AWS EMEA Summit Online 2021 Fliegende Wale, Autos oder Fußball – AWS digitalisiert sie alle

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

„Match Facts“ zur gerade stattfindenden Fußball-Europameisterschaft gefällig? Auf dem diesjährigen AWS EMEA Summit Online haben sich mehrere erfolgreiche AWS-Kunden vorgestellt, die mit innovativen Lösungen aufwarten konnten, darunter auch die Deutsche Fußball-Liga DFL mit ihren digitalen Angeboten.

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Die DFL-Webseite liefert – technisch unterstützt von AWS – den Bundesliga-Fans in Echtzeit „Match Facts“ wie etwa Trefferwahrscheinlichkeit oder Schnelligkeit.
Die DFL-Webseite liefert – technisch unterstützt von AWS – den Bundesliga-Fans in Echtzeit „Match Facts“ wie etwa Trefferwahrscheinlichkeit oder Schnelligkeit.
(Bild: DFL)

Zudem veröffentlichte der weltweit führende Cloud-Anbieter die Ergebnisse einer in seinem Namen bei Coleman Parkes beauftragten Befragung, an der im Frühjahr 2021 mehr als 10.000 IT- und Business-Entscheider in Deutschland, Frankreich, Israel, Großbritannien und Spanien teilnahmen.

Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS Deutschland.
Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS Deutschland.
(Bild: AWS)

Die Einführung der Cloud ist demnach durch die Pandemie erheblich beschleunigt worden. Deutsche Unternehmen in der ITK-, Fertigungs- und Finanzbranche sehen sich veranlasst, ihre Cloud-Projekte um bis zu zwei Jahre und zehn Monate vorzuziehen. „Da sich während der Pandemie viele Unternehmen umgehend in ihrem Betrieb umstellen mussten, griffen sie vielfach auf Ressourcen aus der Cloud zurück, so etwa für Homeoffice und Callcenter“, resümiert Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS. „Sie fördern damit agileres Arbeiten, bessere Zusammenarbeit und mehr Kundennähe.“

Viele Unternehmen wollen ihre digitale Transformation beschleunigen, um Produktivität und Zusammenarbeit zu verbessern (46 %), das Kundenerlebnis zu optimieren (44 %) und ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung zu unterstützen (43 %). Aus Erfahrung klug geworden, greifen sie vielfach auf Cloud-Ressourcen zurück. Rund zwei von drei Business-Entscheidern (61 %) geben laut Gonzalez an, dass ihre Unternehmen während der Pandemie neue Cloud-Dienste und -Tools eingesetzt haben. Vier von zehn (41 %) haben die Cloud zum ersten Mal genutzt. Letzteres trifft auf mehr als die Hälfte der Entscheider in deutschen Finanzinstituten (54 %), und Pharmaunternehmen (57 %) sowie ein Drittel der Einzelhändler (31 %) zu. „Hier hat sich die Cloud als umfassende Digitalisierungs-Plattform bewährt“, so Gonzalez.

Schnellere Cloud-Einführung und Hindernisse dabei

Initiativen für die digitale Transformation wurden durchschnittlich um zweieinhalb Jahre vorgezogen. In der deutschen Fertigungsindustrie beschleunigten die Unternehmen ihre Initiativen um zwei Jahre und zwei Monate, während sie diese in der Finanzdienstleistungsbranche um zwei Jahre und neun Monate sowie in der Telekommunikationsbranche um zwei Jahre und zehn Monate beschleunigten. Mehr als die Hälfte der Business-Entscheider in Deutschland (52 %) hat ihr Geschäftsmodell aufgrund der Pandemie grundlegend verändert und 92 Prozent haben zumindest Anpassungen vorgenommen. 55 Prozent wollen nach der Pandemie Technologien wie Cloud Computing einsetzen. Und 58 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass aus ihrer Sicht ihr Geschäftserfolg von der Cloud abhängt.

„Die digitale Transformation ist kein rein technisches Thema, sondern erfordert die richtige Einstellung“, warnt Gonzalez. „47 Prozent der Entscheider wissen immer noch nicht, wie sie geschäftliche Herausforderungen mit technischen Lösungen bewältigen können, und 48 Prozent geben an, dass sie gewisse Widerstände von Mitarbeitern gegenüber Veränderungen wahrnehmen, während 42 Prozent glauben, dass im Unternehmen wichtiges Know-how fehle.“ Alle drei Hindernisse sind personalbezogen, und deshalb dürfte deren Überwindung einige Zeit dauern.

Der Service Lookout for Equipment unterstützt Kunden in der Industrie.
Der Service Lookout for Equipment unterstützt Kunden in der Industrie.
(Bild: AWS)

„Unsere Kunden wollen mehr über das WIE erfahren, mit dem sie in die Cloud gehen und Services nutzen können“, berichtet der Principal Solutions Architect. „Dafür bietet AWS auf seiner Webseite quasi Blaupausen an.“ Bei seinen branchenorientierten Angeboten wie Lookout for Equipment und Lookout for Vision registriert AWS „hohes Interesse in der Fertigungsbranche“, wie Gonzalez berichtet. Die Lösung für vorausschauende Wartung Amazon Monitron werde beispielsweise auch bei sehr alten Geräten genutzt, etwa bei Druckluft-Kompressoren und bei Fließbändern.

Innovation mit der Cloud

Auf dem AWS Summit zeigten mehrere Unternehmen, dass sie bereits die erforderlichen Maßnahmen ergriffen und Investitionen getätigt haben, um innovative Lösungen zu erstellen. Das hierzulande bekannteste dieser Unternehmen dürfte die Deutsche Bundesliga bzw. Deutsche Fußball-Liga (DFL) sein. Die DFL liefert den Fans auf ihrer digitalen Plattform sogenannte „Bundesliga Match Facts powered by AWS“. Mithilfe von KI-Services von AWS kann sie die Schuss- und Torwahrscheinlichkeit eines Spielers sowie seine Schnelligkeit anzeigen. Des Weiteren die Fakten „Most Pressed Player“, „Angriffszonen“ und „Realformation“. „Diese Informationen schickt die DFL an jedes geeignete Endgerät in Echtzeit“, berichtete Andreas Heyden, zuständig für digitale Innovationen bei der DFL Group. „Künftig wollen wir verstärkt KI, Augmented Reality und 5G-Funk nutzen.“

Seit 2020 entwickeln AWS und die BMW Group gemeinschaftlich neuartige Cloud-Lösungen und qualifizieren bis zu 5.000 Software-Entwickler für den Einsatz von Cloud-Technologien. „Dieser Cloud Data Hub umfasst einen Data Lake, auf dessen Grundlage Services erstellt und ein Ökosystem für Partner errichtet werden können“, erläutert Gonzalez.

Flying Whales konstruiert mithilfe der AWS Cloud (EC2) ein lenkbares Luftschiff für den Transport von Containern etc.
Flying Whales konstruiert mithilfe der AWS Cloud (EC2) ein lenkbares Luftschiff für den Transport von Containern etc.
(Bild: Flying Whales)

Das französische Unternehmen Flying Whales konstruiert ein lenkbares Luftschiff, mit dem sich Frachten bis zur Größe eines Schiffscontainers (60 Tonnen) an schwer zugängliche Orte transportieren lassen, etwa in abgelegene Gebiete. Für die Berechnung des Strömungsverhaltens (Computational Fluid Dynamics (CFD)) sowie der Konstruktion sind große Datenmengen nötig. Den eigenen HPC-Cluster, der nur 200 Rechenkerne besaß, löste das Unternehmen durch einen Cluster auf AWS EC2 ab, der über die nötigen 600 Rechenkerne verfügt. Durch die Nutzung von Spot-Instanzen sparte das Unternehmen 64 Prozent der HPC-Kosten ein. „Die Workflows werden nun 15-mal schneller bewältigt als zuvor“, berichtet der leitende Aerodynamikingenieur Guillaume Martinat.

Das türkische Unternehmen Arçelik ist einer der führenden Hersteller von Haushaltsgeräten. Ihm gehören zwölf Marken, darunter Grundig und Beko. Wie Pinar Köse Kulacz, Leiterin der KI- und ML-Abteilung berichtete, nutzt Arçelik AWS in allen seinen Geschäftstätigkeiten, besonders für Machine Learning und Analytik auf der kombinierten SAP-/AWS-Plattform. Diese aggregiert Daten aus der Lieferkette, dem Vertrieb, der Wartung, der Herstellung und der Qualitätskontrolle, um Vorhersagen hinsichtlich der Kundenzufriedenheit, des Firmenwachstums und der Lagerhaltung treffen zu können. „Mit dem Einsatz von KI in der Anwendung 'Quality Intelligence' haben wir bereits zwei Millionen Euro pro Jahr einsparen können“, so Kulacz in ihrer Präsentation.

AWS im deutschen Markt

„AWS hat gemäß den Berechnungen von PAC in Deutschland einen Marktanteil von rund 30 Prozent“, berichtet Karsten Leclerque, Analyst bei der Unternehmensberatung PAC. „Das betrifft den deutschen Markt für Public IaaS und PaaS.“ Dieser Markt umfasse aber auch PaaS-Teile der SaaS-Anbieter Salesforce und SAP. „Wir sehen AWS in anderen europäischen Ländern vergleichbar positioniert.“ In Großbritannien und den Niederlanden sei der Anteil noch höher. „Wir sehen generell eine besonders starke Präsenz von AWS in der Industrie, sowie bei Dienstleistungen, Medien, Unterhaltung, Startups und nicht zuletzt in der IT-Dienstleistungsbranche selbst.“

AWS reagiere auf den Wunsch der Kunden nach Angeboten, die Antworten bieten auf die vielfältigen speziellen Bedarfe hinsichtlich Latenzen oder Datenhaltung. „Gleichzeitig möchten Kunden von der Innovationskraft profitieren, die auf den Erfahrungen, Anforderungen und Visionen des Amazon-Konzerns selbst, aber auch tausender weiterer Kunden fußen“, so der Analyst.

Leclerque sieht ähnliche Hindernisse wie die im Auftrag von AWS durch Coleman Parkes durchgeführte Umfrage. „Der Mittelstand ist zum einen nach wie vor konservativ, zum anderen nicht im selben Maße in der Lage, mit begrenzten Ressourcen von möglichen Innovationen zu profitieren, wie es große Unternehmen können. „So fehlen einerseits der Zugriff auf große Datenmengen, um KI zu trainieren, zum anderen Spezialisten für Cloud-Technologien.“

Was die Kunden von AWS erwarten, weiß Leclerque ebenfalls: „Eine Herausforderung wird es für AWS sicherlich sein, noch weiter das Vertrauen auf C-Level bei Großkunden auszubauen, um als langfristiger IT-Partner gesehen zu werden – ohne dass gleichzeitig die bisher so erfolgreiche Positionierung als ‚bester Freund der Entwickler, mit einem coolen Image‘ Schaden nimmt.“ Und mit breiter werdendem Portfolio von AWS, etwa in Richtung Anwendungen und vertikaler Lösungen (Lookout usw.), aber auch des Amazon-Konzerns insgesamt, dürften sich zunehmend potenzielle Wettbewerbssituationen mit Kunden und Partnern entwickeln. „Hier gilt es, die richtige Balance und Positionierung zu finden“, rät der Analyst.

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