloud. Gemeinsam wollen sie SAP-Kunden den Weg in die Azure-Cloud ebnen. Konkret geht es beispielsweise um die Integration von Microsoft Office 365 und Teams in die SAP-Anwendung Fiori. Oder um die Nutzung von Azure AI und Azure IoT Services in SAP-Prozessen. Weiteres Anliegen der Kooperation: Kunden sollen einfacher und schneller vom bisherigen SAP ERP auf SAP S/4HANA on Azure und die Datenbank SAP HANA wechseln können.
Cloud-Plattform für neue Partnerlösungen
Neben der Zusammenarbeit mit Microsoft baut SAP die eigene Cloud-Plattform kontinuierlich aus. Über die SAP Cloud Platform lassen sich sämtliche SAP-Anwendungen und -Prozesse – egal ob on premise oder cloud-basiert – integrieren und ausbauen. Oder mit Nicht-SAP-Applikationen und -Prozessen verbinden. Konzipiert als Platform-as-a-Service (PaaS) hilft sie den Kunden, flexibler auf neue Anforderungen reagieren oder digitale Geschäftsmodelle schneller umsetzen zu können. Dabei versteht sich die Cloud-Plattform nicht als Alternative zu klassischen IaaS-Infrastrukturservices, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung zu den Angeboten der Hyperscaler.
Stand: 08.12.2025
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Christian Mehrtens, Leiter des Bereichs Mittelstand und Partner bei SAP.
(Bild: SAP)
Die Cloud-Plattform bietet nicht nur Nutzern, sondern auch dem SAP-Partnerökosystem mehrere Vorteile: Die Partner können in der integrierten Entwicklungsumgebung und mit vorgefertigten Modulen neue digitale Software-Lösungen entwickeln. Diese lassen sich wiederum nahtlos in bestehende SAP-Umgebungen einbetten. Aktuell gibt es mehr als 1.300 vorgefertigte Module, etwa für Blockchain, Business Analytics oder Künstliche Intelligenz. Auf dieser Grundlage schaffen manche Partner eigene App-Shops, aus denen sich die Nutzer ihre benötigten Features herunterladen können. Wichtig: Die cloud-basierten Apps lassen sich stets sicher und zuverlässig mit vorhandenen SAP-Systemen verknüpfen – egal ob on-premise oder in der Cloud.
* Der Autor Christian Mehrtens verantwortet bei SAP den Bereich Mittelstand und Partner.