CNCF: „Wir machen die nächste Technologie-Generation“

Die Cloud Native Computing Foundation im Fokus

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Florian Karlstetter

Interview mit Dan Kohn, dem Vorsitzenden der Cloud Native Computing Foundation (CNCF).
Interview mit Dan Kohn, dem Vorsitzenden der Cloud Native Computing Foundation (CNCF). (Bild: CNCF)

Unter dem Dach der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) besteht ein weiterer Kreis von Open-Source-Projekten, die auf offenes Cloud Computing zielen. Mit dem Vorsitzenden der Organisation, Dan Kohn, sprach Autor Ludger Schmitz über das Profil und die Ziele der Organisation.

Die CNCF besteht jetzt etwas mehr als drei Jahre. Wie hat sich die CNCF seither entwickelt?

Dan Kohn: Als wir starteten, hatten wir rund 20 Mitglieder, darunter zwei der größten Public-Cloud-Anbieter. Heute sind es 322 Mitglieder. Kubernetes war unser erstes.

Heute haben wir drei reife Projekte – das sind Kubernetes, Prometheus und Envo – und 17 in der Inkubationsphase. Außerdem sind zwölf so genannte „Sandbox“-Projekte in ihrer ersten Entstehungsphase. Auf unserem ersten öffentlichen Event hatte wir gut 500 Besucher, im Dezember letzten Jahres in Seattle waren es 7.500.

Was betrachten Sie als die wichtigsten Erfolge der CNCF?

Dan Kohn: Nach Linux ist Kubernetes inzwischen das zweitgrößte einzelne Open-Sorce-Projekt. Dass Tausende Entwickler aus Hunderten Unternehmen und dutzenden Ländern auf freier Basis an etwas zusammenarbeiten und den Entwicklungsweg ihres Produkts selbst bestimmen, ist grundsätzlich außergewöhnlich, in der heutigen Softwarewelt noch längst nicht selbstverständlich. Wir sind sehr angetan, die gut die Entwicklung läuft.

Und was sind für die CNCF dabei die größten Herausforderungen?

Dan Kohn: Mich überrascht, dass die Projekte niemals vor technischen Problemen stehen, wo ihnen gerade keine Lösung einfällt, weshalb sie das nächste Release verschieben müssen, oder derlei. Wenn es Probleme gibt, dann sind sie eher menschlicher Art, nämlich unterschiedliche Ansichten: Soll man etwas eher einfach machen oder mehr auf künftige Erweiterungen anlegen, technisch trickreich oder leicht zu supporten, ist diese oder jene Entwicklung wichtiger?

Was unterscheidet die CNCF von der anderen großen Open-Cloud-Organisation OpenStack?

Dan Kohn: OpenStack ist sehr erfolgreich in der Welt virtueller Maschinen und darin, das Cloud-Konzept in das Private Computing zu bringen. Bei der CNCF geht es um Cloud Native und Containerisierung als die nächste Generation von Technologie, die viel mehr Flexibilität und Effizienz bringt.

Aber beim OpenStack-Projekt gibt auch auch eine Menge in Sachen Container, Kubernetes ist da auch kein Tabu.

Dan Kohn: Ja natürlich. Der Unterschied ist: Die Software von der CNCF arbeitet gleichermaßen gut in Public, Private und Hybride Clouds. OpenStack ist mehr auf Private Clouds fokussiert. Jim Zemlin von der Linux Foundation hat daher unsere Software ‚Linux der Cloud‘ genannt. CNCF-Produkte verstehen sich als ein universeller Portabilitäts-Layer zwischen den verschiedenen Cloud-Modellen.

Führen überlappende Ziele zu Konflikten zwischen Projekten und Foundations?

Dan Kohn: Sicher gibt es hier und da Konflikte, aber nicht wirklich ernste. Es gibt eine Reihe Personen in den Leitungsgremien der CNCF, die in ebenso wichtigen Funktionen in der OpenStack Foundation sitzen. Es gibt eine Menge Kooperation, und Open Source macht es möglich.

So ist unser Produkt Helm ein tolles Tool, um Software auf einen Schlag auf diverse Umgebungen zu verteilen. Und es gibt ein Projekt OpenStack-Helm. Das ist für einige Anwender die einfachste Methode, zuerst Kubernetes einzurichten, um dann per Helm darauf OpenStack zu installieren.

Könnten überlappende Projekte nicht auf Anwenderseite Verwirrung stiften?

Dan Kohn: Möglich ist das. Die CNCF ist kritisiert worden für ihre Übersicht ‚The Cloud Native Landscape‘. Sie führt mehr als 500 Projekte und Produkte im Cloud-Native-Ecosystem auf, Open Source und Closed Source. Es gibt also Tausende Optionen. Auf der Vorderseite eines aktuelleren Dokuments gibt es den von uns empfohlenen Pfad, wir sagen nicht, dass es der einzige sei. Viele Organisationen mischen unsere und andere Projekte.

Droht nicht die Gefahr, dass sich Anwender von Open Source abschrecken lassen, weil sie nicht erkennen können, was sie am besten verwenden sollten, wie reif Produkte sind etc.?

Dan Kohn: Anwender stehen vor ganz unterschiedlichen Unklarheiten. Bloomberg ist so gut aufgestellt, dass sie vorzugsweise alles selbst machen, ohne sich an Anbieter zu binden. Auf der anderen Seite wird ein Startup ziemlich wahrscheinlich mit Google oder Amazon ganz zufrieden sein und dann mit deren empfohlenen Optionen, auch den proprietären, leben. Wenn es sich dabei das Kubernetes-Ecosystems zu Nutze macht, wird es nicht auf das Angebot eines Anbieters festgenagelt sein.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen CNCF-Projekten? Wie läuft die Organisation der Arbeit?

Dan Kohn: Das läuft definitiv nicht von oben nach unten. Die CNCF-Leitung sagt den Projekten nicht, dass wir dies oder jenes implementieren sollten. Wir müssen es nicht vorgeben. Denn es sind so viele Anwender in den Projekten, die dort ihre Anforderungen einbringen. Da entsteht eine natürliche Symbiose, ein natürliches Wachstum.

In welchen Punkten sollten sich die Projekte verbessern, um zu besseren Produkten zu kommen?

Dan Kohn: Die Projekte arbeiten daran, ihre Verbreitung bei den Anwendern zu verbessern. Das läuft von Seiten der technischen Entwicklung und hinsichtlich der Zusammenarbeit der Projekte gut. Die CNCF hilft ihnen, ihre Produkte auf dem Markt zu platzieren. Wir schreiben Blog-Beiträge, organisieren Anwenderberichte, ihre Web-Präsenz, Kongresse, Meetings und mehr.

Die CNCF liefert ihren Projekten also ein Set von Services, um sie nach außen sichtbarer zu machen. Unser Marketing soll dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit auf unsere Projekte aufmerksam wird. Das ist aber nicht alles: In erster Linie müssen die Projekte Produkte liefern, die echte Lösungen für wirkliche Schwierigkeiten realer Anwender sind.

Welche Rolle spielen die Anwenderunternehmen in der CNCF?

Dan Kohn: Von unseren 322 Mitgliedern sind 65 Anwenderunternehmen. Das sind zum Beispiel Bloomberg, Nasdaq, New York Times, Wikipedia, Github. Aus Europa sind es zum Beispiel Zalando, Amadeus, Adidas, Ricardo, la Mobilière. Und schließlich sind da noch die Non-Profit-Organisationen und akademischen Mitglieder wie die Wikimedia Foundation.

Haben die Anwender einen echten Einfluss auf das Geschehen in der CNCF?

Dan Kohn: Wir haben eine aktive End-User-Gemeinde. Es war eine wirklich klare Fokussierung schon bei der Gründung der CNCF, eine End-User-Community mit bedeutendem Einfluss zu haben. Daher haben wir ein Technical Oversight Committee mit neun Mitglieder, die Projekte in die CNCF aufnehmen oder ausschließen.

Eins der Mitglieder wird von der End-User-Community gewählt, sechs kommen aus unserem Governing Board, dass vor allem aus Herstellervertretern besteht. Und diese sieben bestimmen zwei weitere Vertreter. Ich will nicht behaupten, dass dieses System perfekt ist, aber es hat sich gezeigt, dass die Stimmen der Anwender deutlich Niederschlag finden. Wir versuchen, Hersteller-dominierte Entscheidungen zu verhindern.

Wie beurteilen Sie die Perspektiven der CNCF in einer IT-Welt mit fortwährenden Verschiebungen zwischen den Cloud-Formen.

Dan Kohn: Diese Verschiebungen sind in einigen Fällen spektakulär, insgesamt aber minimal. Ein sehr geringer Prozentsatz wechselt alljährlich von Private in Public Clouds und in die Gegenrichtung. Zugleich entstehen immer neue interessante Hosting-Modelle. Diese Verlagerungen sind für uns nicht so wichtig, weil Kubernetes und das ganze Cloud-Native-System gleichermaßen gut in Private und Public Clouds arbeiten.

Kubernetes hat 2018 das „Crossing the Chasm“, den entscheidenden Sprung von Early Adopters zu größerer Verbreitung, geschafft. Das heißt aber auch, dass es noch nicht allgemein verbreitet ist. Eine große Mehrheit der Anwender hat Container noch nicht eingeführt, oder arbeitet nicht in einer Form von Public oder Private Cloud. Also erwarte ich ganz sicher für unsere Produkte noch ein jahrelanges Wachstum.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45695682 / Verbände und Initiativen)