Cloud-Mix im Mittelstand

Flexibilität für die Digitalisierung

| Autor / Redakteur: Marc Sundermann * / Florian Karlstetter

Die Digitalisierungs-Bestrebungen der Unternehmen verlangen nach flexiblen IT-Strukturen.
Die Digitalisierungs-Bestrebungen der Unternehmen verlangen nach flexiblen IT-Strukturen. (Bild: gemeinfrei (PIRO4D / pixabay) / CC0)

Mittelständische Unternehmen setzen verstärkt auf Cloud Computing. Aus gutem Grund, denn die Digitalisierungs-Bestrebungen der Unternehmen verlangen nach flexiblen IT-Strukturen. Zudem ist der Markt erwachsen geworden und bietet jetzt geeignete Modelle für den jeweils richtigen Cloud-Mix.

Lange Zeit waren die mittelständischen Unternehmen beim Thema Cloud Computing zurückhaltend. Die Vorteile wurden zwar erkannt, viele potenzielle Anwender scheuten jedoch vor der Umsetzung zurück. Verunsicherung machte sich auch durch zweifelhafte Angebote breit, denn es war längst nicht überall „Cloud“ drin, wo „Cloud“ drauf stand. Manche Anbieter machten es sich sehr leicht und begnügten sich beispielsweise damit, das Cloud-Label auf ihre alten Outsourcing-Angebote zu kleben – typische Cloud-Merkmale wie einfache Skalierbarkeit oder nutzungsbezogene Abrechnung waren jedoch gar nicht vorhanden. Auch Versuche, die interessierten Unternehmen in Alles-oder-Nichts-Situationen zu drängen und zu erwarten, dass sie ihre komplette IT einem bestimmten Cloud-Applikations-Modell unterordnen, erwiesen sich als nicht hilfreich.

Die gereifte Cloud

Die „wilde“ Phase der Cloud-Adaption ist mittlerweile eindeutig vorbei. Der Cloud-Computing-Markt ist erwachsen geworden, und wenn Unternehmen jetzt auf Cloud Computing setzen, müssen sie nicht mehr befürchten, zu den „Early Adoptern“ zu gehören, die Kinderkrankheiten ausbaden müssen. Heute sind ausgereifte Lösungen verfügbar, in die langjährige Erfahrungen bei der Implementierung und dem Betrieb von Cloud-Strukturen geflossen sind.

So hat sich die Sicht auf die Cloud nahezu komplett gedreht: Es gibt heute keinen CIO mehr, der sich nicht mit der Cloud und ihren Möglichkeiten beschäftigt, und mittelständische Unternehmen öffnen sich mehr und mehr dem Cloud Computing. Sie wissen, dass sie nicht umhin kommen, ihre bisherigen IT-Strukturen neu auszurichten: Sie geben die herkömmlichen unflexiblen Inhouse-Systeme auf und betreiben ihre Geschäftsanwendungen stattdessen in der Cloud. Damit haben sich die alten Bedenken zum Teil sogar in ihr Gegenteil verkehrt, denn viele mittelständische Unternehmen planen gerade deshalb mit der Cloud, weil sie ihre IT in eigener Regie nicht so sicher und hochverfügbar betreiben können, wie dies ein spezialisierter Cloud-Anbieter kann.

Cloud Computing und Digitalisierung

Ein wesentlicher Faktor dieser Entwicklung ist der allgemeine Trend der Digitalisierung. Alle Unternehmen, auch der Mittelstand, haben erkannt, dass sie ihre Prozesse digitalisieren, also neu strukturieren und vernetzen müssen. Aber welche konkreten Folgen das für diese Prozesse und im Weiteren auch für ihr Geschäftsmodell hat, ist noch weitgehend offen. Natürlich kann Cloud Computing nicht alle Fragen lösen, die im Rahmen der Digitalen Transformation aufgeworfen werden, aber es schafft die technologische Grundlage für die Lösung der anstehenden Aufgaben. Die Cloud bricht die herkömmlichen starren IT-Strukturen auf und flexibilisiert sie, so dass die Unternehmen einen Freiraum erhalten, in dem sie ihre Unternehmensprozesse, aber auch ihr gesamtes Geschäftsmodell schnell an aktuelle Herausforderungen anpassen können.

Dabei verliert aber auch ein wesentlicher Ansatz bisheriger IT-Sicherheits-Konzepte, die eigene IT-Landschaft durch Abschirmung von der Außenwelt zu sichern, an Geltung. Heute muss eine IT-Umgebung so ausgelegt sein, dass Unternehmen zeitnah auf neue Marktsituationen reagieren können. Die IT muss es Unternehmen dabei ermöglichen, mit Geschäftspartnern reibungslos und unabhängig von Standorten zu kommunizieren; Unternehmensübergreifende Prozesse sind in der digitalen Welt unverzichtbar. Derartige Anforderungen werden die IT-Landschaft mittelständischer Unternehmen in den nächsten Jahren nachhaltig verändern, und in vielen Fällen lassen sie sich besser mit der Cloud lösen.

Es hat sich mittlerweile bei den Unternehmen auch herumgesprochen, dass ein standardisiertes Betriebsmodell der IT, wie es die Cloud bietet, keineswegs im Widerspruch zu individuellen Anforderungen steht. Gerade im Mittelstand gehören spezifische Anforderungen ja oft zum Geschäftsmodell, weshalb hochindividualisierte, branchen- oder sogar unternehmensspezifische Applikationen trotz hoher Entwicklungs- und Betriebskosten lange Zeit als unverzichtbar galten. Nun zeigt sich immer wieder, dass potenzielle Anwender erstaunt sind, wie viele ihrer Anforderungen sich über standardisierte und virtualisierte IT-Instanzen auch in der Cloud abbilden lassen. Trotzdem können individuelle Applikationen, die Unternehmen in eigenen Rechenzentren betreiben, natürlich ihrerseits in eine Cloud-Landschaft eingebunden werden. Durch die Verbindung von Standardisierung und Individualisierung profitieren Unternehmen zum einen von den geringeren Kosten der automatisierten Services, zum andern können sie aber weiterhin dabei ihre bewährten Applikationen nutzen.

Noch mehr Flexibilität durch Multi-Cloud

Bei der Anpassung an spezifische Anforderungen spielen auch Multi-Cloud-Ansätze, wie sie beispielsweise die Pure Enterprise Cloud von QSC verfolgt, eine große Rolle. Dabei werden Public-Cloud-Strukturen – durchaus auch von verschiedenen Anbietern – in die IT-Umgebung der Anwender eingebunden. An welcher Stelle die Prozesse dann konkret angesiedelt werden, entscheidet sich im Einzelfall daran, wo die geforderte Leistung, beispielsweise hinsichtlich Performance und Verfügbarkeit bereitgestellt werden kann. Nicht zuletzt sind dafür aber auch Aspekte des Datenschutzes wichtig, zum Beispiel wenn es um personenbezogene Informationen geht, die nach deutschem Recht bekanntlich nicht in beliebigen Konfigurationen verarbeitet werden dürfen.

Marc Sundermann, Leiter Business Development Multi Cloud bei der QSC AG.
Marc Sundermann, Leiter Business Development Multi Cloud bei der QSC AG. (Bild: QSC)

Auf diese Weise kann der Multi-Cloud-Ansatz bei der Bereitstellung von IT-Services die jeweils am besten geeignete Sourcing-Strategie wählen. Gerade mittelständische Unternehmen verfügen selten über die Ressourcen, die für das Management von komplexen, heterogenen Cloud-Architekturen erforderlich sind. Hier ist dann die Zusammenarbeit mit einem Cloud-Partner unerlässlich, der in der Lage ist, solche Architekturen konsistent zu implementieren und zu steuern. Er muss dann sicherstellen, dass die diversen Komponenten einer solchen Cloud-Landschaft reibungslos ineinandergreifen.

Die große Nachfrage nach Cloud-Lösungen und ein gereifter Markt haben dazu geführt, dass sich der gegenwärtige Stand der "Cloudifizierung" heute deutlich von dem der Anfangsphase der Cloud unterscheidet. Große Unternehmen und Konzerne setzen schon länger mehrheitlich auf spezialisierte IT-Anbieter und haben zusätzlich häufig eigene Cloud-Strukturen aufgebaut. Auch kleinere Unternehmen und die Startups, die den Vorteil haben, auf der „grünen Wiese“ starten zu können, sind für das Konzept des Cloud Computing offen, sie greifen beispielsweise verstärkt auf Software-as-a-Service-Applikationen zurück.

Aufgrund ihrer beschränkten Ressourcen haben sie meist auch keine Alternative, wenn sie technologisch auf dem Stand der Zeit bleiben wollen. Neu ist, dass nun auch der Mittelstand sich auf breiter Front in Richtung Cloud Computing bewegt. Industrie 4.0 und Digitalisierung erfordern neue Geschäftsprozesse und ermöglichen neuartige Geschäftsmodelle, und dafür bietet die Cloud eine ideale Voraussetzung. Sie schafft die Flexibilität bei Einsatz von IT-Ressourcen, die mittelständische Unternehmen benötigen, und die sie auf diesem technischen Niveau und mit dieser Effizient letzten Endes nur aus der Cloud bekommen.

* Marc Sundermann, Leiter Business Development Multi Cloud, QSC AG

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