Künstliche Intelligenz aus der Cloud

Ein Überblick über die Watson-Apps von IBM

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Künstliche Intelligenz per App: Mittlerweile gibt es bereits ein ganzes Sammelsurium an Watson Apps von IBM.
Künstliche Intelligenz per App: Mittlerweile gibt es bereits ein ganzes Sammelsurium an Watson Apps von IBM. (Bild: © Photocreo Bednarek - Fotolia.com)

Eine der spannendsten Entwicklungen in Sachen IT ist derzeit der Trend hin zur künstlichen Intelligenz. Kognitive Fähigkeiten, bereitgestellt über die Cloud, versprechen, unser aller Leben besser zu machen. Aber welche Anwendungen stehen dem interessierten Nutzer heute tatsächlich schon zur Verfügung? Wir geben Ihnen einen Überblick.

Watson-Apps: Ein Überblick. Sprechen wir von kognitiven Funktionen, so sprechen wir von Watson. Der IBM-Supercomputer ist in der Lage, eine immer größer werdende Flut von Informationen zu analysieren und daraus Muster und Kausalitäten abzuleiten, um so dem Menschen Handlungsempfehlungen zu geben. Dies birgt enormes Potenzial – und die Palette der über die Cloud angebotenen Watson-Apps ist mittlerweile breit. Sie ist gegliedert in die Bereiche Cloud, Cognitive, Data & Analytics, Mobile, Security, IT-Infrastructure sowie Enterprise & Business Solutions. Potenzielle App-Entwickler erhalten in diversen Online-Kursen zudem Inspirationen für neue Kreationen.

Oft sind die Anwendungen auch überraschend raffiniert, denn Watson bringt Aspekte ins Spiel, an die man früher noch gar nicht gedacht hat. Das Start-up Benchmark etwa hat eine App entwickelt, die Restaurantbetreibern und Imbiss-Ketten mitteilt, wo sich eine Filiale lohnt – und wo nicht. Dafür greift Watson auf einen großen Pool an Informationen zur fraglichen Gegend, zu der dortigen Performance früherer Lokale und den Kundenbewertungen etc. zurück. Zu den Kunden des Start-ups zählt übrigens auch Hofbräu, der Betreiber des bekannten Münchner Hofbräuhauses, wie im Video zu sehen.

Watson kennt sich aber nicht nur mit Bier aus, die Palette der Lifestyle-Apps ist breit: Sie reicht von Anregungen für den richtigen Cocktail über Modetipps bis hin zu Gesundheitsratgebern jeglicher Art. Dass sich so viele Anwendungen aus diesem Bereich finden, ist kein Wunder, hat IBM doch erst vor einem Jahr den Geschäftsbereich IBM Watson Health ins Leben gerufen, der explizit kognitive Fähigkeiten nutzen soll, um das menschliche Leben ganz unmittelbar zu verbessern. Auch finden sich bereits diverse sehr ernsthaften Business-Anwendungen etwa für Marketiers, Designer oder auch Studenten. Spannend ist auch eine kognitive App für die Partnervermittlung: Wenn es nicht so klappt mit der besseren Hälfte, dann kann Watson zumindest mit guten Ratschlägen aushelfen.

Für IT-Fachleute dürfte eine App besonders interessant sein, die das Start-up Sparkcognition entwickelt hat. Sparksecure nutzt die kognitiven Fähigkeiten von Watson, um ausgeklügelte Cyberangriffe auf Unternehmensnetze aufzudecken. Wenn das Schule macht, haben Hacker und Online-Gangster bald deutlich weniger zu lachen.

IBM hat seine Zukunft mit Cognitive Computing im Allgemeinen und Watson Analytics im Besonderen verknüpft. CEO Virginia Rometty hatte Ende vergangenen Jahres in einer Podiumsdiskussion beim Gartner-Symposium in Orlando, Florida, gesagt, sie hoffe, die erste Nutzererfahrung, die Anwender mit IBM-Produkten machten, sei in Zukunft die mit der "denkenden" und "lernenden" Watson-Technologie. In Form von Apps ist das heute durchaus schon möglich.

Bessere Vorhersagen

Mit SPSS hat IBM vor einigen Jahren ein ausgeklügeltes Tool für Predictive Analytics eingekauft. Die kognitiven Eigenschaften von Watson machen es noch besser, zum Beispiel in Form von IBM SPSS Amos. Die App testet mithilfe der Strukturgleichungsmodellierung Hypothesen zu komplexen Variablenbeziehungen und gewinnt so neue Erkenntnisse. Pfaddiagramme von Analysen können in der App mittels Zeichen-Tools erstellt werden, statt Gleichungen zu schreiben oder Befehle einzugeben. Die App umfasst zudem Explorationsverfahren, zum Beispiel die Suche nach Spezifikationen von Strukturgleichungsmodellen, die bei der Auswahl eines Modells aus einer großen Zahl in Frage kommender Modelle unterstützen. SPSS Amos dient aber vor allem dazu, Einstellungs- und Verhaltensmodelle zu erstellen, die komplexe Beziehungen abbilden.

Eine weitere SPSS-Erweiterungs-App ist SPSS Statistics. Die Anwendung deckt Planung, Datenerfassung, Analyse und Berichterstellung der statistischen Analyse ab und ermöglicht so bessere Entscheidungen. Aus mehr als einem Dutzend voll integrierter Module können spezialisierte Funktionen für eine verbesserte Betriebswirtschaft ausgewählt werden. Dafür stehen unter anderem Programmieroptionen wie Befehlssyntax und externe Programmiersprachen wie R, Python und andere zur Verfügung. Konfidenzintervalle werden durch präsentationsfertige Berichte, Visualisierungen und georäumliche Analysen verbessert.

Das alles wird getoppt von der IBM SPSS Modeler-App. Die vergleichsweise exklusive, da sündteure Anwendung ist eine Predictive-Analytics-Plattform, die Einzelpersonen, Gruppen, Systemen und Unternehmen Entscheidungen auf der Basis von Vorhersagen erlaubt. Sie extrahiert Wissen aus strukturierten und unstrukturierten Daten in Dateien, relationalen Datenbanken, Hadoop-Distributionen und mehr. Sie kann Daten in einem visuellen, intuitiven Ablauf kombinieren, transformieren und für die Analyse aufbereiten.

Dafür hält sie eine breite Palette an Analysefunktionen vorrätig, darunter maschinelles Lernen, automatische Modellierung, Ensemble-Modellierung, Simulation, georäumliche Analyse und Big-Data-Algorithmen. Scripting-Sprachen wie Python und R können zur Erweiterung nativer Funktionen herangezogen werden. Mit R können Anwender neue Features und Funktionen für Business-Analysten erstellen und die kostenlosen Erweiterungen der IBM Predictive Analytics Community verwenden.

Watson für die Personalabteilung

Nicht nur Märkte und Statistiken lassen sich mit Watson gut analysieren, auch Menschen können genauer unter die Lupe genommen werden: Mit der Personality Insights-Lösung für HR können Personalabteilungen auf Basis von IBM Watson Analytics beliebige Personaldaten genauer zu untersuchen. Es können ganz einfach Fragen eingegeben werden, um die Auswirkungen von Personalentscheidungen besser zu verstehen und zu prognostizieren. Verantwortliche können also ganz einfach fragen: „Würde dieser Bewerber in unser Team passen?“ oder „Hat dieser Bewerber die Persönlichkeit für einen Führungsjob?“

Die Lösung nutzt transaktionsorientierte Daten und Social-Media-Daten, um psychologische Charaktermerkmale zu identifizieren, die Absichten, Verhaltensmuster und auch Kaufentscheidungen bestimmen. Seine Fähigkeiten hat Personality Insight entsprechend bereits in den Bereichen Online-Marketing und E-Commerce unter Beweis gestellt, nun soll es auch in HR-Abteilungen zum Einsatz kommen.

Sie können die Anwendung ebenfalls testen, und zwar jetzt sofort: Auf dieser Webseite von Personality Insights lässt sich eigenhändig ein Text eingeben, den Watson dann für eine detaillierte Persönlichkeitsanalyse des Verfassers nutzt. Ziemlich spannend, versuchen Sie es selbst. Der Text muss aktuell allerdings noch in Englisch verfasst sein. IBM Personality Insights wird übrigens über die Bluemix-Plattform bereit gestellt, ein Marktplatz für Cloud-Services aller Art.

Collaboration mit Cisco

Noch gibt es keine greifbaren Ergebnisse, aber eine angekündigte Zusammenarbeit von IBM mit Cisco lässt aufhorchen. Vor kurzem kam man darüber überein, die kognitiven Funktionen von Watson in die Kollaborationslösungen von Cisco zu integrieren.

Konkret sollen Cisco Spark, das für die Kommunikation innerhalb von Teams vorgesehen ist, sowie Cisco WebEx für Online-Meetings und Videokonferenzen mit IBMs Cloud-Kollaborationslösungen, darunter Verse und Connections, verbunden werden. Von Watson kommen Analytics-Funktionen und die Fähigkeit zu lernen. Als Ergebnis sollen neue, umfassende Collaboration-Apps entstehen, die dann über die Cloud angeboten werden.

Wichtig und nützlich für die Anwender ist auch, dass alle genannten Werkzeuge von IBM und Cisco künftig dazu in der Lage sein sollen, nahtlos miteinander zu interagieren. Die neuen, Watson-befeuerten Lösungen sollen über das Partner-Ökosystem vertrieben werden. Als Beispiel nannten beide Unternehmen ein Tool, mit dem sich ein Finanzberater mit einem potentiellen Investor per Video kurzschließen kann, wobei ihnen Watson Beispiele für gute Investments nennt und Vorschläge für die Umsetzung macht. Dafür nötige Dokumente und Dateien würden hochsicher in IBM Connections gespeichert und über Ciscos WebEx geteilt.

„Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die heute angebotenen Collaboration-Tools oft so mit Funktionen überfrachtet sind, dass sie das Leben und Arbeiten der Anwender eher erschweren denn erleichtern“, so Inhi Cho, General Manager bei IBM Collaboration Solutions. „Durch die Hereinnahme von Analytics und kognitiven Technologien können wir davon ausgehen, dass die Lösungen selber lernen, was wichtig ist – und was nicht. So können sie dem Anwender am besten dienen.“

Cloud-Angebote sehr IBM-spezifisch

Die Watson-powered Apps für die Cloud sind übrigens sehr IBM-spezifisch und binden in der Regel IBM BlueMix und / oder SoftLayer mit ein. Egal ob Ruby oder Java eingesetzt wird – BlueMix bietet eine Umgebung, die die Entwicklung von Projekten as-a-Service ermöglicht. SoftLayer bietet deutschen Unternehmen eine Cloud-Infrastruktur, die es den Kunden erlaubt, ihre in die Cloud verlagerten IT-Aufgaben und Daten datenschutzkonform abzubilden.

Welche der mittlerweile vielen Apps zu Ihrem Business passt, müssen Sie noch selbst entscheiden. Die Auswahl ist jedenfalls riesengroß, für viele Produkte gibt es kostenlose Testversionen und / oder Erklär-Videos. Viel Spaß beim Ausprobieren. Schildern Sie uns doch Ihre Erfahrungen mit den künstlich-intelligenten Apps!

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