IT-Automatisierung

Hohe Erwartungshaltung an Managed Service Provider

| Autor / Redakteur: Carsten Sander* / Florian Karlstetter

Technologie-Expertise allein reicht nicht aus, um als Managed Service Provider am Markt erfolgreich zu sein.
Technologie-Expertise allein reicht nicht aus, um als Managed Service Provider am Markt erfolgreich zu sein. (Bild: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Unternehmen treiben für mehr Effizienz die Digitalisierung ihrer Strukturen, Prozesse oder Produkte voran. Sie wollen schneller, innovativer, kostensparender agieren – und am besten voll automatisiert. Dabei setzen sie zunehmend auf die Zusammenarbeit mit Managed Service Provider.

Durch den zunehmenden Einsatz digitalisierter Geräte und Software verändert sich die IT-Landschaft der Unternehmen maßgeblich. Sie wird umfangreicher und komplexer, bietet aber gleichzeitig die Chance, Abläufe komplett zu automatisieren. Diese wollen immer mehr Unternehmen für sich nutzen. Laut der Studie „Cloud Automation Excellence“ (PDF) von Nexinto und Hewlett Packard Enterprise, durchgeführt von Crisp Research, sieht lediglich eine Minderheit (11 Prozent) der befragten deutschen Unternehmen keine Relevanz in der Automatisierung ihrer IT-Prozesse. Gleichzeitig schöpft nur ein kleiner Teil von Unternehmen ihr Automatisierungspotenzial voll aus: Lediglich 6,4 Prozent der Befragten geben einen Automatisierungsgrad von über 70 Prozent für ihre IT- und Geschäftsprozesse an. Dass noch enormer Nachholbedarf besteht, bestätigt auch eine europaweite Studie von Fujitsu: Hier offenbarte sich ebenfalls, dass weniger als ein Fünftel Automatisierung vollständig umgesetzt hat.

Breiter Strauß an Zielen

Unternehmen haben sehr klare Vorstellungen, welche Ziele und Vorteile sie mit einem höheren Automatisierungsgrad anstreben. In der Studie „Cloud Automation Excellence“ gaben sie vor allem diese Top-Gründe an: Kosteneinsparungen (68 Prozent), IT-Sicherheit gewährleisten (41 Prozent), Skalierbarkeit ermöglichen (29 Prozent), Personalabbau (26 Prozent), Datenhoheit garantieren (21 Prozent) und Verbesserung der Agilität sowie Time to Market (20 Prozent). Aus diesen strategischen Aspekten ergeben sich konkrete Anforderungen an Automatisierungsmaßnahmen. So ist die Senkung der IT-Betriebskosten (47 Prozent) ein Hauptanliegen der Unternehmen. Hier wünschen sich die befragten Entscheider eine Entlastung von manuellen, ressourcenintensiven Tätigkeiten in Administration und Betrieb.

Direkt darauf folgt eine höhere Produktivität der IT-Mitarbeiter (35 Prozent). Daneben spielt auch die Qualität in Entwicklung und Betrieb eine zentrale Rolle. So sieht mehr als Drittel (34 Prozent) in der Automatisierung die Möglichkeit, die Fehlerquote im Rahmen der Entwicklungs- und Deployment-Prozesse zu reduzieren. Immerhin verknüpft jeder vierte Entscheider die Automatisierung mit der Anforderung nach kürzeren Innovations- und Release-Zyklen, die Unternehmen durch moderne Microservice-Architekturen und einen DevOps-Betrieb erreichen sollen. Fast ebenso wichtig ist mit 33 Prozent das Erreichen eines stabilen und ausfallsicheren 24/7-Betrieb.

Hürden bremsen aus

Mit dem Thema Automatisierung sind in der Mehrheit der Unternehmen große Hoffnungen verknüpft. Die operativen Vorteile für den IT- und Cloud-Betrieb liegen auf der Hand und die strategischen Chancen im Rahmen der Digitalisierung sind enorm. Dennoch ist die Automatisierung kein Selbstläufer. Noch existiert eine Reihe von Herausforderungen und Hürden, die einer erfolgreichen Umsetzung im Wege stehen. Als eines der größten Hemmnisse geben IT-Entscheider ein fehlendes Budget für Automatisierungsprojekte (37 Prozent) an, gefolgt von: Wenig Transparenz in der IT-Landschaft (32 Prozent), starre Organisationsstrukturen (28 Prozent), Mangelnde Erfahrung und Skills (27 Prozent) sowie ein hoher Legacy-Anteil in der IT-Landschaft (27 Prozent) und wenig Erfahrung mit dem Produktivbetrieb auf Cloud-Plattformen (23 Prozent).

Genau hier sollen Managed Service Provider durch ihre spezifischen Kompetenzen ansetzen – im Idealfall mit unterm Strich geringeren Kosten, als die eigene IT-Abteilung. Denn um sich weniger mit dem „Wie“ der Automatisierung in ihren verschiedenen Facetten en détail auseinandersetzen zu müssen, arbeiten Unternehmen zunehmend mit Managed Service Providern (MSP) zusammen. So setzen laut Studie lediglich 31 Prozent ihre Automatisierungsprojekte komplett im Self Service um. 45 Prozent vertrauen primär auf die Unterstützung durch MSP.

Ergänzendes zum Thema
 
Über Nexinto

Nicht zuletzt fehlende Budgets sind ein Antrieb, die anvisierte Kostenreduzierung anhand von Automatisierung zu erreichen. Allerdings müssen Unternehmen dafür zunächst Geld in die Hand nehmen. Denn um solche Hürden wie die fehlende Transparenz in der IT-Landschaft oder der große Anteil an Legacy auszugleichen, ist ein hoher Upfront-Aufwand nötig. IT-Landschaften sind historisch gewachsen, heterogen aufgestellt und oft genug fehlt eine Dokumentation oder sie liegt nur unvollständig vor. Doch eine grundlegende Analyse des IST-Zustandes sowie eine Konsolidierung der IT ist erforderlich, um Use Cases für die Automatisierung zu entwickeln. Setzen Unternehmen hier Managed Service Provider ein, führt hier eine enge Zusammenarbeit am ehesten zum Erfolg – besonders um eine fehlende Dokumentation auszugleichen oder bei firmenspezifischen Eigenheiten von Systemen und Prozessen.

Ist diese ganze „Vorarbeit“ getan, offenbaren sich schnell die ersten Ansatzpunkte für Automatisierung. Im Umgang mit Legacy-Systemen sind Schnittstellen das A und O, um diese in ein holistisches Automatisierungs-Framework einzubinden. Der Einsatz moderner Technologien wie Cloud und Software-Defined-Ansätze sind wichtige Bausteine der Automatisierung. Zwar gibt es auch für dedizierte, nicht virtualisierte Hardware mit selbstgebauten Applikationen Automatisierungspotenziale, diese sind aber weitaus schwieriger zu heben.

Carsten Sander ist Director Consulting bei Nexinto.
Carsten Sander ist Director Consulting bei Nexinto. (Bild: www.rene-lahn.de / Nexinto)

Die Erwartungshaltung der Unternehmen an die Managed Service Provider als auch die bestehenden Hürden zeigen, dass Technologie-Expertise im Infrastrukturbereich allein nicht mehr ausreicht. Unternehmen fordern stärker automatisierte Deployments und Workflows sowie Self-Service-Portale ein und setzen Beratungs- und Prozesskompetenz voraus. Das Wunschkonzert an die MSP ist breit gefächert, denn Unternehmen erwarten mehr als nur reinen und automatisierten IT-Betrieb. Es reicht von Kompetenzen und Services im Bereich der Transformation und Beratung (41 Prozent), der Auditierung (37 Prozent) und dem Monitoring (39 Prozent) über Unterstützung agiler oder DevOps-Prozesse (30 Prozent) bis hin zu einer ganzheitlichen Betriebsverantwortung für Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen (27 Prozent).

Fazit

Automatisierung ist für Unternehmen ein wichtiges Thema. Um fehlendes IT-Personal als auch Kompetenzen auszugleichen, bindet eine Mehrheit bereits Managed Service Provider für Automatisierungsprojekte ein. Um den vielfältigen Anforderungen dazu gerecht zu werden, reichen IaaS-Serviceleistungen allein nicht mehr aus.

*Der Autor: Carsten Sander ist Director Consulting bei Nexinto.

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